Vitamin-D-Präparate im KONSUMENT-Test: Mehrheit deutlich überdosiert
Je weniger die Sonne scheint, desto mehr Menschen greifen zu Vitamin-D-Präparaten. Das Testmagazin KONSUMENT hat 22 frei verkäufliche Vitamin-D-Präparate in unterschiedlichen Darreichungsformen untersucht. Bewertet wurden Dosierung, Wirkstoffkombinationen, Deklaration, Preis pro Tagesration sowie mögliche Gesundheitsrisiken. Das Ergebnis ist ernüchternd: Nur zwei Produkte sind sinnvoll dosiert, alle übrigen überschreiten die empfohlenen Mengen, fünf davon sogar deutlich.
Gesunde Menschen brauchen kein zusätzliches Vitamin D
Vitamin D reguliert den Kalzium- und Phosphatstoffwechsel und stärkt Knochen, Muskeln und Immunsystem. Der Körper bildet es mithilfe von Sonnenlicht selbst und speichert es im Fett- und Muskelgewebe. Bei gut gefüllten Speichern reicht diese Reserve in der Regel auch für sonnenarme Monate aus. Gesunde Menschen mit ausreichender Versorgung profitieren daher nicht von einer zusätzlichen Einnahme.
Überdosierung mit Risiko
Für Personen mit erhöhtem Risiko kann insbesondere in den Wintermonaten eine vorbeugende Einnahme sinnvoll sein. Das sind insbesondere Menschen, die sich kaum im Freien aufhalten, z.B. Pflegeheimbewohner:innen, chronisch Kranke, Personen über 65 Jahre oder adipöse Menschen. Auch wer seinen Körper vollständig bedeckt oder dunkle Hautfarbe hat, bildet hierzulande weniger Vitamin D.
Absprache mit Arzt erforderlich
Empfohlen wird eine Einnahme von bis zu 800 Internationalen Einheiten (I.E.) täglich – nach Absprache mit einem Arzt. Diese Menge entspricht sowohl der Zufuhrempfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) bei fehlender körpereigener Bildung als auch der Höchstmengenempfehlung für Nahrungsergänzungsmittel des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Viele getestete Produkte liegen hier aber deutlich darüber. Besonders hoch dosiert sind unter anderem Präparate von Hübner, Dekristolvit, Alsiroyal und Sanotact. Eine dauerhafte Überdosierung kann im schlimmsten Fall zu Nierenschäden führen.
Angesichts der großen Dosierungsunterschiede wird von einer eigenständigen Einnahme ohne ärztliche Rücksprache abgeraten. Blutwerte sind Momentaufnahmen und können saisonal schwanken. Wer einen dauerhaft niedrigen Vitamin-D-Spiegel vermutet oder Präparate für Kinder und Jugendliche in Betracht zieht, sollte ärztlichen Rat einholen.
Kombinationen ohne belegten Nutzen
Viele Präparate enthalten zusätzliche Wirkstoffe wie Vitamin K2, Zink oder Selen. Ein gesundheitlicher Vorteil dieser Kombinationen ist wissenschaftlich nicht belegt. Teilweise werden auch hier empfohlene Höchstmengen überschritten. Da die Allgemeinbevölkerung in der Regel ausreichend mit Zink und Selen versorgt ist, bringt eine zusätzliche Einnahme keinen Mehrwert.
Große Preisunterschiede
Der Preis pro Tagesration variiert stark – zwischen 2 und 79 Cent. Das günstigste Produkt ist leicht überdosiert und enthält zusätzlich Vitamin K2 ohne belegten Zusatznutzen. Eines der beiden am besten bewerteten Produkte – das Vitamin D3 von Rotbäckchen – zählt zu den teuersten im Test. Ein weiteres empfehlenswertes Produkt von GSE kostet 21 Cent pro Tag. Die Einnahmeform (Tablette, Kapsel, Tropfen oder Saft) ist dabei weniger entscheidend als die richtige Dosierung.
Fazit
Vitamin-D-Präparate können für einzelne Risikogruppen sinnvoll sein. Für die Mehrheit der gesunden Bevölkerung ist eine zusätzliche Einnahme jedoch nicht notwendig – und hoch dosierte Präparate bergen vermeidbare Risiken.
Testergebnis
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