BMHS

Folgende Schularten stehen zur Auswahl:


BMS Berufsbildende mittlere Schulen (9. - 12. Schulstufe)

  • Ausbildungsdauer: 1 bis 4 Jahre (je nach Schultyp)
  • In den 1- bis 2-jährigen BMS erhält man eine teilweise, in den 3- bis 4-jährigen BMS eine voll abgeschlossene Berufsausbildung (Abschlussprüfung beziehungsweise Abschlusszeugnis)
  • Allgemeinbildende und vor allem spezialisierende berufsbildende Inhalte
  • Die Fachausbildung findet im Klassenraum (Theorieunterricht) und – je nach Schultyp – in Labors, Werkstätten, Übungsfirmen ... statt (Praxisunterricht).
  • In bestimmten BMS-Typen ist darüber hinaus ein Betriebspraktikum vorgesehen (Pflichtpraktikum).
  • An BMS werden bundesweit an die 200 Fachrichtungen in mehr als 20 Fachbereichen geführt
  • BMS sind in der Regel Vollzeitschulen. Im Gegensatz zu Berufsschüler/-innen, die die Berufsschule berufsbegleitend im Rahmen einer Lehre besuchen.
  • BMS sind KEINE Pflichtschulen (im Gegensatz zur Polytechnischen Schule). Sollte man – theoretisch gesprochen - in der 1. Klasse vorzeitig aufgeben (müssen), hat man gegebenenfalls dennoch die Schulpflicht (in Österreich 9 Jahre) in einer anderen Schule zu erfüllen.
  • Aufnahmeprüfungen und Eignungstest sind zu beachten
  • SONDERFORMEN: Neben den herkömmlichen BMS, welche unmittelbar nach der 8. Schulstufe besucht werden, gibt es auch noch Fachschulen, welche ein höheres Eintrittsalter voraussetzen. (Schulen für Soziale Dienste, Schulen für Gesundheitsberufe, Ausbildung zum Sportlehrer/zur Sportlehrerin). Außerdem werden z.B. auch Werkmeisterschulen und Bauhandwerkerschulen zu den BMS gezählt.

Vor- und Nachteile eines BMS - Besuchs

Praxisnahe Vorbereitung auf Beruf

Die Vorteile der BMS liegen in der Verbindung von Berufsausbildung beziehungsweise berufsvorbereitender Ausbildung mit allgemeinbildenden Elementen. Durch Übungsfirmen, Pflichtpraktika und Lehrwerkstätten werden die Schüler/-innen praxisnahe auf ihr Berufsziel vorbereitet. Es stehen viele verschiedene Schultypen mit unterschiedlicher Dauer und Anschlussperspektive zur Auswahl.

Flexibilität

Im Gegensatz zu einer Lehrausbildung wird man in einer BMS in einem eher breiten Berufsfeld ausgebildet, was mehr Flexibilität und Mobilität verleiht, als wenn man nur für einen Beruf ausgebildet ist. Der Vorteil der breiten Angebotspalette mag unter Umständen zugleich ein Nachteil sein, denn man hat die Qual der Wahl: Rechtzeitige und objektive Information ist daher besonders wichtig!

Konkurrenz durch BHS

Weitere Nachteile liegen in der starken Konkurrenz durch die perspektivenreichere BHS, die es meist mit gleichen oder ähnlichen Ausbildungsschwerpunkten gibt, sowie - unter Umständen in einigen Teilbereichen - mit starker Spezialisierung.
Kann in einem bestimmten Berufsfeld kein Arbeitsplatz gefunden werden, sind zusätzliche Ausbildungen, Weiterbildungen und schlimmstenfalls frühzeitige Umschulungen erforderlich.

Keine vollwertige Berufsausbildung

Die 1- und 2-jährigen Formen bieten keine vollwertige Berufsausbildung und daher keine guten Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt – sie stellen für viele (insbesondere Mädchen) lediglich eine Alternative zur Polytechnischen Schule dar.

Fachrichtungswechsel oder Umstieg in BHS

Ein Fachrichtungswechsel oder der Umstieg in eine BHS ist oft schwierig – nach dem 1. oder 2. Jahr ist dies noch durch Ergänzungs- beziehungsweise Aufnahmeprüfungen oder schlimmstenfalls den Verlust eines Schuljahres möglich, mit Fortdauer der Ausbildung sollte man die aktuell besuchte Schule aber besser abschließen.

BMS – was dann?

