23.10.2019

Die Leistungs­bilanz der Be­schäf­tigten aus dem Be­zirk Vöckla­bruck

Egal ob auf der Baustelle, im Forschungslabor, im Kindergarten, an der Supermarktkassa oder im Lohnbüro. Und darüber hinaus beim Roten Kreuz und bei der Feuerwehr - überall dort arbeiten die wahren Leistungsträger/-innen, nämlich die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Ohne sie stünde im Bezirk Vöcklabruck und im gesamten Bundesland alles still. Die Arbeiterkammer Oberösterreich holt daher ihre Leistungen vor den Vorhang - mit der neuesten Leistungsbilanz der Beschäftigten aus dem Bezirk Vöcklabruck.  

Beschäftigten­zahl wächst

Im  Jahresdurchschnitt 2018 waren im Bezirk Vöcklabruck 57.910 Menschen unselbständig beschäftigt - um 2,2 Prozent mehr als im Jahr zuvor und um 12,1 Prozent mehr als vor 10 Jahren. Das ist der drittstärkste Zuwachs aller oberösterreichischen Bezirke. Von diesem Zuwachs haben Frauen in viel höherem Ausmaß profitiert als Männer.  

Gute Infras­truk­tur zahlt sich aus

Die Wirtschaftsstruktur in Vöcklabruck zeichnet sich durch ein breites Branchenspektrum aus. Das liegt (auch) an einer sehr guten Verkehrsinfrastruktur, von der sowohl die großen Industriebetriebe als auch der Tourismus und der Handel profitieren. Das belegen etwa die Investitionen der Stiwa Group in Attnang und Gampern sowie die Entwicklung des Einkaufszentrums Varena mit mittlerweile rund 750 Beschäftigten.

Darüberhinaus bietet die Stadt Vöcklabruck mit dem erweiterten Krankenhaus (das mit den Standorten Gmunden und Bad Ischl nun das Salzkammergutklinikum bildet) und einigen weiterführenden (insbesondere berufsbildenden) Schulen auch zahlreiche Arbeitsplätze im Bereich der öffentlichen Dienstleistungen. 

Die Erwerbsquote liegt im Bezirk Vöcklabruck mit 79,3 Prozent etwas über dem Landesdurchschnitt. Das heißt, dass mehr als drei Viertel aller Frauen und 82 Prozent der Männer aus dem Bezirk Vöcklabruck erwerbstätig sind. Ein Drittel aller Beschäftigten hat einen Teilzeitjob - fast 57 Prozent der Frauen und rund 13 Prozent der Männer.

Gesundheits­berufe weib­lich, Bau und Pro­duktion männ­lich

Rund ein Drittel der Beschäftigten ist in Kleinstbetrieben mit weniger als 10 Mitarbeitern/-innen tätig. In Großbetrieben mit mehr als 100 Beschäftigten arbeitet rund ein Viertel der in Vöcklabruck berufstätigen Arbeitnehmern/-innen.  

Bei den größten Betrieben des Bezirks taucht im Spitzenfeld die Lebenshilfe Oberösterreich auf. Die mehr als 1.500 Beschäftigten verteilen sich allerdings auf zahlreiche Standorte im ganzen Bundesland. Die Lebenshilfe ist aber ein anschauliches Beispiel für die vielfältigen Leistungen der Arbeitnehmer/-innen: Denn neben den hauptamtlichen Beschäftigten gibt es auch viele - größtenteils unselbständig Beschäftigte - ehrenamtliche Helfer/-innen und Vereinsmitglieder, die sich in ihrer Freizeit freiwillig für andere Menschen und das Gemeinwohl einsetzen. Die größten Firmen im Bezirk sind:

  • die Lenzing AG,
  • die Stiwa Group in Attnang-Puchheim und Gampern,           
  • die Firma Spitz in Attnang-Puchheim,
  • die Firma Ebewe Pharma in Unterach und
  • die E. Hawle Armaturenwerke in Vöcklabruck und Frankenmarkt. 

Den höchsten Frauenanteil gibt es es mit knapp 78 Prozent im Gesundheits- und Sozialwesen. Von den Beschäftigten am Bau sind fast 85 Prozent Männer. Die mit Abstand größte Branche ist die Herstellung von Waren - auch hier arbeiten vorwiegend Männer. 

Arbeits­lose suchen inten­siv nach Jobs

Im vergangenen Jahr waren im Bezirk Vöcklabruck durchschnittlich 2.786 Personen arbeitslos, 726 befanden sich in Schulungsmaßnahmen des Arbeitsmarktservice und 50 Jugendliche suchten eine Lehrstelle. Die registrierte Arbeitslosigkeit lag bei 4,6 Prozent und damit knapp unter dem Landesdurchschnitt von 5 Prozent. Mehr als zwei Drittel der Arbeitsuchenden aus dem Bezirk Vöcklabruck haben innerhalb von 3 Monaten eine neue Beschäftigung gefunden.

