Halbtagsschulen. Ein überholtes Konzept
Ein abwechslungsreicher Schulalltag mit Lern- und Freizeitphasen, kindgerechter Förderung, gemeinsamen Übungsstunden, mehr Zeit für sportliche und künstlerische Aktivitäten: das versteht die AK Oberösterreich unter einer guten (verschränkten) Ganztagsschule. Im internationalen Vergleich für viele Schüler:innen bereits gelebte Normalität. Ein pädagogisches Konzept, das sowohl den Schulbesuch lebhafter gestalten als auch eine leichtere Vereinbarkeit von Familie und Beruf möglich machen kann.
Während die Freizeit nach einer guten Ganztagsschule wieder ganz der Familie gehört, müssen Schüler:innen einer Halbtagsschule in eigener Verantwortung, in glücklichen Fällen mit Unterstützung der Eltern, zuhause die Hausaufgaben erledigen und den Lernstoff wiederholen. Doch nicht jedes Kind kann darauf hoffen, dass die Eltern neben Arbeit und Haushalt auch Zeit zum gemeinsamen Lernen haben. Neben den beruflichen und familiären Anforderungen fällt die zusätzliche pädagogische Aufgabe vielen Eltern nicht unbedingt leicht. Vor allem, wenn die eigene Schulzeit schon länger in der Vergangenheit liegt oder den Eltern die sprachlichen Kompetenzen fehlen.
Nicht alle können ihre Kinder unterstützen
Die Ergebnisse der IFES-Studie im Auftrag der Arbeiterkammer sprechen für sich: Mit 25 Prozent der Kinder lernen die befragten Eltern so gut wie täglich, mit 18 Prozent zumindest zwei bis drei Mal in der Woche. Für die Eltern von rund einem Drittel der Kinder ist es jedoch schwierig, dem Stoff zu folgen und sie bestmöglich zu unterstützen.
Während international die Ganztagsschule längst zur Normalität wurde, halten Österreich und Deutschland weiterhin an der Halbtagsschulform fest. Für individualisierten Unterricht und andere kindgerechte Lernformen wie zum Beispiel selbstständiges, kreatives, fachübergreifendes oder auch für das immer wichtiger werdende soziale Lernen fehlt in der Halbtagsschule einfach die Zeit. Mit entsprechenden Konzepten, die Vor- und Nachmittag ganzheitlich miteinander verbinden, kann der Tagesablauf an die Leistungskurve und die Bedürfnisse der Kinder angepasst werden. Folglich werden die Unterrichtszeiten nicht ausgeweitet, sondern altersgerecht über den Tag verteilt.
Verschränkte Ganztagsschulen in Oberösterreich – ein Überblick
Beispiele für Ganztagsschulen in Oberösterreich, die bereits im öffentlichen Volksschul- und Mittelschulbereich und an Gymnasien zu finden sind:
- Volksschule Enns
- Volksschule Haag
- Mittelschule 18, Dr.-Karl-Renner-Schule Linz
- Ganztagsmittelschule Ennsleite
- Mittelschule 1 Haid
- Mittelschule St. Martin/Traun
- Mittelschule Ulrichsberg
- Mittelschule Haslach a.d. Mühl
- Bundesrealgymnasium Landwiedstraße
- Bundesrealgymnasium Traun
Voraussetzungen für eine gute Ganztagsschule:
- Es müssen genügend Ressourcen vorhanden sein.
- Alle müssen zusammenarbeiten.
- Sie muss von allen Beteiligten gewollt werden.
Eine gute Ganztagsschule braucht hochqualifizierte, engagierte, kooperationswillige Teams mit der Bereitschaft sich stetig weiterzuentwickeln und neu zu denken. Da die Kinder immer im Zentrum stehen, muss das pädagogische Konzept von allen gelebt werden. „Tagesschul“-Konzepte wie die Halbtagsschule plus Nachmittagsbetreuung decken höchstens Teilaspekte einer guten Schule ab, wie zum Beispiel die Aufsicht der Kinder.
An der Seite der Eltern fordert die Arbeiterkammer Oberösterreich daher:
- Ein flächendeckendes Angebot qualitätsvoller, kostenloser Ganztagsschulen, vor allem in der verschränkten Form und einen Rechtsanspruch auf einen Platz in einer "echten" Ganztagesschule.
- Den forcierten Ausbau verschränkter Ganztagsschulen, damit die Eltern an den einzelnen Schulstandorten zwischen verschiedenen Angeboten frei wählen können und eine breit angelegte objektive Eltern-Informationskampagne über die pädagogischen Potenziale echter Ganztagsschulen.
- Ausbau der schulischen und außerschulischen Sozialarbeit und psychologischer Beratungs- und Betreuungsangebote für Kinder und Jugendliche.
- Umsetzung einer bedarfsorientierten Mittelverteilung in Schulen nach dem AK-Chancenindex.
- Gemeinsame Schule für alle 6- bis 15-Jährigen.
Warum Ganztagesschule?
- Ist offener: Starre Stunden-, Gruppen- und Raumkorsetts werden, je nach Anliegen und Bedarf, flexibel aufgeweicht und angepasst. Im Vordergrund steht individuelle Förderung durch fachübergreifendes, ganzheitliches, projektbezogenes Lernen.
- Ist kooperativ: Zusammenarbeit wird durch die Kooperation von Lehrer:innen, Pädagogen:innen, Sozialarbeiter:innen, (Schul)-Psychologen:innen, (Schul)-Mediziner:innen aber auch Eltern, die sich verstärkt im Schulprozess einbringen können, ermöglicht.
- Ist hochwertig: Ganztagsschule ist nicht nur ein Lernort, sondern auch Lebensraum. Damit sich alle wohlfühlen, werden – auch mit Einsatz von moderner Technologie - pädagogisch abgestimmte, helle und freundliche Räume geschaffen. Z.B.: Lern- und Arbeitsräume, Labors, Hausaufgabenbereiche, Rückzugsorte, Kreativräume und hochwertige Sport- und Freizeitanlagen.
- Ist entlastend: Ganztagsschule unterstützt Familien: Hausaufgaben werden in der Schule erledigt. Es gibt eine gesunde Jause und ein warmes Mittagessen. Die Anwesenheitspflicht erstreckt sich auf die Kernzeiten von ca. 8 bis 16 Uhr. Berufstätige Eltern können ihre Kinder bereits ab 7 Uhr zum Schulfrühstück bringen. Eine gute Ganztagsschule ist aus unserer Sicht für alle Eltern gebührenfrei!
- Ist gerecht: Von einer guten Ganztagsschule profitieren alle: vor allem Kinder mit Lern- und Motivationsdefizite, Kinder mit besonderen Begabungen, Einzelkinder, Kinder mit Migrationshintergrund, Kinder mit Herkunftsdefiziten, alleinerziehende Eltern und berufstätige Eltern.
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