29.04.2026

AK-Präsident Stangl: „Falsche Pflegegeld-Einstufungen belasten auch die pflegenden Angehörigen stark“    

Eine falsche Pflegegeldeinstufung erschwert den Zugang zu vielen nötigen Unterstützungen für die Menschen mit Pflegebedarf selbst, aber auch für ihre pflegenden Angehörigen. Folgen einer zu niedrigen Pflegegeldeinstufung sind oft: kein Platz in Alten- und Pflegeheimen für die Betroffenen (Zugang erst ab Pflegestufe vier), kein Zugang zum Angehörigenbonus und zum Pflegekarenzgeld, Selbst- und Weiterversicherung für pflegende Angehörige, außerdem wird die Förderung für 24-Stunden-Betreuung erschwert. „Eine falsche Pflegegeldeinstufung hat vielfach auch nachteilige Auswirkungen auf den Zugang zu Sozialleistungen“, sagt AK-Präsident Andreas Stangl.

73.409 Menschen bezogen vergangenes Jahr in Oberösterreich Pflegegeld. Eine AK-Studie zeigt, dass die Einstufung nicht immer transparent und oft zu gering ist. Die Arbeiterkammer OÖ hat alleine im Jahr 2025 599 Pflegegeld-Fälle vor Gericht gewonnen.

Beruf und Pflege vereinen?

In unserem Bundesland sind rund 20 Prozent aller Arbeitnehmer:innen und rund 19 Prozent aller Arbeitslosen pflegende Angehörige. Bis zu 167.000 AK OÖ-Mitglieder vereinen Beruf und Angehörigenpflege in unterschiedlichem Ausmaß, reduzieren Stunden oder scheiden aus dem Erwerbsleben aus, oft verbunden mit finanziellen und gesundheitlichen Folgen. 

In Österreich gibt es zahlreiche Angebote, die es erleichtern, Beruf und Angehörigenpflege zu vereinbaren. Häufig sind Leistungen wie Pflegekarenzgeld und -zeit (Pflegestufe drei, Ausnahme bei Kindern und Menschen mit Demenz bereits Pflegestufe eins), aber auch der Heimplatz oder der Angehörigenbonus (beides Pflegestufe vier) an eine Mindestpflegegeldstufe gekoppelt. 

Spannende AK-Studie

Die AK-Studie zur PVA-Begutachtungspraxis zeigt die Folgen auf, wenn der Pflegegeld-Antrag abgelehnt wird oder eine zu niedrige Pflegegeldstufe bewilligt wird. 71 Prozent der Angehörigen übernehmen deshalb die Pflege selbst, 43 Prozent mussten auf Erspartes zurückgreifen, um Hilfe zu holen und 27 Prozent konnten keine professionelle Hilfe bezahlen.

Forderungen:

  • Es braucht einen respektvollen Umgang mit Antragsteller:innen im Rahmen der Begutachtungen.
  • Es braucht eine standardmäßige, umfassende Begutachtung sowie die verpflichtende Berücksichtigung aller vorliegenden Gutachten und Befunde.
  • Es braucht eine standardmäßige, nachvollziehbare Begründung von ärztlichen Entscheidungen inklusive der automatischen Zustellung sämtlicher entscheidungsrelevanter Gutachten sowie einer Einspruchsmöglichkeit.

Eine falsche Pflegegeldeinstufung hat vielfach auch nachteilige Auswirkungen auf den Zugang zu Sozialleistungen

andreas stangl 

AK-Präsident

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