Auf Saison ausgebeutet: AK erkämpfte Nachzahlung für 173 unbezahlte Überstunden eines Kochs

Ein oberösterreichischer Koch hatte im vergangenen Winter 3 Monate lang als Saisonarbeiter in einem Hotel in Tirol gearbeitet. In dieser Zeit machte er Unsummen an Überstunden, die nur zum Teil vertraglich vereinbart waren. 173 Überstunden blieben am Ende des Arbeitsverhältnisses unbezahlt. Die AK erkämpfte letztlich auf außergerichtlichem Wege eine Nachzahlung in Höhe von 3000 Euro. „Keine Seltenheit - wir beraten und vertreten täglich Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, denen Überstunden und Mehrarbeitsstunden geklaut werden“, sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer. Er fordert daher einen 100-prozentigen Strafzuschlag für unbezahlte Überstunden.

Koch blieb auf 173 Arbeitsstunden sitzen

3 Monate lang war der Koch aus dem Bezirk Braunau in einem Hotel am wunderschönen Tiroler Achensee beschäftigt. Weniger schön war der Umgang mit dem Arbeitnehmer: Vertraglich waren 54 Wochenstunden sowie ein Nettolohn (der 14 Überstunden beinhaltete) vereinbart. Tatsächlich arbeitete der Mann noch viel mehr – was er auch mit seinen akribischen Arbeitszeitaufzeichnungen belegen konnte. Unterm Strich blieben am Ende seiner Beschäftigung 173 Überstunden unbezahlt.

Steuerberaterin sprach frech von Manipulation

Die Arbeiterkammer Braunau intervenierte beim Hotelier und musste sich anschließend mit dessen Steuerberaterin herumschlagen – diese bezichtigte den Arbeitnehmer der Arbeitszeitmanipulation. Die AK ließ sich allerdings von diesen haltlosen Vorwürfen nicht beirren und machte dem Unternehmer ein Vergleichsangebot, um die Sache möglichst rasch außergerichtlich begleichen zu können. Auf dieses Angebot ging der frühere Arbeitgeber ein und überwies dem Koch 3000 Euro für die unbezahlten Überstunden.

Beschäftigte zahlen drauf

„Das ist nur einer von vielen Fällen, in denen Beschäftigte zu Überstunden verdonnert werden, diese dann aber nicht bezahlt bekommen“, beklagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer. 

Im vergangenen Jahr leisteten die österreichischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer rund 250 Millionen Über- und Mehrarbeitsstunden – verteilt auf 663.100 Beschäftigte, die regelmäßig und im Durchschnitt 7,2 Überstunden oder Mehrarbeitsstunden pro Woche leisten mussten. 

Von diesen Überstunden wurde fast ein Fünftel gar nicht bezahlt, weder in Zeitausgleich noch in Geld. Damit wurde den Arbeitnehmern/-innen innerhalb eines Jahres rund eine Milliarde Euro vorenthalten. Den oberösterreichischen Arbeitnehmern/-innen entgingen durch Mehrarbeits- und Überstundenraub rund 150 Millionen Euro – pro Kopf sind das durchschnittlich rund 9800 Euro. Die AK fordert daher einen 100-prozentigen Strafzuschlag für unbezahlte Überstunden.

12-Stunden-Tag kostet Beschäftigte 2 Milliarden

Die Aussichten, dass sich daran in näherer Zukunft etwas ändern könnte, sind trüb. Ganz im Gegenteil: „Mit dem von der Bundesregierung geplanten 12-Stunden-Tag sind österreichweit Überstunden-Zuschläge im Wert von 2 Milliarden Euro gefährdet“, erklärt der AK-Präsident – vor allem, wenn in Verbindung mit langen Durchrechnungszeiträumen die Tages-und Wochen-(Höchst-)-Arbeitszeiten ausgeweitet werden.

Der 12-Stunden-Tag widerspricht auch gänzlich den Wünschen der Beschäftigten: Laut dem Österreichischen Arbeitsklima Index der AK Oberösterreich wollen drei Viertel der Beschäftigten, die mehr als 40 Stunden pro Woche arbeiten, die Arbeitszeit reduzieren. Am häufigsten formulieren diesen Wunsch Beschäftigte im Gesundheits- und Sozialbereich, gefolgt von jenen, die im Bereich der unternehmensnahen Dienstleistungen tätig sind und Arbeitnehmern/-innen in Industrie und Gewerbe sowie in der Verwaltung.

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