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Bildungskarenz: Arbeitspause für Weiterbildung

Die Bildungskarenz beziehungsweise das Weiterbildungsgeld des AMS eröffnet Arbeitnehmern-/innen die Möglichkeit, sich bis zu 1 Jahr von der Arbeit freistellen zu lassen und sich der Aus- und Weiterbildung zu widmen – ohne dafür das Arbeitsverhältnis aufzulösen. 

Voraussetzungen

  • Ein mindestens 6 Monate dauerndes arbeitslosenversicherungspflichtiges, ununterbrochenes Arbeitsverhältnis bei einem Arbeitgeber/einer Arbeitgeberin vor Inanspruchnahme der Bildungskarenz. 

  • Einverständnis zwischen Arbeitnehmer/-in und Arbeitgeber/-in.

  • Der Arbeitnehmer/Die Arbeitnehmerin muss die Anspruchsvoraussetzungen auf Arbeitslosengeld erfüllen.

  • Teilnahme an einer oder mehreren Bildungsmaßnahmen im Ausmaß von 20 Wochenstunden (schriftlicher Nachweis!). Für den durchgehenden Fortbezug des Weiterbildungsgeldes darf die Bildungsmaßnahme nicht unterbrochen werden.

  • Für Personen mit Kindern bis zum 7. Lebensjahr, für die keine längeren Betreuungsmöglichkeiten bestehen, ist der Nachweis von 16 Stunden ausreichend.

  • Studierende müssen am Ende des Semesters einen Leistungsnachweis im Umfang von 8 ECTS Punkten beziehungsweise 4 Semesterwochenstunden erbringen.

  • Arbeitnehmer/-innen, die in einem Saisonbetrieb beschäftigt sind, können eine Bildungskarenz vereinbaren, sofern das befristete Arbeitsverhältnis ununterbrochen mindestens 3 Monate gedauert hat und vor Antritt der Bildungskarenz innerhalb eines Zeitraums von 4 Jahren eine Beschäftigung von insgesamt 6 Monaten beim selben Arbeitgeber/bei derselben Arbeitgeberin vorliegt.

  • Hinweis: Auch freie Dienstnehmer/-innen können eine Bildungskarenz vereinbaren. Beamte und Beamtinnen haben diese Möglichkeit nicht. Auskunft über deren eigene Regelungen zur Bildungskarenz für Bundes-/Landes- und Gemeindebedienstete erteilt die jeweilige Personalvertretung.

  • Hinweis: Bildungskarenz nach Elternkarenz?
    • Geburt bis einschließlich 31.12.2016:

      Eine Bildungskarenz muss unmittelbar in Anschluss an die Elternkarenz - spätestens mit Ende des 30. (!) Lebensmonats des Kindes - mit dem Arbeitgeber/der Arbeitgeberin vereinbart werden und zu diesem Zeitpunkt starten.

    • Geburt ab 01.01.2017: 
      Eine Bildungskarenz muss mit dem Arbeitgeber/der Arbeitgeberin vereinbart werden und unmittelbar an den Bezug von Kinderbetreuungsgeld (!) oder einem aufrechten Dienstverhältnis (über der Geringfügigkeitsgrenze) anschließen. Zeiten des Kinderbetreuungsgeld-Bezugs werden wie arbeitslosenversicherungspflichtige Beschäftigung gewertet.
TIPP

Neben der Bildungskarenz besteht auch die Möglichkeit der Bildungsteilzeit.

Dauer, Weiterbildungsgeld

Die Bildungskarenz muss mindestens 2 Monate und darf maximal 12 Monate dauern. Sie kann auch in Teilen vereinbart werden. Die Gesamtsumme der einzelnen Teile darf innerhalb von 4 Jahren 12 Monate nicht überschreiten.   