Weite Arbeits­wege im Be­zirk

Fast 80 Prozent der unselbständig Beschäftigten aus dem Bezirk Vöcklabruck müssen aus ihrer Heimatgemeinde auspendeln, um zur Arbeit zu gelangen – Tendenz weiter steigend. Der Anteil der Bezirksauspendler/-innen liegt bei rund 30 Prozent.  

Nach Ried im Innkreis ist Vöcklabruck der Bezirk mit dem höchsten Anteil an Bezirksbinnenpendlern/-innen, die nicht im Wohnort, sondern in einem anderen Ort des Bezirks arbeiten. Aufgrund der Größe des Bezirkes legen dabei viele Beschäftigte beträchtliche Wegstrecken zurück, um in die Arbeit und wieder nach Hause zu kommen. Fast ein Drittel der Beschäftigten aus dem Bezirk pendelt jeden Tag mehr als 40 Kilometer und knapp 13 Prozent fahren sogar mehr als 100 Kilometer zu ihrem Arbeitsplatz und zurück nach Hause. Für sie kostet die berufliche Mobilität viel Geld und wertvolle Zeit. 

Vöcklabrucker Bes­chäftigte sind pro­duktiv

Im vergangenen Jahr ist es der Arbeiterkammer gelungen, die veröffentlichten Jahresabschlüsse beinahe aller oberösterreichischen Mittel- und Großbetriebe (mit Ausnahme von Banken, Versicherungen und Non-Profit-Unternehmen) mit mehr als 49 Beschäftigten zu analysieren. Im Bezirk Vöcklabruck sind das 84 Unternehmen mit rund 15.000 Beschäftigten.  

Was sie im Bilanzjahr 2017 vollbracht haben, kann sich sehen lassen: Die Pro-Kopf-Wertschöpfung (also jener Betrag, der pro Kopf erwirtschaftet wird) lag bei fast 82.000 Euro. Zieht man davon die durchschnittlichen Personalkosten ab, bleiben den Unternehmen jährlich immer noch rund 24.500 Euro pro Mitarbeiterin und Mitarbeiter. 

Mitarbeiter sind erfinderisch 

Aber die Beschäftigten sind nicht nur produktiv, sondern auch innovativ und erfinderisch. Sei es direkt bei der Arbeit, wo viele Beschäftigte mit ihren Erfahrungen und ihrem Wissen aus dem täglichen Arbeitsprozess neue Ideen entwickeln, sei es im Hochschulsektor oder in den Forschungsabteilungen der Betriebe. 

Im vergangenen Jahr wurden beim Österreichischen Patentamt rund 2.400 Erfindungen aus ganz Österreich angemeldet, weltweit sogar mehr als 11.000 aus Österreich stammende Patente. Im Bundesländervergleich liegt Oberösterreich hier traditionell auf Platz 1. Im Bezirk Vöcklabruck wurden im Vorjahr 48 Erfindungen angemeldet. 

Es sind aber nicht nur diese Spitzenleistungen, die unsere Arbeitnehmer/-innen zu den wahren Leistungsträgern der Gesellschaft machen. Es ist auch ihr täglicher Arbeitseinsatz, ihre Bereitschaft zur Mehrleistung, wenn es der Arbeitsaufwand erfordert, ihre Bereitschaft zur (beruflichen) Weiterbildung, ihr ehrenamtliches Engagement, ihr familiärer Einsatz in der Kinderbetreuung und Altenpflege. Besonders zu erwähnen ist hier für den Bezirk Vöcklabruck die Wasserrettung: Von den gut 700 Rettern/-innen der oberösterreichischen Wasserrettung ist ein großer Teil im Seengebiet des Bezirks Vöcklabruck engagiert. 

Um die Arbeitsleistung der Beschäftigten zu beziffern, seien nur 2 weitere Zahlen erwähnt: Mehr als eine Milliarde beruflicher Arbeitsstunden werden laut Statistik Austria jährlich in Oberösterreich geleistet, davon sind knapp 39 Millionen Überstunden oder Mehrarbeitsstunden - diese Daten können allerdings nicht nach Bezirken aufgeschlüsselt werden.  

