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Steuerfreier Zuverdienst - gibt es den überhaupt?

Weil das Einkommen aus der bestehenden (Teilzeit-)Arbeit nicht zum Leben reicht, müssen viele Menschen eine weitere Beschäftigung annehmen. Dabei stellen sich oft Fragen zu Steuer und Sozialversicherung, die von den Betroffenen nicht beantwortet werden können. Etwa die Frage, ob überhaupt und wie viel Steuer bezahlt werden muss. Man sollte sich aber auf jeden Fall darum kümmern - sonst stehen möglicherweise Nachzahlungen ins Haus.


Wir haben einige Fallbeispiele aus unserer Beratungspraxis für Sie zusammengestellt:

Vorbemerkung: Die sozialversicherungsrechtlichen Bestimmungen gelten aufgrund der Gleichstellung bei „echten“ als auch bei „freien“ Dienstverträgen. Die sozialversicherungsrechtliche Geringfügigkeitsgrenze liegt 2016 bei 415,72 Euro.

Fall 1

Arbeitsverhältnis 1Einkommen UNTER der Geringfügigkeitsgrenze
Arbeitsverhältnis 2Einkommen UNTER der Geringfügigkeitsgrenze
  • Sozialversicherung:
    keiner der beiden Arbeitgeber/-innen (AG) führt Sozialversicherung (SV) ab, da jedes Arbeitsverhältnis (AV) für sich unter der Geringfügigkeitsgrenze liegt. Überschreiten beide AV zusammen die Geringfügigkeitsgrenze, werden von der Gebietskrankenkasse (GKK) einmal jährlich im Nachhinein die Arbeitnehmerbeiträge zur Kranken- und Pensionsversicherung vorgeschrieben – nicht jedoch in der Arbeitslosenversicherung (diese Zeiten zählen also auch bei Nachzahlung der SV-Beiträge nicht als arbeitslosenversicherungspflichtige Zeiten für einen Arbeitslosengeldanspruch!!). Sie haben mit ca. 15 % des Einkommens als Nachforderung zu rechnen.

  • Lohnsteuer:
    Zwei Einkünfte unter der Geringfügigkeitsgrenze sind auch gemeinsam steuerfrei.
Achtung

Dennoch sollten sie in diesem Fall eine Arbeitnehmerveranlagung durchführen, da ein Teil der nachbezahlten Sozialversicherungsbeiträge als Negativsteuer gutgeschrieben werden.

Fall 2

Arbeitsverhältnis 1Einkommen ÜBER der Geringfügigkeitsgrenze
Arbeitsverhältnis 2Einkommen UNTER der Geringfügigkeitsgrenze
  • Sozialversicherung:
    AG 1 führt SV in allen Bereichen ab. Hinsichtlich AV 2 werden von der GKK einmal jährlich im Nachhinein die Arbeitnehmerbeiträge zur Kranken- und Pensionsversicherung vorgeschrieben, da ja insgesamt über der Geringfügigkeitsgrenze verdient wird ( ca. 15 %).

  • Lohnsteuer:
    Bei mehreren lohnsteuerpflichtigen Arbeitsverhältnissen mit zeitlicher Überschneidung muss bis Ende September des Folgejahres eine Arbeitnehmerveranlagung beim Finanzamt abgegeben werden (Pflichtveranlagung). Wenn das jährliche lohnsteuerpflichtige Gesamteinkommen 11.000 Euro übersteigt, haben Sie mit einer Nachzahlung zu rechnen. Für das Einkommen über 11.000 bis 18.000 Euro haben Sie 25 Prozent Steuer zu bezahlen und von 18.000 bis 31.000 Euro haben Sie 35 Prozent Steuer zu bezahlen (dies gilt für Einkommen ab 01.01.2016).
Achtung

Wenn Sie die Grenze von 11.000 Euro nicht übersteigen, bringt Ihnen die Arbeitnehmerveranlagung voraussichtlich eine Gutschrift: ein Teil der nachbezahlten Sozialversicherungsbeiträge bekommen Sie als Negativsteuer.

Fall 3

Arbeitsverhältnis 1Einkommen ÜBER der Geringfügigkeitsgrenze
Arbeitsverhältnis 2Einkommen ÜBER der Geringfügigkeitsgrenze
  • Sozialversicherung:
    Beide AG führen SV ab. Sie sind unfall-, kranken-, pensions- und arbeitslosenversichert.

