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Urlaubsanspruch

Jede/r Arbeitnehmer/-in und jeder Lehrling hat Anspruch auf bezahlten Urlaub.

Anspruch

Wenn Sie in einer Firma neu zu arbeiten beginnen, entsteht der Urlaubsanspruch im ersten halben Jahr im Verhältnis zur zurückgelegten Dienstzeit nach jeweils zirka 13 Kalendertagen haben Sie Anspruch auf einen Urlaubstag, nach rund zweieinhalb Monaten auf eine ganze Urlaubswoche. Nach diesem halben Jahr steht der Urlaub im vollen Ausmaß zu.

Ab dem zweiten Arbeitsjahr haben Sie gleich zu Beginn des Arbeitsjahres den gesamten Urlaubsanspruch.

DienstzeitAnspruch pro Urlaubsjahr
weniger als 25 Jahre30 Werktage (= 5 Wochen)
nach Vollendung des 25. Dienstjahres
36 Werktage (= 6 Wochen)

Beachten Sie:

  • Durch Kollektivvertrag oder Betriebsvereinbarung kann das Urlaubsjahr von Arbeitsjahr (ab Eintrittsdatum) auf Kalenderjahr umgestellt werden.

  • Statt Werktagen (inklusive Samstagen) kann Ihr Urlaub auch in reinen Arbeitstagen berechnet werden.
Damit nichts schief geht!
  • Führen Sie selbst schriftliche Aufzeichnungen über Ihren Urlaubsverbrauch!

  • Halten Sie die mit Ihrem Arbeitgeber/Ihrer Arbeitgeberin geschlossene Urlaubsvereinbarung schriftlich fest, um diese in einem Streitfall auch nachweisen zu können!

  • Kontrollieren Sie Ihre Lohn- bzw. Gehaltsabrechnungen immer unverzüglich! Ansonsten laufen Sie Gefahr, eine Frist zu versäumen und dadurch Ansprüche, wie zum Beispiel den Urlaubszuschuss,zu verlieren.


Achtung

Sinn und Zweck des Urlaubes ist die Erholung.

Vereinbarungen, wonach der Arbeitnehmer/die Arbeitnehmerin auf den Urlaub verzichtet und sich dafür eine Ablöse in Geld zahlen lässt, sind daher ausdrücklich verboten!

Genehmigung durch Arbeitgeber

Der Zeitpunkt des Urlaubsantrittes und die Dauer des Urlaubes ist zwischen Arbeitgeber/-in und Arbeitnehmer/-in bzw. Lehrling zu vereinbaren. Dabei ist sowohl auf die Erfordernisse des Betriebes als auch auf die Erholungsmöglichkeiten des Arbeitnehmers/der Arbeitnehmerin bzw. Lehrlings Rücksicht zu nehmen. Der Urlaub soll möglichst bis zum Ende des Urlaubsjahres, in dem der Anspruch entstanden ist, verbraucht werden können.

Kommt es zu keiner Einigung, so kann der Arbeitnehmer/die Arbeitnehmerin bzw. der Lehrling den Urlaub zu dem von ihm vorgeschlagenen Zeitpunkt nur antreten, wenn

  • im Betrieb ein Betriebsrat vorhanden ist,
  • der Arbeitnehmer/die Arbeitnehmerin oder der Lehrling den gewünschten Urlaubszeitpunkt mindestens 3 Monate vorher bekanntgegeben hat und mindestens 12 Werktage (= 2 Wochen) auf einmal verbrauchen will,
  • trotz Beiziehung des Betriebsrates keine Einigung über den Termin zustande gekommen ist und
  • der Unternehmer/die Unternehmerin nicht zeitgerecht (frühestens 8, spätestens 6 Wochen vor dem Urlaubstermin) die Klage beim Arbeitsgericht eingebracht hat.
achtung

In Betrieben, in denen kein Betriebsrat besteht, muss auf jeden Fall eine Übereinstimmung mit dem Unternehmer/der Unternehmerin erzielt werden.
Ein Jugendlicher bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres muss auf sein Verlangen mindestens 12 Werktage (= 2 Wochen) Urlaub in der Zeit zwischen 15. Juni und 15. September erhalten.

