Erwachsenbildung braucht frische Impulse! AK Oberösterreich fordert mehr Unterstützung bei Wunsch nach Weiterbildung
Die Bereitschaft der Arbeitnehmer:innen sich fortzubilden ist groß, die Unterstützung dafür aber viel zu gering. Laut Arbeitsklima-Index der AK Oberösterreich haben im Vorjahr 42 Prozent der Beschäftigten an Maßnahmen und Schulungen zur beruflichen Weiterbildung teilgenommen. Weiterbildung fördert Arbeitszufriedenheit, beruflichen Erfolg, Gesundheit, gesellschaftliche Teilhabe und wirtschaftliche Innovation. „Hier braucht es auch in Zeiten budgetärer Kürzungen neue bildungspolitische Impulse“, sagt AK-Präsident Andreas Stangl.
Die Bereitschaft der Arbeitnehmer:innen sich weiterzubilden ist zwar groß, das österreichische Bildungssystem schafft es jedoch nicht, sozio-ökonomische Unterschiede auszugleichen. Im Gegenteil: Es hindert viele Menschen daran, ihr Potenzial auszuschöpfen. So wird Bildung nach wie vor stark vererbt. Nur vier Prozent der Schüler:innen an einer AHS-Oberstufe haben Eltern mit höchstens Pflichtschulabschluss, in der BHS sind es fünf Prozent. Auch im Berufsleben führt ein höherer Bildungsabschluss dazu, sich verstärkt weiterzubilden. Knapp drei von zehn Arbeitnehmer:innen mit maximal Pflichtschluss haben in den letzten zwölf Monaten an einer beruflichen Weiterbildung teilgenommen, bei Arbeitnehmer:innen mit Hochschulabschluss waren es hingegen sechs von zehn.
Damit insbesondere Arbeitnehmer:innen mit geringer formaler Bildung Zugang zu Weiterbildung haben, braucht es aktive Anstrengungen und attraktive Rahmenbedingungen. Bildungsabschlüsse nachzuholen, bedeutet jedoch oft hohe finanzielle, zeitliche und persönliche Belastung für Bildungswillige. Dennoch kann nur so dem strukturellen Vererben von Bildung ein Ende gesetzt werden. Daher ist für eine längere Ausbildung und berufliche Neuorientierung eine entsprechende finanzielle Absicherung notwendig.
Kürzungen durch Landespolitik erschweren Weiterbildung
Auch die oberösterreichische Landespolitik würdigt die Weiterbildungsbereitschaft wenig. Mit 1. Jänner 2026 wurden die Mittel des OÖ. Bildungskonto erneut massiv gekürzt und die Förderperiode auf 2028 gestreckt. Dabei ist es eines der wichtigsten Instrumente zur Finanzierung berufsbezogener Weiterbildung. Bildungsmotivierte haben daher de facto weniger Förderung zur Verfügung. Gestrichen wurde zudem die höhere Förderung von Personen ab dem 50. Lebensjahr mit geringem Einkommen und von Personen mit maximal Pflichtschulabschluss. Die Förderungen beim Nachholen eines Lehrabschlusses wurden ebenfalls gekürzt. Gänzlich aufgelassen wurde die erhöhte Förderschiene für höherwertige digitale Ausbildungen. In Zeiten rasanter digitaler und technologischer Entwicklungen erscheint dies völlig unverständlich.
Die Arbeiterkammer Oberösterreich fordert
- den Ausbau des OÖ. Bildungskontos: Das individuelle Bildungskonto soll erhöht und der allgemeine Fördersatz von 30 auf 50 Prozent angehoben werden. Zusätzlich soll wieder ein spezielles Bildungskonto für bildungs- bzw. arbeitsmarktfernere Zielgruppen eingeführt werden.
- den Ausbau und die langfristige Absicherung von Initiativen zur kostenlosen Basisbildung und zum Nachholen eines Pflichtschulabschlusses.
- kostenlose Vorbereitungskurse für das Nachholen von Lehrabschlüssen samt Übernahme der Prüfungsgebühren und allfälliger Materialkosten.
- kostenlose Kompetenzfeststellung samt allenfalls erforderlicher Weiterbildung für den Erwerb eines Lehrabschlusses.
- eine Attraktivierung der Abendschulen, insbesondere der berufsbegleitenden HTL-Ingenieur:innen-Ausbildung mit erwachsenengerechtem Lehrplan und der Möglichkeit, ein Fachkräftestipendium zu beziehen.
- einen Rechtsanspruch auf eine Woche Bildungsfreistellung pro Jahr, um Weiterbildung bei aufrechter Beschäftigung zu fördern.
- ein existenzsicherndes Qualifizierungsgeld mit Rechtsanspruch, um berufliche Um- und Neuqualifizierung und längere Ausbildungen zu ermöglichen.
- eine Weiterbildungsstrategie mit dem Ziel, lebensbegleitendes Lernen und das Nachholen von Bildungsabschlüssen zu forcieren.
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