08.11.2019

Jugendnetzwerktagung Wels: Rege Dis­ku­ssion und neue Kon­zepte gegen Mo­bili­täts­ar­mut von Jugend­lichen 

Mobilität ist ein menschliches Grundbedürfnis. Um am sozialen, ökonomischen und kulturellen Leben teilhaben zu können, braucht es gute und leistbare Mobilitätsangebote. Viele junge Menschen in Österreich sind in ihrer Mobilität stark eingeschränkt. Insbesondere bei der Schul- und Berufswahl spielt das eine entscheidende Rolle. Bei der Ideenwerkstatt „Bewältigung von Mobilitätsarmut“ des Jugendnetzwerkes Wels in der AK Wels mit Teilnehmern/-innen von sozialen Organisationen, Institutionen, Schulen und Betrieben wurden Lösungsstrategien diskutiert. AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer fordert etwa, dass Jugendliche in Unterstützungsangeboten, wie etwa der Produktionsschule, den gleichen Zugang zum Lehrlings- und Jugendticket haben sollen wie Lehrlinge und Schüler/-innen. 

Wie komme ich zur Ar­beit?

Viele Jugendliche, gerade im ländlichen Raum, leiden darunter, dass das Netz öffentlicher Verkehrsmittel häufig nicht ausreichend ausgebaut ist. Zwar sind die Verbindungen nach Wels relativ gut, das Angebot zwischen den einzelnen Gemeinden lässt jedoch vielfach zu wünschen übrig. 

Das wird etwa dann zum Problem, wenn Jugendliche eine Lehre machen wollen, der Lehrbetrieb sich aber in einer Gemeinde befindet, die mit Öffis schwer oder gar nicht erreichbar ist. „Potenzielle Lehrstellen können so schwer erreicht werden“, berichtete Claudia Maierhofer von der Berufsausbildungsassistenz aus Wels. Dadurch würden insbesondere Jugendliche, die es schwer haben, Lehrstellen zu finden, benachteiligt. 

Produktions­schüler/-innen be­nachteiligt

Ein weiteres Problem: Jene, die den Übergang von der Schule in den Beruf noch nicht geschafft haben und Unterstützungsangebote in Anspruch nehmen, in der sie auf die Berufswelt vorbereitet werden, haben im Gegensatz zu Schülern/-innen und Lehrlingen keinen Anspruch auf das Lehrlings- oder Jugendticket. Gegen einen kleinen Selbstbehalt hätten die Jugendlichen damit freie Fahrt zwischen Wohn- und Ausbildungsort. 
Mit der Aufzahlung zum Jugendticket könnten sie sich darüber hinaus günstig im gesamten Netz des Oberösterreichischen Verkehrsverbunds bewegen. Je nach Fördergeber und Angebot ist die finanzielle Unterstützung für die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel unterschiedlich geregelt.  

Junge Menschen nicht aus­grenzen

„Jugendliche in Unterstützungsangeboten kommen überwiegend ohnehin schon aus mobilitätsarmen Familien. Sie dürfen nicht noch zusätzlich ausgegrenzt werden. Die Arbeiterkammer Oberösterreich fordert daher einen Zugang zum Lehrlings- oder Jugendticket für alle, die sich in Unterstützungsprojekten befinden“, so AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer. Mit der Gleichstellung der Ticketpreise für Jugendliche in Unterstützungsangeboten mit jenen, die für Schüler/-innen und Lehrlinge gelten, würden sie von den selben Mobilitätsmöglichkeiten und somit einer besseren sozialen Teilhabe profitieren. 

Mangel an digi­taler Kom­petenz

Mobilitätsarmut steht auch in direktem Zusammenhang mit fehlenden digitalen Kompetenzen. So stellte sich beim Treffen des Welser Jugendnetzwerkes heraus, dass Jugendliche wenig Information darüber haben, wie sie Apps dazu nutzen können, um Routen digital zu planen. „Wir bereiten die Jugendlichen oft tagelang vor, wenn sie in einem Betrieb schnuppern dürfen, der entlegen ist, sie öffentliche Verkehrsmittel nutzen und eventuell umsteigen müssen“, sagte Annette Schmidt, Leiterin der Produktionsschule Wels. 

Verkehrskonzepte lang­fristig planen

Christian Windischbauer von der Regionalbetreuung des Oberösterreichischen Verkehrsverbunds (OÖVV) erklärte, dass die Planungen und Umsetzungen regionaler Verkehrskonzepte 10 Jahre betragen und in diesem Zeitraum nur geringe Änderungen möglich sind. Daher sei es für die Betriebe wichtig, sich bei der Gemeinde vor der Ansiedlung über die öffentliche Verkehrsanbindung zu informieren, um den Betriebsstandort für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gut erreichbar zu machen.

Arbeitszeiten an Fahr­plan anpassen

Gleichzeitig gibt es erfreulicherweise einige Betriebe, die Verständnis für die Situation der Jugendlichen aufbringen und die Arbeitszeiten der Lehrlinge an den Busfahrplan anpassen. Daneben organisieren engagierte Mitarbeiter/-innen Fahrgemeinschaften, und in manchen Fällen holen Firmen ihre Mitarbeiter/-innen sogar per Shuttledienst ab. Vereinzelte Lehrbetriebe belohnen ihre Lehrlinge mit der Kostenübernahme des Führerscheins - meist aber nur dann, wenn der Lehrabschluss mit Auszeichnung bewältigt wird.

Foto in Druck­qualität

Der Abdruck des Fotos ist honorarfrei, wenn das Copyright "Arbeiterkammer Oberösterreich" angeführt wird.

Jugendnetzwerktagung in Wels © Seher Sanduvac, Arbeiterkammer Oberösterreich

Bild (v.l.n.r.): Christian Windischbauer (OÖVV); Claudia Mairhofer (Jugend am Werk); Dr.in Michaela Petz (Leiterin der AK Wels) und Sabine Morocutti (Regionalmanagement OÖ) bei der Jugendnetzwerktagung in der Arbeiterkammer Wels.

"Jugendliche in Unter­stützungs­an­ge­boten kommen über­wiegend ohne­hin schon aus mo­bili­täts­armen Familien. Sie dürfen nicht noch zu­sätz­lich aus­ge­grenzt werden. Die Arbeiter­kammer Ober­österreich fordert daher für sie einen Zu­gang zum Lehrlings- oder Jugend­ticket."

Dr. Johann Kalliauer

AK-Präsident

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"Jugendliche in Unter­stützungs­an­ge­boten kommen über­wiegend ohne­hin schon aus mo­bili­täts­armen Familien. Sie dürfen nicht noch zu­sätz­lich aus­ge­grenzt werden. Die Arbeiter­kammer Ober­österreich fordert daher für sie einen Zu­gang zum Lehrlings- oder Jugend­ticket."

Dr. Johann Kalliauer

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