09.10.2021

Schweine­fleisch-Check: Erlaubt nationales Gesetz tier­quälerische Produktion? 

Schweinefleisch ist das mit Abstand beliebteste Fleisch in Österreich. Pro Kopf werden davon jährlich 37,2 Kilogramm konsumiert. Selbst in Krisenzeiten kann der nationale Bedarf zur Gänze durch Inlandsproduktion gedeckt werden. Allerdings liegt Österreich bei Tierwohlstandards oftmals hinter anderen europäischen Ländern zurück, wie ein Gütezeichenvergleich der Konsumentenschützer/-innen der Arbeiterkammer Oberösterreich und der Tierschutzorganisation VIER PFOTEN zeigt. 

Schweinefleisch: Bewertung Tierwohlstandards (0,2 MB) 

6 Schweine­fleisch-Standards verglichen

Insgesamt haben Arbeiterkammer Oberösterreich und VIER PFOTEN die gesetzlichen Mindestanforderungen für die Schweinemast mit den Bedingungen der 6 wichtigsten und unabhängigen Gütesiegel für Schweinefleisch verglichen. Das Ergebnis zeigt, dass Tierwohl in Österreich beim Schwein keine große Rolle spielt. Selbst das wohl bekannteste „AMA-Gütesiegel“ geht über die gesetzlichen Mindestanforderungen kaum hinaus. Bei den Gütezeichen „AMA-Biosiegel“, „AMA +Tierwohl“ sowie „Bio Austria“ gibt es Verbesserungen, allerdings garantieren auch diese Siegel nicht in allen Bereichen die höchsten Tierwohl-Standards. 

Siegel gehen selten über Tier­wohl-Mindest­standards hinaus

98 Prozent des österreichischen Schweinefleisches stammen aus konventioneller Tierhaltung. Das bedeutet, es werden nur nationale oder europäische Mindeststandards erfüllt. Nach diesen gesetzlichen Vorgaben sind betäubungslose Ferkelkastration und Vollspaltenböden erlaubt, es gibt keine verpflichtende Einstreu, die Tiere haben kaum Platz und die Schwänze der Schweine werden routinemäßig kupiert (abgeschnitten) um ein stressbedingtes Abbeißen zu verhindern. 

Kastrieren ohne Betäubung

Kastrieren ohne Betäubung ist gesetzlich und laut AMA-Gütesiegel erlaubt. Selbst bei Bio-Fleisch ist diese nicht ausgeschlossen. Anders die Situation in der Schweiz, in Schweden oder Norwegen, wo diese grausame Praxis verboten ist. Auch in Deutschland ist ein Verbot ab 2021 angedacht. In Österreich schließen bisher nur die unabhängigen Tierwohlstandards „Tierwohl-kontrolliert“ der Gesellschaft Zukunft Tierwohl und „Tierschutz-kontrolliert“ von VIER PFOTEN die Methode mit Sicherheit aus. 

Schweine leiden auf Voll­spalten­böden

Bei bio-zertifizierter Schweinehaltung, bei „AMA +Tierwohl“, bei „Tierwohl-kontrolliert“ und „Tierschutz-kontrolliert“ sind Vollspaltenböden verboten, allerdings gelten diese Bedingungen nur für rund 2 Prozent der Schweine in Österreich. Vollspaltenböden in den Tiermastställen sind meist aus Beton. Das bedeutet, dass die Tiere auf hartem Untergrund stehen müssen, was zu Gelenksentzündungen führt. Außerdem liegen sie bei Vollspaltenböden direkt über ihren eigenen Fäkalien. Die Folge davon sind Lungenkrankheiten durch die Ammoniakdämpfe sowie Verhaltensstörungen.

Futter ohne Gentechnik nur durch Bio- und Tierwohlsiegel garantiert
Ausschließlich Bio- und Tierwohl-Gütesiegel garantieren eine gentechnikfreie Fütterung. Für die konventionelle Schweinehaltung wird billigeres Soja meist aus Südamerika importiert. 80 Prozent davon stammen von gentechnisch veränderten Sojabohnen, die auf Böden angebaut wurden, für die davor Regenwälder gerodet wurden. Auch auf diese Art und Weise trägt selbst österreichisches Schweinefleisch zum Klimawandel bei. 

Mindest­standards nachbessern!

Die AK-Forderungen zeigen Wirkung! Auch die Bundesregierung hat die Versäumnisse im Bereich Tierwohl erkannt. Doch statt gesetzlichen Maßnahmen, die für alle österreichischen Schweinefleischproduzenten verpflichtend wären, wird das freiwillige Gütesiegel AMA mit dem Zusatzmodul "Mehr Tierwohl" weiterentwickelt. Gesteigerte Anforderungen im Bereich Tierwohl, Tiergesundheit, Fütterung, Qualitätssicherung und Schweinefleischqualität sind geplant und werden vom Konsument/-innen an 4 unterschiedlichen Tierwohl-Stufen auf der Verpackung zu erkennen sein. Ein wichtiger und richtiger Schritt, der laut AMA bereits Anfang 2022 umgesetzt werden soll.

Allerdings sind laut Auskunft der AMA knapp 50 Prozent der Schweine in Österreich auch AMA-zertifiziert und nur für diesen Teil würden die Verbesserungen gelten. Außerdem verbietet auch das neue AMA-Kennzeichnungssystem nicht die teils katastrophalen Haltungsform von Schweinen, sondern macht diese nur für Konsument/-innen sichtbar. Die Verantwortung im Bereich Tierwohl wird also auf Konsument/-innen abgeschoben. Anders der Ansatz in Nachbarland Deutschland: Hier ist seit Jahresbeginn die betäubungslose Ferkelkastration bundesweit verboten.

Die AK fordert deshalb weiterhin verpflichtende Verbesserungen im Bereich Tierwohl für alle österreichische Schweineproduzenten!

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