Woran erkennen Sie nachhaltigen Fisch?

Ernährungsexperten/-innen raten zum regelmäßigen Fischkonsum. Viele halten sich daran, immerhin werden in Österreich pro Jahr 8 kg Fisch pro Kopf verspeist. Doch nur 6 Prozent davon stammen aus heimischen Gewässern. Der Rest wird importiert. Gleichzeitig warnen Umweltorganisationen vor akuter Überfischung der Weltmeere. Auch die offiziellen Zahlen der Welternährungsorganisation FAO zeigen, dass derzeit etwa ein Drittel der weltweiten Fischbestände überfischt sind. 

Unsere Nachhaltigkeits-Tipps für Sie

Ob ein Fisch guten Gewissens gegessen werden kann, hängt davon ab, wo und wie er gefangen wird. Die gute Nachricht: Seit 2013 müssen diese Informationen aufgrund des europäischen Fischetikettierungsgesetzes auf der Verpackung stehen. Die weniger gute: Trotz dieser Information ist es nicht einfach, tatsächlich nachhaltigen Fisch zu finden. Deshalb hier die wichtigsten Tipps für den nachhaltigen Fischkauf.

Tipp 1: Fisch aus Europa kaufen

Wer wenig Zeit hat, sich umfassend mit Fisch zu beschäftigen, sollte legal gefangenen Fisch aus dem Nordostatlantik kaufen. Auf Verpackungen oder Fischtheken ist dies als Fanggebiet FAO 27 gekennzeichnet. Auch an der Fischtheke - falls trotz EU-Etikettierungsgesetzes nicht angegeben - unbedingt nach der Herkunft des Fisches fragen.

Noch vor wenigen Jahren galt Europa als trauriger Weltmeister für Überfischung. Doch Umweltorganisationen haben regelmäßig auf diese Missstände aufmerksam gemacht und das zeigte Wirkung: Heute gibt es in Europa eine gemeinsame Fischereipolitik sowie ein nachhaltiges Management. Dadurch konnten sich viele Fischbestände erholen, wie auch die aktuellsten Zahlen der Europäischen Kommission zeigen: Der Anteil der überfischten Bestände sank in den letzten 10 Jahren von erschreckenden 94 auf heute 39 Prozent. In Sachen Nachhaltigkeit gibt es in Europa aber laut den Wissenschaftlern des deutschen Thünen-Institutes noch Verbesserungspotential bei den erlaubten Fangmethoden. Nach wie vor sollte Fisch aus dem Mittelmeer für Sie tabu sein (Fanggebiet FAO 37). Denn hier ist die Überfischung nach wie vor dramatisch. 


Tipp 2: Bei gezüchteten Fischen auf Bio-Siegel achten

Alle wildgefangenen Fische aus dem Meer – ihrem natürlichen Lebensraum – sind sozusagen „bio“, da ihnen keine Hormone verabreicht wurden, sie ausreichend Platz haben und sie nicht mit gentechnisch verändertem Futter gezüchtet werden. Fisch aus dem Wildfang muss bzw. kann deshalb auch nicht extra als „bio“ gekennzeichnet werden.

Logo Bio © Bio, -

Anders ist dies bei gezüchtetem Fisch aus Aquakulturen. Bereits jeder dritte Speisefisch stammt heute aus gezielter Haltung und Nachzucht. Die Aquakultur ist der am stärksten wachsende Lebensmittelsektor. Nachhaltigen Fisch aus Aquakulturen erkennt man am europäischen Bio-Gütesiegel.

Bei Fisch mit Bio-Gütesiegel wird garantiert, dass die Tiere nach ökologischen Vorschriften gefüttert und gehalten werden. Neben Vorschriften für Tierschutz und Artenvielfalt, muss auch die besonders wichtige Höchstbesatzdichte eingehalten werden. Auch Hormone und Medikamente sind untersagt. Das Bio-Fischfutter muss aus nachhaltig bewirtschafteten Fischereien stammen.


Tipp 3: Fischratgeber nutzen

Wer es etwas genauer wissen und sichergehen will, dass Fisch auch wirklich aus nachhaltigen Quellen stammt, den informieren Fischratgeber. Hier wird im Detail darüber informiert, welche Fischart, in welchem Fanggebiet und mit welcher Fangmethode nachhaltig gefangen werden kann. In den Fischratgebern von Umweltorganisationen wie dem WWF und Greenpeace gelten strengere Nachhaltigkeitskriterien. Aufgrund von unterschiedlichen Bewertungs­methoden unterscheiden sich jedoch die Ratgeber von Greenpeace und dem WWF bei Empfehlungen zu einigen Fisch­beständen. Wer noch detailliertere Informationen zu Fisch­beständen lesen möchte, wird beim Thünen-Institut fündig.