Während dieser Zeit erhält der Arbeitnehmer/die Arbeitnehmerin vom Arbeitsmarktservice bei Beantragung Weiterbildungsgeld in Höhe des Arbeitslosengeldes, mindestens 14,53 Euro täglich. Zur Berechnung Ihres Anspruches nutzen Sie am besten den AMS-Arbeitslosengeld-Rechner. Wird die Bildungskarenz in Teilen vereinbart, so richtet sich die Höhe des Weiterbildungsgeldes für alle weiteren Teile immer nach der Höhe des ersten Teils.

TIPP

Ein Zuverdienst bis zur Geringfügigkeitsgrenze von monatlich 425,70 Euro (2017) ist während der Bildungskarenz gestattet.

Antragstellung

Der Antrag auf Bildungskarenz ist rund 3 Wochen vor Beginn bei der jeweils zuständigen Geschäftsstelle des Arbeitsmarktservice des Wohnbezirks zu stellen. Mitzubringen sind:

  • AMS Bildungskarenzformular 
    „Bescheinigung zum Nachweis einer vereinbarten Bildungskarenz“
  • Bestätigung über die geplanten Aus- und Weiterbildungsaktivitäten, welche auch die Kursdauer enthalten 
Achtung

Das Weiterbildungsgeld kann frühestens ab dem Tag der Antragstellung zuerkannt werden.

Nutzen Sie im Bedarfsfall auch den Musterbrief "Vereinbarung über Bildungskarenz" der AK OÖ.

Bildungsaktivität, Wochenstunden, Lernzeit

Arbeitnehmer/-innen können für sich entscheiden, welche Bildungsangebote sie besuchen. Auch die Teilnahme an Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen im Ausland ist möglich.

Ein durchgehend schriftlicher Nachweis von Bildungsaktivitäten im Ausmaß von 20 Wochenstun-den ist Voraussetzung für den Anspruch auf Weiterbildungsgeld. Für Personen mit Kindern bis zum vollendeten 7. Lebensjahr, für die keine längeren Betreuungsmöglichkeiten bestehen, gelten 16 Wochenstunden.

Liegen weniger als 20 bzw. 16 Wochenstunden vor, wird aber von der Bildungseinrichtung eine – für die Erreichung des Ausbildungsziels notwendige – Lernzeit bestätigt, so ist diese in die Wochenstunden einzurechnen!  

Studierende müssen nach 6 Monaten beziehungsweise am Ende eines jeden Semesters einen Nachweis über die Ablegung von Prüfungen im Ausmaß von 8 ECTS Punkten beziehungsweise 4 Semesterwochenstunden erbringen. Alternativ kann auch ein anderer Erfolgsnachweis (wie bei-spielsweise Ablegung der Diplomprüfung oder des Rigorosums oder Bestätigung des Fortschrittes und des zu erwartenden positiven Abschlusses einer Diplomarbeit oder einer sonstigen Ab-schlussarbeit) erbracht werden.

Die geforderten Wochenstunden gelten in der Regel als erfüllt, beim Besuch:

  • eines Kollegs, einer Abendschule oder einer vergleichbaren Ausbildung
  • von 2 Vorbereitungslehrgängen auf die Berufsreife- oder die Studienberechtigungsprüfung
  • eines Lehrgangs zum Nachholen des Hauptschulabschlusses
  • eines Lehrgangs zum Nachholen eines Lehrabschlusses

Personen, die Fernlehrangebote nutzen, benötigen auf jeden Fall eine Bestätigung der Bildungseinrichtung im Ausmaß von 20 bzw. 16 Wochenstunden Lernzeit.    

Für den Anspruch auf Weiterbildungsgeld ist grundsätzlich ein durchgehender Kursbesuch nötig.

Im Falle einer 12-monatigen Bildungskarenz wird allerdings während der ersten 4 Wochen (Vorlaufzeit) und der letzten 4 Wochen (Nachlaufzeit) der Bildungskarenz vom AMS auch dann Weiterbildungsgeld ausbezahlt, wenn keine Bildungsaktivität gesetzt wird. Zusätzlich wird bei einer 12-monatigen Bildungskarenz eine zwischenzeitliche Unterbrechung von maximal 4 Wochen toleriert, ohne dass das Weiterbildungsgeld gestrichen wird.

