05.12.2019

Die Leistungsbilanz der Be­schäftigten aus dem Bezirk Linz-Land

Egal ob auf der Baustelle, im Forschungslabor, im Kindergarten, an der Supermarktkassa oder im Lohnbüro. Und darüber hinaus beim Roten Kreuz und bei der Feuerwehr - überall dort arbeiten die wahren Leistungsträger/-innen, nämlich die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Ohne sie stünde im Bezirk Linz-Land und im gesamten Bundesland alles still. Die Arbeiterkammer Oberösterreich holt daher ihre Leistungen vor den Vorhang - mit der neuesten Leistungsbilanz der Beschäftigten aus dem Bezirk Linz-Land.  

Im Jahresdurchschnitt 2018 waren im Arbeitsmarktbezirk Traun 65.070 Menschen unselbständig beschäftigt – um 2,6 Prozent mehr als im Jahr zuvor und um 11,7 Prozent mehr als vor 10 Jahren. Das ist der viertstärkste Zuwachs aller oberösterreichischen Bezirke. Von diesem Zuwachs haben Frauen in etwas höherem Ausmaß profitiert als Männer.  

Die Erwerbsquote liegt im Bezirk Linz-Land mit 79,3 Prozent etwas über dem Landesdurchschnitt. Das heißt, dass mehr als drei Viertel aller Frauen und knapp 82 Prozent der Männer aus dem Bezirk erwerbstätig sind. Ein knappes Drittel aller Beschäftigten hat einen Teilzeitjob - 55 Prozent der Frauen und rund 12 Prozent der Männer.  

Mann und Frau ar­beiten ge­trennt

Fast ein Drittel der Beschäftigten arbeitet in Großbetrieben mit mehr als 100 Beschäftigten. In Kleinstbetrieben mit weniger als 10 Mitarbeitern/-innen ist hingegen nur ein Viertel der in Linz-Land berufstätigen Arbeitnehmer/-innen tätig. Die größten Firmen im Bezirk sind: 

  • die Firma Rosenbauer International in Leonding,

  • die Caritas für Menschen mit Behinderungen im Kinderdorf St. Isidor,

  • die Firma Wacker Neuson in Hörsching,

  • die I.K. Hofmann in St. Florian und

  • die Firma TTI Personaldienstleistung in St. Florian. 

Den höchsten Frauenanteil gibt es mit 80 Prozent im Erziehung- und Unterrichtswesen, knapp gefolgt vom Gesundheits- und Sozialbereich. Von den Beschäftigten am Bau sind rund 87 Prozent Männer. Die größte Einzelbranche ist der Handel mit mehr als 16.000 Arbeitsplätzen, gefolgt von der Herstellung von Waren mit mehr als 14.000 Arbeitsplätze. Mit Hörsching, Pasching und St. Florian gibt es im Bezirk drei Gemeinden, die mehr Arbeitsplätze als Einwohner/-innen haben. 

Ein wichtiger Trumpf des Bezirks ist die gut ausgebaute Verkehrsinfrastruktur - das gilt sowohl für die Straße als auch für die Bahn. Dazu kommt der Flughafen Hörsching, der im Güterumschlag eine große Rolle spielt, im Personenverkehr noch viel Luft nach oben hat. Von Bedeutung ist auch der oberösterreichische Teil des Ennshafens - dort sind mittlerweile rund 60 Unternehmen mit etwa 2.300 Beschäftigten ansässig.    

Arbeitslose suchen in­tensiv nach neuen Jobs

Im vergangenen Jahr waren im Bezirk Linz-Land durchschnittlich 3.825 Personen arbeitslos, 993 befanden sich in Schulungsmaßnahmen des Arbeitsmarktservice und 60 Jugendliche suchten eine Lehrstelle. Die registrierte Arbeitslosigkeit lag bei 5,6 Prozent und damit über dem Landesdurchschnitt von 5 Prozent. Mehr als 62 Prozent der Arbeitsuchenden aus dem Bezirk Linz-Land haben innerhalb von 3 Monaten eine neue Beschäftigung gefunden. Das ist allerdings der niedrigste Anteil im oberösterreichischen Bezirksvergleich. 

