AK Bildungsmonitor 2025 - Daten, Fakten, Erfordernisse

Bildung ist der zentrale Schlüssel, um an der Gesellschaft aktiv teil zu haben, mit Entwicklungen mithalten zu können und Lebenschancen zu sichern.

Die Broschüre "AK Bildungsmonitor 2025" führt Daten und Fakten von der frühkindlichen Bildung über Schule, Ausbildung und Hochschule bis hin zum lebenslangen Lernen zusammen. Folgende zentralen Erfordernisse und Vorschläge für eine bessere Bildungspolitik lassen sich daraus festhalten:

  1. Kinderbildung und frühe Förderung legen den Grundstein für spätere Bildungserfolge – Verfügbarkeit, adäquate Angebote sowie gute Arbeitsbedingungen in der Elementarpädagogik entscheidend

  2. Ganztägige Schulen und Unterstützungssysteme ausbauen - Schule braucht mehr Ressourcen, damit sich alle Kinder optimal entfalten können

  3. Jugendliche stabilisieren, in sie investieren sowie ihnen stärken- und interessengeleitete (Aus-)Bildungswege erschließen

  4. Verbesserte Zugänglichkeit und weitere Öffnung der Hochschulen – insbesondere für Berufstätige und nicht-traditionelle Studierende

  5. Lebenslanges Lernen und berufliche Um- und Neuorientierung brauchen eine existenzsichernde, finanzielle Absicherung 


Die Broschüre in ausführlicher Fassung mit allen Daten, Fakten und Vorschlägen kann (als Print-Broschüre oder pdf) hier angefordert werden.

Kinderbildung und frühe Förderung legen den Grundstein für spätere Bildungserfolge – Verfügbarkeit, adäquate Angebote sowie gute Arbeitsbedingungen in der Elementarpädagogik entscheidend

Jeder Euro, der in die frühe Bildung von Kindern und damit in Krabbelstube und Kindergarten investiert wird, fließt 8-fach in die Gesellschaft zurück. Gezielte Unterstützung im frühen Kindesalter beugt auch späteren Ungleichheiten vor. Oberösterreich hat höchsten Aufholbedarf bei vollzeittauglichen Kinderbetreuungsplätzen (VIF). Mit nur 6,4 Prozent VIF-konformen Betreuungsplätzen für unter 3-Jährige liegt es im Österreich-Vergleich weit abgeschlagen. Sowohl die Personalsituation als auch die Arbeitsbedingungen im Elementarbereich sind angespannt.

Vorschläge der AK:

  • Es braucht bundesweit verbindliche Qualitätsstandards in Kinderbildungs- und -betreuungseinrichtungen.

  • Massiver Ausbau von Integrationsplätzen und die Aufstockung der dafür vorgesehenen finanziellen Mittel sowie einen Ausbau der Sprachförderung.

  • Ein Rechtsanspruch auf einen kostenlosen Platz in einer Kinderbildungs- und Kinderbetreuungseinrichtung ab dem zweiten Lebensjahr bis zum Ende der Sekundarstufe I 

  • Ein qualitätsvoller Ausbau der Kinderbildungs- und -betreuungseinrichtungen mit flexiblen Öffnungszeiten, die auch Randzeiten abdecken und die den Kriterien des Vereinbarkeitsindikators für Familie und Beruf (VIF) entsprechen.

  • Sofortige Rücknahme der Elternbeiträge für die Nachmittagsbetreuung

  • Eine Ausbildungsoffensive zur langfristigen Deckung des Personalbedarfs in der Kinderbildung und -betreuung. Darüber hinaus braucht es Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen für Beschäftigte.

Ganztägige Schulen und Unterstützungssysteme ausbauen - Schule braucht mehr Ressourcen, damit sich alle Kinder optimal entfalten können

Die ideale Schule gibt Kindern Selbstvertrauen und ermöglicht die Entfaltung von Kompetenzen und Talenten für alle Kinder, indem sie durch gezielte Förderung Ungleichheiten abbaut. Es liegt auf der Hand, dass Schulen mit großen Herausforderungen mehr Ressourcen dafür brauchen. International vergleichende Studien (PISA, PIRLS) stellen Österreich bislang kein gutes Zeugnis aus, wenn 25 Prozent der Schüler:innen am Ende der Pflichtschulzeit geringe Kompetenzen im sinnerfassenden Lesen aufweisen und Schüler:innen aus Familien mit geringem sozioökonomischen Status mit 55 Prozent mehr als doppelt so stark betroffen sind. Auch die frühe Trennung aller Kinder nach der Volksschule verfestigt Ungleichheiten. Und Belastungen rund um Kosten für Schulbedarf, Schulveranstaltungen oder Leistungsdruck und Nachhilfe bringen Kinder wie Eltern zusätzlich unter Druck.

