Herkunft beeinflusst Bildungswahl

Ein faires und chancengerechtes Bildungssystem für alle Kinder - das fordert die Arbeiterkammer Oberösterreich. Bildungschancen sind in Österreich ungleich verteilt. Je höher der Bildungsabschluss der Eltern, desto höher auch die Chance auf einen höheren Bildungsabschluss für das Kind. 

Einmal eingeschlagene Bildungswege bestimmen die beruflichen Karrieren und Lebenschancen wesentlich. Im österreichischen Bildungssystem entscheidet sich an 3 Zeitpunkten, wohin der weitere Bildungsweg führt:

  • am Ende der Volksschule (4. Schulstufe),
  • am Ende der Sekundarstufe I ( 8. Schulstufe) und
  • am Ende der Sekundarstufe II. 

4. Schulstufe - was kommt nach der Volksschule?

Am Ende der Volksschule wird in Österreich ausgesiebt. Kinder und ihre Eltern müssen sich zwischen den Schultypen Neue Mittelschule und Gymnasium (AHS) entscheiden. 

Nur knapp ein Drittel der AHS-Anfänger/-innen haben Eltern, deren höchster formaler Bildungsabschluss eine Lehre ist. Dieser Anteil sinkt noch weiter bis zur 8. Schulstufe in der AHS-Unterstufe. 

Verteilung der Schüler/-innen nach der 4. Schulstufe nach Bildungsabschluss der Eltern

Umgekehrt finden sich viele Kinder in der Neue Mittelschule wieder, die laut Volksschulzeugnis AHS-Reife besäßen. Der Nationale Bildungsbericht zeigt, dass "Leistung" für die Entscheidung, eine AHS-Unterstufe zu besuchen, nur zu 30 Prozent eine Rolle spielt. Daher ist es wichtig, Kinder und Eltern in ihrem Selbstbewusstsein zu stärken, damit sie ihre Potenziale und Fähigkeiten auch nutzen. So können neue Bildungswege abseits der sozialen Herkunft beschritten werden.

8. Schulstufe - Lehre oder Matura?

Auch beim Übertritt von der Mittelstufe in eine weiterführende Schule mit Matura sind Kinder von Eltern mit geringerem Bildungsabschluss benachteiligt. 

Verteilung der Schüler/-innen nach der 8. Schulstufe nach Bildungsabschluss der Eltern

Universität oder Fachhochschule?

Der Einfluss der sozialen Herkunft auf die Schullaufbahn eines Kindes setzt sich bis zur etwaigen Aufnahme eines Studiums fort. Die Entscheidung überhaupt ein Studium zu beginnen beziehungsweise welches Studienfach gewählt wird, hängt auch von Bildung und Beruf der Eltern ab.

An Fachhochschulen ist die soziale Durchmischung noch stärker ausgeprägt, Universitäten hingegen werden besonders von Studierenden aus Akademiker/-innen-Haushalten besucht. 

Verteilung der Studierenden nach Bildungsabschluss der Eltern
 

Weitere Faktoren für die Bildungswahl

Unser Bildungssystem schafft es nicht, vererbte Bildungschancen auszugleichen. Das beginnt schon bei der fehlenden Durchmischung in der Volksschule. Doch gerade das Lernen untereinander und voneinander ist bei Kindern von besonderer Bedeutung! 

Um ein faires und chancengerechtes Bildungssystem zu etablieren, muss gelingen, dass Kinder auch unabhängig vom Wohnort, der Einkommenssituation der Eltern, dem Geschlecht und dem Migrationshintergrund ihre Bildungswahl treffen.

Die Herkunft der Kinder spielt in einem Schulsystem mit gemeinsamer Mittelstufe und ganztägiger Schule weniger eine Rolle.

Forderungen der AK

  • Kinder und Jugendliche sind individuell zu fördern - unabhängig von ihrer Herkunft. Kinder dürfen nicht nach dem Einkommen und der Ausbildung der Eltern sortiert und ausgesiebt werden!

  • Gemeinsame Mittelstufe für alle Kinder von 10 bis 14 Jahren (in der Volksschule hat Österreich de facto eine Gesamtschule)

  • Ausbau (verschränkter) Ganztagsschulen (ausreichend Zeit zum Lernen und Fördern)

  • Recht auf Förderunterricht (private Nachhilfe muss man sich leisten können)

  • Berufsorientierung die alle Möglichkeiten (von der höheren Bildung bis zur Lehre) beinhaltet 

 

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