Aufholbedarf bei Öffnungszeiten in der Kinderbetreuung
Viele Kinder freuen sich auf die Ferienzeit, für berufstätige Eltern hingegen bedeutet es oft massiven organisatorischen Stress. Denn trotz gesetzlicher Mindestöffnungszeiten gilt: Fünf Wochen Urlaub reichen nicht aus, um Schul- und Kindergartenferien abzudecken. Familien brauchen mehr Verlässlichkeit in der Kinderbildung und -betreuung. "Solange es keinen Rechtsanspruch auf kostenlose, ganzjährige und ganztätige Kinderbildung und -betreuung ab dem zweiten Lebensjahr gibt, bleibt die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für viele Eltern eine Herausforderung", so AK-Präsident Andreas Stangl.
Um Eltern in Ferienzeiten zu entlasten, gibt es klare Vorgaben bei den Öffnungszeiten für Krabbelstuben, Kindergarten und ähnliche Einrichtungen: Das Oberösterreichische Kinderbildungs- und -betreuungsgesetz schreibt vor, dass Kinderbildungs- und -betreuungseinrichtungen mindestens 47 Wochen pro Arbeitsjahr geöffnet sein müssen. Laut Land Oberösterreich hätten Betreuungseinrichtungen in Oberösterreich sogar durchschnittlich nur 19,9 Tage pro Jahr geschlossen. In der Praxis zeigt sich jedoch ein ganz anderes Bild. Gerade Eltern von Kindern bis zum Volksschulalter berichten in der AK-Beratung von großen Schwierigkeiten, passende und verlässliche Betreuungsangebote zu finden. Vor allem gibt es ein deutliches Gefälle zwischen Stadt und Land.
Hohe Anzahl an Schließtagen
Laut aktuellem AK-Kinderbetreuungsatlas sind Krabbelstuben im Durchschnitt für 22,9 Tage im Jahr geschlossen. Besonders betroffen sind ländliche Bezirke: Rohrbach (31,2 Schließtage), Ried im Innkreis (28,5 Tage) und Braunau am Inn (26,2 Tage) liegen deutlich über dem gesetzlich erlaubten Schließtage-Wert. Die geringsten Schließzeiten gibt es hingegen in Linz-Land (16,4 Tage), Wels (18,3 Tage) und Steyr-Land (18,8 Tage).
Bei den Kindergärten zeigt sich ein ähnliches Bild: Zwar liegt der oberösterreichweite Durchschnitt mit 18,9 Schließtagen niedriger als bei Krabbelstuben, dennoch bestehen erhebliche regionale Unterschiede. Während Kindergärten im Bezirk Linz-Land nur 13 Tag pro Jahr geschlossen sind, sind es im Bezirk Rohrbach im Schnitt 27,9 Tage.
Herausforderung für Eltern
Die aktuelle Auswertung des AK-Kinderbetreuungsatlas macht deutlich: In vielen oberösterreichischen Gemeinden wird die gesetzliche Öffnungspflicht nicht erfüllt. Zusätzlich zeigen sich gravierende Schwächen im Gesetzesvollzug. Die angespannte finanzielle Lage vieler Gemeinden und der zunehmende Personalmangel tragen dazu bei, dass Ausnahmeregelungen verstärkt in Anspruch genommen werden, um die Vorgaben erfüllen zu können.
Sogenannte „geschlossene Betriebstage“ werden nicht zur Gesamtzahl der Schließzeiten gezählt. Dabei handelt es sich oft um einzelne geschlossene Tage pro Woche, die nicht zusammengerechnet werden. So entsteht am Papier der Eindruck, dass die 47-Wochen-Vorgabe eingehalten wird, während die Kinderbildungs- und -betreuungseinrichtung faktisch geschlossen ist.
Fehlende Betreuungsangebote benachteiligt Frauen
Sind die Kinder erst mal aus dem Kindergarten raus, verschärft sich die Situation für viele Familien weiter. Gerade im Schulalter fehlen vielerorts passende Betreuungsangebote: Da nicht jede Gemeinde einen Hort hat und die ganzjährige Öffnungspflicht nicht für die Nachmittagsbetreuung an Volksschulen gilt, gibt es in vielen Gemeinden während der Sommerferien gar keine Betreuung für Volksschulkinder.
Die Folge ist, dass Eltern, meistens die Frauen, ihre Arbeitszeit reduzieren oder gar nicht erst wieder voll in den Beruf zurückkehren. „Eltern brauchen verlässliche Strukturen für die Betreuung der Kinder. Nur mit einem flächendeckenden Angebot ab dem Krabbelstuben-Alter ist echte Vereinbarkeit von Beruf und Familie möglich“ so AK-Präsident Andreas Stangl.
Die Arbeiterkammer Oberösterreich fordert daher:
- Einen Rechtsanspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz ab dem zweiten Lebensjahr sowie eine kostenlose, ganzjährige und ganztägige Kinderbetreuung.
- Das Land Oberösterreich muss den Gemeinden ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung stellen, damit der Ausbau der Kinderbetreuung rasch, bedarfsgerecht und nachhaltig vorangetrieben werden kann.
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