Verjährung

Der Urlaubsanspruch verjährt grundsätzlich 2 Jahre nach Ende des Urlaubsjahres, in dem der Urlaub entstanden ist. Danach ist gesetzlich weder ein Verbrauch noch eine finanzielle Abgeltung vorgesehen.

achtung

Beim Urlaubsverbrauch wird der aktuell angetretene Urlaub immer auf den ältesten Resturlaub angerechnet bzw. von diesem abgezogen. Die Verjährung kann daher erst dann eintreten, wenn 3 Jahre lang überhaupt kein Urlaub verbraucht wurde.


Beispiel:
Ein Arbeitnehmer/Eine Arbeitnehmerin ist am 01.09.2010 in ein Unternehmen eingetreten. Das erste Urlaubs- bzw. Arbeitsjahr endet somit am 31.08.2011. Der Urlaubsanspruch aus diesem Urlaubsjahr würde daher grundsätzlich mit 31.08.2013 verjähren.

Der Arbeitnehmer/Die Arbeitnehmerin hat folgende Werktage Urlaub verbraucht:

im Jahr 2010
im Jahr 2011
zwischen 01.01. und 31.08.2012
___________________________

+
+
___
=
1
25
4
___
30
Werktag
Werktage
Werktage
_________
Werktage

Da alle Werktage aus dem Urlaubsjahr 2010/11 somit vor dem 31.08.2013 verbraucht wurden, ist auch kein Urlaubstag verjährt. Ein weiterer Urlaub wird nun vom Anspruch ab 01.09.2013 (Urlaubsjahr 2010/11) abgezogen.

Achtung

Gehen Sie in Elternkarenz, verlängert sich die Verjährungsfrist um die Dauer der Karenz.

Urlaubsberechnung und Anrechnungszeiten

Für die Berechnung des Urlaubsausmaßes sind Dienst-/Lehrzeiten bei derselben Arbeitgeberin/demselben Arbeitgeber die keine längere Unterbrechung als 3 Monate aufweisen, zusammenzurechnen. Diese Zusammenrechnung entfällt, wenn die Arbeitnehmerin/der Arbeitnehmer das Arbeitsverhältnis selbst aufkündigt, aus eigenem Verschulden entlassen wird oder ohne wichtigen Grund vorzeitig austritt.

Für das Urlaubsausmaß sind unter anderem anzurechnen:

  • Dienst-/Lehrzeiten aus einem im Inland bzw. im EU- und EWR-Raum zugebrachten Arbeitsverhältnis sowie Zeiten einer selbständigen Erwerbstätigkeit, wenn diese mindestens 6 Monate gedauert haben, bis insgesamt höchstens 5 Jahre
  • Schulzeiten einer höheren oder berufsbildenden mittleren oder höheren Schule bis höchsten 4 Jahre
  • Mit Erfolg abgeschlossene Hochschulstudienzeiten im Ausmaß der gewöhnlichen Dauer, höchstens jedoch 5 Jahre.

Werden nebeneinander sowohl Vordienstzeiten als auch Schulzeiten angerechnet, so sind für das Urlaubsausmaß insgesamt höchstens 7 Jahre anrechenbar. Abgeschlossene Hochschulstudienzeiten sind zusätzlich zu berücksichtigen.

Urlaubskürzung bei Präsenz- und Zivildienst

Dem Arbeitnehmer darf für die Zeit von kurzfristigen Einberufungen (z. B. Waffenübungen) kein Urlaub abgezogen werden. Es sei denn, dass solche kurzfristigen Einberufungen innerhalb eines Urlaubsjahres mehr als 30 Tage ausmachen. Beim Zivil-, Ausbildungs- und Präsenzdienst dürfen Urlaubstage aliquot abgezogen werden.

TIPP

Überprüfen Sie, ob bei kurzfristigen Einberufungen wirklich kein Urlaub abgezogen wurde. Beim Nachrechnen sollte beachtet werden, dass das Urlaubsjahr in vielen Fällen nicht mit dem Kalenderjahr übereinstimmt. (Das Urlaubsjahr beginnt mit dem Eintrittsdatum in den Betrieb.)

