Staatliche Studienbeihilfe

Mit September 2017 wurde die Studienbeihilfe um 18 Prozent erhöht und der Kreis der Bezieher/-innen ausgeweitet. Ein Schritt in die richtige Richtung, der überfällig war! 

Wer hat Anspruch auf Studienbeihilfe?

  • Ordentliche Studierende an einer österreichischen Universität, Hochschule, Fachhochschule, akkreditierten Privatuniversität, Akademie oder Personen mit Bescheid über die Zulassung zur Studienberechtigungsprüfung oder zur FH-Studienbefähigung.

  • Österreichische Staatsbürgerschaft oder Gleichstellung im Sinne des Studienförderungsgesetzes.

  • Soziale Förderungswürdigkeit. Entscheidend dafür sind Einkommen, Familienstand und Familiengröße der Studierenden, ihrer Eltern und ihrer Ehepartner/-innen beziehungsweise ihrer eingetragenen Partner/-innen.

  • Noch kein abgeschlossenes Studium an einer der oben genannten Einrichtungen. 
    Ausnahmen: Doktoratsstudium in Folge eines Masterstudiums und Masterstudium in Folge eines Bachelorstudiums.

  • Günstiger Studienerfolg im Sinne des Studienförderungsgesetzes.

  • Maximal 2-maliger Studienwechsel.

  • Studienbeginn vor dem 30. Geburtstag.
    Die Altersgrenze erhöht sich:
    • für Studierende mit Kind(ern): um 5 Jahre
    • für Studierende mit Behinderung: um 5 Jahre
    • für Studierende, die ein Masterstudium aufnehmen: um 5 Jahre (sofern das Bachelorstudium vor dem 30. Geburtstag begonnen wurde)
    • für Selbsterhalter/-innen: um bis zu 5 Jahre

Höhe der Studienbeihilfe

Ausgangspunkt für die Berechnung der Studienbeihilfe ist die jeweilige Höchst-Studienbeihilfe. Diese beträgt ab Wintersemester 2017/2018:

Höhe der Höchst-Studienbeihilfe monatlich
  • für Über-24-Jährige 
  • für Studierende mit Kind(ern)
  • für verheiratete bzw. in eingetragener Partnerschaft lebende Studierende
  • für auswärtig Studierende
  • für Vollwaisen
  • für Selbsterhalter/-innen
801,00 Euro
  • für alle anderen Studierenden
560,00 Euro

Studierende mit Kind(ern) erhalten für jedes Kind einen monatlichen Zuschlag:

Zuschlag pro Kindmonatlich
bis 24 Jahre112,00 Euro
Über-24-Jährige20,00 Euro
Über-27-Jährige40,00 Euro

Von der Höchst-Studienbeihilfe abgezogen werden:

  • die Familienbeihilfe
  • die zumutbaren Unterhaltsleistungen der Eltern, der Ehepartner/-innen bzw. der eingetragenen Partner/-innen der Studierenden 
  • etwaige Eigenleistungen der Studierenden

AK-TIPP

Nutzen Sie für die Berechnung der Studienbeihilfe den AK-Stipendienrechner.

Hinweise

  • Studienbeihilfenbezieher/-innen bekommen die Studiengebühren automatisch und zur Gänze rückerstattet.

  • Als "auswärtig" gelten Studierende, wenn
    • die Wegzeit zwischen Studienort und Wohnadresse der Eltern mehr als 1 Stunde und
    • die Wegzeit zwischen Studienort und eigener Adresse weniger als 1 Stunde beträgt.

  • Die Basis für die Berechnung der zumutbaren Unterhaltsleistung der Eltern ist deren Bruttoeinkommen im dem Studienjahr vorangegangenen Kalenderjahr beziehungsweise im Jahr davor. Bei längerwährender Einkommensverminderung um mindestens 10 Prozent (z.B. nach Pensionierung) kann auf Antrag auch das Einkommen im laufenden Jahr für die Berechnung herangezogen werden.

Wieviel dürfen Studierende dazuverdienen?

Jährliche Zuverdienstgrenze

Die jährliche Zuverdienstgrenze für Bezieher/-innen einer staatlichen Studienbeihilfe liegt bei  10.000 Euro (Bruttoeinkommen abzüglich der Sozialversicherungsbeiträge, Sonderausgaben und Werbungskosten). Für Studierende mit Kind(ern) erhöht sich die Zuverdienstgrenze abhängig vom jeweiligen Kindesalter.

Achtung

Wird die Zuverdienstgrenze überschritten, kommt es zu Kürzungen der Studienbeihilfe und gegebenenfalls zu Rückforderungen!


Die jährliche Zuverdienstgrenze von 10.000 Euro verringert sich aliquot, wenn nicht während des gesamten Jahres Studienbeihilfe bezogen wird.

