24.10.2019

Die Leistungs­bilanz der Be­schäftigten aus den Bezirken Wels und Wels-Land

Egal ob auf der Baustelle, im Forschungslabor, im Kindergarten, an der Supermarktkassa oder im Lohnbüro. Und darüber hinaus beim Roten Kreuz und bei der Feuerwehr - überall dort arbeiten die wahren Leistungsträger/-innen, nämlich die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Ohne sie stünde im Bezirk Wels und im gesamten Bundesland alles still. Die Arbeiterkammer Oberösterreich holt daher ihre Leistungen vor den Vorhang - mit der neuesten Leistungsbilanz der Beschäftigten aus den beiden Bezirken Wels-Stadt und Wels-Land.  

Mehr Beschäf­tigte

Im  Jahresdurchschnitt 2018 waren im Arbeitsmarktbezirk Wels - also in beiden Bezirken zusammen - 57.729 Menschen unselbständig beschäftigt - um 2,5 Prozent mehr als im Jahr zuvor und um 11,3 Prozent mehr als vor 10 Jahren. Der Welser Raum zeichnet sich durch ein breites Branchenspektrum aus - von der klassischen Sachgüterproduktion über die Logistik- und Transportbranche bis hin zum Gesundheits- und Bildungswesen, zum öffentlichen Dienst und zum Handel.  

Welser Raum "Hot­spot" des Handels

Zahlreiche große Handelsketten sind im Welser Raum angesiedelt. Die Oberösterreich-Zentrale von Spar befindet sich in Marchtrenk, dazu ein Zentrallager in Wels. Hofer hat seinen Sitz in Sattledt und XXXLutz in Wels, ebenso NKD Österreich. Im Süden der Stadt Wels hat sich rund um die Shopping City Wels und das max.center ein Hotspot des Handels gebildet; nördlich des Stadtzentrums ist der Welas-Park heuer in erneuerter Form wieder eröffnet worden. 

Ein Hauptgrund für die Attraktivität von Wels und Umgebung als Betriebsstandort ist die sehr gute Verkehrslage und Infrastruktur. Dadurch kann Wels auch seit langem als wichtige Messestadt punkten. 

Die Erwerbsquote liegt in Wels mit 80,5 Prozent deutlich über dem Landes-durchschnitt. Das heißt, dass mehr als drei Viertel aller Frauen und fast 83 Prozent der Männer aus den Bezirken Wels-Stadt und Wels-Land erwerbstätig sind.  

Jeweils knapp ein Drittel aller Beschäftigten hat einen Teilzeitjob - fast 57 Prozent der Frauen in Wels-Land und knapp 52 Prozent der Arbeitnehmerinnen aus der Stadt Wels. Bei den Männern sind im Landbezirk knapp 11 Prozent teilzeitbeschäftigt, in der Stadt Wels etwas mehr als 12 Prozent. 

Gesundheits­berufe weib­lich, Bau und Pro­duktion männ­lich

Während im Bezirk Wels-Land knapp ein Drittel der Beschäftigten in Kleinstbetrieben mit weniger als zehn Mitarbeitern/-innen tätig ist, spielen in der Stadt Wels Großbetriebe eine übergeordnete Rolle. 4 von 10 der in Wels berufstätigen Arbeitnehmer/-innen sind in Betrieben mit mehr als 100 Beschäftigten tätig. Die größten Firmen in den Bezirken Wels-Stadt und Wels-Land sind:

  • das Klinikum Wels-Grieskirchen,
  • die Firma BRP-Rotax in Gunskirchen, 
  • die Firma TGW Mechanics in Wels,
  • die Firma Gartner in Lambach und 
  • die Firma Starlim Spritzguss in Marchtrenk, Weißkirchen und Lambach. 

Zu Buche schlagen in Wels die österreichweit rund 2.500 Beschäftigten der Firma XXXLutz und in Wels-Land die mehr als 2.700 Mitarbeiter/-innen des Handelsunternehmens Hofer, die allesamt hier gemeldet sind. 

Den höchsten Frauenanteil gibt es in Wels-Land mit 83 Prozent im Gesund-heits- und Unterrichtswesen. Auch in der Stadt Wels ist der Gesundheitsbereich zu mehr als drei Viertel weiblich dominiert. Von den Beschäftigten am Bau sind in Wels-Land 85 Prozent und in der Stadt Wels 89 Prozent Männer. Die größten Branchen sind der Handel und die Herstellung von Waren. 

