Erste Hilfe im Betrieb

Wenn es am Arbeitsplatz zu Unfällen kommt, kann das böse enden. Deshalb müssen laut Gesetz in ausreichender Zahl Ersthelfer/-innen und Verbandskästen im Betrieb und auf jeder Baustelle zur Verfügung stehen.

Wie viele Ersthelfer/-innen braucht ein Betrieb?

Die Anzahl der Ersthelfer/-innen ist abhängig von der Betriebsgröße.

In jeder Arbeitsstätte, in der regelmäßig zwischen einem und 19 Arbeitnehmer/-innen beschäftigt sind, muss eine Person für die Erste-Hilfe-Leistung ausgebildet sein, bei mehr als 20 Beschäftigen zwei und für weitere zehn Arbeitnehmer/-innen jeweils eine Person mehr.

Welche Ausbildung ist erforderlich?

Die Ausbildung zur Ersthelferin/zum Ersthelfer bieten grundsätzlich Rettungsorganisationen wie z.B. der Samariterbund oder das Rote Kreuz an.

Die Grundausbildung dauert 16 Stunden. Nach vier Jahren ist ein achtstündiger Auffrischungskurs zu besuchen, der auch in zwei Teilen zu je vier Stunden alle zwei Jahre aufgeteilt werden kann und auch von der Arbeitsmedizinerin/dem Arbeitsmediziner - auf die betrieblichen Gefährdungen abgestimmt - durchgeführt werden kann.

Was muss auf Baustellen zusätzlich beachtet werden?

Werden auf einer Baustelle gleichzeitig Arbeitnehmer/-innen mehrerer Arbeitgeber beschäftigt, so können diese die erforderliche Anzahl an Ersthelfern/-innen auch gemeinsam aufbringen.

Bei Arbeiten in Bereichen, in denen hinsichtlich der Atemluft erhöhte Gefahr besteht, ist eine Alleinarbeit nur dann erlaubt, wenn eine ständige Überwachung sicher gestellt ist und Vorkehrungen für eine sofortige Hilfeleistung getroffen wurden.

Unter welchen Bedingungen ist ein Sanitätsraum erforderlich?

Werden in einem reinen Bürobetrieb regelmäßig mehr als 250 Arbeitnehmer/-innen bzw. in einem Produktionsbetrieb mehr als 100 Arbeitnehmer/-innen beschäftigt, muss ein Sanitätsraum eingerichtet werden. Dieser muss mit den erforderlichen Einrichtungen und Mitteln ausgestattet sein, die eine rasche und wirksame Erste-Hilfe-Leistung ermöglichen. Sanitätsräume müssen leicht zugänglich und gut sichtbar gekennzeichnet sein.

Wie muss der Erste-Hilfe-Kasten ausgeführt sein?

Die Mittel zur Ersten-Hilfe müssen in ihrer Art und im Ausstattungsumfang den möglichen Verletzungsgefahren angemessen sein. Sie sind in einem staubdicht schließenden Behälter, in hygienisch einwandfreiem und jederzeit gebrauchsfähigen Zustand aufzubewahren. Die Aufbewahrungsorte müssen leicht zugänglich und gekennzeichnet sein.

In unmittelbarer Nähe der Ersten-Hilfe-Kästen müssen folgende, stets aktuell gehaltene Informationen zu finden sein:

  • Eine ausführliche Anleitung zur Ersten Hilfe Leistung
  • Vermerke mit Namen der Erst-HelferInnen
  • Die Notrufnummer der Rettung oder Vermerke über Unfallmeldestellen,  Krankentransportmittel, ÄrztInnen oder Krankenhäuser

In jeder Arbeitsstätte oder in der Nähe der Arbeitsstätte muss ein leicht erreichbares, funktionsfähiges Telefon vorhanden sein.