Beispiel:
Wird das Studium im Juni abgeschlossen, dürfen im Zeitraum Jänner bis Juni nur mehr 5.000 Euro (833 Euro im Monat) dazu verdient werden. Dasselbe gilt, wenn das Studium im Wintersemester aufgenommen wird. In diesem Fall ist dann im Zeitraum September bis Dezember nur mehr ein Zuverdienst von 3.332 Euro zulässig.

Verzicht bei Überschreitung

Es gibt auch die Möglichkeit des Verzichts auf eine bereits zuerkannte Studienbeihilfe. Interessant ist das vor allem für Studierende, die die Zuverdienstgrenze voraussichtlich überschreiten.

Beispiel:
Im Falle einer Änderung der Einkommenssituation könnte etwa im März auf die weitere Auszahlung der Studienbeihilfe im verbleibenden Zuerkennungszeitraum (April bis September) verzichtet werden. Die aliquotierte Zuverdienstgrenze für die Bezugsmonate Jänner bis März liegt dann übrigens bei 2.500 Euro.

Wie lange kann Studienbeihilfe bezogen werden?

Anspruch auf Studienbeihilfe besteht – sofern ein günstiger Studienerfolg vorliegt – für die für das jeweilige Studium festgelegte Mindeststudiendauer plus 1 Toleranzsemester.

Bei Diplomstudien gibt es pro Studienabschnitt 1 Toleranzsemester, bei in Studienjahre eingeteilten Studien insgesamt ein halbes Jahr.

Die Anspruchsdauer kann bei Vorliegen "wichtiger Gründe" verlängert werden. (Beispielsweise aufgrund von Krankheit oder Schwangerschaft, bei Pflege eines Kindes bis zum 6. Lebensjahr, Präsenz- oder Zivildienst, Freiwilligendienst gemäß Freiwilligengesetz, bei Studierenden mit einem Grad der Behinderung von mindestens 50 Prozent, in bestimmten Fällen auch bei Auslandsstudien. Näheres hierzu unter § 19 Studienförderungsgesetz.)

Beachten Sie, ...

  • Eine Verlängerung der Anspruchsdauer (z.B. auf Grund von Zivildienst) entbindet nicht vom Nachweis des günstigen Studienerfolgs nach den ersten beiden Semestern.

  • Nach Abschluss eines Bachelorstudiums muss ein etwaiges Masterstudium innerhalb von 30 Monaten aufgenommen werden, damit der Anspruch auf Studienbeihilfe nicht verlorengeht. Zeiten wie zum Beispiel Mutterschutz, Präsenz-, Zivil-, Freiwilligendienst oder Krankheit sind in diese Frist nicht einzurechnen.

Günstiger Studienerfolg

Eine der Voraussetzungen für den Anspruch auf Studienbeihilfe ist ein günstiger Studienerfolg.

Der Nachweis eines günstigen Studienerfolgs ist vor allem in den ersten beiden Semestern beziehungsweise dem 1. Studienjahr wichtig: Wird der geforderte Studienerfolg nicht erbracht, so ist wenigstens die Hälfte davon vorzuweisen, da andernfalls die bereits erhaltene Studienbeihilfe zurückzuzahlen ist.

Nachweis des günstigen Studienerfolgs an Universitäten, Theologischen Lehranstalten und Fachhochschulen:

  • Für die ersten beiden Semester durch die Zulassung als ordentlicher Studierender/ordentliche Studierende.
  • Nach den ersten beiden Semestern durch Nachweis über 30 ECTS-Punkte oder 14 Semesterstunden.
  • Nach jedem Studienabschnitt durch die Ablegung der Diplomprüfung oder des Rigorosums.
  • Nach dem 6. Semester jeder Studienrichtung, die nicht in Studienabschnitte gegliedert ist oder deren vorgesehene Studienzeit im 1. Abschnitt mindestens 6 Semester umfasst, durch Nachweis über 90 ECTS-Punkte oder 42 Semesterstunden.
  • Nach dem 2. Semester eines Masterstudiums ist der Nachweis von 20 ECTS-Punkten oder 10 Semesterstunden erforderlich.
  • Nach dem 2. Semester eines Doktoratsstudiums: 12 ECTS oder 6 Semesterstunden.

Günstiger Studienerfolg bei anderen Bildungseinrichtungen und weitere Details zum Thema finden Sie in den §§ 20, 23, 24, 25 und 25a Studienförderungsgesetz.

Achtung

Studierende, die im 1. Semester Studienbeihilfe bezogen haben und danach nicht weiter inskribieren oder das Studium nicht unmittelbar fortsetzen, müssen - zum Ausschluss der Rückzahlungsverpflichtung - Studiennachweise über Prüfungen und Lehrveranstaltungen aus Pflicht- und Wahlfächern ihres Studiums im Umfang von 7 ECTS-Punkten oder 4 Semesterstunden erbringen.

Studienwechsel

Jede Änderung der Studienrichtung ist ein Studienwechsel. Ausnahmen: Der Wechsel wurde durch ein unabwendbares Ereignis zwingend herbeigeführt oder alle Vorstudienzeiten konnten angerechnet werden. Der Wechsel von einem alten auf einen neuen Studienplan zählt nicht als Studienwechsel.

