21.07.2026

13-mal so viele 61-jährige Frauen arbeits­los: AK Ober­öster­reich fordert aktive Arbeits­markt­politik für ältere Frauen

Die Arbeitslosigkeit bei Frauen zwischen 60 und 64 Jahren ist in Oberösterreich im Juni 2026 um 31,9 Prozent gestiegen. Besonders hoch ist der Anstieg bei den 61-Jährigen. Hier hat sich die Zahl der arbeitslosen Frauen auf das 13-Fache erhöht. „Die schrittweise Anhebung des Frauenpensionsalters führt nicht zur Gänze dazu, dass Frauen länger im Erwerbsleben stehen und einen Arbeitsplatz haben“, so AK-Präsident Andreas Stangl.

Die Arbeitslosenzahlen für Juni 2026 zeigen einen drastischen Anstieg bei älteren Frauen. Insgesamt sind in der Altersgruppe 60 bis 64 Jahre in Oberösterreich um 31,9 Prozent mehr Frauen und um 5,9 Prozent mehr Männer als im Vorjahr arbeitslos. Der starke Anstieg geht vor allem auf die extreme Steigerung bei den 61-Jährigen zurück: Im Juni 2026 waren 13-mal so viele 61-jährige Frauen arbeitslos wie noch im Vorjahr. Das ist ein Anstieg von 1.238,2 Prozent, von 34 auf 455 Personen. Bei Männern im gleichen Alter beträgt der Anstieg 3,8 Prozent, von 607 auf 630 Personen. Bundesweit ist der Unterschied zwischen Frauen und Männern mit plus 1.252,4 Prozent zu plus 0,8 Prozent noch deutlicher.

Dass die Arbeitslosigkeit bei Frauen mit 61 Jahren im Juni 2026 so stark gestiegen ist, ist kein Zufall, sondern eine direkte Folge der schrittweisen Anhebung des Frauenpensionsantrittsalters. Frauen, die zwischen Jänner und Juni 1965 geboren wurden, konnten noch nicht mit 61 Jahren in Pension gehen, weil für sie schon ein Pensionsalter von 61 Jahren und sechs Monaten gilt. Diese Gruppe kann also frühestens ab 1.7.2026 ihre Pension antreten. Sind sie arbeitslos, scheinen sie mit 61 weiterhin in der Statistik auf, während frühere Jahrgänge in diesem Alter schon in Pension gehen konnten.

Lang­zeit­arbeits­losig­keit steigt massiv

Neben dem allgemeinen starken Anstieg der Arbeitslosigkeit steigt auch die Anzahl jener Personen, die länger als ein Jahr ohne Beschäftigung sind, besorgniserregend an. In der Altersgruppe 60 bis 64 Jahre sind in Oberösterreich seit dem Vorjahr um 44,3 Prozent mehr Frauen und um 17,9 Prozent mehr Männer länger als ein Jahr arbeitslos gemeldet.

Aufgrund häufig unterbrochener Erwerbsbiografien, Teilzeitphasen und Betreuungszeiten, sind die Pensionsansprüche von Frauen ohnehin wesentlich niedriger. Wenn sie dann vor der Pension arbeitslos werden, verschlechtert das ihre finanzielle Lage zusätzlich. Die stark steigende Arbeitslosigkeit zeigt die Schwachstelle der Reform: Frauen müssen zwar länger bis zur Pension arbeiten, finden aber im höheren Alter kaum noch Arbeit. 

AK-Präsident Andreas Stangl sieht hier sowohl Politik als auch Betriebe in der Pflicht: „Die schrittweise Anhebung des Pensionsalters von Frauen wird am Arbeitsmarkt nicht abgefangen. Wer längeres Arbeiten verlangt, muss auch Beschäftigung ermöglichen. Es braucht gezielte Maßnahmen, um Frauen über 60 in Beschäftigung zu bringen und bis zur Pension zu halten.“

Die AK Ober­öster­reich fordert: 

  • Verbindliche betriebliche Maßnahmen gegen Altersdiskriminierung

  • Schaffung von mehr altersgerechten Arbeitsplätzen und gesundheitsfördernden Arbeitsbedingungen

  • Ausbau von Qualifizierungs- und Weiterbildungsangeboten für ältere Arbeitnehmer:innen

  • Gleiche Bezahlung für gleichwertige Arbeit

  • Rasche und bestmögliche Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie

  • Recht auf Vollzeitbeschäftigung beziehungsweise auf Stundenaufstockung, wenn dies im Betrieb möglich ist

  • Flächendeckender Ausbau von Kinderbildungs- und -betreuungsangeboten


Wer längeres Arbeiten ver­­langt, muss auch Beschäftigung er­möglichen. Es braucht gezielte Maß­nahmen, um Frauen über 60 in Beschäftigung zu bringen und bis zur Pension zu halten.

Andreas Stangl

AK-Präsident

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