Studierende unter Druck

Die Arbeiterkammer Oberösterreich hat per Online-Umfrage mehr als 1.500 Studierende an den oberösterreichischen Hochschulen zu ihrer Lebenslage befragt. Die Ergebnisse unterstreichen, was aus den Studierenden-Sozialerhebungen bekannt ist: 

  • Arbeiten und Studieren ist für Viele Realität und beeinträchtigt oft den Studienerfolg. 
  • Bei den Rahmenbedingungen für berufstätige Studierende gibt es Luft nach oben.
  • Studierende im zweiten Bildungsweg und aus Arbeiterfamilien sind besonders betroffen und studieren unter teils sehr erschwerten Bedingungen.

Mehr als drei Viertel der befragten Studierenden sind berufstätig. Rund 23 Prozent arbeiten in Form von Praktika oder Gelegenheitsjobs. Mehr als die Hälfte (54 Prozent) ist hingegen laufend neben dem Studium erwerbstätig. Die Hälfte dieser Gruppe arbeitet mehr als 20 Wochenstunden, jede:r Fünfte davon sogar 35 oder mehr Wochenstunden.

Arbeiten ist für viele Studierende not­wendig

Idealerweise ist die berufliche Tätigkeit während des Studiums fachnah, vermittelt praxisbezogenes Wissen und erleichtert den Arbeitsmarkteinstieg nach dem Studienabschluss. Für die laufend erwerbstätigen Studierenden zeigt sich jedoch überwiegend ein anderes Bild: Drei Viertel von ihnen geben an, dass sie sich ihr Studium ohne Erwerbstätigkeit nicht leisten können. Sie arbeiten tendenziell in Berufen, bei denen Flexibilität im Vordergrund steht, um Studium und Beruf vereinbaren zu können. Besonders betroffen: Studierende aus nicht-akademischen Elternhäusern und jene mit verzögertem Studienbeginn, z.B. im zweiten Bildungsweg.

Verzicht vor allem bei Kleidungs­kauf und sozialen Aktivitäten

Die anhaltende Teuerung verschärft zudem die Situation, weil der Druck zur Existenzsicherung und damit zu mehr Beschäftigung steigt, gleichzeitig der Studienerfolg aber nicht leiden soll. Zumindest 7 von 10 Befragten sparen bei sozialen Aktivitäten und bei der Kleidung. Einschränkungen bei der Ernährung betreffen mehr als 60 Prozent. Knapp die Hälfte muss auch beim Wohnen sparen. Erwerbstätigkeit verringert allerdings nicht die Notwendigkeit zu sparen.

Fleiß kann Mehrfach­belastungen nicht auf­wiegen

Berufstätige Studierende sind trotz Mehrfachbelastung zielstrebig und studieren engagiert. Sie streben trotz laufender Erwerbstätigkeit durchschnittlich zwischen 20 und 24 ECTS pro Semester an – der Richtwert für ein Vollzeitstudium in Mindeststudiendauer liegt bei 30 ECTS.

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Je mehr Studierende nebenbei arbeiten, desto stärker sinkt ihre Zufriedenheit mit dem Studienfortschritt: Von 91 Prozent bei keiner beziehungsweise zeitlich begrenzter Erwerbstätigkeit auf 82 Prozent bei Teilzeit unter 20 Wochenstunden bis hin zu 65 Prozent bei 35 oder mehr Wochenstunden. Die Abbruchsneigung von 7 Prozent bei geringfügiger Beschäftigung verdreifacht sich bei einer Vollzeitbeschäftigung. Wird zusätzlich die Vereinbarkeit von Studium und Arbeit eher schlecht beziehungsweise schlecht bewertet, steigt die Neigung, das Studium abzubrechen, sogar auf 25 Prozent. Hier zeigen sich die Grenzen der Vereinbarkeit deutlich. Wenn mehr als 20 Stunden in der Woche gearbeitet wird, ist ein Kipp-Punkt erreicht und die Abbruchsneigung steigt sprunghaft an.

Wohl­befinden und Studien­erfolg in Gefahr

Das AK OÖ Studierenden-Barometer 2026 zeigt zudem: Die andauernde Herausforderung, Studium und Beruf gut zu vereinbaren, belastet besonders. Laufend berufstätige Studierende bewerten ihr Wohlbefinden in mehreren Aspekten signifikant ungünstiger als Vollzeit-Studierende. 16 Prozent empfinden ihr allgemeines Wohlbefinden im Studium als eher nicht gut beziehungsweise nicht gut, bei den Vollzeit-Studierenden sind es nur 9 Prozent. Dieses negative Muster zeigt sich auch bei der Bewertung des Studienfortschritts (23 vs. 9 Prozent), bei der körperlichen (29 vs. 19 Prozent) sowie der psychischen Gesundheit (43 vs. 35 Prozent).  

Im beschreibenden Teil der Umfrage werden die Wirkungen der Mehrfachbelastung besonders deutlich: Die Befragten erwähnen ein „Gefühl, nirgends [weder im Studium, noch im Beruf] etwas zu bewegen“, bemerken, dass „die Semester vergehen, ich aber nicht wirklich weiterkomme“ und erleben das „Gefühl, nicht gut genug zu sein“ . Das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten nimmt ab, die Abbruchsneigung steigt.

Zugang zum Studium muss gerechter werden

Für die AK Oberösterreich ist klar: Vollzeit-Studieren und berufsbegleitendes Studieren müssen gleich gut möglich sein. Die Basis hierfür bilden einerseits angemessene Angebote und Rahmenbedingungen, die Berufstätige nicht benachteiligen und andererseits eine sozial gerechte, existenzsichernde Studienförderung, die ein zügiges Studieren ermöglicht. Denn Studieren unterstützt neben der Ausbildung von Fachkräften zentrale Zukunftskompetenzen wie Selbstständigkeit, Kommunikation, Problemlösung und kritisches Denken. Fähigkeiten, die besonders in Zeiten, in denen demokratische Werte verteidigt werden müssen, wichtig sind. Zugang zum Studium und Rahmenbedingungen müssen daher gerecht gestaltet sein. 

Forderungen der AK Oberösterreich

  • Kontinuierlicher Ausbau des Angebots für berufstätige Studierende, unter anderem qualitätsvolle Online-Kurse mit begleitender Unterstützung, mehr Angebote am Abend, zu Randzeiten und in geblockter Form

  • Ein verpflichtendes Monitoring an den Hochschulen hinsichtlich der Studienangebote sowie der sozialen Struktur der Studierenden

  • Eine bessere Berücksichtigung eines hohen Anteils berufstätiger Studierender bei der finanziellen Mittelzuteilung an die Hochschulen

  • Maßnahmen, die die soziale Durchlässigkeit an den Hochschulen erhöhen, wie etwa eine weitere Verbesserung der Studienförderung

  • Keine Studiengebühren für berufstätige Studierende, Abschaffung der Studiengebühren an den oberösterreichischen Fachhochschulen

  • Ausbau des Stipendiums nach Selbsterhalt, insbesondere durch höhere Altersgrenzen

  • Die jährliche Valorisierung aller zur Berechnung der Studienförderung herangezogenen Beträge

Die Angebote an den Hoch­schulen müssen an die Lebens­realitäten der Studierenden an­ge­passt werden. 

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