16.10.2019

Die Leistungsbilanz der Beschäftigten aus dem Bezirk Ried

Egal ob auf der Baustelle, im Forschungslabor, im Kindergarten, an der Supermarktkassa oder im Lohnbüro. Und darüber hinaus beim Roten Kreuz und bei der Feuerwehr - überall dort arbeiten die wahren Leistungsträger/-innen, nämlich die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Ohne sie stünde im Bezirk Ried und im gesamten Bundesland alles still. Die Arbeiterkammer Oberösterreich holt daher ihre Leistungen vor den Vorhang - mit der neuesten Leistungsbilanz der Beschäftigten aus dem Bezirk Ried.

Lehrbetriebe verschwinden

Im Jahresdurchschnitt 2018 waren im Bezirk Ried 26.590 Menschen unselbständig beschäftigt - um 2,2 Prozent mehr als im Jahr zuvor und um 13,1 Prozent mehr als vor 10 Jahren. Das ist der zweitstärkste Zuwachs aller oberösterreichischen Bezirke. Von diesem Zuwachs haben Frauen in viel höherem Ausmaß profitiert als Männer. Äußerst bedenklich ist hingegen die Entwicklung bei den Lehrlingen und Lehrbetrieben: 2018 gab es beinahe um ein Viertel weniger Betriebe, die Lehrlinge ausgebildet haben, als ein Jahrzehnt zuvor. Auch die Zahl der Lehrlinge ist somit um 23 Prozent gesunken. Hier ist der (angebliche generelle) Fachkräftemangel eindeutig ein hausgemachtes Problem.

Die Erwerbsquote liegt im Bezirk Ried mit 79,4 Prozent einen Prozentpunkt über dem Landesdurchschnitt. Das heißt, dass etwas mehr als drei Viertel aller Frauen und fast 83 Prozent der Männer aus dem Bezirk Ried erwerbstätig sind. Knapp ein Drittel aller Beschäftigten hat einen Teilzeitjob – 57 Prozent der Frauen und etwas mehr als ein Zehntel der Männer.

Strenge Geschlechtertrennung

Mehr als ein Drittel der Beschäftigten ist in Großbetrieben mit mehr als 100 Mitarbeitern/-innen tätig. Nur in den Statutarstädten Linz, Wels und Steyr spielen Großbetriebe eine derart wichtige Rolle wie in Ried. Die größten Firmen im Bezirk sind:

  • die FACC Operations in Ried,
  • das Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern, 
  • die Firma Fill in Gurten,
  • die Firma Schmidt Saubere Arbeit in Ried,
  • die Firma Scheuch in Aurolzmünster sowie
  • die Firmen Team 7 und Wintersteiger in Ried.

Den höchsten Frauenanteil gibt es es mit knapp 80 Prozent im Gesundheits- und Sozialwesen. Von den Beschäftigten am Bau sind 83 Prozent Männer. Die mit Abstand größte Branche ist die Herstellung von Waren mit knapp 10.000 Beschäftigten, gefolgt vom Handel mit rund 5.000 Arbeitnehmern/-innen.

Arbeitslose suchen intensiv nach neuen Jobs

Im vergangenen Jahr waren im Bezirk Ried durchschnittlich 1.150 Personen arbeitslos, 416 befanden sich in Schulungsmaßnahmen des Arbeitsmarktservice und 31 Jugendliche suchten eine Lehrstelle. Die registrierte Arbeitslosigkeit lag bei 4,1 Prozent und damit deutlich unter dem Landesdurchschnitt von 5 Prozent. Fast drei Viertel der Arbeitsuchenden aus dem Bezirk Ried haben innerhalb von 3 Monaten eine neue Beschäftigung gefunden. Das ist der zweitbeste Wert im oberösterreichischen Bezirksvergleich. Und auch bei der durchschnittlichen Verweildauer in der Arbeitslosigkeit liegt Ried im Innkreis auf Platz 2 unter den 18 oberösterreichischen Bezirken.

