Lehrvertrag

Der Lehrvertrag ist die rechtliche Grundlage für das Lehrverhältnis. Er muss zwischen Lehrberechtigtem und Lehrling schriftlich abgeschlossen werden. Ist der Lehrling minderjährig, ist die Zustimmung des gesetzlichen Vertreters (bei ehelichen Kindern Vater oder Mutter) erforderlich.

Bei Detailfragen zum Lehrvertrag rufen Sie uns an (+43 50 6906 1) oder schauen Sie einfach bei unseren Jugendberatern vorbei. Wir helfen Ihnen gerne.

Welcher Betrieb darf Lehrlinge ausbilden?

In einem Betrieb ist die Ausbildung von Lehrlingen nur dann zulässig, wenn der Unternehmer /die Unternehmerin eine Ausbildungsberechtigung, einen sogenannten "Feststellungsbescheid" besitzt.

In diesem Verfahren wird festgestellt, ob

  1. der/die Lehrberechtigte die persönlichen Voraussetzungen erfüllt (Gewerbeberechtigung, kein Ausbildungsverbot, Ausbilderprüfung -kurs, usw.) und ob
  2. der Betrieb oder die Werkstätte so eingerichtet ist und so geführt wird, dass dem Lehrling die zur praktischen Erlernung des jeweiligen Lehrberufes notwendigen Fertigkeiten und Kenntnisse vermittelt werden können.

Können nicht alle Inhalte des Berufsbildes (Liste der Fertigkeiten und Kenntnisse) im Lehrbetrieb erlernt werden, ist auch eine Auslagerung in einen Partnerbetrieb oder in eine Bildungseinrichtung (BFI/WIFI – Kurse) möglich.

Wenn Sie wissen möchten, ob ein Betrieb eine derartige Ausbildungsberechtigung besitzt bzw. ein derartiges Verfahren läuft: Unsere AK-Experten/-innen beraten Sie gerne!

Abschluss des Lehrvertrages

Der Lehrberechtigte hat den Lehrvertrag ohne unnötigen Aufschub, jedenfalls binnen drei Wochen ab Beginn des Lehrverhältnisses bei der Lehrlingsstelle anzumelden und den Lehrling davon zu informieren.

Außerdem muss der Lehrberechtigte den Lehrling unverzüglich bei der Gebietskrankenkasse und innerhalb von zwei Wochen in der Berufsschule anmelden.

Erfolgt keine fristgerechte Anmeldung bzw. Vorlage des Lehrvertrages zur Unterschriftsleistung, könnte es eventuell daran liegen, dass der Betrieb nicht - bzw. noch nicht - alle Voraussetzungen zur Lehrlingsausbildung erfüllt. Dies kann sich nachteilig für den Lehrling auswirken.

Im Falle derartiger Verzögerungen kann der Lehrling oder sein gesetzlicher Vertreter der Lehrlingsstelle den Abschluss des Lehrvertrages bekannt geben.

Daher

Rechtzeitig Auskunft einholen bei den Expertinnen und Experten der AK.


Das sollten Sie beachten

  • Wenn keine allgemeine Regelung der Lehrlingsentschädigung durch einen Kollektivvertrag vorliegt, ist deren Höhe im Lehrvertrag zu vereinbaren. Es gebührt jedenfalls die für gleiche, verwandte oder ähnliche Lehrberufe geltende Lehrlingsentschädigung. Achten Sie darauf, dass auch die Höhe des Urlaubs- und Weihnachtsgeldes verreinbart werden.

  • Lernen Sie in einem Betrieb, der Filialen oder mehrere Standorte hat, so achten Sie darauf, dass im Lehrvertrag der Standort der konkreten Ausbildungsstätte angegeben ist. An anderen, nicht vereinbarten Standorten dürfen Sie nicht eingesetzt werden.

