13.11.2019

Die Leistungsbilanz der Beschäftigten aus dem Bezirk Schärding

Egal ob auf der Baustelle, im Forschungslabor, im Kindergarten, an der Supermarktkassa oder im Lohnbüro. Und darüber hinaus beim Roten Kreuz und bei der Feuerwehr - überall dort arbeiten die wahren Leistungsträger/-innen, nämlich die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Ohne sie stünde im Bezirk Schärding und im gesamten Bundesland alles still. Die Arbeiterkammer Oberösterreich holt daher ihre Leistungen vor den Vorhang - mit der neuesten Leistungsbilanz der Beschäftigten aus dem Bezirk Schärding.

Im Jahresdurchschnitt 2018 waren im Bezirk Schärding 22.569 Menschen unselbständig beschäftigt - um 1,4 Prozent mehr als im Jahr zuvor und um 10,4 Prozent mehr als vor 10 Jahren. Von diesem Zuwachs haben Frauen in viel höherem Ausmaß profitiert als Männer. Der Beschäftigungszuwachs bei den Frauen ist mit plus 20 Prozent sogar der höchste in ganz Oberösterreich.

Um ein Viertel weniger Lehrlinge

Äußerst bedenklich ist hingegen die Entwicklung bei den Lehrlingen und Lehrbetrieben: 2018 gab es um ein Viertel weniger Betriebe, die Lehrlinge ausgebildet haben, als ein Jahrzehnt zuvor. Auch die Zahl der Lehrlinge ist um fast 25 Prozent - und somit stärker als in den übrigen Bezirken - gesunken. Hier ist der (angebliche generelle) Fachkräftemangel eindeutig ein hausgemachtes Problem.

7 von 10 Frauen und drei Viertel der Männer aus dem Bezirk sind erwerbstätig. Die Erwerbsquote liegt somit bei 73,1 Prozent – die niedrigste aller oberösterreichischen Bezirke. Allerdings sind darin die Auspendler/-innen nach Bayern nicht berücksichtigt. Zählt man diese dazu, liegt die Erwerbsquote ungefähr im Landesdurchschnitt von rund 78 Prozent. Ein Drittel aller Beschäftigten hat einen Teilzeitjob - 59 Prozent der Frauen und rund 12 Prozent der Männer.

Gesundheitsberufe sind weiblich, Bau und Produktion männlich

Mehr als ein Drittel der Beschäftigten ist in Kleinstbetrieben mit weniger als 10 Mitarbeitern/-innen tätig. In Großbetrieben mit mehr als 100 Beschäftigten arbeitet hingegen nur knapp ein Viertel der in Schärding berufstätigen Arbeitnehmer/-innen. Die größten Firmen im Bezirk sind:

  • die Firma Schwarzmüller in Freinberg,
  • die Firma Josko in Kopfing und Andorf,  
  • die EV Group in St. Florian am Inn,
  • die Firma Weyland in St. Florian,
  • das Klinikum Schärding,
  • die Firma Leitz in Riedau und Zell an der Pram sowie
  • der Sozialhilfeverband Schärding.

Den höchsten Frauenanteil gibt es mit knapp 80 Prozent im Gesundheits- und Sozialwesen. Von den Beschäftigten am Bau sind fast 88 Prozent Männer. Die größte Einzelbranche ist die Herstellung von Waren - auch hier arbeiten vorwiegend Männer. Mit 30 Prozent ist der Frauenanteil in der Produktion allerdings der zweithöchste in ganz Oberösterreich.

Arbeitslose suchen intensiv nach neuen Jobs

Im vergangenen Jahr waren im Bezirk Schärding durchschnittlich 1.101 Personen arbeitslos, 258 befanden sich in Schulungsmaßnahmen des Arbeitsmarktservice und 14 Jugendliche suchten eine Lehrstelle. Die registrierte Arbeitslosigkeit lag bei 4,7 Prozent und damit knapp unter dem Landesdurchschnitt von 5 Prozent. Allerdings gibt es bei den Männern aufgrund des hohen Anteils an Bauarbeitern starke saisonale Schwankungen zwischen 2,7 (Sommer) und über 10 Prozent im Winter. 7 von 10 Arbeitsuchenden aus dem Bezirk Schärding haben innerhalb von 3 Monaten eine neue Beschäftigung gefunden.