Überbrückung zum Besuch von Schulen mit höherem Eintrittsalter

Die 1- bis 2-jährigen Formen bietet keine vollwertige Berufsausbildung. Diese Schultypen werden überdurchschnittlich oft von Mädchen besucht und bilden häufig eine Überbrückung zum Besuch von Schulen mit höherem Eintrittsalter, vor allem für jene mit Schwerpunkt Soziales und Gesundheit.

Eintritt in entsprechende Berufsfelder/Unternehmerprüfung

Nach Abschluss einer 3- bis 4-jährigen Fachschule hat man eine vollwertige Berufsausbildung und man kann direkt in die entsprechenden Berufsfelder eintreten und nach 2 Jahren Praxis auch die Berechtigungsprüfung zur selbstständigen Ausübung eines facheinschlägigen Gewerbes absolvieren. In den Fachschulen für Landwirtschaft und ländliche Hauswirtschaft erwirbt man zusätzlich noch Anrechenzeiten für verschiedene Lehrausbildungen. 

Auf dem Arbeitsmarkt haben Absolventen/-innen vor allem Konkurrenz von BHS-Absolventen/-innen mit ähnlicher Ausrichtung. Lehrlinge können zwar oft nicht mit einer gleichwertigen Allgemeinbildung aufwarten, dafür aber mit mehr Berufspraxis punkten. Deshalb ist es mit einem BMS-Abschluss besonders wichtig, Erfahrungen in den Ferien im Rahmen von Praktika zu sammeln.

Aufbaulehrgang für Matura

Nach den 3- bis 4-jährigen Formen können teilweise mittels eines Aufbaulehrgangs die zur Matura nötigen Lerninhalte in 4 bis 6 Semestern nachgeholt werden.

Achtung

Der Besuch eines bestimmten Aufbaulehrgangs setzt unter anderem den positiven Abschluss einer facheinschlägigen Fachschule voraus. Es wird nicht für alle Schultypen an allen Standorten ein facheinschlägiger Aufbaulehrgang angeboten.

Studienberechtigungsprüfung

Mit einer Studienberechtigungsprüfung kann man ein einschlägiges Studium beginnen, z.B. ein technisches nach einer technisch-gewerblichen Fachschule.

Berufsreifeprüfung

Der Abschluss einer mindestens 3-jährigen BMS ist eine Zulassungsvoraussetzung für die Berufsreifeprüfung. Die Berufsreifeprüfung kann im 2. Bildungsweg neben der beruflichen Tätigkeit absolviert werden. (Der Zutritt zu Berufsreifeprüfung bleibt mit dem Abschluss einer 1- bis 2-jährigen Fachschule verwehrt!)

Kollegs

Für Absolventen/-innen einiger 4-jährigen BMS gibt es spezielle Formen von einschlägigen Kollegs.

BHS Berufsbildende Höhere Schulen

  • Ausbildungsdauer: 5 Jahre
  • Abschluss mit Reifeprüfung und Diplomprüfung - bereits mehr als die Hälfte der Maturanten/-innen kommt aus einer BHS
  • Vertiefende allgemeinbildende und vor allem spezialisierende berufsbildende Inhalte
  • Die Fachausbildung findet im Klassenraum (Theorieunterricht) und – je nach Schultyp – in Labors, Werkstätten, Übungsfirmen etc. statt (Praxisunterricht).
  • In vielen BHS-Typen ist darüber hinaus ein Betriebspraktikum vorgesehen (Pflichtpraktikum) von meistens 4 bis 12 Wochen (je nach Schultyp) .
  • An BHS werden bundesweit an die 200 Fachrichtungen in mehr als 20 Fachbereichen geführt
  • BHS sind KEINE Pflichtschulen (im Gegensatz zur Polytechnischen Schule): man darf sie besuchen. Sollte man – theoretisch gesprochen - in der 1. Klasse vorzeitig aufgeben (müssen), hat man gegebenenfalls die Schulpflicht (in Österreich 9 Jahre) in einer anderen Schule zu erfüllen
  • Die Drop-Out-Raten sind in manchen BHS-Typen hoch (bis zu 40 Prozent in HTL bzw. HAK), insbesondere nach der 1. Klasse/dem 1. Jahrgang
  • Wichtig bei der BHS – ganz besonders bei den sehr spezialisierten technischen und gewerblichen Schultypen - ist das grundsätzliche Interesse für das spätere Berufsfeld. (Die relativ hohe Schulabbrecher/-innen-Quote vor allem in den ersten Klassen (9. Schulstufe) kann zum Teil auch auf eine falsch getroffene Ausbildungswahl hinweisen.)
  • Aufnahmeprüfungen und Eignungstests sind zu beachten

Schulwechsel

Der Schultypwechsel ist bei der BHS schwierig. Durch die zahlreichen Fachrichtungen, Ausbildungsschwerpunkte und schulautonomen Spezialisierungen ist dies schon innerhalb eines Schultyps (z.B. von einer HTL für Informatik zu einer HTL für Maschinenbau) nur nach einigen Ergänzungsprüfungen möglich, der Wechsel in einen anderen Schultyp, z.B. von einer kaufmännischen in eine technisch-gewerbliche Schule ist meist nicht möglich. Sollte man also nach einem Jahr merken, dass man in der falschen Schule sitzt, ist es besser, man entscheidet sich so bald wie möglich für einen Wechsel – auch unter Verlust eines Jahres – als die Schule später abzubrechen.