Arbeits­lose suchen inten­siv nach Jobs

Im vergangenen Jahr waren im Arbeitsmarktbezirk Wels durchschnittlich 4.279 Personen arbeitslos, 885 befanden sich in Schulungsmaßnahmen des Arbeitsmarktservice und 85 Jugendliche suchten eine Lehrstelle. Die registrierte Arbeitslosigkeit lag bei 6,9 Prozent und damit deutlich über dem Landesdurchschnitt von 5 Prozent. Knapp zwei Drittel der Arbeitsuchenden aus Wels und Wels-Land haben innerhalb von 3 Monaten eine neue Beschäftigung gefunden.

Weite Arbeits­wege im Be­zirk

Während in der Stadt Wels ein großer Teil der Einwohner/-innen einen Arbeitsplatz findet, ist der Bezirk-Wels-Land ein klassischer Auspendlerbezirk. Mehr als 84 Prozent der unselbständig Beschäftigten aus dem Bezirk Wels-Land müssen aus ihrer Heimatgemeinde auspendeln, um zur Arbeit zu gelangen - Tendenz weiter steigend. Zwei Drittel müssen sogar aus dem Bezirk auspendeln. Das ist der zweithöchste Anteil aller oberösterreichischen Bezirke (nach Urfahr-Umgebung).  

Viele Beschäftigte aus beiden Bezirken legen weite Wegstrecken zurück, um in die Arbeit und wieder nach Hause zu kommen. Jeweils knapp ein Drittel der Beschäftigten pendelt jeden Tag mehr als 40 Kilometer und rund 8 Prozent fahren sogar mehr als 100 Kilometer zu ihrem Arbeitsplatz und zurück nach Hause. Für sie kostet die berufliche Mobilität viel Geld und wertvolle Zeit.

Welser Be­schäftigten sind pro­duktiv

Im vergangenen Jahr ist es der Arbeiterkammer gelungen, die veröffentlichten Jahresabschlüsse beinahe aller oberösterreichischen Mittel- und Großbetriebe (mit Ausnahme von Banken, Versicherungen und Non-Profit-Unternehmen) mit mehr als 49 Beschäftigten zu analysieren. In der Stadt Wels sind das 83 Unternehmen mit fast 19.000 Beschäftigten, in Wels-Land 28 Betriebe mit knapp 7.000 Mitarbeitern/-innen.  



Was sie im Bilanzjahr 2017 vollbracht haben, kann sich sehen lassen: Die Pro-Kopf-Wertschöpfung (also jener Betrag, der pro Kopf erwirtschaftet wird) lag bei den Beschäftigten in der Stadt Wels bei fast 79.000 Euro, bei jenen im Bezirk Wels-Land bei knapp 82.000 Euro. Zieht man davon jeweils die durchschnittlichen Personalkosten ab, bleiben den Unternehmen jährlich immer noch fast 21.000 Euro oder mehr als 24.000 Euro pro Mitarbeiterin und Mitarbeiter.

Arbeit­nehmer sind er­finderisch

Aber die Beschäftigten sind nicht nur produktiv, sondern auch innovativ und erfinderisch. Sei es direkt bei der Arbeit, wo viele Beschäftigte mit ihren Erfahrungen und ihrem Wissen aus dem täglichen Arbeitsprozess neue Ideen entwickeln, sei es im Hochschulsektor oder in den Forschungsabteilungen der Betriebe.

Im vergangenen Jahr wurden beim Österreichischen Patentamt rund 2.400 Erfindungen aus ganz Österreich angemeldet, weltweit sogar mehr als 11.000 aus Österreich stammende Patente. Im Bundesländervergleich liegt Oberösterreich hier traditionell auf Platz 1. In den Bezirken Wels-Stadt und Wels-Land wurden im Vorjahr in Summe 64 Erfindungen angemeldet. 

Es sind aber nicht nur diese Spitzenleistungen, die unsere Arbeitnehmer/-innen zu den wahren Leistungsträgern der Gesellschaft machen. Es ist auch ihr täglicher Arbeitseinsatz, ihre Bereitschaft zur Mehrleistung, wenn es der Arbeitsaufwand erfordert, ihre Bereitschaft zur (beruflichen) Weiterbildung, ihr ehrenamtliches Engagement, ihr familiärer Einsatz in der Kinderbetreuung und Altenpflege.  

Nur 2 Zahlen dazu: Mehr als eine Milliarde beruflicher Arbeitsstunden werden laut Statistik Austria jährlich in Oberösterreich geleistet, davon sind knapp 39 Millionen Überstunden beziehungsweise Mehrarbeitsstunden - diese Daten können allerdings nicht nach Bezirken aufgeschlüsselt werden.  

