Lohn­neben­kosten

Mit den Lohnnebenkosten wird unser soziales Netz finanziert. Generell sind unter Lohnnebenkosten die Sozialversicherungsbeiträge zu verstehen. Sie sollen helfen, die wichtigsten Bereiche, die die Risiken des Lebens betreffen, abzusichern. Dazu zählen Krankheit, Arbeitslosigkeit, Alter und Unfall.

Zusätzlich zum Bruttolohn zahlen Arbeitgeber/-innen nur etwa 30 Prozent an Sozialbeiträgen. Damit beteiligen sie sich an der Finanzierung unseres Gesundheitssystems, der Pensionen, des Arbeitslosengeldes, der Unfallversicherung, etc. Der Rest der sogenannten "Lohnnebenkosten" ist der Lohn während des Urlaubs, der Feiertage und der Krankenstände, Weihnachts- und Urlaubsgeld und Abfertigungen – Geld also, das direkt an Arbeitnehmer/-innen bezahlt wird! Das verschweigen die Unternehmen gerne.

Gefährden die Lohn­neben­kosten die Wettbewerbs­fähigkeit der Wirtschaft?

Hinsichtlich der Wettbewerbsfähigkeit haben Lohnnebenkosten allein überhaupt keine Aussagekraft. Wichtiger sind – neben der Qualität der Produkte, der Marktnähe etc. – die sogenannten Lohn-Stückkosten. Das sind die pro Kopf (oder Stunde) bezahlten Löhne im Verhältnis zu den pro Kopf (oder Stunde) neu geschaffenen Werten – vereinfacht gesagt, ist das der Lohnanteil je Wertschöpfungseinheit. Bei den Lohn-Stückkosten in der österreichischen Industrie gab es in den letzten 6 Jahren Auf- und Abbewegungen – per Saldo sind sie 2017 nur um etwa 3,2 Prozent höher als im Jahr 2010!

So wirkt sich eine Lohn­neben­kosten­senkung für Sie aus!

  • Weniger Einkommen
    Weniger Urlaubsgeld, weniger Weihnachtsgeld, weniger Abfertigung, ...

  • Weniger bezahlte Freizeit
    Weniger Urlaub, weniger Feiertage, Arztbesuche und Behördengänge nicht mehr in der Dienstzeit, Abzug von Krankenstandstagen vom Urlaub, ...

  • Weniger soziale Sicherheit
    Selbstbehalte beim Arztbesuch, weniger Krankengeld, weniger Pension (mehr unsichere "Eigenvorsorge"), schlechtere Unfallversorgung, weniger Arbeitslosengeld, ...

"Lohn­neben­kosten", die bereits gesenkt wurden

  • Urlaubskürzung (Aliquotierung) bei Selbstkündigung

  • Streichung des Postensuchtags bei Selbstkündigung

  • Auflösung des Entgeltfortzahlungsfonds
    Auch die Auflösung des Entgeltfortzahlungsfonds, aus dem bis zu dessen Abschaffung die Löhne kranker Arbeiterinnen und Arbeiter weiterbezahlt wurden, nutzen viele Unternehmen zur Senkung der "Lohnnebenkosten", in dem sie kranke Arbeiterinnen und Arbeiter einfach kündigen!

  • Senkung der Arbeitgeberbeiträge bei älteren Arbeitnehmern/-innen sowie bei Lehrlingen: 
    Zur behaupteten Verbesserung der Situation älterer Arbeitnehmer/-innen auf dem Arbeitsmarkt beziehungsweise zur Schaffung zusätzlicher Lehrstellen haben diese Vergünstigungen nicht geführt.

  • Senkung der Unfallversicherungsbeiträge
    Mit Beginn 2019 wurden die Unfallversicherungsbeiträge für Arbeitgeber/-innen gesenkt. Eine Begünstigung für Unternehmen auf die Gefahr hin, dass Gesundheitsleistungen für Arbeiter/-innen und Angestellte nicht mehr adäquat finanziert werden können.

Darüber hinaus fordern die Unternehmen seit Jahren die Streichung bezahlter Feiertage, Selbstbehalte beim Arztbesuch, den Abzug von Krankenständen und Kuraufenthalten vom Urlaub, etc.

Bei den Unternehmen führen diese Senkungen nur zu weiter steigenden Gewinnen. Zusammen mit den Gewinnsteuersenkungen wird ihr Beitrag zur Finanzierung öffentlicher Leistungen immer geringer!

Für Arbeitnehmer/-innen drohen aufgrund der fehlenden Gelder in den Sozialtöpfen aber (weitere) Kürzungen bei den Leistungen aus der Sozialversicherung.

Wertschöpfungs­abgabe als Alternative

Eine Lohnnebenkostensenkung ist weder notwendig noch gerecht. Sinnvoll hingegen wäre, dass die Sozialbeiträge der Unternehmen nicht nur von den Löhnen und Gehältern, sondern von der gesamten Wertschöpfung eines Betriebes berechnet werden. Damit würden sich Betriebe, die Beschäftigte wegrationalisieren, nicht wie jetzt Abgaben ersparen, sondern genauso zur Finanzierung unseres Sozialstaates beitragen, wie arbeitsintensive Unternehmen.

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