Von Eulen, Lerchen und der chronisch müden Gesellschaft

Hierzulande beginnt der Arbeitsalltag früh. Spätestens um 8.00 Uhr sind die meisten am Arbeitsplatz und die Kinder in der Schule – und das ist schon spät! Warum dieses Verhalten langfristig nicht gesund ist und was das mit „Chronobiologie“ und Schlafforschung zu tun hat, zeigen die Forschungsergebnisse.

Eule oder Lerche? Das legen die Gene fest

In der Chronobiologie (Disziplin der zeitlichen Organisation physiologischer Prozesse) werden Morgenmenschen als „Lerchen“ und Spätaufsteher/-innen als „Eulen“ bezeichnet. Beide schlafen gleich viel, unterscheiden sich allerdings deutlich in ihrem Aktivitätsmodus. Während Lerchen früh wach werden und ebenso früh wieder müde, haben Eulen ihre Aktivitätsspitzen am Nachmittag. Der persönliche Chronotyp ist genetisch festgelegt und unveränderbar: er bestimmt, zu welcher Tageszeit wir aktiv sind und wann wir besser schlafen sollten.

Grafik: Schlafzeiten ohne äußeren Zwang © -, AK Oberösterreich

Arbeit und Schule beginnen zu früh

Mitteleuropäer/-innen sind überwiegend den Eulen zuzurechnen. Das bedeutet: sie schaffen es nur mit Hilfe eines Weckers rechtzeitig zur Arbeit oder in die Schule. Laut Studien stehen 4 von 5 Menschen an Werktagen unausgeschlafen auf. Arbeits- und Schulbeginn-Zeiten sind eher für Lerchen ausgerichtet. Die Arbeitszeiten nehmen wenig Rücksicht auf die unterschiedlichen Chronotypen. Im Idealfall ermöglichen Gleitzeit-Modelle eine gewisse individuelle Anpassungsmöglichkeit.

Hinweis

4 von 5 Menschen stehen an Werktagen unausgeschlafen auf.

12-Stunden-Tage schädigen die Gesundheit

Seit 1. September 2018 ist in Österreich der 12-Stunden-Arbeitstag und die 60-Stunden-Arbeitswoche in Kraft. Und verschärfen damit die Problematik weiter, weil auf die Unterschiede in den Chronotypen zu wenig Rücksicht genommen wird. Gesundheitliche Auswirkungen von langen Arbeitstagen und -wochen bleiben bei der Ausweitung der Tages- und Wochenarbeitszeit-Höchstgrenzen völlig außen vor. Obwohl gut gesicherte wissenschaftliche Langzeit-Ergebnisse zur Schlafforschung und zu den Auswirkungen von Arbeitszeit und Gesundheit längst vorliegen. Anstatt die Arbeitszeiten auf die circadianen Rhythmen - dem Schlaf-Wach-Rhythmus - der Menschen anzupassen, müssen sich die Menschen dem Diktat der Wirtschaft unterordnen und Raubbau an ihrer Gesundheit betreiben.

Der soziale Jetlag

Unsere Schlafzeiten werden von der „inneren Uhr“ (Schlaf-Wach-Rhythmus), die uns zu einem bestimmten Chronotypus macht, und von der „äußeren Uhr“ (morgendlicher Wecker) kontrolliert. Je abweichender diese beiden Uhren „ticken“, desto schwieriger kann es für Menschen sein, an allen Tagen ausreichend Schlaf zu finden. Die Abweichung zwischen der biologisch geprägten Schlafenszeit an freien Tagen und der real möglichen an Arbeitstagen bezeichnet die Schlafforschung als „sozialen Jetlag“. Arbeitszeiten sind eher an Frühaufsteher/-innen angepasst, deswegen haben diese seltener ein Schlafdefizit.

Vorurteile zerstören ernsthafte Diskussion

Trotz wissenschaftlicher Erkenntnisse ist das Thema keineswegs im politischen und betrieblichen Fokus. Viel zu oft ist es von massiven Vorurteilen wie „Der frühe Vogel fängt den Wurm“ oder „Am Abend wird der Faule fleißig“ geprägt. Das zerstört eine seriöse Diskussion. Dabei haben die verschiedenen Chronotypen nichts mit der Leistungsfähigkeit zu tun.

Arbeit & Wirtschaft-Blog

Die Lang-Version dieses Artikels kann im Arbeit & Wirtschafts-Blog nachgelesen werden.


„4 von 5 Menschen stehen an Werktagen unausgeschlafen auf."

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