Als Rieder pendelt man

Fast 79 Prozent der unselbständig Beschäftigten aus dem Bezirk Ried müssen aus ihrer Heimatgemeinde auspendeln, um zur Arbeit zu gelangen – Tendenz weiter steigend. Der Anteil der Bezirksauspendler/-innen liegt bei rund 29 Prozent. Das ist der geringste Anteil aller oberösterreichischen Bezirke.

Viele Beschäftigte aus dem Bezirk Ried legen weite Wegstrecken zurück, um in die Arbeit und wieder nach Hause zu kommen. Ein Viertel der Beschäftigten aus dem Bezirk pendelt jeden Tag mehr als 40 Kilometer und rund 11 Prozent fahren sogar mehr als 100 Kilometer zu ihrem Arbeitsplatz und zurück nach Hause. Für sie kostet die berufliche Mobilität viel Geld und wertvolle Zeit.

Beschäftigte leisten enormes!

Im vergangenen Jahr ist es der Arbeiterkammer gelungen, die veröffentlichten Jahresabschlüsse beinahe aller oberösterreichischen Mittel- und Großbetriebe (mit Ausnahme von Banken, Versicherungen und Non-Profit-Unternehmen) mit mehr als 49 Beschäftigten zu analysieren. Im Bezirk Ried sind das 36 Unternehmen mit rund 12.400 Beschäftigten.

Was sie im Bilanzjahr 2017 vollbracht haben, kann sich sehen lassen: Die Pro-Kopf-Wertschöpfung (also jener Betrag, der pro Kopf erwirtschaftet wird) lag bei fast 66.000 Euro. Zieht man davon die durchschnittlichen Personalkosten ab, bleiben den Unternehmen jährlich immer noch fast 15.000 Euro pro Mitarbeiterin und Mitarbeiter.

Rieder sind kreativ

Aber die Beschäftigten sind nicht nur produktiv, sondern auch innovativ und erfinderisch. Sei es direkt bei der Arbeit, wo viele Beschäftigte mit ihren Erfahrungen und ihrem Wissen aus dem täglichen Arbeitsprozess neue Ideen entwickeln, sei es im Hochschulsektor oder in den Forschungsabteilungen der Betriebe. Im vergangenen Jahr wurden beim Österreichischen Patentamt rund 2.400 Erfindungen aus ganz Österreich angemeldet, weltweit sogar mehr als 11.000 aus Österreich stammende Patente. Im Bundesländervergleich liegt Oberösterreich hier traditionell auf Platz 1. Im Bezirk Ried wurden im Vorjahr 33 Erfindungen angemeldet.

Über 1 Milliarde Überstunden

Es sind aber nicht nur diese Spitzenleistungen, die unsere Arbeitnehmer/-innen zu den wahren Leistungsträgern der Gesellschaft machen. Es ist auch ihr täglicher Arbeitseinsatz, ihre Bereitschaft zur Mehrleistung, wenn es der Arbeitsaufwand erfordert, ihre Bereitschaft zur (beruflichen) Weiterbildung, ihr ehrenamtliches Engagement, ihr familiärer Einsatz in der Kinderbetreuung und Altenpflege.

Nur 2 Zahlen dazu: Mehr als eine Milliarde beruflicher Arbeitsstunden werden laut Statistik Austria jährlich in Oberösterreich geleistet, davon sind knapp 39 Millionen Überstunden bzw. Mehrarbeitsstunden - diese Daten können allerdings nicht nach Bezirken aufgeschlüsselt werden.

Gewinne bleiben bei den Unternehmen

Der wirtschaftliche Aufschwung ist auf den Gehaltskonten der Beschäftigten bislang nicht zu verspüren. Denn viele Arbeitnehmer/-innen bekommen für ihre herausragenden Leistungen nach wie vor keine gerechte Gegenleistung ausbezahlt. Vor allem Frauen aus dem Bezirk Ried, und insbesondere Arbeiterinnen, müssen (u.a. aufgrund von Teilzeitbeschäftigung) mit niedrigen Einkommen auskommen.

