Bildungs­karenz: Arbeits­pause für Weiter­bildung

Bildungskarenz und Weiterbildungsgeld ermöglichen es Beschäftigten, ihr Arbeitsverhältnis für die Dauer von bis zu 12 Monaten zu unterbrechen ohne es zu lösen. Sie können sich in dieser Zeit voll und ganz auf eine Weiterbildung konzentrieren.

Eine Variante zur Bildungskarenz ("Vollkarenz") ist die Bildungsteilzeit mit teilweisem Lohnersatz vom Arbeitsmarktservice (AMS), eine andere Variante ist die Kombination von Bildungskarenz und Bildungsteilzeit.

Bildungs­karenz Plus OÖ

Bildungskarenz Plus ist eine auf den Zeitraum von 1.2.2021 bis 31.12.2023 begrenzte Kurskostenförderung.

TIPP

Sie möchten eine Weiter­bildung absolvieren, die im Unternehmen gefragt ist? Sie möchten Zeiten geringer Auslastung für eine Ausbildung nutzen?

Suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Arbeitgeber zum Thema Bildungs­karenz. Im günstigsten Fall erhalten Sie Zeit für die Ausbildung und zahlen keine Kurskosten, wenn sich Arbeit­geber und Land Oberösterreich diese teilen (="Bildungskarenz Plus"). 

Wenn Arbeitgeber Beschäftigten mit Hauptwohnsitz in Oberösterreich eine Bildungskarenz ermöglichen und auch die Ausbildungskosten übernehmen, kann Bildungskarenz Plus beim Land Oberösterreich beantragt werden. Die Förderhöhe beträgt 50 Prozent der Kurskosten, maximal 3.000 Euro pro Arbeitnehmer/-in. Pro Unternehmen kann für die Hälfte der Belegschaft die Bildungskarenz Plus in Anspruch genommen werden - maximal für 30 Arbeitnehmer/-innen.

Arbeitnehmer/-innen beantragen die Bildungskarenz beziehungsweise das Weiterbildungsgeld beim AMS, Arbeitgeber die Bildungskarenz Plus beim Land OÖ - und zwar vor Start der Ausbildung. 

Für die Bildungskarenz Plus gelten die gleichen Voraussetzungen wie für die Bildungskarenz.

Voraus­setzungen für eine Bildungs­karenz

  • Ein mindestens 6 Monate dauerndes arbeitslosenversicherungspflichtiges, ununterbrochenes Arbeitsverhältnis bei einem Arbeitgeber vor Inanspruchnahme der Bildungskarenz.

  • Einverständnis zwischen Arbeitnehmer/-in und Arbeitgeber.

  • Der Arbeitnehmer/die Arbeitnehmerin erfüllt die Anspruchsvoraussetzungen auf Arbeitslosengeld.

  • Teilnahme an einer oder mehreren Bildungsmaßnahmen im Ausmaß von wöchentlich 20 Unterrichtseinheiten (schriftlicher Nachweis!). Für Eltern von Kindern unter 7 Jahren, für die keine längeren Betreuungsmöglichkeiten bestehen, ist der Nachweis von 16 Unterrichtseinheiten pro Woche ausreichend.

  • Studierende haben am Ende des Semesters einen Leistungsnachweis im Umfang von 8 ECTS Punkten beziehungsweise 4 Semesterwochenstunden zu erbringen.

  • Arbeitnehmer/-innen, die in einem Saisonbetrieb beschäftigt sind, können eine Bildungskarenz vereinbaren, sofern das befristete Arbeitsverhältnis ununterbrochen mindestens 3 Monate gedauert hat und vor Antritt der Bildungskarenz innerhalb eines Zeitraums von 4 Jahren eine Beschäftigung von insgesamt 6 Monaten beim selben Unternehmen vorliegt.

  • Bildungskarenz im Anschluss an das Kinderbetreuungsgeld:
    Wenn das Kind ab 1.1.2017 geboren wurde, können Sie grundsätzlich, sofern alle Voraussetzungen erfüllt sind, im unmittelbaren Anschluss an den Bezug des Kinderbetreuungsgeldes in Bildungskarenz gehen und Weiterbildungsgeld beziehen.

