07.08.2018

Der 12-Stunden-Tag und seine Folgen für Gesundheit und Zufriedenheit

Aus arbeitswissenschaftlicher Sicht ist klar belegt, dass die Ausweitung der täglichen und wöchentlichen Höchstarbeitszeit einen negativen Einfluss auf die Gesundheit und Zufriedenheit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer hat.  Außerdem trifft die Gesetzesänderung, die am 1. September 2018 in Kraft tritt, nicht die Wünsche der Österreicherinnen und Österreicher.

Laut einer aktuellen Studie (Eurofound, 2017) liegt die durchschnittliche Wunscharbeitszeit bei 31 Stunden pro Woche - dahinter steckt ein klarer Wunsch für die Verkürzung der aktuellen Arbeitszeit.

60 Stunden pro Woche treffen also nicht die Bedürfnisse der Arbeitnehmer/-innen,  sondern stehen im Widerspruch zu ihnen.

Der 12-Stunden-Arbeitstag erschöpft

Nach 12 Stunden Arbeit plus An- und Abreiseweg bleibt nicht nur wenig Zeit für Freizeit und Familie, sondern es bleibt auch zu wenig Zeit für die Erholung. Besonders deutlich wird dies nach 2 aufeinanderfolgenden 12-Stunden-Arbeitstagen: Man benötigt 3 Ruhetage, um sich wieder vollständig zu erholen. Bei einer 60-Stunden-Woche ist ausreichend Erholung praktisch unmöglich. 

Hinweis

Nach 2 Tagen an denen Sie 12 Stunden arbeiten, benötigen Sie 3 freie Tage, um sich vollständig zu erholen!

Der 12-Stunden-Arbeitstag belastet

Die Folgen für die Gesundheit sind bei überlangen Arbeitszeiten weitreichend: Sowohl körperliche Beschwerden als auch psychische Beeinträchtigungen werden von jenen, die länger als 45 Stunden pro Woche arbeiten, deutlich öfter berichtet als von jenen, die unter 40 Stunden pro Woche arbeiten.

  • Der österreichische Arbeitsklima Index zeigt, dass etwa drei Viertel jener, die überlang (mehr als 45 Stunden pro Woche) arbeiten, über Rückenschmerzen und Muskelverspannungen im Nacken- und Schulterbereich klagen. 

  •  Bei jenen unter 40 Stunden berichtet nur etwa die Hälfte von diesen Beschwerden. 

  •  Von Schlafstörungen und Erschöpfung berichten etwas mehr als die Hälfte jener, die 45 Stunden oder mehr pro Woche arbeiten. 

  •  Bei jenen, die wöchentlich weniger als 40 Stunden arbeiten, ist es im Vergleich nur ein Drittel.

Hinweis

Wenn Sie mehr als 45 Stunden pro Woche arbeiten, ist das Risiko deutlich höher, dass Sie unter körperlichen oder psychischen Beschwerden (wie Rückenschmerzen oder Schlafstörungen) leiden.

Der 12-Stunden-Tag macht krank 

Arbeitsmedizinische Studien zeigen eindeutige, welche gesundheitlichen Folgen überlange Arbeitszeiten langfristig haben. 

  • Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die regelmäßig 50 Stunden oder mehr arbeiten, haben ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen und psychische Erkrankungen. 

  •  Auch die Wahrscheinlichkeit einen Schlaganfall zu erleiden steigt. Bei jenen, die regelmäßig 55 Stunden oder mehr arbeiten , ist sie im Vergleich zu jenen die zwischen 35 und 40 Stunden wöchentlich arbeiten, dreimal so hoch. 

  •  Ein Aspekt, der noch wenig Beachtung gefunden hat, betrifft die Arbeit mit krebserzeugenden Arbeitsstoffen. Die österreichischen Grenzwerte wurden anhand des 8- Stunden-Tages berechnet. Eine Ausweitung der Arbeitszeit um 4 Stunden führt also dazu, dass das Risiko für Krebs massiv steigt und es eine Anpassung der Grenzwerte braucht.  

Hinweis

Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie einen Schlaganfall erleiden, ist dreimal so hoch, wenn Sie regelmäßig 55 Stunden oder mehr arbeiten, als wenn Sie zwischen 35 und 40 Stunden wöchentlich arbeiten.

Das Unfallrisiko steigt mit der Länge der Arbeitszeit

Eine Folge der Erschöpfung und Ermüdung betrifft auch indirekt die Gesundheit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer: Das Unfallrisiko steigt mit der Länge der Arbeitszeit. Aus medizinischer Sicht ist das eine logische Folge bei einem 12-Stunden-Tag, denn nach spätestens 10 Stunden erleben Menschen einen Leistungsknick, der neben schlechterer Leistung auch zu einer erhöhten Unfallgefahr führen kann. Man kann davon ausgehen, dass das Risiko für einen Arbeitsunfall in der zwölften Arbeitsstunde etwa doppelt so hoch ist wie in der achten Arbeitsstunde. 

Das erhöhte Unfallrisiko endet allerdings nicht mit dem Arbeitstag, auch der Nachhauseweg ist nach einem 12-Stunden-Tag gefährlicher als nach einem 8-Stunden-Tag - vor allem für alle, die selbst ein Fahrzeug lenken müssen. 

Hinweis

Das Risiko, dass Sie einen Arbeitsunfall haben, ist in der zwölften Arbeitsstunde etwa doppelt so hoch wie in der achten Arbeitsstunde. Die erhöhte Unfallgefahr betrifft auch den Nachhauseweg.

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