  • Lohnsteuer:
    Bei mehreren lohnsteuerpflichtigen Arbeitsverhältnissen mit zeitlicher Überschneidung muss bis Ende September des Folgejahres eine Arbeitnehmerveranlagung beim Finanzamt abgegeben werden (Pflichtveranlagung). Wenn das jährliche lohnsteuerpflichtige Einkommen der jeweiligen Arbeitsverhältnisse oder auch nur eines der Arbeitsverhältnisse unter 11.000 Euro liegt, das jährliche lohnsteuerpflichtige Gesamteinkommen beider Arbeitsverhältnisse gemeinsam aber 11.000 Euro übersteigt, haben Sie mit einer Nachzahlung zu rechnen. Für das Einkommen über 11.000 bis 18.000 Euro haben Sie 25 Prozent Steuer zu bezahlen, von 18.000 bis 31.000 Euro haben Sie 35 Prozent zu bezahlen (dies gilt für Einkommen ab 01.01.2016).

Allgemeines

Wie die Fälle zeigen, ist immer Sozialversicherung zu bezahlen, wenn mit einem oder auch mehreren „echten“ oder „freien“ Arbeitsverhältnissen gemeinsam die Geringfügigkeitsgrenze überschritten wird. Die Geringfügigkeitsgrenze gilt also nur einmal.

Hinsichtlich Steuer gilt, dass lohnsteuerpflichtiges Gesamteinkommen aus allen „echten“ Arbeitstverhältnissen bis 11.000 Euro steuerfrei ist. Wird diese Grenze überschritten, ist für das 11.000 Euro übersteigende Einkommen immer Steuer abzuführen. Wer also 15.000 Euro verdient, muss für 4000 Euro Steuer zahlen ( 15.000 – 11.000 = 4000). Für Einkommen zwischen 11.000 und 18.000 Euro haben Sie 25 Prozent Steuer zu bezahlen.

Wenn Sie allerdings neben ihrem "echten" Arbeitstverhältnis andere Einkünfte haben, die nicht aus einem Arbeitsverhältnis stammen ( etwa aus einem freien Dienstvertrag, Werkvertrag, Mieteinnahmen) , so sind diese bis zu 730 Euro pro Kalenderjahr steuerfrei. Wenn diese Einkünfte (Gewinn= Einnahmen – Ausgaben) 730 Euro im Kalenderjahr übersteigen und gemeinsam mit ihren Einkünften aus dem Arbeitsverhältnis insgesamt mehr als 12.000 Euro steuerpflichtiges Einkommen ergeben, ist bis Ende April (bei elektronischer Übermittlung bis Ende Juni) des Folgejahres eine Einkommensteuererklärung abzugeben und Steuer abzuführen.

Liegt der Zuverdienst zwischen 730 und 1.460 Euro, gibt es eine Einschleifregelung: nur das Doppelte des 730 Euro übersteigenden Betrages ist steuerpflichtig (Gewinn 1200 - 730 = 470 x 2 = 940 Euro werden versteuert).

Sollten Sie sich entschließen Einkünfte außerhalb eines „echten“ Arbeitsverhältnisses etwa in Form eines freien Dienstvertrages oder eines Werkvertrages zu lukrieren, so ist allerdings einiges zu beachten:

  • Arbeitsrechtliche Ansprüche, wie etwa Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall, bezahlten Urlaub und 13. und 14. Monatsgehalt gibt es bei diesen „atypischen“ Beschäftigungsformen nicht.
  • Die Versteuerung des erzielten Einkommens muss vom Arbeitnehmer/von der Arbeitnehmerin selbst durchgeführt werden, beim Werkvertrag trifft auch die Meldeverpflichtung zur Sozialversicherung der gewerblichen Wirtschaft den Werkunternehmer selbst. (Sozialversicherungsrechtlich sind die freien Dienstnehmer den „echten“ Arbeitnehmern gleichgestellt. Hinsichtlich der SV-Beiträge sind daher die obenstehenden Ausführungen zur Geringfügigkeitsgrenze zu beachten!!)

Broschüre

Um sich von auf den ersten Blick höheren Stundenlöhnen oder Honorarsätzen nicht blenden zu lassen, haben wir neben den steuerlichen auch die arbeits- und sozialversicherungsrechtlichten Konsequenzen in einer Broschüre (siehe Infobox) für Sie zusammengefasst.

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