Spielzeug mit gutem Gewissen verschenken

Hohe EU-Sicherheits- und Qualitätsstandards sollen gesundheitsschädliche Risiken von Spielzeug ausschließen, das vor allem in Fernost produziert wird. Dennoch mussten 2017 in der EU 638 Spielsachen vom Markt genommen werden, da sie krebserregende Stoffe beinhalteten oder sonstige akute gesundheitliche Risiken für Kinder darstellten. Darüber hinaus zeigt ein aktueller Bericht menschenverachtende Arbeitsbedingungen in der gesamten Spielwarenindustrie auf. Aber woran kann man faires und sicheres Spielzeug erkennen?

Des einen Freud, des anderen Leid

Die Nichtregierungsorganisation China Labour Watch dokumentierte 2017 erneut schwere Missstände in der Spielzeugindustrie nach Recherchen in 4 chinesischen Zulieferbetrieben von Spielzeughersteller wie Mattel, Hasbro, TOMY, Hama, Disney, Walmart, Target, Big Lots, Costco, Bandai, Infantino, Zoli, Combi, Lanvin und andere.

Viele dieser Unternehmen haben Verhaltenskodexe etabliert und versprechen, die Arbeitsrechte einzuhalten. Gemäss den Recherchen von China Labour Watch verletzen ihre Zulieferfirmen jedoch die Rechte ihrer Arbeiter/-innen in krasser Weise. Interviews mit rund 400 Arbeiter/-innen haben in den 4 Spielzeugfabriken Verstösse gegen chinesisches Arbeitsrecht zutage gefördert:

  • Exzessive Überstunden
    In den 4 inspizierten Fabriken werden monatlich regelmässig 80 Stunden Überstunden geleistet, zum Teil sogar bis zu 140 Stunden. Erlaubt sind laut chinesischem Arbeitsrecht eine maximale Wochenarbeitszeit von 44 Stunden.  Bei Bedarf dürfen die Arbeitgebenden monatlich maximal 36 Stunden Überstunden verlangen. Die Arbeiter/-innen mussten täglich 12 Stunden unter unfairen Vorgesetzten versuchen, ihr Überleben zu sichern.

  • Mangelnder Schutz vor gefährlichen Chemikalien
    Die Arbeiter/-innen waren ohne Schutzausrüstung giftigen Chemikalien ausgesetzt, obwohl das chinesische Gesetz zu Gesundheitsschutz und Sicherheit am Arbeitsplatz adäquateSchutzmaßnahmen vorschreibt.

  • Keine funktionierende Arbeiter/-innenvertretung
    In keiner der 4 Fabriken war eine Gewerkschaft aktiv.

  • Unwürdige Unterkünfte
    Die von den Fabriken zur Verfügung gestellten Unterkünfte spotten jeder Beschreibung: 8 oder mehr Personen werden in kleine Schlafsäle gepfercht, wo sie im Sommer unerträglicher Hitze ausgesetzt sind. Zudem müssen sich 10 oder mehr Personen eine stinkende, völlig verdreckte Toilette teilen.

  • Mangelnde Sicherheit
    Das chinesische Gesetz zu Gesundheitsschutz und Sicherheit am Arbeitsplatz verlangt frei zugängliche Notausgänge in allen Produktionsbereichen und den Unterkünften. Allerdings versperren herumstehende Warenstapel den Weg und die Notausgänge.

Krebserregendes Gift im Kinderspielzeug

Giftige Rückstände in Plastikspielzeug gefährden Kinder, die damit spielen. Vor allem Weichmacher (Phthalate), die sich durch Speichel aus dem Kunststoff lösen, haben langfristig gesundheitsschädliche Wirkung. Trotz des Verbotes werden Phthalate, aber auch andere krebserregende Schadstoffe, immer wieder in Kinderspielzeug nachgewiesen.

Es geht auch ohne Gift

Als unbedenklich gilt Spielzeug aus den Hartkunststoffen Polyethylen und Polypropylen, zu erkennen an den Kürzel PE und PP. Auch die Hartkunststoffprodukte der Hersteller Lego und Playmobil waren im Test frei von Giftstoffen.

Ökologisches Spielzeug „Made in Austria“

Das traditionsreiche Unternehmen Matador aus Waidhofen an der Thaya produziert seit 1903 Baukästen aus Holzklötzen und Stäben, die aus nachhaltig bewirtschafteten heimischen Wäldern stammen. Bewusst wird seitens des Spielzeugmachers Matador auf gesundheitsschädliche Farben und Lacken sowie die Verwendung von Plastik verzichtet.

