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Armut in Österreich

1,5 Millionen Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdete in Österreich

Obwohl Reichtum in Österreich ausreichend vorhanden ist, bleibt Armut weit verbreitet. Gemäß Armutsbericht (Statistik Austria, EU-SILC 2015) waren im Jahr 2015 in Österreich 1.551.000 Menschen bzw. 18 Prozent der Bevölkerung armuts- oder ausgrenzungsgefährdet (Oberösterreich: 221.000 Menschen oder 15 Prozent der Bevölkerung).

Diese Menschen hatten ein niedriges Haushaltseinkommen und waren somit armutsgefährdet bzw. einkommensarm, mussten erhebliche Einschränkungen in zentralen Lebensbereichen hinnehmen oder lebten in Haushalten mit geringer Erwerbsbeteiligung. Besonders stark betroffen waren Alleinerziehende, kinderreiche Familien, Langzeitarbeitslose, Nicht-Österreicher/-innen und gering Qualifizierte. Weiters lebten 380.000 Kinder und Jugendliche (22 Prozent der Unter-20-Jährigen) in Familien mit Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdung.

Hinweis

In der EU (28 Länder) waren im Jahr 2014 rund 122 Millionen Menschen oder fast ein Viertel der Bevölkerung armuts- oder ausgrenzungsgefährdet. 

Die Europäische Kommission hat sich im Rahmen der Europa 2020-Strategie zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2020 die Anzahl der von Armuts- und Ausgrenzungsgefährdung betroffenen Menschen in der EU um 20 Millionen zu reduzieren. In Österreich soll diese Gruppe bis zum Jahr 2020 um 235.000 Personen verringert werden. 

Rund 1,2 Millionen Menschen sind armutsgefährdet

Armutsgefährdet  bzw. von Einkommensarmut betroffen waren im Jahr 2015 rund 1,2 Millionen Menschen bzw. 14 Prozent der Bevölkerung. In Oberösterreich waren 192.000 Menschen (13 Prozent der Bevölkerung) armutsgefährdet. 

Von Armutsgefährdung spricht man dann, wenn ein Haushalt über ein sehr geringes Familieneinkommen verfügt.  Dieses Nettoeinkommen muss unter der sogenannten „Armutsgefährdungsschwelle“ liegen.  

Wer ist armutsgefährdet?

Als Schwelle zur Armutsgefährdung gelten 60 Prozent des durchschnittlich gewichteten mittleren Einkommens (Medianeinkommen) einer Gesellschaft.

Etwa jede/r Siebte muss hierzulande mit einem monatlichen Gesamteinkommen von weniger als 1.163 Euro 12 mal pro Jahr (oder rund 997 Euro bei 14-maliger Auszahlung und einem Jahreswert von 13.956 Euro) bei einem Einpersonenhaushalt auskommen (Wert für das Jahr 2015 bezogen auf die Einkommen 2014).

Die Betroffenen selbst haben aber ein um 20,5 Prozent (rund 239 Euro monatlich bzw. 2.867 Euro im Jahr bei einem Einpersonenhaushalt) geringeres Einkommen zur Verfügung, nämlich im Mittel weniger als 924 Euro (rund 792 Euro 14 mal) monatlich. 

Ohne Sozialstaat wären 44 Prozent armutsgefährdet

In Österreich wären ohne Sozialleistungen (inklusive Pensionen) 44 Prozent der Bevölkerung armutsgefährdet. Die staatlichen Transfers verringern die Zahl der armutsgefährdeten Menschen von rund 3,7 Millionen auf 1,2 Millionen. Dadurch wird die Betroffenheit von Einkommensarmut stark reduziert. 

Armut ist weiblich

Die systematische (Lohn-)Diskriminierung von Frauen in Arbeitswelt und Gesellschaft wirkt sich auch in einer durchwegs höheren Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdung aus.

