Drucken
Zu Merkzettel hinzufügen

Bildungskarenz

Arbeitspause für Weiterbildung

Die Bildungskarenz eröffnet Arbeitnehmer-/innen die Möglichkeit, sich bis zu einem Jahr von der Arbeit freistellen zu lassen und sich der Aus- und Weiterbildung zu widmen – ohne dafür das Arbeitsverhältnis aufzulösen. 

Neuerungen seit 01.07.2013

  • Voraussetzung für eine Bildungskarenz ist ein mindestens sechs Monate dauerndes ununterbrochenes Arbeitsverhältnis über der Geringfügigkeitsgrenze von monatlich 415,72 Euro (2016).
    Hinweis für Personen in Elternkarenz

    Dies gilt jedoch nicht für Personen, die sich auf Grund einer vor dem 01.01.2017 erfolgten Geburt in Elternkarenz befinden. Sie können binnen sechs Monaten nach dem Ende der Elternkarenz eine Bildungskarenz antreten.

  • Studierende müssen am Ende jeden Semesters einen Nachweis über die Ablegung von Prüfungen im Ausmaß von 8 ECTS Punkten bzw. 4 Semesterwochenstunden erbringen.
TIPP

Neben der Bildungskarenz gibt es seit 01.07.2013 auch die Bildungsteilzeit.


Dauer, Weiterbildungsgeld

Die Bildungskarenz muss mindestens zwei Monate und darf maximal zwölf Monate dauern. Sie kann auch in Teilen vereinbart werden. Die Gesamtsumme der einzelnen Teile darf innerhalb von 4 Jahren 12 Monate nicht überschreiten.  

Während dieser Zeit erhält der/die Arbeitnehmer/-in vom Arbeitsmarktservice Weiterbildungsgeld in Höhe des Arbeitslosengeldes, mindestens 14,53 Euro täglich. Zur Berechnung Ihres Anspruches nutzen Sie am besten den AMS-Arbeitslosengeld-Rechner. Wird die Bildungskarenz in Teilen vereinbart, so richtet sich die Höhe des Weiterbildungsgeldes für alle weiteren Teile immer nach der Höhe des ersten Teils.

TIPP

Ein Zuverdienst bis zur Geringfügigkeitsgrenze von monatlich 415,72 Euro bzw. täglich 31,92 Euro (2016) ist während der Bildungskarenz gestattet.

Voraussetzungen

  • Ein mindestens sechs Monate dauerndes arbeitslosenversicherungspflichtiges  ununterbrochenes Arbeitsverhältnis bei einem/einer Arbeitgeber/-in.
    Ausnahme: Für Personen, die Bildungskarenz im Anschluss an eine Elternkarenz in Anspruch nehmen, gilt dies erst für Geburten ab 01.01.2017.
  • Einverständnis zwischen Arbeitnehmer/-in und Arbeitgeber/-in.
  • Der/die Arbeitnehmer/-in muss die Anspruchsvoraussetzungen auf Arbeitslosengeld erfüllen.
  • Teilnahme an einer oder mehreren Bildungsmaßnahmen im Ausmaß von 20 Wochenstunden (schriftlicher Nachweis!). Für den durchgehenden Fortbezug des Weiterbildungsgeldes darf die Bildungsmaßnahme nicht unterbrochen werden.
  • Für Personen mit Kindern bis zum 7. Lebensjahr, für die keine längeren Betreuungsmöglichkeiten bestehen, ist der Nachweis von 16 Stunden ausreichend.
  • Studierende müssen am Ende des Semesters einen Leistungsnachweis im Umfang von 8 ECTS Punkten beziehungsweise 4 Semesterwochenstunden erbringen.
  • Arbeitnehmer/-innen, die in einem Saisonbetrieb beschäftigt sind, können eine Bildungskarenz vereinbaren, sofern das befristete Arbeitsverhältnis ununterbrochen mindestens drei Monate gedauert hat und vor Antritt der Bildungskarenz innerhalb eines Zeitraums von vier Jahren eine Beschäftigung von insgesamt sechs Monaten beim selben Arbeitgeber/bei derselben Arbeitgeberin vorliegt.
  • Hinweis: Auch freie Dienstnehmer/-innen können eine Bildungskarenz vereinbaren. Beamte und Beamtinnen haben diese Möglichkeit nicht. Auskunft über deren eigene Regelungen zur

    Bildungskarenz für Bundes-/Landes- und Gemeindebedienstete erteilt die jeweilige Personalvertretung.