Viele Schärdinger nehmen weite Arbeitswege auf sich

81 Prozent der unselbständig Beschäftigten aus dem Bezirk Schärding müssen aus ihrer Heimatgemeinde auspendeln, um zur Arbeit zu gelangen - Tendenz weiter steigend. Der Anteil der Bezirksauspendler/-innen liegt bei rund 39 Prozent. Rund 1.000 Schärdinger/-innen haben ihren Arbeitsplatz im benachbarten Bayern.

Viele Beschäftigte aus dem Bezirk Schärding legen weite Wegstrecken zurück, um in die Arbeit und wieder nach Hause zu kommen. Fast 36 Prozent der Beschäftigten aus dem Bezirk pendeln jeden Tag mehr als 40 Kilometer und beinahe 15 Prozent fahren sogar mehr als 100 Kilometer zu ihrem Arbeitsplatz und zurück nach Hause. Für sie kostet die berufliche Mobilität viel Geld und wertvolle Zeit.

Schärdinger Beschäftigten sind produktiv

Im vergangenen Jahr ist es der Arbeiterkammer gelungen, die veröffentlichten Jahresabschlüsse beinahe aller oberösterreichischen Mittel- und Großbetriebe (mit Ausnahme von Banken, Versicherungen und Non-Profit-Unternehmen) mit mehr als 49 Beschäftigten zu analysieren. Im Bezirk Schärding sind das 27 Unternehmen mit rund 5.200 Beschäftigten.

Was sie im Bilanzjahr 2017 vollbracht haben, kann sich sehen lassen: Die Pro-Kopf-Wertschöpfung (also jener Betrag, der pro Kopf erwirtschaftet wird) lag bei mehr als 72.000 Euro. Zieht man davon die durchschnittlichen Personalkosten ab, bleiben den Unternehmen jährlich immer noch fast 21.000 Euro pro Mitarbeiterin und Mitarbeiter.

Arbeitnehmer sind erfinderisch

Aber die Beschäftigten sind nicht nur produktiv, sondern auch innovativ und erfinderisch. Sei es direkt bei der Arbeit, wo viele Beschäftigte mit ihren Erfahrungen und ihrem Wissen aus dem täglichen Arbeitsprozess neue Ideen entwickeln, sei es im Hochschulsektor oder in den Forschungsabteilungen der Betriebe. Im vergangenen Jahr wurden beim Österreichischen Patentamt rund 2.400 Erfindungen aus ganz Österreich angemeldet, weltweit sogar mehr als 11.000 aus Österreich stammende Patente. Im Bundesländervergleich liegt Oberösterreich hier traditionell auf Platz 1. Im Bezirk Schärding wurden im Vorjahr neun Erfindungen angemeldet.

Es sind aber nicht nur diese Spitzenleistungen, die unsere Arbeitnehmer/-innen zu den wahren Leistungsträgern der Gesellschaft machen. Es ist auch ihr täglicher Arbeitseinsatz, ihre Bereitschaft zur Mehrleistung, wenn es der Arbeitsaufwand erfordert, ihre Bereitschaft zur (beruflichen) Weiterbildung, ihr ehrenamtliches Engagement, ihr familiärer Einsatz in der Kinderbetreuung und Altenpflege.

Mehr als eine Milliarde Arbeitsstunden

Um die Arbeitsleistung der Beschäftigten zu beziffern, seien nur zwei weitere Zahlen erwähnt: Mehr als eine Milliarde beruflicher Arbeitsstunden werden laut Statistik Austria jährlich in Oberösterreich geleistet, davon sind knapp 39 Millionen Überstunden bzw. Mehrarbeitsstunden - diese Daten können allerdings nicht nach Bezirken aufgeschlüsselt werden.

Der Lohn für die harte Arbeit: Niedrige Einkommen

Der wirtschaftliche Aufschwung ist auf den Gehaltskonten der Beschäftigten bislang nicht zu verspüren. Denn viele Arbeitnehmer/-innen bekommen für ihre herausragenden Leistungen nach wie vor keine gerechte Gegenleistung ausbezahlt. Vor allem Frauen aus dem Bezirk Schärding, und hier insbesondere Arbeiterinnen, müssen (u.a. aufgrund von Teilzeitbeschäftigung) mit niedrigen Einkommen auskommen. Der Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen beträgt 42,2 Prozent - um fast fünf Prozentpunkte mehr als im Landesdurchschnitt.