Am besten steigen die männlichen Angestellten mit mittleren Bruttogehältern von 3.422 Euro aus. Quer über alle Beschäftigungsformen, Branchen und Berufe hinweg bekommen die Beschäftigten im Bezirk Ried mittlere Bruttoeinkommen von 2.319 Euro monatlich - um 1,3 Prozent bzw. 30 Euro weniger als im Oberösterreich-Median.

Beschäftigte tragen Steuerlast

Die oberösterreichischen Beschäftigten sind nicht nur an ihren Arbeitsplätzen die wichtigsten Leistungsträger/-innen - sie finanzieren auch zum größten Teil den Staat und das Gemeinwesen. Fast 7 Milliarden Euro haben sie im Jahr 2017 an Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträgen geleistet. Berücksichtigt man auch die Konsumsteuern, tragen die Beschäftigten in unserem Bundesland wesentlich mehr zur Finanzierung der staatlichen Leistungen bei, als die Gewinnsteuern aller Unternehmen in ganz Österreich ausmachen.

Die rund 32.000 im Bezirk Ried wohnenden Beschäftigten (einschließlich der öffentlich Bediensteten und Beamten/-innen) haben im Jahr 2017 insgesamt knapp 266 Millionen Euro Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge (die sogenannten Arbeitnehmerbeiträge) gezahlt. Das sind rund 8.400 Euro pro Arbeitnehmerin und Arbeitnehmer.

Es muss sich etwas ändern!

Die Beschäftigten aus dem Bezirk Ried sind die mit Abstand wichtigsten Leistungsträger/-innen im Bezirk. Dafür haben sie es verdient, anständig behandelt zu werden. Aber die Realität spricht oft eine andere Sprache: Arbeitsrechtsverstöße, Kündigungen im Krankenstand, unbezahlte Überstunden, Arbeiten auf Abruf, um nur einige Respektlosigkeiten zu nennen. Wo immer es geht, verhilft die Arbeiterkammer ihren Mitgliedern zu mehr Gerechtigkeit.

Den mobilen, flexiblen, produktiven, innovativen und fleißigen Beschäftigten haben es die Unternehmen zu verdanken, dass sie gut verdienen. Österreichweit ist die Produktivität in den vergangenen zwanzig Jahren doppelt so stark gestiegen wie die von den Unternehmen bezahlten Arbeitskosten. Das heißt: Die Früchte der Arbeit sind sehr ungleich verteilt, weil die Eigentümer/-innen der Unternehmen überproportional von den Leistungen der Beschäftigten profitieren.

Angriffe auf den Sozialstaat, wie sie in regelmäßigen Abständen von neoliberalen Unternehmensvertretern/-innen und konservativen Politikern/-innen vorgetragen werden, sind nicht akzeptabel. Denn die Beschäftigten zahlen sich mit ihrer Steuerleistung die Absicherung bei Krankheit, Arbeitslosigkeit oder in der Pension ohnehin selbst. Sie zahlen auch die Kindergärten, die Pflegeheime, die staatlichen Museen - alles Einrichtungen, die nicht nur von den Beschäftigten genutzt, aber vorwiegend von ihnen finanziert werden.

Die AK fordert daher:

  • kräftige Lohn- und Gehaltserhöhungen auf Basis der hohen Produktivität sowie eine Anhebung der KV-Löhne und Gehälter auf mindestens 1.700 Euro,

  • die Rücknahme der gesetzlichen Arbeitszeitverlängerung, die Kürzung der Normalarbeitszeit auf 35 Stunden, ein Recht auf die 4-Tage-Woche und die sechste Urlaubswoche nach 25 Arbeitsjahren für alle. Unternehmen sollen für jede Überstunde im Betrieb einen Euro Überstundenabgabe zahlen;

  • die Senkung der Lohnsteuer, einen steuerlichen Wohnbonus und eine Millionärssteuer,

  • sowie die Umwandlung der Pendlerpauschale in eine kilometerabhängige Direktzahlung.
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