Arbeitsunfälle: Vorsorge zahlt sich aus

Im Jahr 2017 gab es insgesamt 97.167 Arbeitsunfälle (inklusive Wegunfälle) von unselbstständig Beschäftigten. Im Vergleich zu den absoluten Zahlen aus 2016 lässt sich hier zwar ein Anstieg um 1,2 Prozent erkennen, dafür hat sich aber erfreulicherweise die Unfallrate bezogen auf die Anzahl der Erwerbstätigen ein wenig verringert. Damit setzt sich der positive Trend der vergangenen Jahre weiter fort.

Die Einführung des ArbeitnehmerInnenschutzgesetzes (ASchG) im Jahr 1995 hat wesentlich dazu beigetragen, denn seither haben sich die Unfallzahlen halbiert. Eine absolute Erfolgsgeschichte!

Was gilt als Arbeitsunfall?

Als Arbeitsunfälle werden "plötzliche, von außen auftretende Körperschädigungen" bezeichnet, welche in ursächlichem, örtlichem und zeitlichem Zusammenhang mit der Beschäftigung stehen, welche die Versicherung begründet" - so das Gesetz. Der Schutz der sozialen Unfallversicherung umfasst auch Ausbildungszeiten im Zusammenhang mit der Erwerbstätigkeit, Wegunfälle von und zur Arbeit sowie Unfälle von Schülern/-innen, Studenten/-innen und Kindern im verpflichtenden Kindergartenjahr.

Aus rechtlicher Sicht ist der Arbeitsunfall klar vom privaten Freizeit- oder Verkehrsunfall abzugrenzen. Die Leistungen der sozialen Unfallversicherung gehen in der Regel weiter als jene der Krankenversicherung und bieten der betroffenen Person somit eine bessere soziale Absicherung.

Oberösterreich leider bundesweiter Spitzenreiter

Die Unfallstatistik der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA) ermöglicht einen detaillierten Einblick in die Verteilung aller Arbeitsunfälle. Oberösterreich ist regelmäßig unter den unrühmlichen Spitzenreitern, allerdings steht die hohe Zahl an Arbeitsunfällen in direkter Verbindung mit der hohen Anzahl der Erwerbstätigen. Zudem sind viele Menschen im Industriesektor beschäftigt, der als sehr unfallträchtig gilt.

Wer lange arbeitet, ist mehr gefährdet

Zahlreiche Untersuchungen zeigen, dass das Unfallrisiko im Laufe eines Arbeitstages steigt. Während das relative Risiko bis zur neunten Stunde weitgehend konstant bleibt, ist ab dann ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen. 

Hinweis

Obwohl auch die Unfallzahlen im Langzeittrend weiterhin sinken, sind die Beschäftigten im Bauwesen und im Bereich baunaher Dienstleitungen im Vergleich zur Gesamtwirtschaft einem höheren Risiko ausgesetzt. Unfälle, die sich auf Baustellen ereignen, haben im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen auch häufig schwerere Folgen für die Betroffenen. 

In politischen Debatten über die Arbeitszeit (Stichwort: 12-Stunden-Arbeitstag) werden diese wissenschaftlichen Erkenntnisse leider kaum berücksichtigt: 

  • Nach langen Arbeitstagen beziehungsweise in den Abend- und Nachtstunden nimmt die Müdigkeit zu, die Konzentration sinkt und die Unfallgefahr steigt.
  • Hinzu kommt noch das Risiko des Heimweges, wenn übermüdete Beschäftigte als Verkehrsteilnehmer/-innen zur Gefahr für sich selbst und andere werden können.
  • Um Arbeitsunfälle zu vermeiden, sollten Arbeitszeiten gesundheitsfördernd gestaltet werden und ausreichend Erholungsphasen zur Verfügung stehen, anstatt die Arbeitszeiten auszudehnen.

Vorsorge und Prävention wirken

Die sinkende Unfallrate ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass sich die Anstrengungen im Bereich der Prävention gelohnt haben. Das ArbeitnehmerInnenschutzgesetz mit seiner Verpflichtung zur Arbeitsplatzevaluierung hat diesen kontinuierlichen Rückgang an Arbeitsunfällen wesentlich beeinflusst.

Ein wesentlicher Akteur im Bereich der Prävention ist, neben den Sozialpartner und der Arbeitsinspektion, auch die AUVA. Die von der Bundesregierung geplante Beitragssenkung oder gar Zerschlagung der AUVA, wird negative Folgen auf die Arbeitsunfallprävention in Österreich haben.

Dies wird zu mehr sozialer Unsicherheit und menschlichem Leid bei betroffenen Arbeitnehmer/-innen führen. Dazu müssen zahlreiche Unternehmen mit erheblichen Mehrosten rechnen. Denn der geringen Reduktion der Lohnnebenkosten stehen zahlreiche verpflichtende Leistungen gegenüber, welche die AUVA bisher kostenlos erbracht hat und welche die Betriebe künftig selbst zahlen müssten (etwa die arbeitsmedizinische Betreuung von Betrieben unter 50 Beschäftigten).

Statt die Prävention einzudämmen, sollte der erfolgreiche Weg der vergangenen Jahrzehnte weiterverfolgt werden. Um den Veränderungen in der Arbeitswelt zu begegnen, braucht es eine Weiterentwicklung des ArbeitnehmerInnenschutzgesetzes und keine Deregulierung und Zerschlagung der wichtigen Institutionen. Die Arbeiterkammer setzt sich für eine Erhaltung des hohen Schutzniveaus ein. 

Das könnte Sie auch interessieren

Bauarbeiter heben einen schweren Betonblock © Photographee.eu, Fotolia.com

Bewegen von Lasten

Probleme mit dem Kreuz vermeiden: Wie Sie Lasten richtig handhaben, was die Umgestaltung des Arbeitsplatzes bringt und welche Maßnahmen helfen!

Portrait Persönliche Schutzausrüstung © Robert Kneschke, Fotolia.com

Persönliche Schutzausrüstung

Der Arbeitgeber muss eine individuelle Schutzausrüstung zur Verfügung stellen, wenn Gefahren nicht vermieden werden können.

Bauleiter wirft einen Blick auf den Plan © Andres Rodriguez, Fotolia

Baustelle

Eine Baustelle ist eine zeitlich begrenzte oder ortsveränderliche Arbeitsstelle, an der Hoch- und Tiefbauarbeiten durchgeführt werden.

  • © 2018 AK Oberösterreich | Volksgartenstrasse 40 4020 Linz, +43 50 6906 0

  • Datenschutz
  • Impressum