  • Insgesamt sind Frauen mit 19 Prozent etwas überdurchschnittlich armuts- oder ausgrenzungsgefährdet, Männer zu 16 Prozent (jeweils im Alter ab 20 Jahren).
  • Besonders Alleinerziehende haben ein sehr hohes Armuts- bzw. Ausgrenzungsrisiko. 42 Prozent der Ein-Eltern-Haushalte sind davon betroffen. Die Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdungsquote ist bei Alleinerziehenden u.a. so hoch, weil die Verdienstchancen insbesondere aufgrund von Betreuungsverpflichtungen oft sehr gering sind.
  • Ebenso haben alleinlebende Frauen mit, aber auch ohne Pension ein sehr hohes Armuts- oder Ausgrenzungsrisiko. Es liegt bei alleinlebenden Frauen mit Pension bei 22 Prozent und ohne Pension bei 31 Prozent.
  • Gibt es eine weibliche Hauptverdienerin im Haushalt, so liegt Armut oder Ausgrenzung bei einem Viertel der betroffenen Haushalte vor. Ist der Mann Hauptverdiener, so trifft dies lediglich 15 Prozent.
  • Weiters ist auch die Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdungsquote bei Familien mit mindestens drei Kindern besorgniserregend hoch und liegt bei 29 Prozent. 

Lange Arbeitslosigkeit steigert Armut und soziale Ausgrenzung

Ein mit Abstand sehr hohes Armuts- oder Ausgrenzungsrisiko tragen arbeitslose Menschen - unter den Arbeitslosen (6 bis 11 Monate arbeitslos) liegt diese Betroffenheit bei überdurchschnittlichen 49 Prozent, bei Langzeitarbeitslosen (ganzjährig) sogar bei 67 Prozent! 

Arbeit bietet Schutz vor Armut

Während am Arbeitsmarkt bzw. gesellschaftlich Benachteiligte (Migrant/-innen, Arbeitslose, Alleinerziehende, Menschen mit geringer Bildung, Menschen mit Behinderung etc.) im Vergleich zur Gesamtbevölkerung stark erhöhte Armuts- oder Ausgrenzungsrisiken tragen, liegt das Risiko in Haushalten mit Erwerbstätigkeit bei unterdurchschnittlichen zehn Prozent. Bei einer Vollzeitarbeit sogar nur bei acht, bei Teilzeit bei 14 Prozent.  

In Haushalten mit Arbeitslosigkeit liegt die Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdungsquote im Schnitt bei 51 Prozent.

Die Ausübung einer Erwerbstätigkeit gilt daher generell als ein Mittel zur Armutsverringerung.

Entlohnung, Ausmaß und Kontinuität der Arbeit sowie die Zusammensetzung des Haushalts – besonders die Erwerbsbeteiligung – sind Faktoren, die die Höhe des Haushaltseinkommens wesentlich bestimmen. 

"Working Poor" – trotz Arbeit arm

  • In Österreich sind (laut EU-SILC 2015) 297.000 erwerbstätige Personen (18 bis 64 Jährige, die mehr als die Hälfte des Referenzjahres erwerbstätig waren) armutsgefährdet. Das sind acht Prozent der Erwerbstätigen. In OÖ sind laut dieser Erhebung rund 49.000 Menschen bzw. sieben Prozent der Erwerbstätigen "Working Poor".

    Ursache sind: geringe Wochenarbeitszeit, nicht ganzjährige oder gering entlohnte Tätigkeit oder auch die Familiensituation, d.h. dass z.B. mit einem Einkommen mehrere Personen auskommen müssen.

  • "Working Poor" sind nicht nur den niedrigeren Bildungsstufen und den unteren Berufsschichten zuzuordnen. 

  • Menschen mit einem Normalarbeitsverhältnis stellen die größte Gruppe innerhalb der "Working Poor" dar.

  • Auch viele Migranten/-innen sind "arm trotz Arbeit". 

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