Viele Pendler nehmen weite Arbeits­wege auf sich

Fast 83 Prozent der unselbständig Beschäftigten aus dem Bezirk Linz-Land müssen aus ihrer Heimatgemeinde auspendeln, um zur Arbeit zu gelangen - Tendenz weiter steigend. Der Anteil der Bezirksauspendler/-innen liegt bei rund 59 Prozent. Mehr als ein Drittel aller im Bezirk Linz-Land wohnhaften Arbeitnehmer/-innen pendelt in die Landeshauptstadt Linz. 

Viele Beschäftigte aus dem Bezirk Linz-Land legen weite Wegstrecken zurück, um in die Arbeit und wieder nach Hause zu kommen. Fast 30 Prozent der Beschäftigten aus dem Bezirk pendeln jeden Tag mehr als 40 Kilometer und 7 Prozent fahren sogar mehr als 100 Kilometer zu ihrem Arbeitsplatz und zurück nach Hause. Für sie kostet die berufliche Mobilität viel Geld und wertvolle Zeit. 

Die Beschäftigten sind fleißig

Im vergangenen Jahr ist es der Arbeiterkammer gelungen, die veröffentlichten Jahresabschlüsse beinahe aller oberösterreichischen Mittel- und Großbetriebe (mit Ausnahme von Banken, Versicherungen und Non-Profit-Unternehmen) mit mehr als 49 Beschäftigten zu analysieren. Im Bezirk Linz-Land sind das 112 Unternehmen mit mehr als 36.000 Beschäftigten.  

Was sie im Bilanzjahr 2017 vollbracht haben, kann sich sehen lassen: Die Pro-Kopf-Wertschöpfung (also jener Betrag, der pro Kopf erwirtschaftet wird) lag bei mehr als 85.000 Euro. Zieht man davon die durchschnittlichen Personalkosten ab, bleiben den Unternehmen jährlich immer noch rund 26.000 Euro pro Mitarbeiterin und Mitarbeiter. 

60 Erfindungen aus Linz-Land

Aber die Beschäftigten sind nicht nur produktiv, sondern auch innovativ und erfinderisch. Sei es direkt bei der Arbeit, wo viele Beschäftigte mit ihren Erfahrungen und ihrem Wissen aus dem täglichen Arbeitsprozess neue Ideen entwickeln, sei es im Hochschulsektor oder in den Forschungsabteilungen der Betriebe. Im vergangenen Jahr wurden beim Österreichischen Patentamt rund 2.400 Erfindungen aus ganz Österreich angemeldet, weltweit sogar mehr als 11.000 aus Österreich stammende Patente. Im Bundesländervergleich liegt Oberösterreich hier traditionell auf Platz 1. Im Bezirk Linz-Land wurden im Vorjahr 60 Erfindungen angemeldet. 

Arbeitnehmer tragen die Gesellschaft

Es sind aber nicht nur diese Spitzenleistungen, die unsere Arbeitnehmer/-innen zu den wahren Leistungsträgern der Gesellschaft machen. Es ist auch ihr täglicher Arbeitseinsatz, ihre Bereitschaft zur Mehrleistung, wenn es der Arbeitsaufwand erfordert, ihre Bereitschaft zur (beruflichen) Weiterbildung, ihr ehrenamtliches Engagement, ihr familiärer Einsatz in der Kinderbetreuung und Altenpflege.  

Um die Arbeitsleistung der Beschäftigten zu beziffern, seien nur 2 weitere Zahlen erwähnt: Mehr als eine Milliarde beruflicher Arbeitsstunden werden laut Statistik Austria jährlich in Oberösterreich geleistet, davon sind knapp 39 Millionen Überstunden bzw. Mehrarbeitsstunden - diese Daten können allerdings nicht nach Bezirken aufgeschlüsselt werden.   

Viel Arbeit und niedrige Löhne

Der wirtschaftliche Aufschwung ist auf den Gehaltskonten vieler Beschäftigter bislang nicht zu verspüren. Denn viele Arbeitnehmer/-innen bekommen für ihre herausragenden Leistungen nach wie vor keine gerechte Gegenleistung ausbezahlt. Vor allem Frauen aus dem Bezirk Linz-Land, und hier insbesondere Arbeiterinnen, müssen (unter anderem aufgrund von Teilzeitbeschäftigung) mit niedrigen Einkommen auskommen. Der Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen beträgt 35,6 Prozent - um zwei Prozentpunkte weniger als im Landesdurchschnitt. 

