11.02.2021

Bilanz der AK Schär­ding im Krisen­jahr 2020: 4.515 Bera­tungen, mehr als 3,7 Millionen Euro für die Mit­glieder er­kämpft

Die Covid-19-Krise schlägt sich auch in der Bilanz der AK Schärding über das Jahr 2020 nieder: 4.515 Arbeitnehmer/-innen suchten mit ihren Sorgen, Ängsten und Problemen bei der AK Rat und Hilfe. „Dabei ging es in erster Linie um Unklarheiten bei der Entlohnung, die Auflösung von Dienst­verhältnissen, Endab­rechnungen und Pensionen. Corona-bedingt hatten wir sehr oft auch Fragen zu Kündigungen, Kurzarbeit, Sicherheitsvorkehrungen, Kinderbetreuung, Home-Office und Auslandsurlauben“, sagt AK-Vizepräsidentin Elfriede Schober. Erkämpft hat die AK im Bezirk Schärding alles in allem 3,7 Millionen Euro.

Noch nie suchten so viele Menschen Rat und Hilfe bei den Servicestellen der AK Oberösterreich wie im Jahr 2020. „Die Zahl der Anfragen erreichte eine neue Rekordhöhe: Rund 375.000 Anfragen bearbeiteten die AK-Expertinnen und -Experten im vergangenen Jahr“, sagt AK-Vizepräsidentin Elfriede Schober.

Beratungen auch im Lockdown

Durch Lockdown und Corona-Schutz­maßnahmen am Arbeitsplatz waren persönliche Beratungen nur mehr eingeschränkt möglich. Ihr Anteil sank übers Jahr gerechnet um 28 Prozent auf rund 45.000. Das tat der Beratungsqualität jedoch keinen Abbruch. Denn umso mehr wurden Telefon und Internet als Instrumente der Frage­beantwortung genutzt. So stieg die Zahl der Mail-Anfragen um 71 Prozent auf mehr als 50.000. Die meisten Anfragen erfolgten per Telefon: Fast 280.000 Mal griffen die AK-Mitglieder zum Hörer, um sich Rat zu holen. Das entspricht einem Anteil an den Gesamtberatungen von knapp 75 Prozent (plus 20 Prozent).

119,7 Millionen Euro für Beschäftigte

Trotz der Ausnahmesituation kam die „klassische“ Rechtsberatung nicht zu kurz. Insgesamt konnte die AK Oberösterreich 2020 für ihre Mitglieder 119,7 Millionen Euro erkämpfen. Geld, das den Betroffenen eigentlich zugestanden wäre, das sie aber erst mit Hilfe der Arbeiterkammer bekommen haben: darunter vorenthaltene Löhne, unbezahlte Überstunden oder fehlende Kündigungsentschädigungen. Der größte Teil - rund 56,2 Millionen Euro - entfiel auf das Sozialrecht. Ein weiterer großer Anteil - nämlich 46,4 Millionen Euro - wurde in Insolvenzverfahren für die von Firmenpleiten betroffenen Beschäftigten erkämpft. Und in Arbeitsrechtsangelegenheiten holte die AK 13,8 Millionen Euro herein, rund 2 Millionen mehr als im Vorjahr. Der Rest des Gesamtbetrags entfällt auf Interventionen in Konsumenten­schutzangelegen­heiten und auf die Lohnsteuer­beratung.

AK-Homepage stark nachgefragt

Der Informationsbedarf und die vorübergehende Einstellung der persönlichen Beratungen wirkten sich im Vorjahr auch auf die Nutzung der Website der AK Oberösterreich – ooe.arbeiterkammer.at – enorm aus. Sie legte bei den Seitenaufrufen und Besuchen stark zu. Die Website wurde um 50 Prozent mehr genutzt als im Jahr davor. Der größte Teil des Zuwachses lässt sich auf die spezifisch für Corona relevanten arbeitsrechtlichen Themen zurückführen. Der Online-Besuch des Bereichs „Arbeit & Recht“ verdreifachte sich nahezu von 521.000 auf 1,371.660 Seitenaufrufe (plus 165 Prozent).

Erfolge auf interessenpolitischer Ebene

Die AK war im Jahr 2020 nicht nur auf persönlicher Ebene für die Mitglieder da, sondern auch auf interessenpolitischer Ebene. Durch Stellungnahmen, Gesetzesbegutachtungen und Forderungen konnten Verbesserungen für die Arbeitnehmer/-innen durchgesetzt werden. 2 Beispiele dafür sind der Einsatz zum Schutz von schwangeren Beschäftigten und für eine gesetzliche Regelung beim Home-Office.

Schutz für Schwangere

Die AK Oberösterreich hatte schon während des ersten Lockdowns im März ein präventives Beschäftigungsverbot für Schwangere während der Corona-Krise gefordert. Mit einer neuen Regelung sind nun viele schwangere Beschäftigte in der Pflege, in der mobilen Pflege, in Krankenhäusern und Kinderbetreuungseinrichtungen sowie in anderen Bereichen mit direktem Körperkontakt zu anderen Personen (Friseurinnen, Physiotherapeutinnen, Kosmetikerinnen, Masseurinnen) besser geschützt. Wenn eine Änderung der Arbeitsbedingungen (kein Körperkontakt, Mindestabstand von zwei Metern) oder die Beschäftigung an einem anderen Arbeitsplatz (etwa Home-Office) nicht möglich ist, dann hat die Arbeitnehmerin einen Anspruch auf Freistellung unter Fortzahlung des bisherigen Entgelts. Wird die Freistellung in Anspruch genommen, haben Arbeitgeber einen Anspruch auf Ersatz des Entgelts.

