Armut in Österreich

1,5 Millionen Armuts- oder Ausgrenzungs­gefährdete in Österreich

Obwohl Reichtum in Österreich ausreichend vorhanden ist, bleibt Armut weit verbreitet. Gemäß Armutsbericht (Statistik Austria, EU-SILC 2018) waren im Jahr 2018 in Österreich 1.512.000 Menschen beziehungsweise 17 Prozent der Bevölkerung armuts- oder ausgrenzungsgefährdet (Oberösterreich: 175.000 Menschen oder 12 Prozent der Bevölkerung).

Diese Menschen hatten ein niedriges Haushaltseinkommen und waren somit armutsgefährdet beziehungsweise einkommensarm, mussten erhebliche Einschränkungen in zentralen Lebensbereichen hinnehmen oder lebten in Haushalten mit geringer Erwerbsbeteiligung. Besonders stark betroffen waren Alleinerziehende, kinderreiche Familien, Langzeitarbeitslose, Nicht-Österreicher/-innen und gering Qualifizierte. Weiters lebten 372.000 Kinder und Jugendliche (21 Prozent der Unter-20-Jährigen) in Familien mit Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdung.

Hinweis

In der EU (28 Länder) waren im Jahr 2017 rund 113 Millionen Menschen beziehungsweise 22,4 Prozent der Bevölkerung armuts- oder ausgrenzungsgefährdet. 

Die Europäische Kommission hat sich im Rahmen der Europa 2020-Strategie zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2020 die Anzahl der von Armuts- und Ausgrenzungsgefährdung betroffenen Menschen in der EU um 20 Millionen zu reduzieren. In Österreich soll diese Gruppe bis zum Jahr 2020 um 235.000 Personen verringert werden. Von 2008 bis 2018 reduzierte sich diese Gruppe laut Statistik Austria um rund 187.000 Menschen. 

Rund 1,2 Millionen Menschen sind armuts­gefährdet

Armutsgefährdet beziehungsweise von Einkommensarmut betroffen waren im Jahr 2018 rund 1,2 Millionen Menschen beziehungsweise 14 Prozent der Bevölkerung. In Oberösterreich waren 153.000 Menschen (11 Prozent der Bevölkerung) armutsgefährdet. 

Von Armutsgefährdung spricht man dann, wenn ein Haushalt über ein sehr geringes Familieneinkommen verfügt.  Dieses äquivalisierte Nettohaushaltseinkommen muss unter der sogenannten „Armutsgefährdungsschwelle“ liegen.  

Wer ist armutsgefährdet?

Als Schwelle zur Armutsgefährdung gelten 60 Prozent des durchschnittlich gewichteten mittleren Einkommens (Medianeinkommen) einer Gesellschaft.

Etwa jede/r Siebte muss hierzulande mit einem monatlichen Gesamteinkommen von weniger als 1.259 Euro 12 mal pro Jahr (oder rund 1.079 Euro bei 14-maliger Auszahlung und einem Jahreswert von 15.105 Euro) bei einem Einpersonenhaushalt auskommen (Wert für das Jahr 2018 bezogen auf die Einkommen 2017).

Die Betroffenen selbst haben aber ein um 21,7 Prozent (rund 274 Euro monatlich beziehungsweise 3.283 Euro im Jahr bei einem Einpersonenhaushalt) geringeres Einkommen zur Verfügung. 

Ohne Sozial­staat wären 43 Prozent armuts­gefährdet

In Österreich wären ohne Sozialleistungen (inklusive Pensionen) 43 Prozent der Bevölkerung armutsgefährdet. Die staatlichen Transfers verringern die Zahl der armutsgefährdeten Menschen von rund 3,7 Millionen auf 1,2 Millionen. Dadurch wird die Betroffenheit von Einkommensarmut stark reduziert. 

Armut ist weiblich

Die systematische (Lohn-)Diskriminierung von Frauen in Arbeitswelt und Gesellschaft wirkt sich auch in einer durchwegs höheren Armutsgefährdung aus.

  • Insgesamt sind Frauen mit 14 Prozent etwas überdurchschnittlich armutsgefährdet, Männer zu 12 Prozent (jeweils im Alter ab 20 Jahren).