Kritik am MSC-Gütesiegel wächst

Logo MSC Zertifizierte Nachhaltige Fischerei © MSC, -

Das wohl bekannteste Gütesiegel für im Meer wild gefangene Fische, das MSC-Siegel (Marine Stewardship Council), ist zunehmend in Kritik geraten. Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace werfen MSC vor, das Gütesiegel zu früh zu vergeben, sodass auch überfischte Bestände zertifiziert werden könnten, solange die Fischerei ein Programm zur Erholung vorlege. Darüber hinaus erlaube MSC zudem teilweise schädliche Grundschleppnetze. Auch hohe Beifänge seien für MSC kein Grund, eine Fischerei von der Gütesiegelnutzung auszuschließen. Insofern gibt es laut Greenpeace aktuell kein Zertifizierungssystem, das nachhaltige Meeresfischerei garantiere.

Sklaverei auf Fischerbooten etwa in Südostasien keine Seltenheit

 Soziale Kriterien werden beim MSC, aber auch bei allen anderen Fisch-Nachhaltigkeitssiegeln, ebenfalls nicht oder unzureichend abgedeckt. Und das, obwohl bekannt ist, dass vor allem in Südostasien Sklaverei und Menschenhandel auf Fischerbooten keine Seltenheit sind. Der britische Nachrichtensender BBC und New York Times berichteten etwa von Menschen, die auf Fischkuttern jahrelang angekettet und körperlich misshandelt wurden, um in Zwangsarbeit billigen Fisch zu fangen. Besonders irritierend dabei ist, dass dieser, oft illegal gefangene Fisch zu Hunde- und Katzenfutter oder Nahrung für Zuchtfische verarbeitet wurde. Ein Gütezeichen für „fairen“ Fisch gibt es derzeit noch nicht.

Auch ASC kein nachhaltiger Standard

Logo ASC © ASC, -

Auch bei Meeresfisch-Zuchtfarmen und beim Siegel ASC sieht Greenpeace eine ganze Reihe von Problemen. Für die Aufzucht von Fisch in Farmen werden bis zu fünf Kilogramm Wildfisch als Futtermittel benötigt. Je nach Fischart werden auch große Mengen an Antibiotika, bedenkliche Chemikalien und gentechnisch veränderte Soja-Futtermittel verwendet. Hinzu kommt, dass für ASC-Farmen MSC als Standard für Fischmehl und -öl vorgesehen ist und dadurch bereits auf einem anderen nicht-nachhaltigen Standard aufgebaut wird.


Tipp 4: Bewusster Konsum und Ernährungsalternativen nutzen

Fisch sollte als Delikatesse betrachtet werden. Wer auf Fischkonsum nicht verzichten und dennoch nachhaltig und ökologisch bewusst konsumieren möchte, sollte auf heimischen Fisch, wie Forelle, Saibling oder Karpfen zurückgreifen. Sollte dieser aus Aquakulturen stammen, dann auf die Bio-Zertifizierung achten.

Weltweit stellen Fischprodukte für mehr als 2,8 Milliarden Menschen eine wichtige Ernährungsbasis dar. Für zehn bis zwölf Prozent der Menschheit bildet Fischerei und Fischzucht darüber hinaus auch die Existenzgrundlage. Mit globalem Bevölkerungswachstum steigt auch der Druck für den nachhaltigen Umgang mit Ressourcen. Wer bewusst auf die gesunden Bestände einer Fischart sowie deren Herkunft und Fangmethode achtet, kann nach wie vor guten Gewissens Fisch essen.

Bekanntlich wird Fisch vor allem wegen seines hohen Gehaltes an mehrfach ungesättigten Fettsäuren wie etwa Omega-3-Fettsäuren von Ernährungsexperten/-innen empfohlen. Diese lebensnotwendigen Fette kann unser Körper nicht selbst produzieren. Omega-3-Fettsäuren sind – neben Fisch – auch in Algen und Pflanzen enthalten. Öle aus Lein-, Chia- und Leindottersamen sowie Walnussöl liefern ebenfalls Omega-3-Fettsäuren in ausreichender Menge.

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