Vorschläge der AK:

  • Gemeinsame Schule für alle 6- bis 15-Jährigen

  • Flächendeckendes Angebot qualitätsvoller und kostenloser Ganztagsschulen sowie ein Rechtsanspruch auf den Besuch einer Ganztagsschule, auch in jener Form, in der Lernen, Üben und Freizeit einander abwechseln

  • Ausbau der schulischen und außerschulischen Sozialarbeit und psychologischer Beratungs- und Betreuungsangebote für Kinder und Jugendliche

  • Umsetzung einer bedarfsorientierten Mittelverteilung in Schulen nach dem AK-Chancenindex

  • Sozial gerechtere Gestaltung der Schulbeihilfe

Jugendliche stabilisieren, in sie investieren sowie ihnen stärken- und interessengeleitete (Aus-)Bildungswege erschließen

Bildungsabbrüche sind nicht nur persönlich belastend, sondern verursachen auch hohe gesellschaftliche Kosten – Investitionen in Prävention, Beratung und Rückkehrmöglichkeiten lohnen sich gerade vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels. Besonders frühe Schul- und Ausbildungsabbrecher:innen sowie NEET-Jugendliche (Not in Education, Employment oder Training) laufen Gefahr in hohem Maß vom Arbeitsmarkt ausgegrenzt zu bleiben oder brü-chige Erwerbskarrieren zu haben. Der Anteil an frühzeitigen Schul- und Ausbildungsabgänger:innen steigt seit 2016 – entgegen dem EU-Trend – in Österreich an und liegt bei gut 8 Prozent. Wenn es gelingt, den Anteil der Pflichtschulabsolvent:innen zugunsten mittlerer Ausbildungen zu verringern, werden nicht nur die Arbeitsmarktperspektiven vieler Einzelpersonen gestärkt, sondern auch ein wesentlicher Beitrag zur Deckung des Fachkräftebedarfs geleistet. 

Vorschläge der AK:

  • Mehr Angebote zur stärken- und interessengeleiteten Berufs- und Bildungswegorientierung

  • Rücknahme der Kürzungen bei der Ausbildungsbeihilfe für junge Erwachsene in überbetrieblichen Lehrausbildungen. 

  • Ausbau proaktiver Jugendarbeit, um Jugendliche zu motivieren, die Ausbildung fortzusetzen

  • Eine rasche Erweiterung der Kapazitäten des kostenlosen psychologischen und psychotherapeutischen Angebots für Jugendliche und junge Erwachsene

  • Freifahrt und ein Jugendticket-Netz für alle Jugendlichen in Ausbildung – auch für jene, die sich in Produktionsschulen, Berufsorientierungskursen und Stabilisierungsprojekten befinden

Verbesserte Zugänglichkeit und weitere Öffnung der Hochschulen – insbesondere für Berufstätige und nicht-traditionelle Studierende

Die soziale Herkunft der Eltern nimmt nach wie vor sehr stark Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit höherer Bildung – nur jede:r dritte Studienanfänger:in hat Eltern ohne Matura. Nicht-traditionelle Studierende, auch über den Zweiten Bildungsweg, sind nach wie vor unterrepräsentiert, insbesondere an den öffentlichen Universitäten. 7 von 10 Studierenden arbeiten und laufen durch die Mehrfachbelastung Gefahr, das Studium eher abzubrechen. 

Vorschläge der AK:

  • Kostenfreie Zugangsberechtigungen zum tertiären Bildungssektor, die im zweiten Bildungsweg nachgeholt werden

  • Bessere Durchlässigkeit beim Einstieg in tertiäre Bildungsangebote durch flächendeckende Angebote zur Anrechnung bereits erworbener Kompetenzen

  • Eine sozial gerechtere Gestaltung der Studienbeihilfen

  • Abschaffung der Studiengebühren an den Fachhochschulen und für berufstätige Studierende an den Universitäten

  • Ausreichende Anzahl an Studienplätzen sowie ausreichende Finanzierung der Universitäten und Hochschulen aus öffentlichen Mitteln

  • Kontinuierlicher Ausbau des Angebots für berufstätige Studierende und eine bessere Berücksichtigung eines hohen Anteils berufstätiger Studierender bei der finanziellen Mittelzuteilung an die Hochschulen

Lebenslanges Lernen und berufliche Um- und Neuorientierung brauchen eine existenzsichernde, finanzielle Absicherung

Der Zugang zu individueller und existenzsichernder Zeit für Weiterbildung wird durch Kürzungen und Verschärfungen bei diversen Förderungen immer schwieriger, obwohl die Anforderungen an Beschäftigte laufend steigen. Gleichzeitig geht auch die Teilnahme an betrieblichen Weiterbildungen zurück, während 2015 noch 45 Prozent der Beschäftigten betriebliche Angebote besucht haben, waren es 2020 nur mehr 35 Prozent, ein Wert deutlich unterhalb dem EU-Schnitt. Informelle und non-formale Kompetenzen finden noch immer zu wenig Berücksichtigung und Anerkennung. Betriebe sollten sich noch stärker in der Verantwortung sehen, in ihre Mitarbeiter:innen zu investieren und ihnen Kosten und Zeit für Fort- und Weiterbildungen zur Verfügung stellen. Erfolgreich erprobte und nachgefragte Modelle wie „Level up Erwachsenenbildung“ oder „Du kannst was“ brauchen eine dauerhafte Absicherung.

Vorschläge der AK:

  • Kostenlose Angebote für das Nachholen von Bildungsabschlüssen im zweiten Bildungsweg, insbesondere der Lehrabschlussprüfung, der Berufsreife- und Studienberechtigungsprüfung

  • Bundesweite Anerkennung beruflich erworbener Fähigkeiten für den Erwerb eines Lehrabschlusses (Modell „Du kannst was“)

  • Rücknahme der Kürzungen beim Oö. Bildungskonto und Ausbau der Förderungen

  • Ein Rechtsanspruch auf ein existenzsicherndes Qualifizierungsgeld für berufliche Neu- und Umorientierung

Kontakt

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Arbeiterkammer OÖ
AK Bildungsberatung in OÖ

TEL:      +43 50 6906 3
E-MAIL: bildungsinfo@akooe.at
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