  • Fertigen Sie gleich, nachdem der Lehrvertrag unterschrieben ist, eine Kopie davon an. Es dauert nämlich einige Zeit, bis der Lehrvertrag geprüft ist und Sie Ihre Ausfertigung erhalten.

  • Melden Sie eine Erkrankung oder eine sonstige Dienstverhinderung umgehend dem Lehrberechtigten bzw. dem Ausbilder. Bei unentschuldigtem Fernbleiben (schwere Pflichtverletzung) riskieren Sie eine vorzeitige Auflösung Ihres Lehrverhältnisses (Entlassung).

  • Achten Sie darauf, dass die im Lehrvertrag eventuell vereinbarten Ausbildungsverbundmaßnahmen termingerecht durchgeführt werden.

Das MUSS im Lehrvertrag stehen

Im Lehrvertrag muss festgehalten werden:

  • Bezeichnung des Lehrberufes
  • Standort der tatsächlichen Ausbildungsstätte
  • Daten des Lehrberechtigten, des Lehrlings und dessen gesetzlichen Vertreters
  • Sozialversicherungsnummer
  • Name des Ausbilders (Ausbildungsleiters)
  • Datum des Beginns und des Endes des Lehrverhältnisses
  • Etwaige Ausbildungsverbundmaßnahmen
  • Hinweis auf die Höhe der Lehrlingsentschädigung

Ausbildungsverbund: Von einem Ausbildungsverbund spricht man, wenn der Lehrbetrieb eine oder einige wenige Positionen des Berufsbildes nicht selbst vermitteln kann und die Ausbildung in diesen Teilbereichen daher auslagern muss. Ist dies in Ihrem Betrieb der Fall, dann muss im Lehrvertrag stehen,

  • welche Berufsbildpositionen
  • in welchem Lehrjahr und
  • in welcher Dauer
  • wo (Partnerbetrieb, Kursträger)

vermittelt werden.

Wenn Sie Interesse am Berufsbild für Ihren Lehrberuf haben, schicken Sie uns einfach eine E-Mail. Wir senden Ihnen dieses gerne zu.

Darüber hinaus kann im Lehrvertrag stehen

  • Bedingungen, unter denen der Lehrberechtigte dem Lehrling Verpflegung, Bekleidung und Wohnung gewährt,
  • Vereinbarungen über die Tragung der Internatskosten durch den Lehrberechtigten

Berufsschule - Internatskosten

>> zum Artikel "Berufsschule"

Lehrlingsentschädigung

Der Lehrberechtigte hat dem Lehrling eine Lehrlingsentschädigung zu bezahlen. Nicht nur für die Zeit der Arbeitsleistung im Betrieb, sondern auch für Zeiten des Berufsschulbesuches, der Krankheit, des Urlaubs, der Lehrabschlussprüfung, für Feiertage oder sonstige Zeiten des Anspruchs auf bezahlte Freistellung.

Die Lehrlingsentschädigung ist - je nach Branche bzw. Beruf - unterschiedlich hoch, nach Lehrjahren gestaffelt und im Kollektivvertrag geregelt (Mindestlohn). Gibt es keinen Kollektivvertrag oder fehlt eine diesbezügliche Regelung, ist die Höhe der Lehrlingsentschädigung im Lehrvertrag festzulegen. Auch das Ausmaß der Sonderzahlungen (Urlaubs- und Weihnachtsgeld), der Zulagen und Überstundenzuschläge ist ebenfalls dem Kollektivvertrag zu entnehmen.

Rechtzeitige Anfrage bei der AKOÖ und entsprechende Intervention beim Lehrberechtigten sichern Ihnen Ihre Ansprüche!

Anerkennung von Schulzeiten auf die Lehrzeit

Fragestellung:

Susanne hat nach vier Jahren den Besuch der Handelsakademie abgebrochen und hat die Möglichkeit eine Lehre als Bürokauffrau zu beginnen. Nun will sie wissen, ob und was ihr von den Zeugnissen der HAK auf die Lehrzeit angerechnet werden kann.

