15.04.2026

Der Arbeits­klima Index zeigt: Krank zu arbeiten und Arbeitsbelastungen senken die Zufrieden­heit der Beschäftigten

Der Arbeitsklima Index zeigt einen klaren und seit Jahren anhaltenden Trend: Immer mehr Menschen in Österreich arbeiten obwohl sie krank sind. Mit 65 Prozent erreicht der Präsentismus 2025 einen neuen Höchststand. Besonders stark betroffen sind das Gesundheits-, Sozial- und Unterrichtswesen. Parallel dazu verschlechtern sich die Arbeitszufriedenheit und das Wohlbefinden vieler Beschäftigter spürbar, vor allem dort, wo Zeitdruck und hoher Arbeitsdruck dominieren. 

Immer mehr Beschäftigte in Österreich arbeiten trotz Krankheit. Das zeigt der aktuelle Arbeitsklima Index der Arbeiterkammer Oberösterreich: Die Zahl der Arbeitnehmer:innen die angeben, in den vergangenen sechs Monaten krank gearbeitet zu haben, hat mit 65 Prozent einen neuen Höchstwert erreicht. Besonders betroffen sind das Gesundheits- und Sozialwesen sowie das Unterrichtswesen, wo bis zu drei Viertel der Beschäftigten trotz gesundheitlicher Einschränkungen weiterarbeiten.

Pflichtgefühl und keine Vertretung als Haupt­gründe

Der Trend ist eindeutig und seit Jahren ungebrochen. Präsentismus hat sich, verstärkt durch steigende Belastungen, fehlende Vertretungen und wachsenden Arbeitsdruck, als strukturelles Problem der Arbeitswelt etabliert. Auch die Folgen sind gravierend: Viele Betroffene berichten von Erschöpfung, Konzentrationsproblemen und verlängerten Krankheitsverläufen. 

„Präsentismus ist kein individuelles Versagen, sondern das Symptom eines überlasteten Systems. Wer krank arbeitet, tut das meist, weil niemand da ist, der die Arbeit übernehmen kann“, betont AK‑Präsident Andreas Stangl. Er fordert umfassende Maßnahmen, um Beschäftigte besser zu schützen und die Arbeitsbedingungen zu verbessern. 

Arbeits­belastungen drücken die Zufrieden­heit

Auch bei der Arbeitszufriedenheit zeigt der Arbeitsklima Index deutliche Warnsignale. Hohe Arbeitsbelastungen, insbesondere Zeitdruck und dauerhafter Arbeitsdruck, wirken sich massiv negativ auf alle Bereiche der Zufriedenheit aus. Beschäftigte, die stark unter Zeitdruck stehen, sind deutlich seltener mit ihrer Tätigkeit, ihrem Arbeitsumfeld oder der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben zufrieden.  

Die Arbeiterkammer Oberösterreich fordert 

  • Eine gerechte und qualitative Gesundheitsversorgung für alle Menschen
  • Es darf zu keinen Verschlechterungen im Bereich der Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall kommen. Überlegungen, die ersten Krankenstandstage als unbezahlte Urlaubstage oder Karenztage zu deklarieren, sind entschieden zurückzuweisen.
  • Kündigungsschutz während des Krankenstandes.
  • Verstärkte Investitionen in Prävention und betriebliche Gesundheitsförderung sowie strukturelle Maßnahmen wie ausreichende Personalausstattung sind unerlässlich 

Der Arbeitsklima Index wird seit 30 Jahren von der Arbeiterkammer Oberösterreich gemeinsam mit den Forschungsinstituten IFES und FORESIGHT erhoben. Jährlich werden über 4.000 Beschäftigte befragt, um ein verlässliches Bild der Stimmung am österreichischen Arbeitsmarkt zu erhalten.

Präsentismus ist kein individuelles Versagen, sondern das Symptom eines überlasteten Systems. Wer krank arbeitet, tut das meist, weil niemand da ist, der die Arbeit übernehmen kann

andreas stangl

AK-Präsident

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