    BEISPIEL:
    Endet das Kinderbetreuungsgeld am 17. März, so muss am 18. März die Bildungskarenz starten beziehungsweise die Weiterbildung beginnen.

    Nimmt jemand unmittelbar nach Ende des Kinderbetreuungsgeldbezugs die Beschäftigung (über der Geringfügigkeitsgrenze) wieder auf, so kann grundsätzlich eine Bildungskarenz vereinbart werden. In diesem Fall besteht Anspruch auf das Weiterbildungsgeld vom AMS.

    Fragen zur Bildungskarenz im Anschluss an eine Elternkarenz klären Sie am besten direkt mit der zuständigen Regional-Geschäftsstelle des AMS.

BEACHTEN SIE

  • Auch freie Dienstnehmer/-innen können Bildungskarenz vereinbaren.

  • Für Vertragsbedienstete von Bund, Land und Gemeinden gelten eigene Regelungen zur Bildungskarenz. Informationen dazu erhalten Sie bei der zuständigen Personalvertretung.

  • Beamte/-innen haben keinen Anspruch auf Bildungskarenz und Weiterbildungsgeld.

Dauer der Bildungs­karenz

Die Bildungskarenz muss mindestens 2 Monate und darf maximal 12 Monate dauern. Sie kann auch in Teilen vereinbart werden. Die Gesamtsumme der einzelnen Teile darf innerhalb von 4 Jahren 12 Monate nicht überschreiten.

Information zu Corona-Ausnahmen finden Sie am Artikel-Ende.

Weiter­bildungs­geld

Während der Bildungskarenz erhalten Arbeitnehmer/-innen Weiterbildungsgeld in Höhe ihres Arbeitslosengeldanspruchs, mindestens aber 14,53 Euro täglich. Informationen zum Arbeitslosengeld und zur Anspruchsberechnung erhalten Sie beim AMS.

Weiterbildungsgeld und geteilte Bildungskarenz

Wird die Bildungskarenz in Teilen vereinbart, so richtet sich die Höhe des Weiterbildungsgeldes für alle Teile nach dem Weiterbildungsgeldanspruch im ersten Teil der Bildungskarenz. Beträgt die Unterbrechung zwischen 2 Bildungskarenzteilen mehr als 62 Tage, muss beim AMS neuerlich ein Antrag auf Weiterbildungsgeld gestellt werden. War die Arbeitnehmerin/der Arbeitnehmer zwischen den beiden Bildungskarenzteilen beim selben Unternehmen beschäftigt, wird auch in diesen Fällen die Berechnungsbasis für das Weiterbildungsgeld im ersten Teil herangezogen.

Weiterbildungsgeld und Zuverdienst

Ein Zuverdienst bis zur Geringfügigkeitsgrenze in Höhe von monatlich 485,85 Euro (2022) ist während der Bildungskarenz gestattet.

Weiterbildungsgeld und Kurzarbeit

Eine Bildungskarenz kann auch nach Kurzarbeit vereinbart werden. Bei der Berechnung des Weiterbildungsgeldes entsteht dabei keine Benachteiligung.

Bildungs­aktivität, Wochen­stunden, Lern­zeit

Arbeitnehmer/-innen können für sich entscheiden, welche Bildungsangebote sie besuchen. Auch die Teilnahme an Aus- und Weiterbildung im Ausland ist möglich. 

Wichtig ist, dass beim AMS der durchgehende Besuch von Weiterbildung im Ausmaß von mindestens 20 Unterrichtseinheiten pro Woche schriftlich nachgewiesen wird. Für Personen mit Kindern unter 7 Jahren, für die keine längeren Betreuungsmöglichkeiten bestehen, genügt der Nachweis von 16 Unterrichtseinheiten pro Woche.

Umfasst die Ausbildung weniger als 20 beziehungsweise 16 Wochenstunden, wird aber von der Bildungseinrichtung eine - für die Erreichung des Ausbildungsziels notwendige - Lernzeit bestätigt, dann wird diese Zeit bei der Berechnung der Wochenstunden berücksichtigt.

Beinhaltet eine Ausbildung sowohl einen theoretischen als auch einen praktischen Teil, so darf der praktische Teil nicht beim eigentlichen Arbeitgeber stattfinden - außer diese Ausbildung ist nur dort möglich!