  • Besonders Alleinerziehende haben ein sehr hohes Armutsrisiko. 37 Prozent der Ein-Eltern-Haushalte sind davon betroffen. Die Armutsgefährdungsquote ist bei Alleinerziehenden u.a. so hoch, weil die Verdienstchancen insbesondere aufgrund von Betreuungsverpflichtungen oft sehr gering sind.

  • Ebenso haben alleinlebende Frauen mit, aber auch ohne Pension ein sehr hohes Armutsrisiko. Es liegt bei alleinlebenden Frauen mit Pension bei 26 Prozent und ohne Pension bei 25 Prozent.

  • Gibt es eine weibliche Hauptverdienerin im Haushalt, so liegt Armut bei 23 Prozent der betroffenen Haushalte vor. Ist der Mann Hauptverdiener, so trifft dies lediglich 11 Prozent.

  • Weiters ist auch die Armutsgefährdungsquote bei Familien mit mindestens 3 Kindern besorgniserregend hoch und liegt bei 26 Prozent. 

Längere Arbeitslosig­keit erhöht die Armuts­lagen

Ein mit Abstand dramatisch hohes Armutsrisiko tragen arbeitslose Menschen - unter den Arbeitslosen (6 bis 11 Monate arbeitslos) liegt diese Betroffenheit bei überdurchschnittlichen 33 Prozent, bei ganzjähriger Arbeitslosigkeit sogar bei 52 Prozent! Von Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdung sind überdies 76 Prozent der Langzeitarbeitslosen betroffen.

Arbeit kann Schutz vor Armut bieten

Menschen, die es am Arbeitsmarkt schwer haben, wie etwa Migranten/-innen, Langzeitarbeitslose, Alleinerziehende, Menschen mit geringer Bildung oder Menschen mit Behinderung haben im Vergleich zur Gesamtbevölkerung stark erhöhte Armutsrisiken. In Haushalten mit ganzjähriger Erwerbstätigkeit ist das Armutsrisiko geringer und liegt bei unterdurchschnittlichen 7 Prozent. Bei einer Vollzeitarbeit (mindestens 6 Monate) sogar nur bei 6, bei Teilzeit bei 10 Prozent. 

In Haushalten mit Arbeitslosigkeit liegt die Armutsgefährdungsquote im Schnitt bei 41 Prozent.

Die Ausübung einer Erwerbstätigkeit gilt daher generell als ein Mittel zur Armutsverringerung.

Entlohnung, Stundenausmaß und Kontinuität der Arbeit sowie die Zusammensetzung des Haushalts – besonders die Erwerbsbeteiligung der Personen im erwerbsfähigen Alter – sind Faktoren, die die Höhe des Haushaltseinkommens wesentlich bestimmen. 

"Working poor" – trotz Arbeit arm

  • In Österreich sind (laut Statistik Austria, EU-SILC 2018) 316.000 erwerbstätige Personen (18 bis 64 Jährige, die mehr als die Hälfte des Referenzjahres erwerbstätig waren) armutsgefährdet. Das sind 8 Prozent der Erwerbstätigen. Davon sind 181.000 Männer (8 Prozent) und 135.000 Frauen (7 Prozent). In OÖ sind laut dieser Erhebung rund 51.000 Menschen beziehungsweise 7 Prozent der Erwerbstätigen "working poor".

    Ursache sind: geringe Wochenarbeitszeit, nicht ganzjährige oder gering entlohnte Tätigkeit oder auch die Familiensituation, das heißt, dass zum Beispiel mit einem Einkommen mehrere Personen auskommen müssen.

  • Das Risiko von "working poor" trifft zumeist Personen mit geringer Bildung beziehungsweise Menschen, die auf Hilfsarbeitsjobs angewiesen sind, aber auch Selbständige.

  • Weiters sind rund 6 Prozent aller Personen, die mindestens 6 Monate vollzeitbeschäftigt, ganzjährig gearbeitet haben, „working poor“. Das sind rund 159.000 Menschen.

  • Auch viele Migranten/-innen sind "arm trotz Arbeit". 

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