Spielzeug mit gutem Gewissen verschenken

Hohe EU-Sicherheits- und Qualitätsstandards sollen gesundheitsschädliche Risiken von Spielzeug ausschließen, das vor allem in Fernost produziert wird. Dennoch mussten 2016 in der EU 531 Spielsachen vom Markt genommen werden, da sie krebserregende Stoffe beinhalteten oder sonstige akute gesundheitliche Risiken für Kinder darstellten. Darüber hinaus zeigt ein aktueller Bericht menschenverachtende Arbeitsbedingungen in der gesamten Spielwarenindustrie auf. Aber woran kann man faires und sicheres Spielzeug erkennen?

Beispiel Barbie: Mattel kauft bei fragwürdigen Firmen 

Die Organisation China Labour Watch dokumentierte 2016 nach Recherchen in 4 chinesischen Zulieferbetrieben vom Spielzeughersteller Mattel, aber auch Hasbro, Disney, Hama und TOMY mit insgesamt rund 40.000 Beschäftigten, schwere Missstände: 

  • Die Arbeiter/-innen mussten für den chinesischen Minimallohn unzählige unbezahlte Überstunden leisten.
  • An 6 Tagen pro Woche mussten sie täglich 12 Stunden unter unfairen Vorgesetzten versuchen, ihr Überleben zu sichern.
  • Ihre Gesundheit ist aufgrund unzureichender Schutzkleidung stark gefährdet.
  • Zudem können die meisten von ihnen ihre Eltern und Kinder gerade einmal im Jahr besuchen. 

Krebserregendes Gift im Kinderspielzeug

Giftige Rückstände in Plastikspielzeug gefährden Kinder, die damit spielen. Vor allem Weichmacher (Phthalate), die sich durch Speichel aus dem Kunststoff lösen, haben langfristig gesundheitsschädliche Wirkung. Trotz des Verbotes werden Phthalate, aber auch andere krebserregende Schadstoffe, immer wieder in Kinderspielzeug nachgewiesen. 

  • Der VKI hat im Dezember 2017 29 Baby-Spielzeuge (Greiflinge, Schnullerketten, Wagenketten und -clips) von dm/babylove, Ikea, Haba, Ravensburger uvm. auf insgesamt 280 chemische Substanzen untersucht. In 6 davon sind im Test durchgefallen und hätten nicht einmal in den Handel kommen dürfen.

  • Auch Stiftung Warentest untersuchte im Nov. 2017 30 Baby­spielzeuge, wie Greiflinge, Schnullerketten und Kinder­wagenketten. Die Spielwaren waren aus Holz, Kunststoffen, Textilien oder einer Kombination dieser Materialien. Das Ergebnis: 3 Produkte sind sehr gut, 20 gut und 4 mangelhaft im Test.

  • Auch Stoffpuppen zeigten in der Praxisprüfung von Ökotest ihr wahres Gesicht: Einige Stoffpuppen haben sich als unsicher oder unsorgfältig verarbeitet erwiesen. Andere machen vor, wie gutes Spielzeug für kleine Kinder geht. Nur 3 von 20 Puppen können laut Ökotest (Deutschland) in einer Untersuchung vom Dezember 2015 empfohlen werden. 

  •  Kuscheltiere: Zwei Drittel fallen durch den Sicher­heits- und Schad­stoff­test von Stiftung Warentest durch. In 19 von 30 untersuchten Kuscheltieren wies Stiftung Warentest (Deutschland) in einer Untersuchung vom November 2015 die krebserzeugenden polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe, kurz PAK, nach.

Es geht auch ohne Gift

Als unbedenklich gilt Spielzeug aus den Hartkunststoffen Polyethylen und Polypropylen, zu erkennen an den Kürzel PE und PP. Auch die Hartkunststoffprodukte der Hersteller Lego und Playmobil waren im Test frei von Giftstoffen.

Ökologisches Spielzeug „Made in Austria“

Das traditionsreiche Unternehmen Matador aus Waidhofen an der Thaya produziert seit 1903 Baukästen aus Holzklötzen und Stäben, die aus nachhaltig bewirtschafteten heimischen Wäldern stammen. Bewusst wird seitens des Spielzeugmachers Matador auf gesundheitsschädliche Farben und Lacken sowie die Verwendung von Plastik verzichtet. 

