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Versicherungen: Abschluss, Rücktritt, Uni-Sex-Tarif

Die "ideale" Versicherung gibt es nicht. Sie sollten daher immer genau überlegen, was Sie brauchen. Informieren Sie sich vorab in Ruhe über Versicherungskonditionen und holen Sie mehrere Angebote verschiedener Versicherer ein.

Checkliste VOR Abschluss

Fragen, die Sie vor dem Vertragsabschluss durchgehen sollten:  

  • Wer ist versichert, wer mitversichert?

  • Was ist versichert?
    Führt der Versicherte den Schaden grob fahrlässig herbei, kann dies in manchen Versicherungssparten zur Leistungsfreiheit der Versicherung führen. Die Frage, ob der Versicherungsnehmer/die Versicherungsnehmerin grob fahrlässig gehandelt hat oder nicht, führt immer wieder zu Streitfällen. Um dies zu vermeiden, versichern manche Versicherungen auch grob fahrlässig verursachte Schäden.

  • Welche zeitliche und örtliche Geltung hat die Versicherung?
    Versicherer bieten gerne Verträge mit einer längeren Laufzeit an (etwa Haushaltsversicherung für 10 Jahre). Wenn Sie von vornherein einen Vertrag mit kürzerer Laufzeit wünschen, sollten Sie versuchen, mit Ihrem Versicherer vor Vertragsabschluss darüber zu verhandeln. Jedenfalls sollten Sie die von Ihnen konkret gewünschte Vertragsdauer im Versicherungsantrag festhalten.

    Der Versicherungsschutz beginnt in der Regel zu dem in der Polizze angegebenen Zeitpunkt, sofern die Erstprämie rechtzeitig bezahlt wird. Bei manchen Versicherungssparten gibt es allerdings Wartezeiten, die den Beginn des Versicherungsschutzes hinausschieben.

  • Wann zahlt die Versicherung?
    Wann zahlt die Versicherung nicht (Leistungsausschlüsse)?
    Die Versicherungsbedingungen regeln, in welchen Fällen die Versicherung eine Leistung erbringt und wann Leistungen ausgeschlossen sind. Noch vor Abschluss der Versicherung sollten Sie daher unbedingt klären, welche Risiken versichert sind und welche Leistungsausschlüsse bestehen.

  • Wie viel zahlt die Versicherung im Schadensfall?

  • Sind Zusatzvereinbarungen oder Sonderwünsche möglich?

  • Was sind Ihre Pflichten/Obliegenheiten bei Vertragsabschluss?
    Eine sehr wichtige „Obliegenheit“ besteht darin, den Versicherungsantrag und allfällige Gesundheitsfragen (etwa in der Kranken-, Lebens-, oder Berufsunfähigkeitsversicherung) richtig und vollständig auszufüllen (Anzeigepflichten). Denn werden Antrags- oder Gesundheitsfragen unrichtig oder unvollständig beantwortet, führt dies im Schadensfall häufig dazu, dass die Versicherung die Leistung ablehnt und vom Vertrag zurücktritt.

  • Was sind Ihre Pflichten/Obliegenheiten im Schadensfall?
    Damit die Versicherung zahlt, wenn etwas passiert, sind auch die in den Versicherungsbedingungen vereinbarten „Obliegenheiten“ (= Pflichten des Versicherungsnehmers/der Versicherungsnehmerin bzw. des/der Versicherten) einzuhalten. 

    Schadensfälle sind unverzüglich der Versicherung zu melden, in manchen Fällen auch unverzüglich der Polizei anzuzeigen.

  • Wie hoch ist die Prämie?
    Die Versicherer bieten eine Vielzahl recht unterschiedlicher Rabatte an. Verhandeln zahlt sich daher immer aus.

    Wird die Prämie nicht jährlich bezahlt (zum Beispiel monatlich, viertel- oder halbjährlich), verlangen die Versicherungen Zuschläge von durchschnittlich 3 bis 6 Prozent. Bei Zahlung mit Bankeinzug verzichten allerdings viele Versicherungen auf Prämienzuschläge. Erkundigen Sie sich daher nach der günstigsten Zahlungsweise. Hinweis: Zahlscheingebühren sind seit 01.11.2009 nicht mehr zulässig und können zurückgefordert werden.

    Wer im Schadensfall einen Selbstbehalt in Kauf nimmt, kann meist zusätzlich Prämie sparen.

  • Wie hoch ist ein eventueller Selbstbehalt?
Prämien-/Leistungs-Verhältnis bei verschiedenen Angeboten vergleichen

Die Produkte sind im Kernbereich zwar ähnlich, im Detail jedoch sehr unterschiedlich. Holen Sie daher vor Abschluss des Vertrages mehrere Angebote ein und achten Sie auf eine gute Beratung. Lassen Sie sich unbekannte Begriffe (wie zum Beispiel “Versicherung gilt auf erstes Risiko“) erklären und fragen Sie nach Leistungsübersichten. Diese erleichtern den Vergleich verschiedener Produkte.

