AK-Kinderbetreuungsatlas 2026: So steht es um die Kinderbildung und -betreuung in Oberösterreich
Für berufstätige Eltern hängt vieles mit bedarfsgerechter Kinderbetreuung vor Ort zusammen. Sei es der Wiedereinstieg, das Arbeitszeitausmaß oder die Urlaubsplanung. Der AK-Kinderbetreuungsatlas 2026 schafft Transparenz zu den aktuellen Rahmenbedingungen wie Öffnungszeiten, Mittagsangebot und Schließzeiten in den Kinderbildungs- und -betreuungseinrichtungen der oberösterreichischen Gemeinden und er zeigt auf, wie unterschiedlich die Situation für Eltern im Land ist.
Seit 27 Jahren untersucht die Arbeiterkammer Oberösterreich die Situation der institutionellen Kinderbildung und -betreuung im Land und trägt die Ergebnisse im Kinderbetreuungsatlas zusammen. Für den aktuellen Stand wurden zwischen Mai und Juli 2026 in Kooperation mit dem Institut für Empirische Sozialforschung (IFES) die Daten bei den Gemeinden erhoben und ausgewertet. Dieses Jahr beteiligten sich 279 von 438 oberösterreichischen Gemeinden an der Erhebung. Hingegen 159 Gemeinden (rund 36 Prozent) verweigerten die Amtshilfe und stellten der Arbeiterkammer Oberösterreich und dem IFES keine Daten zur Verfügung.
Kinderbetreuungsangebot auf dem Prüfstand
Die Gesamtbewertung setzt sich aus neun Kriterien zusammen. Untersucht werden dazu die täglichen Betreuungs- und Öffnungszeiten, das Mittagsangebot sowie die jährlichen Schließzeiten der Bildungseinrichtungen für Kinder unter drei Jahren, drei bis sechs Jahren und im Volksschul-Alter. Zusätzlich zur Gesamtbewertung kann eine Gemeinde einen „Plus“-Punkt für Sonderprojekte wie den „gesunden Kindergarten“ oder den Einsatz von Zivildiener:innen erhalten.
Auf Grundlage dieser Kriterien werden die Gemeinden in die Kategorien 1A bis D eingestuft. Die höchste Kategorie 1A erreichen jene Gemeinden, die acht bis neun Kriterien erfüllen. Von den Teilnehmenden erreichen 157 Gemeinden die Bestwertung. Wie in den Vorjahren weisen die Bezirke Linz Stadt und Linz-Land, Eferding, Steyr Stadt und Wels Stadt bzw. Wels-Land die meisten 1A-Bewertungen auf. Wer nur ein eingeschränktes oder gar kein Angebot für Kinder in seiner Gemeinde bietet, wird mit C oder D bewertet. Aktuell sind das 18 Gemeinden über alle oberösterreichischen Bezirke verteilt.
„Der Kinderbetreuungsatlas zeigt seit 27 Jahren, dass Oberösterreich bei der Kinderbildung und -betreuung noch Aufholbedarf hat. Es gibt viele engagierte Gemeinden und erfreuliche Entwicklungen. Wir dürfen uns aber nicht auf einzelne Vorzeigeprojekte ausruhen. Eltern brauchen in ganz Oberösterreich ein verlässliches Angebot, das zu ihrem Arbeitsleben passt. Gute Kinderbildung und -betreuung ist eine zentrale Voraussetzung für Eltern, um arbeiten zu können. Das Land Oberösterreich muss dafür deutlich mehr unternehmen und die finanziellen Mittel zur Verfügung stellen“, fasst AK-Präsident Andreas Stangl zusammen.
Mangelndes Kleinkind-Angebot erschwert Wiedereinstieg
Besonders kritisch bleibt die Situation bei den Unter-Dreijährigen: Durch das dürftige Angebot, wird vielen Eltern die Rückkehr zum Arbeitsplatz erschwert. In nur 31 Gemeinden gibt es für die Kleinsten ein Angebot, das die Anforderungen der höchsten Kategorie 1A erfüllt. 141 Gemeinden erreichen Kategorie A, 75 Kategorie B und 32 Kategorie C und D.
„Gerade beim Wiedereinstieg zeigt sich, wie wichtig ein bedarfsgerechter Betreuungsplatz ist. Wenn Kinder erst spät aufgenommen werden oder die Öffnungszeiten nicht zum Arbeitsalltag passen, wird eine Rückkehr in den Beruf für viele Eltern zur Hausforderung. Das Benachteiligt besonders Mütter“, sagt AK-Präsident Andreas Stangl.
Kindergarten-Kinder besonders von Schließzeiten betroffen
Bei den Drei- bis Sechsjährigen zeigt sich insgesamt ein deutlich besseres Bild. 100 Gemeinden erreichen die höchste Kategorie 1A, 82 Gemeinden die Kategorie A. In dieser Altersgruppe wird die Vereinbarkeit von Beruf und Familie besonders durch die Schließzeiten beeinträchtigt. Bemerkenswert ist, dass in 80 teilnehmenden Gemeinden die Kindergärten länger als die gesetzlich erlaubten fünf Wochen pro Jahr geschlossen sind. Nur die Statutarstädte Linz, Steyr und Wels sowie ein Großteil der Gemeinden in den Bezirken Eferding, Linz-Land und Steyr-Land halten sich an die gesetzlichen Vorgaben.
Vereinbarkeit bleibt mit Schuleintritt schwierig
Ebenso bei der Betreuung von Volksschulkindern gibt es Handlungsbedarf: 93 Gemeinden erreichen die höchste Kategorie A, während 186 Gemeinden nur die Kriterien für Kategorie B oder darunter erfüllen. Vor allem die Nachmittags- und Ferienbetreuung ist für Eltern von Schulkindern sehr wichtig. Denn der Betreuungsbedarf endet nicht mit dem Schuleintritt.
Gemeinden verweigern die Auskunft
Nicht alle Gemeinden wollen Auskunft über die Kinderbildungs- und -betreuungssituation vor Ort geben. 159 Gemeinden haben keine Daten zur Verfügung gestellt – das sind 34 mehr als im Vorjahr. Damit bleibt für diese Orte offen, wie das tatsächliche Betreuungsangebot aussieht. Für die Arbeiterkammer ist klar: Die Bevölkerung hat ein Recht darauf, zu wissen, wie es um die Kinderbetreuung in ihrer Gemeinde bestellt ist.
Die Arbeiterkammer Oberösterreich fordert daher:
- einen Rechtsanspruch auf einen qualitätsvollen Betreuungsplatz ab dem zweiten Lebensjahr bis zum Ende der Volksschule
- flächendeckende, bedarfsgerechte und vollzeittaugliche Betreuungsangebote
- eine verpflichtende und professionelle Bedarfserhebung in Gemeinden und Bezirken
- eine finanzielle Absicherung für den Ausbau der Kinderbildung und -betreuung durch das Land Oberösterreich und eine Ausbildungsoffensive, damit genügend Fachkräfte zur Verfügung stehen.
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