Gütesiegel für sicheres Spielzeug

 
Gütesiegel © -, Zentralstelle der Länder für Sicherheitstechnik 2014
Gütesiegel "geprüfte Sicherheit"
Eltern sollten Spielzeug mit dem GS-Zeichen "geprüfte Sicherheit" bevorzugen. Es wird für die unabhängige, externe Prüfung der Sicherheit des Spielzeugs vergeben.
 
Warnhinweis "Nicht geeignet für Kinder unter 3 Jahren" © -, -
Warnhinweis "Nicht geeignet für Kinder unter 3 Jahren"
Achten Sie auf den Warnhinweis „Nicht geeignet für Kinder unter 3 Jahren“. Spielsachen für Kleinkinder müssen strengere Bestimmungen erfüllen: speichelechte Farben, bruchfest, keine Kleinteile, die verschluckt werden könnten. Spielzeug, das diese Anforderungen nicht erfüllt, trägt den Warnhinweis.
 
Gütesiegel © -, Arbeitsausschuss Kinderspiel und Spielzeug e. V.
Gütesiegel "spiel gut"
Das „spiel gut" Gütesiegel kennzeichnet pädagogisch sinnvolles Spielzeug, das von Fachleuten getestet und gemeinsam mit Kindern erprobt wurde. Bewertet werden dabei auch das verwendete Material, die Langlebigkeit, die Wiederverwendbarkeit, die Umweltverträglichkeit und die Einhaltung der EU-Sicherheitsnormen. Spielsachen aus PVC werden nicht zertifiziert, da PVC ein sehr umstrittener Kunststoff ist.

Keine Garantie für gutes Spielzeug

 
CE-Kennzeichnung © -, Europäische Union, Richtlinie 2009/48/EG
Mit einer CE-Kennzeichnung garantiert der Hersteller, dass das Produkt den aktuell geltenden europäischen Sicherheits-Richtlinien (Norm EN 71) entspricht. Es besteht allerdings keine Verpflichtung, die Einhaltung der Kriterien extern prüfen zu lassen, weshalb das Kennzeichen keine Garantie für gutes Spielzeug ist.

Kein Gütesiegel für faires Spielzeug

Logo fair spielt © -, Werkstatt Ökonomie e.V.
 
Ein Gütesiegel für faire Produktionsbedingungen für Spielsachen gibt es nicht. Dennoch bekennen sich immer mehr Spielzeughersteller zur Einhaltung  des Verhaltenskodex des Weltverbandes der Spielzeugindustrie ICTI (International Council of Toy Industries). Dieser regelt die Einhaltung von Mindestarbeits- und  Sozialstandards. Die Aktion „fair spielt“ veröffentlicht welche Unternehmen sich zu ICTI bekennen (Zu www.fair-spielt.de).

In der praktischen Umsetzung des Kodex gibt es allerdings noch deutlichen Nachbesserungsbedarf. Um glaubwürdig zu sein bedarf es unter anderem mehr unangekündigter Fabrikkontrollen, die Einbeziehung der gesamten Lieferkette von Spielzeugfirmen und mehr Beteiligung branchenunabhängiger Personen, insbesondere mehr Gewerkschafts- und NGO-Vertreter/-innen in den Steuerungsgremien des ICTI CARE-Prozesses.

Tipps für Ihren Einkauf

GütesiegelAchten Sie auf Prüfsiegel, die die Sicherheit von Spielsachen garantieren.
RiechtestPrüfen Sie mit allen Sinnen. Schnuppern, reiben, ziehen und wackeln Sie am Spielzeug: Spielzeug mit starkem, „typischen“ Plastikgeruch sollten gemieden werden.
DuftstoffeFragen Sie sich, ob Sie Duftstoffe für Ihr Kind möchten. Möglicherweise können sie Allergien auslösen oder unangenehme Materialgerüche überdecken.
KunststoffspielzeugBevorzugen Sie Spielzeug aus hartem Kunststoff, etwa aus Polypropylen (PP) oder Polyethylen (PE). PVC erkennen Sie am Recyclingdreieck mit der Ziffer 03 und der Kennzeichnung PVC.
Holzspielzeug Greifen Sie zu Spielzeug aus unlackiertem Vollholz. Die Schadstoffe befinden sich oft im Lack. Sperrholz und Spanplatten können zudem formaldehydhaltige Bindemittel enthalten. Empfehlenswert ist Holzspielzeug, das mit biologischen Ölen oder Bienenwachs behandelt wurde.
InformierenNehmen Sie sich Zeit und informieren Sie sich vor dem Kauf, zum Beispiel durch unabhängige Produkttests.

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