Am besten steigen die männlichen Angestellten mit mittleren Bruttogehältern von 3.302 Euro aus. Quer über alle Beschäftigungsformen, Branchen und Berufe hinweg bekommen die Beschäftigten im Bezirk Schärding mittlere Bruttoeinkommen von 2.224 Euro monatlich. Das reicht lediglich für den zwölften Rang im Bezirksvergleich und liegt um 126 Euro unter dem Oberösterreich-Median.

Die Beschäftigten sind die Steuerzahler

Die oberösterreichischen Beschäftigten sind nicht nur an ihren Arbeitsplätzen die wichtigsten Leistungsträger/-innen - sie finanzieren auch zum größten Teil den Staat und das Gemeinwesen. Fast sieben Milliarden Euro haben sie im Jahr 2017 an Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträgen geleistet. Berücksichtigt man auch die Konsumsteuern, tragen die Beschäftigten in unserem Bundesland wesentlich mehr zur Finanzierung der staatlichen Leistungen bei, als die Gewinnsteuern aller Unternehmen in ganz Österreich ausmachen.

Die rund 27.000 im Bezirk Schärding wohnenden Beschäftigten (einschließlich der öffentlich Bediensteten und Beamten/-innen) haben im Jahr 2017 insgesamt rund 217 Millionen Euro Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge (die sogenannten Arbeitnehmerbeiträge) gezahlt. Das sind rund 8.000 Euro pro Arbeitnehmerin und Arbeitnehmer.

Fazit und Forderungen

Die Beschäftigten aus dem Bezirk Schärding sind die mit Abstand wichtigsten Leistungsträger/-innen im Bezirk. Dafür haben sie es verdient, anständig behandelt zu werden. Aber die Realität spricht oft eine andere Sprache: Arbeitsrechtsverstöße, Kündigungen im Krankenstand, unbezahlte Überstunden, Arbeiten auf Abruf, um nur einige Respektlosigkeiten zu nennen. Wo immer es geht, verhilft die Arbeiterkammer ihren Mitgliedern zu mehr Gerechtigkeit.

Den mobilen, flexiblen, produktiven, innovativen und fleißigen Beschäftigten haben es die Unternehmen zu verdanken, dass sie gut verdienen. Österreichweit ist die Produktivität in den vergangenen zwanzig Jahren doppelt so stark gestiegen wie die von den Unternehmen bezahlten Arbeitskosten. Das heißt: Die Früchte der Arbeit sind sehr ungleich verteilt, weil die Eigentümer/-innen der Unternehmen überproportional von den Leistungen der Beschäftigten profitieren.

Angriffe auf den Sozialstaat, wie sie in regelmäßigen Abständen von neoliberalen Unternehmensvertretern/-innen und konservativen Politikern/-innen vorgetragen werden, sind nicht akzeptabel. Denn die Beschäftigten zahlen sich mit ihrer Steuerleistung die Absicherung bei Krankheit, Arbeitslosigkeit oder in der Pension ohnehin selbst. Sie zahlen auch die Kindergärten, die Pflegeheime, die staatlichen Museen – alles Einrichtungen, die nicht nur von den Beschäftigten genutzt, aber vorwiegend von ihnen finanziert werden.

Die AK fordert daher

  • kräftige Lohn- und Gehaltserhöhungen auf Basis der hohen Produktivität sowie eine Anhebung der KV-Löhne und Gehälter auf mindestens 1.700 Euro,

  • die Rücknahme der gesetzlichen Arbeitszeitverlängerung, die Kürzung der Normalarbeitszeit auf 35 Stunden, ein Recht auf die 4-Tage-Woche und die sechste Urlaubswoche nach 25 Arbeitsjahren für alle. Unter-nehmen sollen für jede Überstunde im Betrieb einen Euro Überstundenabgabe zahlen;

  • die Senkung der Lohnsteuer, einen steuerlichen Wohnbonus und eine Millionärssteuer,

  • sowie die Umwandlung der Pendlerpauschale in eine kilometerabhängige Direktzahlung.
  • © 2019 AK Oberösterreich | Volksgartenstrasse 40 4020 Linz, +43 50 6906 0

  • Datenschutz
  • Impressum