Mindestinhalt von Verbandskästen

gemäß ÖNORM Z 1020

  • Dreiecktücher gemäß ÖNORM K 2122
  • Wundauflage oder Saugkompresse (10 ± 0,5) cm, nicht fasernd, nicht mit der Wunde verklebend, Wundseite erkennbar, einzeln steril und keimdicht verpackt
  • Verbandtuch, 40 cm x 60 cm, nicht fasernd, nicht mit der Wunde verklebend, Wundseite erkennbar, einzeln steril und keimdicht verpackt, Mindestsaugkapazität von 100 g H2O
  • Spule Heftpflaster mit Seitenscheiben und Schutzring, quer reißbar, 2,5 cm x 5 m
  • Pflasterstrips, 6 cm x 1,9 cm, einzeln staubdicht verpackt
  • Wundschnellverband, 6 cm x 10 cm, einzeln staubdicht verpackt
  • Momentverband mittel, Binde 8 cm x 3 m, mit nicht mit der Wunde verklebendem Wundkissen 8 cm x 10 cm, einzeln steril und keimdicht verpackt
  • Momentverband groß, Binde 10 cm x 3 m, mit nicht mit der Wunde verklebendem Wundkissen 10 cm x 10 cm, einzeln steril und keimdicht verpackt
  • Elastische Mullbinden, 10 cm x 4 m, unbeschichtet, einzeln staubdicht verpackt
  • Elastische Mullbinden, 8 cm x 4 m, unbeschichtet, einzeln staubdicht verpackt
  • Elastische Mullbinden, 6 cm x 4 m, unbeschichtet, einzeln staubdicht verpackt
  • Fixierbinde, (selbsthaftend) 8 cm x 4 m
  • Fingerschnellverband, elastisches Band mit Wundkissen 3 cm x 3 cm
  • Fingerlinge mit Haltebändern
  • Rettungsdecke 210 cm x 160 cm, aluminiumbedampft, silber/andersfärbig, Foliendicke 12µm
  • Verbandschere gemäß ÖNORM K 2121
  • Medizinische Einmalhandschuhe gemäß Ö–NORM EN 455-1, -2
  • Einmalbeatmungsbehelf
  • Splitterpinzette, 8 cm, Metall, rostfrei
  • Erste-Hilfe-Anleitung (z.B. AUVA M100 oder von einer anerkannten Rettungsorganisation)

Was Sie als SVP oder Betriebsratsmitglied tun können

  • Überprüfen Sie, ob die Listen der Erst-Helfer/-innen aushängen und aktuell sind. Sind den Kollegen/_innen die bestellten Erst-Helfer/innen bekannt? Sind die Erst-Helfer/-innen entsprechend ausgebildet bzw haben sie die Auffrischungskurse besucht?

  • Ist die Ausstattung und Organisation der Ersten Hilfe auf die Gefahren im Betrieb abgestimmt? - Wurden die Gefahren mittels der Sicherheits- und Gesundheitsschutzdokumente ermittelt?

  • Wird der Inhalt der Erste-Hilfe-Kästen regelmäßig auf Vollständigkeit und Haltbarkeit überprüft?

  • Beziehen Sie Erst-Helfer/-innen in Sitzungen und Gremien ein, wenn Sicherheits- und Gesundheitsfragen besprochen werden?

  • Stellen Sie Mängel in der Organisation der Ersten Hilfe fest, so machen Sie Ihre/n Arbeitgeber/-in darauf aufmerksam und vereinbaren Sie, gemeinsam mit der Arbeitsmedizin, eine geeignete Vorgehensweise?

Wann muss eine Unfallmeldung erfolgen?

Jeder Arbeitsunfall, durch den eine unfallversicherte Person getötet oder mehr als drei Tage völlig oder teilweise arbeitsunfähig geworden ist, ist längstens binnen fünf Tagen an die AUVA zu melden.

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Persönliche Schutzausrüstung

Der Arbeitgeber muss eine individuelle Schutzausrüstung zur Verfügung stellen, wenn Gefahren nicht vermieden werden können.

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