Studierende müssen nach 6 Monaten beziehungsweise am Ende eines jeden Semesters einen Nachweis über die Ablegung von Prüfungen im Ausmaß von 8 ECTS Punkten beziehungsweise 4 Semesterwochenstunden erbringen. Alternativ kann auch ein anderer Erfolgsnachweis erbracht werden (wie etwa eine Bestätigung über den Fortschritt und über den zu erwartenden positiven Abschluss einer Diplomarbeit oder sonstigen Abschlussarbeit).

Die geforderten Wochenstunden gelten in der Regel als erfüllt, beim Besuch:

  • eines Kollegs, einer Abendschule oder einer vergleichbaren Ausbildung
  • von 2 Vorbereitungslehrgängen auf die Berufsreifeprüfung
  • eines Lehrgangs zum Nachholen des Pflichtschulabschlusses
  • eines Lehrgangs zum Nachholen eines Lehrabschlusses

Personen, die Fernlehrangebote nutzen, benötigen auf jeden Fall eine Bestätigung der Bildungseinrichtung über einen Lernaufwand im Ausmaß von 20 beziehungsweise 16 Stunden pro Woche.

Für den Anspruch auf Weiterbildungsgeld ist grundsätzlich ein durchgehender Kursbesuch nötig. Ausnahmen wie notwendige Vorlaufzeiten, Nachlaufzeiten und Unterbrechungen werden vom AMS unter bestimmten Voraussetzungen akzeptiert, sind aber zu begründen. Bei 12-monatigen Bildungskarenzen sind Vorlaufzeiten, Nachlaufzeiten und Unterbrechungen von maximal jeweils 4 Wochen möglich, bei kürzeren jeweils nur 1 Woche. Eine Klärung mit dem AMS vor der Bildungskarenz ist ratsam.

Antrag­ auf Bildungskarenz

Als Nutzer/-in eines eAMS-Kontos können Sie Bildungskarenz/Weiterbildungsgeld elektronisch beantragen. Informationen dazu finden Sie auf der AMS-Website. Die Zugangsdaten zu Ihrem persönlichen eAMS-Konto erhalten Sie über die AMS-ServiceLine +43 50 904440 oder per E-Mail an ams.servicelineooe@ams.at .

Nutzen Sie das eAMS-Konto noch nicht, können Sie Bildungskarenz/Weiterbildungsgeld natürlich auch persönlich bei Ihrer regionalen AMS-Geschäftsstelle beantragen. Mitzubringen sind dann das Formular Bescheinigung für Bildungskarenz und eine Bestätigung über die von Ihnen geplanten Weiterbildungsvorhaben inklusive der genauen Kurszeiten.

BEACHTEN SIE

  • Anträge auf Weiterbildungsgeld - sowohl elektronisch als auch persönlich eingebrachte - werden vom AMS erst 3 Wochen vor Beginn der Bildungskarenz bearbeitet.

  • Bei Fragen, die Sie gerne im Vorfeld mit dem AMS geklärt hätten, wenden Sie sich am besten an die AMS-ServiceLine +43 50 904440

  • Weiterbildungsgeld wird frühestens ab dem Tag der Antragstellung ausbezahlt.

  • Nutzen Sie im Bedarfsfall auch den Musterbrief Vereinbarung über Bildungskarenz der AK Oberösterreich.

Kranken- und Pensions­versicherung

Kranken- und Unfallversicherung

Während der Bildungskarenz und dem Bezug von Weiterbildungsgeld besteht Kranken- und Unfallversicherungsschutz.

Pensionsversicherung

Zeiten einer Bildungskarenz mit Bezug von Weiterbildungsgeld werden bei der Pensionsermittlung als sogenannte Teilpflichtversicherungszeiten berücksichtigt. Es werden hierfür bestimmte - jährlich valorisierte - Beitragsgrundlagen herangezogen und dem Pensionskonto gutgeschrieben. Sie erhöhen die Pensionsleistung und sind für die Wartezeit als Voraussetzung für den Zugang zur Pension anrechenbar (gilt jedoch NICHT für die Hacklerregelung). Die Beiträge dafür zahlen der Bund, das Bundesministerium für Landesverteidigung, das Arbeitsmarktservice oder ein öffentlicher Fonds.