In allen anderen Fällen (Bildungskarenz mit einer Dauer von 2 bis 11 Monaten) besteht Anspruch auf maximal je 1 Woche Vorlaufzeit, Nachlaufzeit und zwischenzeitliche Unterbrechung. Ausnahmen im Hinblick auf den geforderten durchgehenden Kursbesuch gibt es während Ferienzeiten, in denen der Bildungsbetrieb ruht. Wichtig ist in diesem Fall, dass die Ferien von der Bildungskarenz und von der Aus- bzw. Weiterbildung umschlossen sind.

Eine Vorabklärung mit dem AMS ist in den genannten Fällen ratsam.

Sozialversicherung, Steuerliche Behandlung, Arbeitsrechtliches

  • Während der Bildungskarenz und dem Bezug von Weiterbildungsgeld besteht Kranken- und Unfallversicherungsschutz. Zeiten einer Bildungskarenz und eines Bezuges von Weiterbildungsgeld werden seit 2005 bei der Pensionsermittlung berücksichtigt.

  • Durch die Inanspruchnahme einer Bildungskarenz werden die Ansprüche aus der Arbeitslosenversicherung nicht verbraucht. Nach Ablauf der Bildungskarenz hat der Arbeitnehmer/die Arbeitnehmerin im Falle von Arbeitslosigkeit Anspruch auf Arbeitslosengeld.

  • Eine Bildungskarenz kann nicht gleichzeitig mit einer Elternkarenz vereinbart werden. Während des Bezuges von Weiterbildungsgeld kann das pauschale Kinderbetreuungsgeldkonto bezogen werden, allerdings zählt das Weiterbildungsgeld als Zuverdienst zum pauschalen Kinderbetreuungsgeldkonto. Der gleichzeitige Bezug von einkommensabhängigem Kinderbetreuungsgeld und Weiterbildungsgeld ist nicht möglich.

    Für die Zeit der Bildungskarenz besteht kein Anspruch auf Urlaub und auf Urlaubs- oder Weihnachtsgeld. Für Ansprüche, die sich nach der Dauer des Dienstverhältnisses richten (wie z.B. Abfertigungsansprüche von Arbeitnehmer/-innen im Abfertigungssystem alt), bleibt die Zeit der Bildungskarenz außer Betracht.

  • Während der Bildungskarenz besteht kein Kündigungs- und Entlassungsschutz. Wird das Arbeitsverhältnis während der Bildungskarenz durch Kündigung des Arbeitgebers/der Arbeitgeberin beendet, so läuft das Weiterbildungsgeld für die vereinbarte Dauer dennoch weiter. Die Abfertigung und eine Ersatzleistung für nicht verbrauchten Resturlaub werden auf Basis des für den letzten Monat vor Antritt der Bildungskarenz gebührenden Entgelts berechnet.

  • Eine Kündigung, die wegen einer beabsichtigten oder tatsächlich in Anspruch genommenen Bildungskarenz ausgesprochen wird, ist als sogenannte Motivkündigung binnen einer Woche anfechtbar.

  • Sollte das Arbeitsverhältnis während einer vereinbarten Bildungskarenz durch den Arbeitnehmer/die Arbeitnehmerin aufgekündigt oder einvernehmlich gelöst werden, so wird nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses das Weiterbildungsgeld nicht mehr gewährt.  

Wenden Sie sich bitte bei sozial- und arbeitsrechtlichen Fragen in Zusammenhang mit der Bildungskarenz an die AK-Rechtsberatung.

Bildungskonto

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Fachkräftestipendium 2017/2018

Das Fachkräftestipendium wurde mit 01.01.2017 bis 31.12.2018 wiedereingeführt!

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