Antragstellung

Der Antrag auf Bildungskarenz ist rund drei Wochen vor Beginn bei der jeweils zuständigen Geschäftsstelle des Arbeitsmarktservice des Wohnbezirks zu stellen. Mitzubringen sind:  

  • AMS Bildungskarenzformular 
    „Bescheinigung zum Nachweis einer vereinbarten Bildungskarenz“
  • Bestätigung über die geplanten Aus- und Weiterbildungsaktivitäten, welche auch die Kursdauer enthalten 
Beachten Sie

Das Weiterbildungsgeld kann frühestens ab dem Tag der Antragstellung zuerkannt werden.

Nutzen Sie im Bedarfsfall auch den Musterbrief "Vereinbarung über Bildungskarenz" der AK OÖ.

Bildungsaktivität, Wochenstunden, Lernzeit

Arbeitnehmer/-innen können für sich entscheiden, welche Bildungsangebote sie besuchen. Auch die Teilnahme an Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen im Ausland ist möglich. 
Seit 01.01.2008 ist der durchgehende schriftliche Nachweis von Bildungsaktivitäten im Ausmaß von 20 Wochenstunden Voraussetzung für den Anspruch auf Weiterbildungsgeld. Für Personen mit Kindern bis zum vollendeten 7. Lebensjahr, für die keine längeren Betreuungsmöglichkeiten bestehen, gelten 16 Wochenstunden. 
Liegen weniger als 20 bzw. 16 Wochenstunden vor, wird aber von der Bildungseinrichtung eine – für die Erreichung des Ausbildungsziels notwendige – Lernzeit bestätigt, so ist diese in die Wochenstunden einzurechnen!  

Die geforderten Wochenstunden gelten in der Regel als erfüllt, beim Besuch:

  • einer Universität, einer Fachhochschule oder einer Pädagogischen Hochschule, wenn am Ende des Semesters ein Leistungsnachweis von 8 ECTS beziehungsweise 4 Semesterwochenstunden erbracht wird
  • eines Kollegs, einer Abendschule oder einer vergleichbaren Ausbildung
  • von zwei Vorbereitungslehrgängen auf die Berufsreife- oder die Studienberechtigungsprüfung
  • eines Lehrgangs zum Nachholen des Hauptschulabschlusses
  • eines Lehrgangs zum Nachholen eines Lehrabschlusses

Personen, die Fernlehrangebote nutzen, benötigen auf jeden Fall eine Bestätigung der Bildungseinrichtung im Ausmaß von 20 bzw. 16 Wochenstunden Lernzeit.    

Für den Anspruch auf Weiterbildungsgeld ist grundsätzlich ein durchgehender Kursbesuch nötig.

Im Falle einer 12-monatigen Bildungskarenz wird allerdings während der ersten vier Wochen (Vorlaufzeit) und der letzten vier Wochen (Nachlaufzeit) der Bildungskarenz vom AMS auch dann Weiterbildungsgeld ausbezahlt, wenn keine Bildungsaktivität gesetzt wird. Zusätzlich wird bei einer 12-monatigen Bildungskarenz eine zwischenzeitliche Unterbrechung von maximal 4 Wochen toleriert, ohne dass das Weiterbildungsgeld gestrichen wird.
In allen anderen Fällen (Bildungskarenz mit einer Dauer von 2 bis 11 Monaten) besteht Anspruch auf maximal je 1 Woche Vorlaufzeit, Nachlaufzeit und zwischenzeitliche Unterbrechung. Ausnahmen im Hinblick auf den geforderten durchgehenden Kursbesuch gibt es während Ferienzeiten, in denen der Bildungsbetrieb ruht. Wichtig ist in diesem Fall, dass die Ferien von der Bildungskarenz und von der Aus- bzw. Weiterbildung umschlossen sind.