Harte Arbeit, unter­durch­schnitt­liche Ein­kommen

Der wirtschaftliche Aufschwung ist auf den Gehaltskonten der Beschäftigten bislang nicht zu verspüren. Denn viele Arbeitnehmer/-innen bekommen für ihre herausragenden Leistungen nach wie vor keine gerechte Gegenleistung ausbezahlt. Vor allem Frauen, und hier insbesondere Arbeiterinnen, müssen (unter anderem aufgrund von Teilzeitbeschäftigung) mit niedrigen Einkommen auskommen.



Am besten steigen die männlichen Angestellten in Wels-Land mit mittleren Bruttogehältern von 3.691 Euro aus. Arbeiterinnen in der Stadt Wels bekommen im Mittel nur 1.548 Euro brutto ausbezahlt. 

Quer über alle Beschäftigungsformen, Branchen und Berufe hinweg bekommen die Beschäftigten im Bezirk Wels-Land mittlere Bruttoeinkommen von 2.250 Euro monatlich - um 100 Euro weniger als im Oberösterreich-Median. In der Stadt Wels sind die Einkommen etwas höher: Mit 2.312 Euro liegt die Stadt auf Rang 9 unter den 18 oberösterreichischen Bezirken.

Die Beschäf­tigten sind die größ­ten Steuer­zahler

Die oberösterreichischen Beschäftigten sind nicht nur an ihren Arbeitsplätzen die wichtigsten Leistungsträger/-innen - sie finanzieren auch zum größten Teil den Staat und das Gemeinwesen. Fast 7 Milliarden Euro haben sie im Jahr 2017 an Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträgen geleistet. Berücksichtigt man auch die Konsumsteuern, tragen die Beschäftigten in unserem Bundesland wesentlich mehr zur Finanzierung der staatlichen Leistungen bei, als die Gewinnsteuern aller Unternehmen in ganz Österreich ausmachen. 

Die etwas mehr als 68.000 in den Bezirken Wels-Stadt und Wels-Land wohnenden Beschäftigten (einschließlich der öffentlich Bediensteten und Beamten/-innen) haben im Jahr 2017 insgesamt knapp 630 Millionen Euro Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge (die sogenannten Arbeitnehmerbeiträge) gezahlt. Das sind rund 9.200 Euro pro Arbeitnehmerin und Arbeitnehmer. 

Fazit und For­derungen

Die Beschäftigten aus den beiden Welser Bezirken sind die mit Abstand wichtigsten Leistungsträger/-innen in der Statutarstadt und im angrenzenden Landbezirk. Dafür haben sie es verdient, anständig behandelt zu werden. Aber die Realität spricht oft eine andere Sprache: Arbeitsrechtsverstöße, Kündigungen im Krankenstand, unbezahlte Überstunden, Arbeiten auf Abruf, um nur einige Respektlosigkeiten zu nennen. Wo immer es geht, verhilft die Arbeiterkammer ihren Mitgliedern zu mehr Gerechtigkeit. 

Den mobilen, flexiblen, produktiven, innovativen und fleißigen Beschäftigten haben es die Unternehmen zu verdanken, dass sie gut verdienen. Österreichweit ist die Produktivität in den vergangenen 20 Jahren doppelt so stark gestiegen wie die von den Unternehmen bezahlten Arbeitskosten. Das heißt: Die Früchte der Arbeit sind sehr ungleich verteilt, weil die Eigentümer/-innen der Unternehmen überproportional von den Leistungen der Beschäftigten profitieren. 

Angriffe auf den Sozialstaat, wie sie in regelmäßigen Abständen von neoliberalen Unternehmensvertretern/-innen und konservativen Politikern/-innen vorgetragen werden, sind nicht akzeptabel. Denn die Beschäftigten zahlen sich mit ihrer Steuerleistung die Absicherung bei Krankheit, Arbeitslosigkeit oder in der Pension ohnehin selbst. Sie zahlen auch die Kindergärten, die Pflegeheime, die staatlichen Museen - alles Einrichtungen, die nicht nur von den Beschäftigten genutzt, aber vorwiegend von ihnen finanziert werden. 

Die AK fordert daher: 

  • kräftige Lohn- und Gehaltserhöhungen auf Basis der hohen Produktivität sowie eine Anhebung der KV-Löhne und Gehälter auf mindestens 1.700 Euro,

  • die Rücknahme der gesetzlichen Arbeitszeitverlängerung, die Kürzung der Normalarbeitszeit auf 35 Stunden, ein Recht auf die 4-Tage-Woche und die 6. Urlaubswoche nach 25 Arbeitsjahren für alle. Unternehmen sollen für jede Überstunde im Betrieb einen Euro Überstundenabgabe zahlen,

  • die Senkung der Lohnsteuer, einen steuerlichen Wohnbonus und eine Millionärssteuer,

  • sowie die Umwandlung der Pendlerpauschale in eine kilometerabhängige Direktzahlung.     
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