5 AK-Tipps, wie Sie zu nachhaltigem Fisch kommen

Fritag steht bei vielen Fisch am Speiseplan. Ernährungsexperten/-innen raten zum regelmäßigen Fischkonsum. Viele halten sich daran, immerhin werden in Österreich pro Jahr 8 kg Fisch pro Kopf verspeist. Doch nur 6 Prozent davon stammen aus heimischen Gewässern. Der Rest wird importiert. Gleichzeitig warnen Umweltorganisationen vor akuter Überfischung der Weltmeere. Auch die offiziellen Zahlen der Welternährungsorganisation FAO zeigen, dass derzeit etwa ein Drittel der weltweiten Fischbestände überfischt sind. 

Unsere 5 Tipps für Sie:

Ob ein Fisch guten Gewissens gegessen werden kann, hängt davon ab, wo und wie er gefangen wird. Die gute Nachricht: Seit 2013 müssen diese Informationen aufgrund des europäischen Fischetikettierungsgesetzes auf der Verpackung stehen. Die weniger gute: Trotz dieser Information ist es nicht einfach, tatsächlich nachhaltigen Fisch zu finden. Deshalb hier die 5 wichtigsten Tipps für den nachhaltigen Fischkauf:

Tipp 1: Fisch aus Europa kaufen

Wer wenig Zeit hat, sich umfassend mit Fisch zu beschäftigen, sollte legal gefangenen Fisch aus dem Nordostatlantik kaufen. Auf Verpackungen oder Fischtheken ist dies als Fanggebiet FAO 27 gekennzeichnet. Auch an der Fischtheke - falls trotz EU-Etikettierungsgesetzes nicht angegeben - unbedingt nach der Herkunft des Fisches fragen.

Noch vor wenigen Jahren galt Europa als trauriger Weltmeister für Überfischung. Doch Umweltorganisationen haben regelmäßig auf diese Missstände aufmerksam gemacht und das  zeigte Wirkung: Heute gibt es in Europa eine gemeinsame Fischereipolitik sowie ein nachhaltiges Management. Dadurch konnten sich viele Fischbestände erholen, wie auch die aktuellsten Zahlen der Europäischen Kommission zeigen: Der Anteil der überfischten Bestände sank in den letzten 10 Jahren von erschreckenden 94 auf heute 39 Prozent. In Sachen Nachhaltigkeit gibt es in Europa aber laut den Wissenschaftlern des deutschen Thünen-Institutes noch Verbesserungspotential bei den erlaubten Fangmethoden. Nach wie vor sollte Fisch aus dem Mittelmeer für Sie tabu sein (Fanggebiet FAO 37). Denn hier ist die Überfischung nach wie vor dramatisch. 


Tipp 2: Achten Sie auf das MSC-Siegel

Logo MSC Zertifizierte Nachhaltige Fischerei © MSC, -

Für im Meer wild gefangene Fische gibt es einen guten Umweltstandard: Das MSC-Siegel (Marine Stewardship Council) garantiert, dass der gefangene Fisch aus ausreichend großen Fischbeständen stammt, die Einflüsse auf das Ökosystem beim Fang minimal bleiben und Fischbestände wirkungsvoll gemanagt werden, es also nicht zur Überfischung kommt. Im österreichischen Handel gibt es bereits 1.000 MSC-zertifizierte Produkte. Jedoch kritisieren Umweltschützer das Gütesiegel immer wieder für zu wenig strenge ökologische Kriterien.

Sklaverei auf Fischerbooten etwa in Südostasien keine Seltenheit
Soziale Kriterien werden beim MSC, aber auch bei allen anderen Fisch-Nachhaltigkeitssiegeln nicht oder unzureichend abgedeckt. Und das, obwohl bekannt ist, dass vor allem in Südostasien Sklaverei und Menschenhandel auf Fischerbooten keine Seltenheit sind. Der britische Nachrichtensender BBC und New York Times berichteten etwa von Menschen, die auf Fischkuttern jahrelang angekettet und körperlich misshandelt wurden, um in Zwangsarbeit billigen Fisch zu fangen. Besonders irritierend dabei ist, dass dieser, oft illegal gefangene Fisch zu Hunde- und Katzenfutter oder Nahrung für Zuchtfische verarbeitet wurde. Ein Gütezeichen für „fairen“ Fisch gibt es derzeit noch nicht, allerdings wird daran gearbeitet. In absehbarer Zeit sollen Konsument/-innen mit einem „MSC plus“-Siegel auch faire Arbeitsbedingungen garantiert werden.