Arbeits­losig­keit

Durch die Inanspruchnahme einer Bildungskarenz werden die Ansprüche aus der Arbeitslosenversicherung nicht verbraucht. Nach Ablauf der Bildungskarenz hat der Arbeitnehmer/die Arbeitnehmerin im Falle von Arbeitslosigkeit Anspruch auf Arbeitslosengeld.

Kinder­betreuungs­zeiten

Eine Bildungskarenz kann nicht gleichzeitig mit einer Elternkarenz vereinbart werden. Während des Bezuges von Weiterbildungsgeld kann das pauschale Kinderbetreuungsgeld bezogen werden, allerdings zählt das Weiterbildungsgeld als Zuverdienst zum pauschalen Kinderbetreuungsgeld. Der gleichzeitige Bezug von einkommensabhängigem Kinderbetreuungsgeld und Weiterbildungsgeld ist nicht möglich.

Urlaubs­anspruch und Weihnachts­geld

Für die Zeit der Bildungskarenz besteht kein Anspruch auf Urlaub und auf Urlaubs- oder Weihnachtsgeld. Für Ansprüche, die sich nach der Dauer des Dienstverhältnisses richten (wie etwa Abfertigungsansprüche von Arbeitnehmer/-innen im Abfertigungssystem alt), bleibt die Zeit der Bildungskarenz außer Betracht.

Beendigung des Arbeits­verhältnisses

Während der Bildungskarenz besteht kein Kündigungs- und Entlassungsschutz.

Kündigung durch Arbeitgeber

Wird das Arbeitsverhältnis während der Bildungskarenz durch Kündigung des Arbeitgebers beendet, so läuft das Weiterbildungsgeld für die vereinbarte Dauer weiter - vorausgesetzt die Ausbildung wird weitergeführt. Die Abfertigung und eine Ersatzleistung für nicht verbrauchten Resturlaub werden auf Basis des für den letzten Monat vor Antritt der Bildungskarenz gebührenden Entgelts berechnet.

Eine Kündigung, die wegen einer beabsichtigten oder tatsächlich in Anspruch genommenen Bildungskarenz ausgesprochen wird, ist als sogenannte Motivkündigung innerhalb 1 Woche anfechtbar.

Kündigung durch Arbeitnehmer und einvernehmliche Auflösung

Sollte das Arbeitsverhältnis während einer vereinbarten Bildungskarenz durch den Arbeitnehmer/die Arbeitnehmerin aufgekündigt oder einvernehmlich gelöst werden, so wird nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses das Weiterbildungsgeld nicht mehr gewährt.

TIPP

Wenden Sie sich bitte bei sozial- und arbeitsrechtlichen Fragen in Zusammenhang mit der Bildungskarenz an die AK-Rechtsberatung.

Corona und Bildungs­karenz

Folgende Sonderregelungen gelten befristet im Zeitraum 16.3.2020 bis 31.12.2024:

  • Eine Verlängerung der höchstmöglichen Bezugsdauer von Weiterbildungs­geld (12 Monate innerhalb von 4 Jahren) ist möglich, wenn eine konkrete Ausbildung (zum Beispiel Buchhaltungsprüfung, Pflichtpraktikum) auf Grund von Corona nicht wie geplant abgeschlossen werden konnte. Entsprechende Bestätigungen sind beim AMS vorzulegen.

  • Anspruch auf Weiterbildungs­geld besteht auch dann, wenn das geforderte wöchentliche Bildungsausmaß (20 beziehungsweise 16 Unterrichtseinheiten) nachweislich wegen Corona unterschritten wurde.

  • Eine wegen Corona unterbrochene Bildungs­karenz kann fortgesetzt werden, auch wenn die Arbeitnehmerin beziehungsweise der Arbeitnehmer während der Unterbrechung etwa vorübergehend arbeitslos war und später vom selben Arbeitgeber wiedereingestellt wurde.
    Weiters kann die Bildungs­karenz ausnahmsweise auch dann fortgesetzt werden, wenn nach der coronabedingten Unterbrechung nur mehr weniger als 2 Monate Restlaufzeit übrig sind.

Links

Kontakt

Kontakt

AK Bildungsberatung in OÖ
TEL: +43 50 6906 1601
E-MAIL: bildungsinfo@akooe.at
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