Eine Vorabklärung mit dem AMS ist in den genannten Fällen ratsam.

Sozialversicherung, Steuerliche Behandlung, Arbeitsrechtliches

  • Während der Bildungskarenz und dem Bezug von Weiterbildungsgeld besteht Kranken- und Unfallversicherungsschutz. Zeiten einer Bildungskarenz und eines Bezuges von Weiterbildungsgeld werden seit 2005 bei der Pensionsermittlung berücksichtigt.

  • Durch die Inanspruchnahme einer Bildungskarenz werden die Ansprüche aus der Arbeitslosenversicherung nicht verbraucht. Nach Ablauf der Bildungskarenz hat der/die Arbeitnehmer/-in im Falle von Arbeitslosigkeit Anspruch auf Arbeitslosengeld.

  • Wurde die Bildungskarenz direkt im Anschluss an die Elternkarenz begonnen, bestehen nach dem Bildungskarenz-Ende kein Kündigungsschutz und kein Anspruch auf Schulungsarbeitslosengeld!

  • Eine Bildungskarenz kann nicht gleichzeitig mit einer Elternkarenz vereinbart werden. Während des Bezuges von Weiterbildungsgeld kann auch Kinderbetreuungsgeld bezogen werden, da es nicht als Einkommen zählt. Das gilt jedoch nicht für das einkommensabhängige Kinderbetreuungsgeld, das nicht mit dem Bezug von Weiterbildungsgeld kombinierbar ist.

  • Für die Zeit der Bildungskarenz besteht kein Anspruch auf Urlaub und auf Urlaubs- oder Weihnachtsgeld. Für Ansprüche, die sich nach der Dauer des Dienstverhältnisses richten (wie z.B. Abfertigungsansprüche von Arbeitnehmer/-innen im Abfertigungssystem alt), bleibt die Zeit der Bildungskarenz außer Betracht.

  • Während der Bildungskarenz besteht kein Kündigungs- und Entlassungsschutz. Wird das Arbeitsverhältnis während der Bildungskarenz durch Kündigung des Arbeitgebers/der Arbeitgeberin beendet, so läuft das Weiterbildungsgeld für die vereinbarte Dauer dennoch weiter. Die Abfertigung und eine Ersatzleistung für nicht verbrauchten Resturlaub werden auf Basis des für den letzten Monat vor Antritt der Bildungskarenz gebührenden Entgelts berechnet.

  • Eine Kündigung, die wegen einer beabsichtigten oder tatsächlich in Anspruch genommenen Bildungskarenz ausgesprochen wird, ist als sogenannte Motivkündigung binnen einer Woche anfechtbar.

  • Sollte das Arbeitsverhältnis während einer vereinbarten Bildungskarenz durch den/die Arbeitnehmer/-in aufgekündigt oder einvernehmlich gelöst werden, so wird nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses das Weiterbildungsgeld nicht mehr gewährt.    

Wenden Sie sich bitte bei sozial- und arbeitsrechtlichen Fragen in Zusammenhang mit der Bildungskarenz an die AK-Rechtsberatung.

Bildungskonto

Finanzielle Unterstützung für Ihre Weiterbildung! Achtung: Kürzung ab 1. März 2016!

Bildungsteilzeit

Bildungsteilzeit – eine weitere Möglichkeit neben der Bildungskarenz

TeilenZu Merkzettel hinzufügen

Verwandte Links



Zum Seitenanfang
Um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten, speichert diese Website Informationen über Ihren Besuch in sogenannten Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen über Cookies, sowie welche Daten wir wie lange speichern, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Dort können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen und die Browsereinstellungen entsprechend anpassen.
Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen dazu sowie welche Daten wir wie lange speichern, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Dort können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen.
OK