Die geläufigsten BHS-Typen im Überblick

  • Handelsakademien (HAK)
  • Höhere Bundeslehranstalten für Wirtschaftliche Berufe (HBLA)
  • Höhere Technische Lehranstalten (HTL)
  • Höhere Gewerbliche Lehranstalten (HGLA)
    • für Mode & Bekleidungstechnik
    • für Künstlerische Berufe
    • für Tourismus
  • Höhere Landwirtschaftliche Bundeslehranstalten (HLBA)
  • Bildungsanstalten für Elementarpädagogik (BAfEP)
  • Bildungsanstalten für Sozialpädagogik (BASOP)

Vor- und Nachteile eines BHS-Besuchs

Fundierte Berufsausbildung / Erwerb der Hochschulreife

Der Besuch einer BHS schafft eine Fülle von Möglichkeiten für eine spätere Berufslaufbahn. Die fundierte Berufsausbildung und der Erwerb der Hochschulreife eröffnet gewisse Dispositionsspielräume: ist der direkte Einstieg ins Berufsleben nicht möglich oder nicht geplant, kann mit einer tertiären Ausbildung weitergemacht werden. Auch im Fall des Berufseinstiegs sind Spezialisierungen via Weiterbildung und Zusatzausbildungen möglich. Je nach Ausbildungsziel sind die Berufschancen unterschiedlich. Das kann sich jedoch im Zeitverlauf ändern. Dass mittlerweile in vielen Ausbildungszweigen eine kaufmännische Grundausbildung enthalten ist, kommt den Anforderungen der Praxis entgegen.

Lange Ausbildungsdauer

Natürlich gibt es auch einige Nachteile, wie z.B. die relativ lange Ausbildungsdauer.

Hohe Spezialisierung

Die zum Teil sehr hohe Spezialisierung kann unter Umständen ein Hindernis für einen reibungslosen Berufseinstieg sein.

Schulabbruch / Umstieg

Die Schulabbrecherquote ist relativ hoch. Probleme ergeben sich aber, wenn man erst nach 2 oder 3 Jahren merkt, dass der eingeschlagene Bildungsweg nicht (mehr) den persönlichen Interessen entspricht.
Ein einfacher Umstieg ist nach manchen Berufsausbildungen (Spezialisierungsgrad!) fast unmöglich. Bereits während der Ausbildung ist ein Schulwechsel beziehungsweise Wechsel der Fachrichtung oder des Ausbildungsschwerpunktes praktisch ohne Schullaufbahnverlust und hohe Unkosten (individuell wie volkswirtschaftlich) kaum möglich und ein Schulabbruch oft mit großen Schwierigkeiten bei der Jobsuche verbunden. Auch wenn es – aus welchen Gründen auch immer – nicht einfach oder manchesmal sogar frustrierend sein kann: Ein Schulabbruch ist mit Fortdauer der Ausbildung keine sinnvolle Alternative zu einem erfolgreichen Abschluss einer begonnenen Ausbildung.

BHS – was dann?

BHS schließen mit Matura (Reifeprüfung) und einer Diplomprüfung ab. Dadurch stehen viele Wege offen:

  • Umfassende Qualifizierung für ein einschlägiges Berufsfeld
  • Zugangsberechtigung zu jedem Studium an Universitäten, Fachhochschulen, Akademien und berufsbildenden Kollegs innerhalb der EU (Achtung: für künstlerische oder musische Zweige muss eine Aufnahmeprüfung abgelegt werden)
  • Weitere Berufsbildungsmöglichkeiten in Kollegs oder anderen Lehrgängen
  • Berechtigung zur selbstständigen Ausübung eines facheinschlägigen Gewerbes

Die Berufseinstiegschancen sind von Fachrichtung zu Fachrichtung sehr unterschiedlich, ebenfalls die zu erwartenden Einstiegsgehälter. Durch die umfassende Allgemeinbildung und die Hochschulreife erweitern sich die persönlichen Bewegungsspielräume.

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