„Chancenindex“ für eine gerechtere Schule

Bildungschancen werden in Österreich noch immer vererbt. Dem österreichischen Schulsystem gelingt es nicht, ausgleichend zu wirken und Bildungschancen für alle Kinder gleich zu ermöglichen.

OECD schlägt Österreich einen "Chancenindex" vor  

Die OECD empfiehlt Österreich einen sogenannten Chancenindex einzuführen. Bei der Mittelverteilung an Schulen wird mit diesem auch das soziale Umfeld der Schüler/-innen berücksichtigt. 

Verschiedene Schulstandorte haben mit oft sehr unterschiedlichen sozialen Herausforderungen und Rahmenbedingungen zu arbeiten. Dabei ist es egal, ob es sich um eine Volksschule, Neue Mittelschule oder Gymnasium handelt. Jedes Kind soll aber an jedem Schulstandort zum Bildungsziel begleitet werden! 

Hinzukommt, dass die Schüler/-innen im derzeitigen System kaum sozial durchmischt werden. Die mitgebrachten Voraussetzungen der Kinder werden damit ungleich auf die Schulen verteilt.  

Was bringt ein Chancenindex?

Die Finanzierung der Schulen soll an die Anforderungen punktgenau angepasst werden, statt  die Verteilung mit der Gießkanne fortzuführen. Personal- und Sachaufwand muss passender auf die Schulen aufgeteilt werden, um den Kindern überall gleiche Lernbedingungen zu ermöglichen. Neben der allgemeinen, gerechten Basisfinanzierung für alle Schulen werden zusätzliche Ressourcen entsprechend den Herausforderungen der einzelnen Standorte zugewiesen.  

Erfolgreiche situationsangepasste Mittelzuteilung an Schulen ist unter anderem bereits aus Teilen der Schweiz, Deutschland, Belgien und den Niederlanden bekannt. 

Lernerfolg hängt unmittelbar mit Herkunft zusammen

Nicht nur die Zusammensetzung der Klassen und der Schüler/-innenschaft an einem Schulstandort sind sozial kaum durchmischt, auch die Leistungen der Schüler/-innen selbst hängen eng mit dem sozialen Umfeld in der Familie zusammen. 

Die in allen österreichischen Volksschulen getesteten Bildungsstandards 2015 im Fach Deutsch zeigen deutlich, dass  etwa das Leseverständnis der Kinder stark vom Bildungsabschluss der Eltern abhängt. 

  • Fast 13 Prozent der Kinder aus oö. Akademiker/-innenhaushalten haben die Bildungsstandards beim Lesen übertroffen, aber nur 1 Prozent der Kinder aus Familien, deren Eltern maximal Pflichtschulabschluss haben.

  • Aber 33 Prozent der oö. Kinder aus Haushalten mit Eltern mit maximal Pflichtschulabschluss haben die Lese-Bildungsstandards nicht erreicht, während dies bei Akademiker/-innenfamilien nur 5 Prozent der Kinder betroffen hat.

Wir müssen jetzt handeln

Die AK OÖ hat zum Thema Bildungsstandards und Chancengerechtigkeit auch im  Juni 2016 eine Veranstaltung durchgeführt, auf der unter anderem die Direktorin des bifie Frau Dr.in Claudia Schreiner, der bekannte Buchautor und Lehrer Niki Glattauer, die Volksschuldirektorin der Dorfhalleschule Linz, Frau Ingeborg Bammer und die Leiterin der Bildungsabteilung der AK OÖ, Frau Mag.a Bernadette Hauer über den dringenden Handlungsbedarf im Bildungssystem diskutiert haben. 

Nachzuschauen unter: 

Forderungen der AK

Damit das Bildungssystem chancengerechter wird, fordert die Arbeiterkammer Oberösterreich: 

  • Einrichtung einer gemeinsamen Schule aller 6- bis 14-Jährigen. Hinweis: Die Volksschule ist in Österreich bereits eine Gesamtschule!

  • Zusätzliche Ressourcen für multiprofessionelle Teams ( unter anderem Sozialarbeit, Schulpsychologie oder Logopädie), weniger Schüler/-innen pro Klasse, Fort- und Teambildungsmöglichkeiten, mehr Förderunterricht und Anschaffung lernförderlicher Materialien.

  • Mehr Transparenz und Nachvollziehbarkeit bei der Finanzmittelverteilung im Schulsystem.

  • Gleiche Chancen für jedes Kind - egal wo es aufwächst, welchen Vornamen es hat oder ob es von den Eltern ausreichend gefördert wird.
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