Antwort:

Ein Ersatz von Lehrzeiten KANN erfolgen, wenn in der „schwerpunktmäßigen berufsbildenden Schulausbildung“ einschlägige Fertigkeiten und Kenntnisse (theoretisch wie praktisch) vermittelt wurden, dass Susanne für eine verkürzte Lehrzeit bzw. für die Lehrabschlussprüfung befähigt ist.

Wie geht Susanne weiter vor?

Susanne muss sich mit Ihrem/Ihrer (künftigen) Arbeitgeber/-in (Lehrbetrieb) über das Ausmaß der Anrechnung einigen und einen von beiden Vertragsparteien unterfertigten Antrag stellen. Der wird gemeinsam mit dem Lehrvertrag an die Lehrlingsstelle gesandt. In weiterer Folge wird der Antrag an den „LABAB“ (=Landesberufsbildungsbeirat) weitergeleitet, wo definitiv über das Ausmaß der Anrechnung, d.h. über den „Ersatz von Lehrzeiten auf Grund schulmäßiger Berufsausbildung“, entschieden wird. 

Es ist aber auch möglich, dass Susanne einen Antrag auf ausnahmsweise Zulassung zur Lehrabschlussprüfung für den Lehrberuf Bürokauffrau stellt, ohne eine Lehre noch zu absolvieren.

Hinweise

  • Eine automatische Anrechnung von Schulzeiten gibt es NICHT. Eigentlich müsste der Wirtschaftsminister verordnen, in welchem Ausmaß Lehrzeiten in bestimmten Lehrberufen auf Grund eines einschlägigen Schulbesuchs ersetzt werden. Solche Verordnungen sind allerdings seit Jahren ausständig.

  • Es ist im Einzelfall nachzuweisen, dass während des Schulbesuchs „in den dem betreffenden Lehrberuf eigentümlichen Fertigkeiten und Fähigkeiten derart fachgemäß ausgebildet und praktisch unterwiesen werden, dass sie (die Jugendlichen, Anm.) in der Lage sind, die Ausbildung in einer Lehre unter entsprechender Verkürzung der Lehrzeit zweckentsprechend fortzusetzen oder befähigt sind, zur Lehrabschlussprüfung anzutreten“. - siehe Berufsausbildungsgesetz (BAG), § 28 (1)

  • Bei der besuchten Schule muss es sich um eine mindestens 3-jährige mittlere oder höhere Schule handeln (Klassen, die nicht mindestens der 10. Schulstufe entsprechen, können nicht angerechnet werden).

  • Arbeitsrechtlich gilt das Prüfungszeugnis einer positiv abgeschlossenen mindestens dreijährigen berufsbildenden mittleren oder höheren Schule zumindest als Nachweis einer facheinschlägigen abgeschlossenen Lehre (§ 34a Berufsausbildungsgesetz)

Anerkennung von Schulabschlüssen als Lehre

Arbeitsrechtlich gilt das Prüfungszeugnis einer positiv abgeschlossenen mindestens dreijährigen berufsbildenden mittleren oder höheren Schule zumindest als Nachweis einer facheinschlägigen abgeschlossenen Lehre (§ 34a Berufsausbildungsgesetz).

Mit einem Erlass hat der Wirtschaftsminister festgehalten nach welchen positiv abgeschlossenen berufsbildenden mittleren oder höheren Schulen keine facheinschlägigen Lehrverhältnisse mehr abgeschlossen werden dürfen. Dadurch kann die, für jeden neuen Mitarbeiter/in notwendige, Einschulung in den Betrieb nicht mehr als Lehrzeit mit Lehrlingsentschädigung vereinbart werden.

Die genaue Liste der Schulen und Lehrberufe finden Sie in unserem LehrberufsABC.

Kontakt

AK Rechtsberatung
Volksgartenstraße 40
4020 Linz
TEL: +43 50 6906 1
Anfrage ...

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