Gütesiegel für sicheres Spielzeug

 
Gütesiegel © -, Zentralstelle der Länder für Sicherheitstechnik 2014
Gütesiegel "geprüfte Sicherheit"
Eltern sollten Spielzeug mit dem GS-Zeichen "geprüfte Sicherheit" bevorzugen. Es wird für die unabhängige, externe Prüfung der Sicherheit des Spielzeugs vergeben.
 
Warnhinweis "Nicht geeignet für Kinder unter 3 Jahren" © -, -
Warnhinweis "Nicht geeignet für Kinder unter 3 Jahren"
Achten Sie auf den Warnhinweis „Nicht geeignet für Kinder unter 3 Jahren“. Spielsachen für Kleinkinder müssen strengere Bestimmungen erfüllen: speichelechte Farben, bruchfest, keine Kleinteile, die verschluckt werden könnten. Spielzeug, das diese Anforderungen nicht erfüllt, trägt den Warnhinweis.
 
Gütesiegel © -, Arbeitsausschuss Kinderspiel und Spielzeug e. V.
Gütesiegel "spiel gut"
Das „spiel gut" Gütesiegel kennzeichnet pädagogisch sinnvolles Spielzeug, das von Fachleuten getestet und gemeinsam mit Kindern erprobt wurde. Bewertet werden dabei auch das verwendete Material, die Langlebigkeit, die Wiederverwendbarkeit, die Umweltverträglichkeit und die Einhaltung der EU-Sicherheitsnormen. Spielsachen aus PVC werden nicht zertifiziert, da PVC ein sehr umstrittener Kunststoff ist.

Keine Garantie für gutes Spielzeug

 
CE-Kennzeichnung © -, Europäische Union, Richtlinie 2009/48/EG
Mit einer CE-Kennzeichnung garantiert der Hersteller, dass das Produkt den aktuell geltenden europäischen Sicherheits-Richtlinien (Norm EN 71) entspricht. Es besteht allerdings keine Verpflichtung, die Einhaltung der Kriterien extern prüfen zu lassen, weshalb das Kennzeichen keine Garantie für gutes Spielzeug ist.

Kein Gütesiegel für faires Spielzeug

Ein Gütesiegel für faire Produktionsbedingungen für Spielsachen gibt es nicht. Dennoch bekennen sich vor allem große Spielzeughersteller im Rahmen des Ethical toy program zur Einhaltung eines Verhaltenskodex. Dieser soll die Einhaltung von Menschen- und Arbeitsrechten in der globalen Lieferkette sicherstellen. In der praktischen Umsetzung des Kodex gibt es allerdings noch deutlichen Nachbesserungsbedarf, etwa die Etablierung unangekündigter Fabrikkontrollen.

Eine aktuelle Studie zeigt auf, welche Stärken und Schwächen die sozialen Maßnahmen deutscher Spielzeugfirmen haben, die in China produzieren. Insbesondere stellt sie dar, ob und gegebenenfalls wie die Einhaltung ökologischer und vor allem sozialer Standards in Einkauf und Produktion deutscher Spielzeugunternehmen eingefordert, überprüft und nachgewiesen wird.

Tipps für Ihren Einkauf

GütesiegelAchten Sie auf Prüfsiegel, die die Sicherheit von Spielsachen garantieren.
RiechtestPrüfen Sie mit allen Sinnen. Schnuppern, reiben, ziehen und wackeln Sie am Spielzeug: Spielzeug mit starkem, „typischen“ Plastikgeruch sollten gemieden werden.
DuftstoffeFragen Sie sich, ob Sie Duftstoffe für Ihr Kind möchten. Möglicherweise können sie Allergien auslösen oder unangenehme Materialgerüche überdecken.
KunststoffspielzeugBevorzugen Sie Spielzeug aus hartem Kunststoff, etwa aus Polypropylen (PP) oder Polyethylen (PE). PVC erkennen Sie am Recyclingdreieck mit der Ziffer 03 und der Kennzeichnung PVC.
Holzspielzeug Greifen Sie zu Spielzeug aus unlackiertem Vollholz. Die Schadstoffe befinden sich oft im Lack. Sperrholz und Spanplatten können zudem formaldehydhaltige Bindemittel enthalten. Empfehlenswert ist Holzspielzeug, das mit biologischen Ölen oder Bienenwachs behandelt wurde.
InformierenNehmen Sie sich Zeit und informieren Sie sich vor dem Kauf, zum Beispiel durch unabhängige Produkttests.

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