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Vollkarenz

Zeit exklusiv für das Kind

Karenz ist der arbeitsrechtliche Anspruch auf Dienstfreistellung gegen Entfall der Bezüge mit Kündigungs- und Entlassungsschutz. Sie kann durch einen einseitigen Akt (fristgerechte Bekanntgabe) in Anspruch genommen werden. Der Arbeitsvertrag besteht weiter, es ruhen für die Dauer der Karenz aber die Hauptpflichten aus dem Arbeitsverhältnis.

Bei Vollkarenz wird die Karenzzeit ausschließlich von einem Elternteil in Anspruch genommen. Der Elternteil, der Karenz in Anspruch nimmt, muss mit dem Kind im gemeinsamen Haushalt leben.

Wer hat Anspruch?

Anspruch auf Karenz haben:

  • Arbeitnehmer/-innen
  • Heimarbeiter/-innen
  • Beamte und Beamtinnen
  • Vertragsbedienstete des Bundes und der Länder
  • Lehrlinge

Für freie Dienstnehmer/-innen ist keine Karenz vorgesehen.

Karenzdauer

Die Vollkarenz beginnt frühestens im Anschluss an das Beschäftigungsverbot der Mutter nach der Geburt des Kindes (Schutzfrist). Sie endet nach der angemeldeten (= vereinbarten) Dauer, spätestens mit dem vollendeten 24. Lebensmonat des Kindes.

Wenn das Kind nicht mehr mit dem in Karenz befindlichen Elternteil im gleichen Haushalt lebt, ist eine derartige Situation dem/der Arbeitgeber/-in sofort zu melden. Sollte der/die Arbeitgeber/-in Sie darauf hin nicht beschäftigen, bleibt die ursprüngliche Karenzvereinbarung aufrecht. Nur wenn Ihr/e Arbeitgeber/-in es verlangt, müssen Sie Ihren Dienst wieder antreten.

Geldbezug

Während der Vollkarenz haben Sie keinen Anspruch auf Lohn bzw. Gehalt – Sie erhalten jedoch Kinderbetreuungsgeld.

Meldefrist

  • Mütter müssen ihre/n Arbeitgeber/-in spätestens am letzten Tag der Schutzfrist (8 bzw. 12 bzw. 16 Wochen nach der Geburt) darüber informieren ob bzw. wann sie Karenz in Anspruch nehmen wollen.
  • Väter haben den/die Arbeitgeber/-in spätestens 8 Wochen nach der Geburt über Beginn und Dauer der Karenz zu informieren.

Wird die Meldefrist verpasst,...
braucht der/die Arbeitgeber/-in den Karenzwunsch grundsätzlich nicht mehr zu berücksichtigen.
Trotz Fristversäumnis kann aber mit Zustimmung des/der Arbeitgebers/-in eine Karenz vereinbart werden.

Erscheint man nach Ablauf des Beschäftigungsverbotes nicht zur Arbeit und hat keine Karenz angemeldet, kann man vom/von der Arbeitgeber/-in entlassen werden. Das setzt eine vorherige Zustimmung des Gerichts voraus.

Verlängerung der Karenz

Sie können Ihrem/Ihrer Arbeitgeber/-in spätestens 3 Monate vor Ende der bereits beantragten Karenz bekannt geben, dass Sie die Karenz verlängern wollen. Dabei ist auch die Dauer der neuen Karenz anzugeben.

Die Verlängerung der Karenz ist nur einmal möglich!

Kündigungs- und Entlassungsschutz

Während der Karenz bis zum 1. Geburtstag des Kindes gelten die gleichen Kündigungsvorschriften wie während der Schutzfrist.

Nach dem 1. Geburtstag des Kindes kann Ihr/Ihre Arbeitgeber/-in das Arbeitsverhältnis nur dann kündigen, wenn zusätzlich zu den bestehenden Kündigungs- und Entlassungsschutzbestimmungen die Weiterbeschäftigung aus wirtschaftlichen und persönlichen Gründen nicht zumutbar ist. Für eine solche Kündigung benötigt der/die Arbeitgeber/-in die Zustimmung des Arbeits- und Sozialgerichts.

Kranken-, Pensions- und Unfallversicherung

Während des Bezuges von Kinderbetreuungsgeld besteht ein Krankenversicherungsschutz. Als Beitragsmonate in der Pensionsversicherung gelten höchstens 48 Kalendermonate je Kind, gezählt ab dem Monat der Geburt, wenn Wochen- und Kinderbetreuungsgeld bezogen wird.

Anrechnung der Karenzzeit

Während der Karenz bleibt Ihr Arbeitsverhältnis grundsätzlich aufrecht. Arbeitsrechtlich zählt die Zeit jedoch nicht als Arbeitszeit, sondern ist als sogenannte neutrale Zeit zu werten.

Für die Bemessung der Kündigungsfrist, für die Dauer der Entgeltfortzahlung im Krankenstand und für das Urlaubsausmaß werden höchstens 10 Monate der ersten Karenz im Arbeitsverhältnis angerechnet. Für weitere arbeitszeitabhängige Ansprüche wie z.B. Gehaltsvorrückung oder Abfertigung werden Karenzzeiten nicht mitgerechnet. Ausnahmen in Kollektivverträgen sind dabei möglich.

Achtung

Wenn der Kollektivvertrag, eine etwaige Betriebs- oder Einzelvereinbarung eine günstigere Regelung vorsieht, so gilt diese.

Abfertigung Neu

Bei Arbeitsverhältnissen, die frühestens mit 01.01.2003 begründet werden (u.U. kann dieser Termin durch Verordnung vorverlegt werden) oder bei bereits bestehenden Arbeitsverhältnissen, die in das neue Abfertigungssystem übernommen wurden, werden die Karenzzeiten mitgerechnet.

Elternteilzeit

Für Eltern kleiner Kinder, die Ihre Arbeitszeit reduzieren wollen: Finden Sie heraus, ob Sie Anspruch darauf haben und wie Sie Ihr Recht durchsetzen!

Zuverdienst - Karenz und Kinderbetreuung

Es besteht die Möglichkeit, während einer Karenz eine geringfügige Beschäftigung aufzunehmen.

KBG bei Geburten bis 28.02.2017

Der Anspruch auf Kinderbetreuungsgeld besteht ab der Geburt des Kindes. Für Geburten bis 28.02.2017 gibt es 5 Modelle zur Wahl. Hier der Überblick.

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