In unseren Online-Artikel zu den einzelnen Versicherungssparten erfahren Sie noch mehr, worauf Sie bei den einzelnen Versicherungen achten sollten.

Darauf ist BEIM Vertragsabschluss zu achten

  • Vollständige und korrekte Angaben beim Versicherungsantrag
  • Überlegen Sie sich, ob Sie die elektronische Kommunikation mit der Versicherung vereinbaren wollen. Diese kann auch jederzeit widerrufen werden.
  • Ausfolgung einer Antragskopie verlangen
  • Frist für Rücktrittsmöglichkeit beachten
  • Fristgerechte Prämienzahlung
  • Gibt es vertragliche Wartezeiten?

Die Versicherung muss Ihnen vor Abgabe Ihrer Vertragserklärung die Versicherungsbedingungen aushändigen und Sie schriftlich informieren über: 

  • Name und Anschrift des Sitzes sowie Rechtsform des Unternehmens (Zweigstelle)
  • das auf den Versicherungsvertrag anwendbare Recht
  • Bezeichnung und Anschrift der Aufsichtsbehörde oder Beschwerdestelle
  • Umstände, unter denen Sie den Vertragsabschluss widerrufen oder von diesem zurücktreten können
  • Laufzeit des Versicherungsvertrages
  • Prämienzahlungsweise und Prämiendauer

Unverzüglich nach Unterfertigung des Versicherungsantrages hat Ihnen die Versicherung eine Kopie Ihres Versicherungsantrages auszuhändigen.

  • Erfolgte der Antrag auf Abschluss einer Versicherung auf einem Formblatt der Versicherung, ist der Versicherungsnehmer/die Versicherungsnehmerin bis zu 6 Wochen an seinen Antrag gebunden. Eine längere Frist ist nur zulässig, wenn sie im Einzelnen ausgehandelt wird. 

Die Polizze entspricht nicht dem Antrag?

Vergleichen Sie sicherheitshalber den Inhalt der Ihnen ausgehändigten Polizze mit dem Inhalt Ihres Versicherungsantrages. Weicht der Polizzeninhalt vom Antragsinhalt ab, so gilt die Abweichung, wenn Sie nicht innerhalb eines Monats nach Erhalt der Versicherungspolizze dieser Änderung (am besten eingeschrieben mit Rückschein) widersprechen.

Die Versicherung muss Sie aber deutlich auf die Änderung hinweisen! Kommt der Versicherer dieser Hinweispflicht nicht nach, so gilt der Inhalt des Antrages. 

Rücktritt vom Versicherungsvertrag

In folgenden Fällen können Sie von einer bereits abgeschlossenen Versicherung wieder zurücktreten:

Für alle Versicherungen gilt:

  • Rücktritt gemäß § 5c Versicherungsvertragsgesetz:
    Aufgrund des allgemeinen Rücktrittsrechtes bei Versicherungsverträgen, können Sie binnen zwei Wochen ab Erhalt der Polizze vom Vertrag zurücktreten (Musterbrief mit Details).

  • Rücktritt gemäß § 3 Konsumentenschutzgesetz:
    Wenn Sie den Versicherungsantrag nicht in den Geschäftsräumlichkeiten des Versicherers abgeschlossen und auch nicht selbst angebahnt haben, können Sie binnen 14 Tagen ab Erhalt der Polizze vom Vertrag zurücktreten.

  • Rücktritt gemäß § 8 Fern-Finanzdienstleistungs-Gesetz:
    Haben Sie den Vertrag im Fernabsatz (z.B. per Internet) abgeschlossen, können Sie binnen 14 Tagen ab Vertragsabschluss - bei Lebensversicherungen binnen 30 Tagen ab Information über den Vertragsabschluss - zurücktreten (Musterbrief mit Details).

Für Lebensversicherungen gilt zusätzlich:

  • Rücktritt gemäß § 165a Versicherungsvertragsgesetz:
    Bei Lebensversicherungen können Sie binnen 30 Tagen ab Verständigung vom Zustandekommen des Vertrages (dies erfolgt zumeist mit Erhalt der Polizze) vom Vertrag zurücktreten (Musterbrief mit Details).

Darauf ist WÄHREND der Vertragslaufzeit zu achten

  • rasche und schriftliche Schadenmeldung
    (Meldepflichten laut Versicherungsbedingungen beachten),
  • eine Bestätigung, dass mit der Versicherungsleistung alle Ihre Ansprüche abgegolten sind, gar nicht bzw. erst dann unterschreiben, wenn Sie sicher sind, dass es keine weiteren, noch nicht beachteten oder künftigen Schäden gibt bzw. geben kann. Leistungen, die Ihnen nach dem Versicherungsvertrag zustehen, muss Ihnen der Versicherer auch ohne Unterfertigung einer solchen Bestätigung auszahlen,
  • jede Gefahrenerhöhung nach Vertragsabschluss dem Versicherer melden (etwa Aufnahme von gefährlichen Freizeitaktivitäten in der Unfallversicherung)
  • bei Zahlungsschwierigkeiten unverzügliche Kontaktaufnahme mit Ihrem Versicherer.

