Einkommensunterschiede und ihre Gründe
In Oberösterreichs Privatwirtschaft liegen die Einkommen von Männern und Frauen besonders weit auseinander. Gemessen am Median, dem Einkommen genau in der Mitte, erhalten Männer brutto um 49 Prozent beziehungsweise fast 1.200 Euro mehr pro Monat als Frauen. Das ist nach Vorarlberg (53 Prozent) der zweithöchste Wert. Österreichweit beträgt das Einkommensplus der Männer mehr als ein Drittel (38 Prozent). Ein Grund für die in Oberösterreich besonders große Einkommensschere ist die Aufteilung des Arbeitsmarktes nach Geschlechtern. Männer arbeiten überdurchschnittlich häufig Vollzeit in der Industrie. Frauen hingegen vermehrt in Teilzeit und in geringer entlohnten Dienstleistungsbereichen.
Bei Vollzeit in Oberösterreich um 12.900 Euro mehr im Jahr
Auch wenn das ganze Jahr über Vollzeit gearbeitet wird, hat ein in Oberösterreich wohnender Mann am Jahresende im Schnitt brutto um ein Viertel (rund 24 Prozent) beziehungsweise 12.900 Euro brutto mehr Erwerbseinkommen als eine Frau. Den größten Einkommensabstand gibt es in Vorarlberg (fast 15.000 Euro beziehungsweise 27,7 Prozent). Das bundesweite Plus von 18,4 Prozent summiert sich übers Jahr auf über 10.500 Euro, die vollzeitbeschäftigte Männer durchschnittlich besser bezahlt werden als Frauen in Vollzeit.
Equal Pay Day am 5. November 2026
Würden Frauen und Männer im Schnitt gleich viel verdienen, dann gäbe es gleiche Bezahlung („Equal Pay“): der 31. Dezember wäre der Tag der Entgeltgleichheit („Equal Pay Day“). Da es aber wesentliche Entlohnungsunterschiede zwischen den Geschlechtern gibt, ist dieses Datum 2026 bereits am 5. November erreicht: mit Beginn dieses Tages haben vollzeitbeschäftigte Männer schon das Jahres-Entgelt erhalten, für das Frauen noch bis zum Jahresende arbeiten. Das sind 60 Tage, die Frauen salopp formuliert „gratis“ arbeiten müssen (Berechnungsbasis: Vollzeiteinkommen).
Im EU-Vergleich hat Österreich die drittgrößte Einkommenslücke
Dass Österreich Handlungsbedarf hat, zeigt auch der Blick auf die Stundenentlohnung, wo Österreich die EU-weit drittgrößte Lücke („Gap“) aufweist. In der Privatwirtschaft beschäftigte Frauen erhielten 2024 im Schnitt um 17,6 Prozent weniger als Männer, nur in Tschechien und Estland ist das Minus mit mehr als 18 Prozent noch größer.
Einkommensunterschied zum Großteil „unerklärt“
Besonders besorgniserregend ist, dass laut Statistik Austria nur rund ein Drittel der Einkommensunterschiede durch „beobachtbare“ strukturelle Faktoren wie Branche, Arbeitszeit, Beruf oder Betriebszugehörigkeit erklärt werden kann. Zu bedenken dabei ist, dass Frauen insbesondere wegen ungleichmäßig verteilter, gesellschaftlich notwendiger und vorwiegend unbezahlter Arbeit (Versorgungsarbeit, Hausarbeit...) ein geringeres Erwerbs- beziehungsweise Stundenausmaß aufweisen. Der Großteil des Entgeltunterschieds dürfte auf direkte oder andere strukturelle Diskriminierung zurückzuführen sein.
Forderungen der AK OÖ
- Gleiche Bezahlung für gleiche beziehungsweise gleichwertige Arbeit
- Flächendeckende kollektivvertragliche Mindestlöhne und -gehälter von 2.000 Euro brutto bei Vollzeit
- Eine bestmögliche Umsetzung der EU-Lohntransparenzrichtlinie
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