25.05.2018

AK Dividenden.Report: ATX-Konzerne knacken 3-Milliarden-Grenze

Die Aktionär­Innen der im Wiener Leitindex ATX gelisteten Unter­nehmen dürfen sich einmal mehr über kräftige Dividenden­zahlungen freuen. Mit 3,22 Milliarden Euro wurde für das Geschäfts­jahr 2018/19 sogar ein neuer Rekord erreicht. Zu­grunde liegen den hohen Aus­schüt­tungen teils kräftig gestiegene Konzern­gewinne. Zwar ist die Aus­schüt­tungs­quote leicht gesunken, viele Unter­nehmen schütten aber immer noch den über­wiegenden Teil des Gewinns aus, kritisiert die AK. Es fehlt – ebenfalls einmal mehr – ein nachhaltiges Wirtschaften – zumal die Kon­junktur nicht mehr wie zuletzt mit vollem Schub weiter­fahren wird.   

Grafik © Tea Mina Jaramaz

Historische Höhe bei Aus­schüt­tungs­volumen

Schon seit 2016 läuft die Konjunktur auf Hoch­touren. Das hatte zur Folge, dass die Risikovorsorgen (vor allem im Finanzsektor) und die Wert­minderungen und Ab­schreibungen bei Auslands­töchtern in Ost- und Mittel­europa Jahr für Jahr deutlich reduziert werden konnten. Das Wirtschafts­jahr 2018/19 bescherte den ATX-Unter­nehmen daher Rekord­gewinne. Konkret stieg das kumulierte, den Aktionär­Innen zu­rechen­bare Ergebnis um knapp 37 Prozent auf 8,1 Milliarden Euro. Erst­mals fuhren alle im ATX gelisteten Unter­nehmen einen Konzern­über­schuss ein. Die höchsten Gewinne in absoluten Zahlen er­wirtschafteten die Erste Group (1,8 Milliarden Euro), der Mineral­öl­konzern OMV (1,4 Milliarden Euro) und die Raiff­eisen Bank Inter­national (1,3 Milliarden Euro). 

Die gute Wirtschafts­lage führt dazu, dass die Dividenden­ausschüttungen erstmals die 3-Milliarden-Euro-Marke sprengen. Konkret werden 3,22 Milliarden Euro – das ist ein Plus von 17,2 Prozent – an die Aktionär­innen und Aktionäre aus­geschüttet. 15 der 20 ATX-Kon­zerne erhöhen ihre Dividende, vier halten sie stabil und ein Unter­nehmen, die Voestalpine, reduziert ihre Aus­schüt­tung (von 1,40 auf 1,10 Euro je Aktie nachdem das den Aktionär­Innen zurechenbare Ergebnis um fast die Hälfte auf 408,5 Millionen Euro gesunken ist). Die Top-3-Aus­schütter sind – analog zu den Unter­nehmen mit den höchsten Ge­winnen: Erste Group mit knapp 600 Millionen Euro, OMV mit rund 572 Millionen Euro und die RBI mit rund 306 Millionen Euro.  

AK vermisst Nach­haltig­keit

Die durch­schnittliche Aus­schüttungs­quote (Aus­schüttungen gemessen am Jahres­über­schuss) liegt mit knapp 40 Prozent zwar unter dem Niveau des Vorjahres (46,6 Prozent), ist aber laut Markus Oberrauter, Autor des Dividenden.Report und Betriebs­wirt in der AK Wien, „bei vielen Unter­nehmen noch sehr hoch“. „Angesichts der sich etwas verlang­samenden Konjunktur wären die Unter­nehmen besser beraten, die Gewinne in die Nach­haltigkeit zu investieren. Sprich in die Aus- und Weiter­bildung der Beschäftigten – Stichwort Digitalisierung – und in die Erneuerung der Anlagen“, so Oberrauter. Bekanntlich erwartet das Wifo für 2019 ein BIP-Plus von real 1,7 Prozent, das IHS von 1,5 Prozent – nach 2,7 Prozent in 2018.  

Praktisch den gesamten Gewinn verteilt die Post an ihre Anteils­eigner­Innen (Aus­schüttungs­quote 97,8 Prozent). Auch der Faser­hersteller Lenzing weist mit fast 90 Prozent eine sehr hohe Quote auf, obwohl der Gewinn (den Aktionär­Innen zuzurechnende) um 46,4 Prozent auf 149 Millionen Euro gesunken ist. „Neben einer stabilen Dividende von drei Euro je Aktie zahlt Lenzing zudem noch eine Sonder­dividende von zwei Euro je Aktie, was angesichts der Ergebnis­situation wirtschaftlich nicht nach­voll­zieh­bar ist“, analysiert Oberrauter. Der Betriebs­wirt der AK appelliert einmal mehr an die großen österreichischen Börsen­konzerne, eine maßvollere Dividenden­politik einzuschlagen: „Wir sind nicht gegen Aus­schüttungen an Aktionärinnen und Aktionäre, zumal diese mit ihrem Kapital den Unter­nehmen wichtige Investitionen ermöglichen und somit Arbeits­plätze sichern. Ein guter Teil des Gewinns sollte aber in die Beschäftigten und damit in die Zukunft des Unter­nehmens investiert werden“, schließt Oberrauter.


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