Unisex-Tarife: Vorsicht bei Vertragsänderung

Seit dem 21.12.2012 müssen Versicherungen einheitliche Tarife für Frauen und Männer anbieten, da unterschiedlich hohe Prämien und Leistungen für Frauen und Männer nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofes eine unzulässige Diskriminierung darstellen. 

Betroffene Sparten

Von der Änderung betroffen sind insbesondere Personenversicherungen, also Lebensversicherung, private Unfallversicherung, Kranken-, und Pflegeversicherung.

Vorsicht bei Änderung von Altverträgen

Die Unisex-Tarife gelten nur für Verträge, die seit dem 21.12.2012 neu abgeschlossen werden (Neuverträge). Vorsicht ist allerdings auch bei der Änderung von Altverträgen geboten. Denn wer seinen Versicherungsvertrag ab dem 21.12.2012 ändern möchte, könnte ungewollt in einem Unisex-Tarif landen.

Wird ein Altvertrag nämlich wesentlich verändert (etwa versichertes Risiko, Versicherungssumme, Laufzeit), ist er wie ein Neuvertrag zu beurteilen. Was genau unter einer wesentlichen Vertragsänderung zu verstehen ist, wird in der Praxis wohl in vielen Fällen strittig werden.
Das Gesetz für die Umsetzung des EuGH-Urteils (VersRÄG 2013) enthält dazu leider keine detaillierte Regelung. Viele Versicherer haben aber bereits angekündigt, Versicherungsnehmer/-innen im Falle von Änderungsanträgen über die möglichen Auswirkungen zu informieren, damit ungewollte Umstellungen vermieden werden können.

Versicherungsangebote im Internet

Im Internet gibt es eine Vielzahl von Versicherungsangeboten. Doch nicht alles was günstig ist, ist auch wirklich seriös.

Damit Sie sich im Versicherungsdschungel des Internets gut zurecht finden, sollten Sie folgende Punkte beachten:

  • Überlegen Sie, bevor Sie im Internet eine Versicherung abschließen
    1. ob Sie diese Versicherung überhaupt brauchen
    2. ob Sie nicht schon versichert sind
    3. ob Sie Ihre bestehende Versicherung überhaupt kündigen können. 

  • Seien Sie vorsichtig beim Abschluss von Versicherungen, bei denen eine langfristige Bindung oder viel Geld auf dem Spiel steht (z.B. Lebens-, Pensionsversicherungen, fondsgebundene Lebensversicherungen etc.). 

  • Unsere Erhebungen zeigen immer wieder sehr hohe Prämienunterschiede. Holen Sie daher vor Abschluss der Versicherung mehrere Angebote ein. Sie können sich diesbezüglich auch an einen Versicherungsmakler/eine Versicherungsmaklerin wenden. Eine Orientierung können auch die im Internet kostenlos angebotenen Versicherungsrechner geben. Online-Angebote müssen nicht immer günstiger sein als Offline-Angebote.

  • Achten Sie bei Anträgen und bei Tarifrechnern auf vorgegebene Kreuzchen oder Häkchen. Wenn Sie eine bestimmte Variante nicht wollen, müssen Sie das Kreuzchen oder Häkchen löschen. 

  • Schauen Sie sich die Vertragsbedingungen genau an. Die Prämie allein ist nicht immer ausschlaggebend. Laden Sie die Vertragsbedingungen auf die Festplatte, oder drucken Sie sie aus. 

  • Rücktrittsrecht: Von im Internet geschlossenen Versicherungsverträgen können Verbraucher/-innen binnen 14 Tagen ab Vertragsabschluss (bei der Lebensversicherung binnen 30 Tagen ab Information vom Vertragsabschluss) zurücktreten. Rechtzeitige Absendung des Rücktrittsschreibens ist ausreichend. Schriftform (eingeschriebener Brief mit Rückschein) ist aus Beweisgründen unbedingt anzuraten. Kopie des Einschreibens, Einschreibezettel und Rückschein aufbewahren. Hat der Verbraucher/die Verbraucherin die Vertragsbedingungen und Informationen erst nach Vertragsabschluss erhalten, beginnt die Rücktrittsfrist erst mit Erhalt dieser Informationen und Unterlagen zu laufen (Musterbrief mit Details)

  • Senden Sie Schadensmeldungen nicht nur online an den Versicherer, sondern auch mit der Post.

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