AK-Kinderbetreuungsatlas 2026: So steht es um die Kinderbildung und -betreuung im Bezirk Gmunden
Für berufstätige Eltern hängt vieles mit bedarfsgerechter Kinderbetreuung vor Ort zusammen. Sei es der Wiedereinstieg, das Arbeitszeitausmaß oder die Urlaubsplanung. Der AK-Kinderbetreuungsatlas 2026 schafft Transparenz zu den aktuellen Rahmenbedingungen wie Öffnungszeiten, Mittagsangebot und Schließzeiten in den Kinderbildungs- und -betreuungseinrichtungen der oberösterreichischen Gemeinden. Im Bezirk Gmunden hat sich im Vergleich zum Vorjahr wenig verändert.
Während viele Gemeinden gute und teilweise vollzeittaugliche Rahmenbedingungen bieten, ist das Betreuungsangebot für Unter-Dreijährige bei Öffnungszeiten, Mittagsverpflegung und Schließzeiten vielfach noch eingeschränkter. Gleichzeitig bleiben zu lange Schließzeiten über alle Altersgruppen hinweg ein zentrales Problem.
Weniger 1A-Gemeinden im Bezirk Gmunden als im Vorjahr
Der Kinderbetreuungsatlas 2026 zeigt für den Bezirk Gmunden eine unveränderte Situation im Vergleich zum Vorjahr: Dieses Jahr erreichen elf Gemeinden die höchste Kategorie 1A (2025:12). Dies sind die Gemeinden: Altmünster, Bad Ischl, Grünau im Almtal, Gschwandt, Laakirchen, Ohlsdorf, Pinsdorf, Roitham am Traunfall, Scharnstein, St. Wolfgang und Vorchdorf.
Mit 55 Prozent liegt der Anteil der 1A-Gemeinden im Bezirk Gmunden deutlich über dem oberösterreichweiten Durchschnittswert von rund 36 Prozent. Weitere 30 Prozent der Gemeinden erreichen die Kategorie A (OÖ-Schnitt: 16 Prozent). Keine Gemeinde wurde in der Gesamtbewertung den Kategorien C oder D zugeordnet.
Mangelndes Angebot für Unter-Dreijährige erschwert Wiedereinstieg
Besonders schwierig ist die Betreuungssituation für Kinder unter drei Jahren. Für viele Eltern ist es nach wie vor nicht selbstverständlich, nach der einkommensabhängigen Karenz – dem am häufigsten gewählten Karenz-Modell mit 12 oder 14 Monaten – unmittelbar einen Betreuungsplatz zu finden. In einzelnen Gemeinden im Bezirk Gmunden beginnt die Aufnahme erst ab dem 18. Lebensmonat, als spätestes Erstaufnahmealter wurden 24 Monate angegeben.
Wie im Vorjahr erreicht nur die Gemeinde Bad Ischl bei den Unter-Dreijährigen die beste Kategorie 1A. Sie erfüllt alle drei Kriterien für diese Altersgruppe und bietet somit eine Betreuung an, die eine Vollzeitbeschäftigung ermöglicht. Voraussetzung dafür sind unter anderem Öffnungszeiten von Montag bis Donnerstag von mindestens 9,5 Stunden täglich und mindestens 45 Stunden pro Woche. Elf Gemeinden im Bezirk Gmunden erreichen die Kategorie A, fünf weitere Kategorie B. Zwei Gemeinden erfüllen keine der drei Kriterien und wurden in die niedrigste Kategorie D eingestuft.
Schließzeiten betrifft besonders Kindergarten-Kinder
Wesentlich besser ist die Situation bei den Drei- bis Sechsjährigen. Fünf Gemeinden erreichen in dieser Altersgruppe die Kategorie 1A und verfügen damit über ein vollzeittaugliches Betreuungsangebot. Dazu zählen Bad Ischl, Gschwandt, Laakirchen, Scharnstein und Vorchdorf.
35 Prozent der Gemeinden werden in Kategorie A und weitere 30 Prozent in Kategorie B eingestuft. In dieser Altersgruppe fällt eine Gemeinde in Kategorie C, aber keine in D. Auch bei den Kindergärten gibt es eine Verschlechterung bei den Schließzeiten: Bad Goisern, Gosau und Hallstatt wurden aufgrund zu vieler Schließtage zurückgestuft. Die Gemeinde Scharnstein hat ihre Öffnungszeiten erweitert und wurde somit in die beste Kategorie (1A) hochgestuft.
Neben dem Betreuungsumfang sind Schließzeiten ein wesentlicher Faktor für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf über alle Altersgruppen hinweg. Das OÖ. Kinderbildungs- und -betreuungsgesetz sieht vor, dass Bildungseinrichtungen mindestens 47 Wochen pro Jahr geöffnet sein müssen. Ist der Bedarf gegeben, dürfen die Einrichtungen nicht länger als fünf Wochen geschlossen sein.
Im Bezirk Gmunden überschreiten je sieben Gemeinden die gesetzlich vorgesehene Grenze bei den Kindergärten und bei den Krabbelstuben. Die zusätzlichen Schließzeiten können für berufstätige Eltern zu einer Herausforderung werden, wenn keine alternative Betreuung zur Verfügung steht.
Vereinbarkeit endet oft mit Volksschul-Eintritt
Bei der Betreuung von Volksschulkindern fällt die Bewertung deutlich unterschiedlich aus. Mehr als die Hälfte der Gemeinden (11) erreichten Kategorie A, während acht bzw. 40 Prozent in Kategorie B eingestuft werden. Erfreulicherweise befindet sich keine Gemeinde in den Kategorien C und D.
Damit zeigt sich bei der Betreuung von Schulkindern noch Entwicklungspotenzial. Denn für Familien ist ein bedarfsgerechtes Betreuungsangebot über die Kindergartenzeit hinaus wesentlich, um Beruf und Familie dauerhaft miteinander vereinbaren zu können.
„Eine gute Kinderbetreuung ist eine zentrale Voraussetzung dafür, dass Eltern arbeiten und Familien ihren Alltag verlässlich organisieren können. Wenn Einrichtungen zu wenige Wochen geöffnet haben oder Kinder erst sehr spät aufgenommen werden, trifft das unmittelbar die betroffenen Familien.“ fasst AK-Präsident Andreas Stangl zusammen.
Die Arbeiterkammer fordert daher einen Rechtsanspruch auf einen qualitativ hochwertigen Betreuungsplatz vom zweiten Lebensjahr bis zum Ende der Volksschule. Dazu braucht es eine verpflichtende und professionelle Bedarfserhebung in den Gemeinden und Bezirken sowie eine sichere Finanzierung durch das Land Oberösterreich, damit vollzeittaugliches Betreuungsangebot flächendeckend wird.
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