Kinder­betreuung: Ober­österreich bleibt weiter Schluss­licht

Beim öffentlichen Kinderbetreuungsangebot in Oberösterreich sind seit Jahren massive Lücken und strukturelle Schwächen sichtbar. 

Für viele erwerbstätige Eltern bedeutet dies einen Drahtseilakt zwischen Beruf und Familie. Dabei ist beste Kinderbetreuung und -bildung durchaus möglich – wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Das ist derzeit nicht der Fall. Im Gegenteil: Oberösterreich liegt im Bundesländervergleich in vielen Bereichen der institutionellen Kinderbetreuung ganz hinten.

Kinder­betreuung - Angebot reicht nicht

In Oberösterreich gibt es seit Jahren enormen Aufholbedarf bei der institutionellen Kinderbetreuung: 

Bei der generellen Betreuungsquote für Kinder unter 3 Jahren nimmt Oberösterreich im Bundesländer-Vergleich ebenso abgeschlagen den letzten Platz ein wie beim Anteil jener Plätze, die Eltern problemlos eine Vollzeitarbeit ermöglichen (VIF-Plätze).

Nur für 17,8 Prozent der betroffenen Kinder gibt es überhaupt ein Angebot. Gerade einmal für 4,6 Prozent der Unter-3-Jährigen und lediglich für 23,1 Prozent der 3- bis 6-Jährigen stehen VIF-konforme Betreuungsplätze zur Verfügung – um 0,8 Prozentpunkte weniger als 2019/20.

Andere Bundes­länder bauen Kinder­betreuung aus

In einigen Bundesländern ist der Ausbau der vollzeittauglichen Plätze für 3- bis 6-Jährige zwischen 2019/20 und 2020/21 beachtlich vorangeschritten: 

  • Im Burgenland stieg die Betreuungsquote um 27,3 Prozentpunkte auf 59,4 Prozent, in Salzburg um 16,2 Prozentpunkte auf 50,2 Prozent oder in Niederösterreich um 18,9 Prozentpunkte auf 40,3 Prozent. 

  • Laut Kindertagesheimstatistik 2020/21 verfügt österreichweit fast die Hälfte (48 Prozent) der 3- bis 6-Jährigen über einen VIF-konformen Kinderbetreuungsplatz. 

  • Oberösterreich rangiert mit 23,1 Prozent im Bundesländervergleich mit großem Abstand an letzter Stelle. Der Abstand zum Vorletzten (Kärnten) beträgt 11,6 Prozentpunkte.

Ober­österreich am letzten Platz

Auch hinsichtlich der Öffnungszeiten und Schließtage hinkt Oberösterreich deutlich hinterher, und das als Industriebundesland. 

Die starren und oft zu kurzen Öffnungszeiten machen berufstätigen Eltern das Leben schwer. In Oberösterreich hat rund die Hälfte der Kindertagesheime weniger als 8 Stunden täglich geöffnet, 6 von 10 schließen sogar vor 16 Uhr. 

Während in Niederösterreich immerhin 50 Prozent der Kindertagesheime mehr als 9 Stunden pro Tag geöffnet haben, sind es in Oberösterreich nur 27 Prozent – das bedeutet auch in dieser Kategorie österreichweit den letzten Platz. Die Landespolitik ist entsprechend gefordert.

Arbeits­bedingungen ver­bessern - AK-Forderungen

Das Angebot an Kinderbetreuungsplätzen, die Eltern Vollzeitarbeit ermöglichen, muss dringend und deutlich ausgebaut und der Elternbeitrag für die Nachmittagsbetreuung ab dem 30. Lebensmonat wieder zurückgenommen werden. 

Zudem brauche es Verbesserungen beim Personalschlüssel sowie einen Rechtsanspruch auf einen Platz in einer Betreuungseinrichtung ab dem 2. Lebensjahr bis zum Ende der 8. Schulstufe. 

Auch ein zweites verpflichtendes kostenloses Kindergartenjahr und ein flächendeckendes Ganztagsschulangebot würde viele Eltern entlasten. 

Schließlich müssen Gemeinden bei der Sommerbetreuung finanziell unterstützt und eine Ausbildungsoffensive auf allen Ebenen gestartet werden.

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