Ersatzleistung bei Beendigung des Dienstverhältnisses

Für offenen Urlaub gebührt bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses (ausgenommen bei ungebründetem vorzeitigem Austritt) eine Ersatzleistung:

  • Urlaubsanspruch aus Vorjahren
    Für nicht verbrauchten und nicht verjährten Urlaub aus Vorjahren gebührt die Ersatzleistung in vollem Ausmaß des noch ausständigen Urlaubsentgeltes.

  • Urlaubsanspruch für das laufende Urlaubsjahr
    Der Urlaubsanspruch des laufenden Urlaubsjahres (= das Urlaubsjahr, in dem das Arbeitsverhältnis beendet wird) wird aliquotiert. D.h. es besteht ein anteiliger Urlaubsanspruch im Verhältnis zum gesamten Urlaubsjahr.

    Bereits verbrauchter Urlaub wird von diesem aliquoten Urlaubsanspruch abgezogen. Für den sich dann allenfalls noch ergebenden Resturlaub gibt es eine Ersatzleistung.

    Wurde bereits mehr Urlaub konsumiert als aliquot zugestanden wäre, ist bei unbegründetem Austritt oder berechtigter Entlassung das Entgelt, das Sie während des zu viel verbrauchten Urlaubs erhalten haben, sogar zurückzuzahlen.

Berechnungsformeln mit Beispiel

Beispiel:
Herr Gruber hat ein Monatsgehalt von 2.400 Euro und einen Anspruch auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld in der Höhe von jeweils einem Monatsgehalt. Im laufenden Urlaubsjahr, das am 01.01.2015 begonnen hat, hat Herr Gruber bereits fünf Werktage Urlaub verbraucht. Das Arbeitsverhältnis endet nach 10 Arbeitsjahren zum 31.04.2015 durch Arbeitgeberkündigung.

  • Urlaubstage, für die Ersatzleistung gebührt

      Berechnungsformel
    Beispiel

    :
    ___
    =
    x

    ___
    =
    -
    ___
    =
    Urlaubsanspruch pro Jahr (30 oder 36 Werktage)
    12 Monate
    ________________________________________
    Urlaubsanspruch pro Monat
    Monate des aufrechten Dienstverhältnisses im
    laufenden Jahr
    ________________________________________
    Aliquoter Urlaubsanspruch
    Bereits verbrauchte Urlaubstage
    ________________________________________
    Urlaubstage, für die Ersatzleistung gebührt
    30 Werktage
    12
    ____________
    2,5 Werktage
    4

    ____________
    10 Werktage
    5 Werktage
    ____________
    5 Werktage

    Herr Gruber hat für das laufende Urlaubsjahr noch Anspruch auf Ersatzleistung für fünf Werktage.

  • Höhe der aliquoten Ersatzleistung

      Berechnungsformel
    Beispiel

    +
    +
    ___
    =
    :
    x

    ___
    =
    Monatsentgelt *
    1/12 Urlaubsgeld
    1/12 Weihnachtsgeld
    ____________________________
    Monatsanspruch
    26 Werktage ODER 22 Arbeitstage
    Zahl der Urlaubstage, für die
    Ersatzleistung gebührt
    ____________________________
    Ersatzleistung (brutto)
    2.400,00 Euro
    200,00 Euro
    200,00 Euro
    ____________
    2.800,00 Euro
    26 Werktage
    5 Werktage

    ____________
    538,46 Euro

    Herr Gruber bekommt 538,46 Euro (brutto) ausbezahlt für die fünf Werktage, für die Ersatzleistung gebührt.

    * Monatsentgelt = das regelmäßige Entgelt zum Zeitpunkt der Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Es sind daher neben dem eigentlichen Monatslohn/Monatsgehalt unter anderem auch regelmäßig geleistete Überstunden sowie Leistungsentgelte (etwa Akkordlohn, Prämienlohn,...) nach dem Durchschnitt der letzten 13 voll gearbeiteten Wochen zu berücksichtigen. 

TIPP

Für Arbeitnehmer/-innen, die dem Bauarbeiter-Urlaubsgesetz unterliegen, gelten dessen Bestimmungen. Erkundigen Sie sich bitte bei Ihrem Betriebsrat, bei der Gewerkschaft Bau-Holz oder den AK-Rechtsexperten.


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