Durchschnittliche Ein­kommen im Bezirk Vöckla­bruck

Der wirtschaftliche Aufschwung ist auf den Gehaltskonten der Beschäftigten bislang nicht zu verspüren. Denn viele Arbeitnehmer/-innen bekommen für ihre herausragenden Leistungen nach wie vor keine gerechte Gegenleistung ausbezahlt. Vor allem Frauen aus dem Bezirk Vöcklabruck, und hier insbesondere Arbeiterinnen, müssen (unter anderem aufgrund von Teilzeitbeschäftigung) mit niedrigen Einkommen auskommen.

Der Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen beträgt 40,4 Prozent - um beinahe 3 Prozentpunkte mehr als im Landesdurchschnitt.

  

Am besten steigen die männlichen Angestellten mit mittleren Bruttogehältern von 3.691 Euro aus. Quer über alle Beschäftigungsformen, Branchen und Berufe hinweg bekommen die Beschäftigten im Bezirk Vöcklabruck mittlere Bruttoeinkommen von 2.341 Euro monatlich. Das reicht zwar für den 5. Rang im Bezirksvergleich, liegt aber um 9 Euro unter dem Oberösterreich-Median.

Beschäftigte größte Steuer­zahler

Die oberösterreichischen Beschäftigten sind nicht nur an ihren Arbeitsplätzen die wichtigsten Leistungsträger/-innen - sie finanzieren auch zum größten Teil den Staat und das Gemeinwesen.

Fast 7 Milliarden Euro haben sie im Jahr 2017 an Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträgen geleistet. Berücksichtigt man auch die Konsumsteuern, tragen die Beschäftigten in unserem Bundesland wesentlich mehr zur Finanzierung der staatlichen Leistungen bei, als die Gewinnsteuern aller Unternehmen in ganz Österreich ausmachen.

Die etwas mehr als 68.000 im Bezirk Vöcklabruck wohnenden Beschäftigten (einschließlich der öffentlich Bediensteten und Beamten/-innen) haben im Jahr 2017 insgesamt rund 628 Millionen Euro Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge (die sogenannten Arbeitnehmerbeiträge) gezahlt. Das sind rund 9.200 Euro pro Arbeitnehmerin und Arbeitnehmer. 

Fazit und For­derungen

Die Beschäftigten aus dem Bezirk Vöcklabruck sind die mit Abstand wichtigsten Leistungsträger/-innen im Bezirk. Dafür haben sie es verdient, anständig behandelt zu werden. Aber die Realität spricht oft eine andere Sprache: Arbeitsrechtsverstöße, Kündigungen im Krankenstand, unbezahlte Überstunden, Arbeiten auf Abruf, um nur einige Respektlosigkeiten zu nennen. Wo immer es geht, verhilft die Arbeiterkammer ihren Mitgliedern zu mehr Gerechtigkeit. 

Den mobilen, flexiblen, produktiven, innovativen und fleißigen Beschäftigten haben es die Unternehmen zu verdanken, dass sie gut verdienen. Österreichweit ist die Produktivität in den vergangenen 20 Jahren doppelt so stark gestiegen wie die von den Unternehmen bezahlten Arbeitskosten. Das heißt: Die Früchte der Arbeit sind sehr ungleich verteilt, weil die Eigentümer/-innen der Unternehmen überproportional von den Leistungen der Beschäftigten profitieren.

Angriffe auf den Sozialstaat, wie sie in regelmäßigen Abständen von neoliberalen Unternehmensvertretern/-innen und konservativen Politikern/-innen vorgetragen werden, sind nicht akzeptabel. Denn die Beschäftigten zahlen sich mit ihrer Steuerleistung die Absicherung bei Krankheit, Arbeitslosigkeit oder in der Pension ohnehin selbst. Sie zahlen auch die Kindergärten, die Pflegeheime, die staatlichen Museen - alles Einrichtungen, die nicht nur von den Beschäftigten genutzt, aber vorwiegend von ihnen finanziert werden.  

Die AK fordert daher: 

  • kräftige Lohn- und Gehaltserhöhungen auf Basis der hohen Produktivität sowie eine Anhebung der KV-Löhne und Gehälter auf mindestens 1.700 Euro,

  • die Rücknahme der gesetzlichen Arbeitszeitverlängerung, die Kürzung der Normalarbeitszeit auf 35 Stunden, ein Recht auf die 4-Tage-Woche und die sechste Urlaubswoche nach 25 Arbeitsjahren für alle. Unternehmen sollen für jede Überstunde im Betrieb einen Euro Überstundenabgabe zahlen,

  • die Senkung der Lohnsteuer, einen steuerlichen Wohnbonus und eine Millionärssteuer,

  • sowie die Umwandlung der Pendlerpauschale in eine kilometerabhängige Direktzahlung.     
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