Das Studium darf maximal zweimal und muss jeweils vor dem 3. inskribierten Semester gewechselt werden. Wird öfter gewechselt, geht der Anspruch auf Studienbeihilfe verloren. Wird später gewechselt, kann zunächst solange kein Stipendium bezogen werden, bis im neuen Studium so viele Semester absolviert wurden wie im alten.

Antragstellung und Fristen

Anträge auf Studienbeihilfe können bei der für den Studienort zuständigen Studienbeihilfenbehörde – auch bequem mittels Online-Antrag - eingebracht werden.

Für in Oberösterreich Studierende zuständig

Studienbeihilfenbehörde Linz
Ferihumerstraße 15
4040 Linz
Tel.: +43 732 66 40 31

Einreichfristen

Wintersemester20. September bis 15. Dezember
Sommersemster20. Februar bis 15. Mai

Hinweis

Schätzungen des Ministeriums zur Folge stellen bis zu 10 Prozent der Berechtigten keinen Antrag! Die Antragstellung online ist einfach gemacht und kann sich also lohnen.

Antrag auf Erhöhung der Studienbeihilfe

Gründe für die Erhöhung einer Studienbeihilfe können unter anderem sein:

  • eine erhebliche Verringerung des Einkommens
  • die Geburt von Geschwistern 
  • der Studienbeginn von Geschwistern

Es muss sich jedenfalls um ein Geschehen handeln, das unmittelbar Einfluss auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der unterhaltsverpflichteten Personen hat.

Solche Anträge (gleiches Formular wie für die ursprüngliche Antragstellung) können jederzeit eingebracht werden. Die Erhöhung wird mit dem der Antragstellung folgenden Monat wirksam.

Weitere Studienförderungen und Zuschüsse

Auslandsbeihilfe

Eine Auslandsbeihilfe können Studienbeihilfenbezieher/-innen erhalten, die bereits mindestens für das 3. Semester inskribiert sind und einen Auslandsstudienaufenthalt von mindestens 1 Monat planen. Die Höhe der Beihilfe für ein Auslandsstudium beträgt bis zu 582 Euro monatlich für die maximale Dauer von 20 Monaten.

Für alle anderen Studierenden gibt es spezielle Programme wie zum Beispiel ERASMUS oder Joint Study.

Informationen dazu sowie zu weiteren geförderten Mobilitätsprogrammen gibt es in den Auslandsbüros der Universitäten und auf der Website des Österreichischen Austauschdienstes (ÖAD).

Mobilitätsstipendium

Für Studien, die zur Gänze an anerkannten Universitäten, Fachhochschulen oder Pädagogischen Hochschulen außerhalb Österreichs in Ländern des Europäischen Wirtschaftsraumes oder in der Schweiz betrieben werden, gibt es ein Mobilitätsstipendium. Die Anspruchsvoraussetzungen entsprechen jenen für die Studienbeihilfe. Darüber hinaus ist zu beachten:

  • Vor Aufnahme des Studiums lag der Mittelpunkt der Lebensinteressen mindestens 5 Jahre in Österreich.
  • Es wurde noch keine Förderung nach dem Studienförderungsgesetz bezogen.

Weitere Infos zum Mobilitätsstipendium auf der Website der Studienbeihilfenbehörde.

Studienunterstützung

Studierende in besonderen Notlagen können bei der Studienbeihilfenbehörde Studienunterstützung beantragen. Auch für Fernstudien an der Fernuni Hagen, der Hamburger Fernhochschule und der Open University London sowie für Studien an bestimmten Privatuniversitäten kann Studienunterstützung vergeben werden.

Nähere Infos dazu bei der Studienbeihilfenbehörde und im § 68 Studienförderungsgesetz.

Leistungs- und Förderungsstipendien

Leistungs- und Förderungsstipendien sind im Studienförderungsgesetz geregelt. Förderungsziel bei Leistungsstipendien ist die "Anerkennung hervorragender Studienleistungen", bei Förderstipendien die "Förderung wissenschaftlicher oder künstlerischer Arbeiten". Diese Stipendien werden von der jeweiligen Bildungseinrichtung vergeben, welche auch die genauen Ausschreibungskriterien festlegt.

Fahrtkostenzuschuss

Für alle Studierenden mit Anspruch auf Studienbeihilfe wird der Fahrtkostenzuschuss automatisch berechnet und mit der Studienbeihilfe ausbezahlt.

Versicherungskostenbeitrag

Studienbeihilfenbezieher/-innen haben Anspruch auf einen Versicherungskostenbeitrag in der Höhe von 19 Euro monatlich, wenn sie eine begünstigte Selbstversicherung in der Krankenversicherung und das 27. Lebensjahr vollendet haben. Weitere Informationen erhalten Sie bei der Studienbeihilfenbehörde.

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