Am besten steigen die männlichen Angestellten mit mittleren Bruttogehältern von 3.566 Euro aus. Arbeiterinnen bekommen für ihre harte Arbeit nur 1.536 Euro brutto pro Monat bezahlt.  

Quer über alle Beschäftigungsformen, Branchen und Berufe hinweg bekommen die Beschäftigten im Bezirk Linz-Land mittlere Bruttoeinkommen von 2.320 Euro monatlich. Das reicht für den sechsten Rang im Bezirksvergleich, liegt aber um 30 Euro unter dem Oberösterreich-Median.

Wer zahlt die Steuern? Die Arbeit­nehmer!

Die oberösterreichischen Beschäftigten sind nicht nur an ihren Arbeitsplätzen die wichtigsten Leistungsträger/-innen - sie finanzieren auch zum größten Teil den Staat und das Gemeinwesen. Fast sieben Milliarden Euro haben sie im Jahr 2017 an Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträgen geleistet. Berücksichtigt man auch die Konsumsteuern, tragen die Beschäftigten in unserem Bundesland wesentlich mehr zur Finanzierung der staatlichen Leistungen bei, als die Gewinnsteuern aller Unternehmen in ganz Österreich ausmachen. 

Die knapp 77.000 im Bezirk Linz-Land wohnenden Beschäftigten (einschließlich der öffentlich Bediensteten und Beamten/-innen) haben im Jahr 2017 insgesamt rund 790 Millionen Euro Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge (die sogenannten Arbeitnehmerbeiträge) gezahlt. Das sind rund 10.300 Euro pro Arbeitnehmerin und Arbeitnehmer. 

So kann es nicht weiter­gehen

Die Beschäftigten aus dem Bezirk Linz-Land sind die mit Abstand wichtigsten Leistungsträger/-innen im Bezirk. Dafür haben sie es verdient, anständig behandelt zu werden. Aber die Realität spricht oft eine andere Sprache: Arbeitsrechtsverstöße, Kündigungen im Krankenstand, unbezahlte Überstunden, Arbeiten auf Abruf, um nur einige Respektlosigkeiten zu nennen. Wo immer es geht, verhilft die Arbeiterkammer ihren Mitgliedern zu mehr Gerechtigkeit. 

Den mobilen, flexiblen, produktiven, innovativen und fleißigen Beschäftigten haben es die Unternehmen zu verdanken, dass sie gut verdienen. Österreichweit ist die Produktivität in den vergangenen 20 Jahren doppelt so stark gestiegen wie die von den Unternehmen bezahlten Arbeitskosten. Das heißt: Die Früchte der Arbeit sind sehr ungleich verteilt, weil die Eigentümer/-innen der Unternehmen überproportional von den Leistungen der Beschäftigten profitieren. 

Angriffe auf den Sozialstaat, wie sie in regelmäßigen Abständen von neoliberalen Unternehmensvertretern/-innen und konservativen Politikern/-innen vorgetragen werden, sind nicht akzeptabel. Denn die Beschäftigten zahlen sich mit ihrer Steuerleistung die Absicherung bei Krankheit, Arbeitslosigkeit oder in der Pension ohnehin selbst. Sie zahlen auch die Kindergärten, die Pflegeheime, die staatlichen Museen – alles Einrichtungen, die nicht nur von den Beschäftigten genutzt, aber vorwiegend von ihnen finanziert werden.  

Die AK fordert daher:

  • kräftige Lohn- und Gehaltserhöhungen auf Basis der hohen Produktivität sowie eine Anhebung der KV-Löhne und Gehälter auf mindestens 1.700 Euro,

  • die Rücknahme der gesetzlichen Arbeitszeitverlängerung, die Kürzung der Normalarbeitszeit auf 35 Stunden, ein Recht auf die 4-Tage-Woche und die sechste Urlaubswoche nach 25 Arbeitsjahren für alle. Unternehmen sollen für jede Überstunde im Betrieb einen Euro Überstundenabgabe zahlen,

  • die Senkung der Lohnsteuer, einen steuerlichen Wohnbonus und eine Millionärssteuer,

  • sowie die Umwandlung der Pendlerpauschale in eine kilometerabhängige Direktzahlung.
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