06.12.2019

Jugend­netzwerk­dialog Eferding: Rege Diskussion und neue Konzepte gegen Mobilitäts­armut von Jugendlichen 

Mobilität ist ein menschliches Grundbedürfnis. Um am sozialen, ökonomischen und kulturellen Leben teilhaben zu können, braucht es gute und leistbare Mobilitätsangebote. Viele junge Menschen in Österreich sind in ihrer Mobilität stark eingeschränkt. Insbesondere bei der Schul- und Berufswahl spielt das eine entscheidende Rolle. Bei der Ideenwerkstatt „Bewältigung von Mobilitätsarmut“ des Jugendnetzwerkes Eferding/Grieskirchen in der Arbeiterkammer Eferding mit Teilnehmern/-innen von sozialen Organisationen, Institutionen, Schulen und Betrieben wurden Lösungsstrategien diskutiert. AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer fordert etwa, dass alle Jugendlichen den gleichen Zugang zum Lehrlings- und Jugendticket haben sollen wie Lehrlinge und Schüler/-innen.

Öffentliche Verkehrs­mittel fehlen

Viele Jugendliche, gerade im ländlichen Raum, leiden darunter, dass das Netz öffentlicher Verkehrsmittel häufig nicht ausreichend ausgebaut ist. Zwar sind die Verbindungen nach Eferding und Grieskirchen relativ gut, das Angebot zwischen den einzelnen Gemeinden lässt jedoch vielfach zu wünschen übrig. Das wird etwa dann zum Problem, wenn Jugendliche eine Lehre machen wollen, der Lehrbetrieb sich aber in einer Gemeinde befindet, die mit Öffis schwer oder gar nicht erreichbar ist.

Jugend­ticket muss für alle Jugendliche sein

Ein weiteres Problem: Jene, die den Übergang von der Schule in den Beruf noch nicht geschafft haben und Unterstützungsangebote in Anspruch nehmen, in der sie auf die Berufswelt vorbereitet werden, haben im Gegensatz zu Schülern/-innen und Lehrlingen keinen Anspruch auf das Lehrlings- oder Jugendticket. Gegen einen kleinen Selbstbehalt hätten die Jugendlichen damit freie Fahrt zwischen Wohn- und Ausbildungsort. Mit der Aufzahlung zum Jugendticket könnten sie sich darüber hinaus günstig im gesamten Netz des Oberösterreichischen Verkehrsverbunds bewegen. Je nach Fördergeber und Angebot ist die finanzielle Unterstützung für die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel unterschiedlich geregelt. 

„Jugendliche in Unterstützungsangeboten kommen überwiegend ohnehin schon aus mobilitätsarmen Familien. Sie dürfen nicht noch zusätzlich ausgegrenzt werden. Die Arbeiterkammer Oberösterreich fordert daher einen Zugang zum Lehrlings- bzw. Jugendticket für alle, die sich in Unterstützungsprojekten befinden“, so AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer. Mit der Gleichstellung der Ticketpreise für Jugendliche in Unterstützungsangeboten mit jenen, die für Schüler/-innen und Lehrlinge gelten, würden sie von denselben Mobilitätsmöglichkeiten und somit einer besseren sozialen Teilhabe profitieren.

Jugendliche, die sich Tickets für die öffentlichen Verkehrsmittel selbst finanzieren müssen, haben oft Schwierigkeiten, zum Jugendcoaching oder zum Schnuppern in Betriebe zu kommen. „Diese Benachteiligung isoliert diese Jugendlichen noch mehr und es ist sehr schwierig, sie zu motivieren, um am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen“, betont Kathrin Hofinger, Jugendcoach für außerschulische Jugendliche der Sozialen Initiative.
Christian Windischbauer von der Regionalbetreuung des Oberösterreichischen Verkehrsverbunds (OÖVV) erklärte, dass die Planungen und Umsetzungen regionaler Verkehrskonzepte 10 Jahre betragen und in diesem Zeitraum nur geringe Änderungen möglich sind. Daher sei es für die Betriebe wichtig, sich bei der Gemeinde vor der Ansiedlung über die öffentliche Verkehrsanbindung zu informieren, um den Betriebsstandort für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gut erreichbar zu machen.

Gleichzeitig gibt es erfreulicherweise einige Betriebe, die Verständnis für die Situation der Jugendlichen aufbringen und die Arbeitszeiten der Lehrlinge an den Busfahrplan anpassen. Daneben organisieren engagierte Mitarbeiter/-innen Fahrgemeinschaften, und in manchen Fällen holen Firmen ihre Mitarbeiter/-innen sogar per Shuttledienst ab. 

Druckfähiges Foto 

Jugendnetzwerktagung Eferding © -, Arbeiterkammer Oberösterreich
Jugendnetzwerktagung Eferding © -, Arbeiterkammer Oberösterreich

V.l.n.r.: Elisabeth Marschalek, Arbeiterkammer Grieskirchen; Christian Windischbauer, OÖ Verkehrsverbund; Kathrin Hofinger, Soziale Initiative; Daniel Reisinger, JugendService Eferding; Werner Wagnest, Arbeiterkammer Eferding

Nähere Informationen zu den Jugendnetzwerken finden Sie auf www.jugendnetzwerk-ooe.at. 

"Die Arbeiter­kammer Ober­österreich fordert einen Zugang zum Lehrlings- bzw. Jugend­ticket für alle, die sich in Unterstützungs­projekten befinden."

Dr. Johann Kalliauer

AK Präsident

Kontakt

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