Tipp 3: Bei gezüchteten Fischen auf Bio- und ASC-Siegel achten

Alle wildgefangene Fische aus dem Meer – ihrem natürlichen Lebensraum – sind sozusagen „bio“, da ihnen keine Hormone verabreicht wurden, sie ausreichend Platz haben und sie nicht mit gentechnisch verändertem Futter gezüchtet werden. Fisch aus dem Wildfang muss bzw. kann deshalb auch nicht extra als „bio“ gekennzeichnet werden.

Anders ist dies bei gezüchtetem Fisch aus Aquakulturen. Bereits jeder dritte Speisefisch stammt heute aus gezielter Haltung und Nachzucht. Die Aquakultur ist der am stärksten wachsende Lebensmittelsektor. Nachhaltigen Fisch aus Aquakulturen erkennt man am europäischen Bio- bzw. dem ASC-Gütesiegel (Aquaculture Stewardship Council).

Logo Bio © Bio, -

Bei Fisch mit dem Biogütesiegel wird garantiert, dass die Tiere nach ökologischen Vorschriften gefüttert und gehalten werden. Neben Vorschriften für Tierschutz und Artenvielfalt, muss auch die besonders wichtige Höchstbesatzdichte eingehalten werden. Auch Hormone und Medikamente sind untersagt. Das Bio-Fischfutter muss aus nachhaltig bewirtschafteten Fischereien stammen.

Logo ASC © ASC, -

Etwas weniger streng ist das ASC-Siegel, das eine nachhaltige Kompromisslösung aller Interessensgruppen darstellt. Obwohl es grundsätzlich empfehlenswert ist, merken Umweltorganisationen als Schwäche an, dass der Einsatz von Fischmehl und -öl oder von gentechnisch verändertem Soja als Futtermittel erlaubt sind.


Tipp 4: Fischratgeber nutzen

Wer es etwas genauer wissen und sichergehen will, dass Fisch auch wirklich aus nachhaltigen Quellen stammt, den informieren Fischratgeber. Hier wird im Detail darüber informiert, welche Fischart, in welchem Fanggebiet und mit welcher Fangmethode nachhaltig gefangen werden kann. In den Fischratgebern von Umweltorganisationen wie dem WWF und Greenpeace gelten strengere Nachhaltigkeitskriterien, als etwa beim MSC-Gütesiegel.  

Um Konsumenten/-innen die Entscheidung für die richtige Fischart zu erleichtern, wird aber auch in derartigen Orientierungshilfen die Thematik vereinfacht dargestellt. So kommt es zu Pauschalisierungen oder dem Ergebnis, dass - mit nur wenigen Ausnahmen - Fisch gegessen werden kann. Eine neutrale Bewertung auf wissenschaftlicher Basis bietet die Informationsplattform Fischbestände online, die allerdings auch recht umfassend ist. 


Tipp 5: Bewusster Konsum und Ernährungsalternativen nutzen

Weltweit stellen Fischprodukte für mehr als 2,8 Milliarden Menschen eine wichtige Ernährungsbasis dar. Für zehn bis zwölf Prozent der Menschheit bildet Fischerei und Fischzucht darüber hinaus auch die Existenzgrundlage. Mit globalem Bevölkerungswachstum steigt auch der Druck für den nachhaltigen Umgang mit Ressourcen. Fisch sollte deshalb als Delikatesse betrachtet werden. Wer bewusst auf die gesunden Bestände einer Fischart sowie deren Herkunft und Fangmethode achtet, kann nach wie vor guten Gewissens Fisch essen.

Bekanntlich wird Fisch vor allem wegen seines hohen Gehaltes an mehrfach ungesättigten Fettsäuren wie etwa Omega-3-Fettsäuren von Ernährungsexperten/-innen empfohlen. Diese lebensnotwendigen Fette kann unser Körper nicht selbst produzieren. Omega-3-Fettsäuren sind – neben Fisch – auch in Algen und Pflanzen enthalten. Öle aus Lein-, Chia- und Leindottersamen sowie Walnussöl liefern ebenfalls Omega-3-Fettsäuren in ausreichender Menge.

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