Regelung für Home-Office 

Die Arbeit im Home-Office hat durch die Corona-bedingten Lockdowns eine unglaubliche Dynamik erfahren. Waren vor Beginn der Pandemie nur rund fünf Prozent der Arbeitnehmer/-innen in Österreich im Home-Office tätig, arbeiteten laut einer IFES-Erhebung im April und Oktober 2020 bereits rund 40 Prozent der Beschäftigten von Zuhause aus. Nach mehrmonatigen Verhandlungen haben sich Sozialpartner und Bundesregierung in der Vorwoche auf eine Home-Office-Regelung geeinigt. Die Bemühungen der AK haben sich ausgezahlt, endlich gibt es klare Rahmenbedingungen für die Arbeit zuhause. Zentraler Punkt ist die Freiwilligkeit. Niemand kann gezwungen werden, im Home-Office zu arbeiten. Die Nutzung von Home-Office muss in Zukunft schriftlich vereinbart werden.

Die neuen Regeln stellen klar, dass der Arbeitgeber Arbeitsmittel wie Laptop, Handy und WLAN bereitstellen oder einen Kostenersatz zahlen muss. Die Abschreibung von Kosten für Anschaffungen und die Steuerfreiheit für Zuschüsse vom Arbeitgeber sorgen dafür, dass Betroffene einen finanziellen Ausgleich bekommen. Zudem ist nunmehr das wichtige Thema Unfallversicherung geregelt. Das betrifft auch Wegunfälle vom Home-Office in die Arbeitsstätte, zu einem Arzttermin oder wenn man die Kinder in den Kindergarten bringt.

AK Home-Office Test Tool: H.O.T.T.

Die AK Oberösterreich hat mit dem Home-Office-Test-Tool H.O.T.T. ein interaktives Serviceangebot für die Beschäftigten entwickelt. Dieses bietet wichtige Informationen zur Home-Office-Thematik und stellt zehn Fragen an den Nutzer/-innen. Die individuelle Auswertung liefert Erkenntnisse zur persönlichen Arbeitsplatzgestaltung sowie zu organisatorischen und rechtlichen Aspekten. Weitere Infos und eine Home-Office-Mustervereinbarung werden per E-Mail zugesandt. Mehr unter hott.arbeiterkammer.at.

Telefone liefen auch in der AK Schärding heiß

Die weltweite Krise forderte die Arbeitnehmer/-innen auch im Bezirk Schärding so stark wie noch nie: Zu den traditionell häufigen Anfragen rund um die Beendigung von Arbeitsverhältnissen, zum Entgelt und zu Invaliditäts- und Berufsunfähigkeitspension kamen neue Themen hinzu. Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit, die Angst vor Jobverlust, Probleme bei der Organisation der Kinderbetreuung und finanzielle Sorgen ließen viele Beschäftigte verzweifeln - und die Telefone der Bezirksstelle heiß laufen.

Dabei war die Beratung der AK-Mitglieder alles andere als einfach: „Wir mussten Mitte März praktisch über Nacht unser System umstellen, um auch im Lockdown ein zuverlässiges Beratungsangebot sicherzustellen. Einen großen Teil der Anfragen haben wir im Home-Office und über Mobiltelefon bearbeitet. Das viel größere Problem war aber die Flut an Gesetzen, Verordnungen und Erlässen. Die rechtlichen Grundlagen waren zum Teil missverständlich und unklar formuliert, wurden permanent geändert, zum Teil übers Wochenende oder in der Nacht, und sie hinkten oft wochenlang den Ankündigungen der Regierung hinterher. Das machte es schwierig, seriöse Auskünfte zu geben“, sagt Wolfgang Schwarz.

4.515 Beratungen - E-Mail-Anfragen fast verdoppelt

Fast drei Viertel der Ratsuchenden nahmen eine telefonische Beratung in Anspruch, die persönlichen Beratungen gingen um 30 Prozent zurück. Sprunghaft gestiegen sind hingegen die E-Mail-Anfragen - von 142 auf 262. Zusätzlich haben die Bildungsexperten/-innen 66 persönliche Bildungsberatungen durchgeführt.

In 79 gerichtlich oder außergerichtlich erledigten arbeitsrechtlichen Fällen wurden im vergangenen Jahr 253.842 Euro hereingebracht. Im Fall mit dem größten Streitwert erreichte die AK eine Nachzahlung von mehr als 28.000 Euro. Aber auch bei kleinen Summen kämpften die Rechtsexperten/-innen konsequent um die berechtigten Ansprüche ihrer Mitglieder. In einem Fall musste die AK wegen 100 Euro vor Gericht ziehen – mit Erfolg.

In Sozialrechtsangelegenheiten (Pensionen, Renten, Pflegegeld) erstritt die AK Schärding im vergangenen Jahr in 99 Fällen insgesamt 3,111.354 Euro.

Zusätzlich wurden 2020 für Arbeitnehmer/-innen aus insolventen Betrieben 377.962 Euro durchgesetzt. In Summe erreichte die AK Schärding im Vorjahr an arbeits- und sozialrechtlichen Ansprüchen sowie an Forderungen nach Insolvenzen für ihre Mitglieder Zahlungen von insgesamt 3,743.158 Euro.

Auf einen Blick: Die Bilanz 2020 der AK Schärding

Beratungen4.515
  • davon telefonisch
  • davon persönlich
  • davon schriftlich oder per E-Mail
3.265
988
262
Vertretungen178
  • davon im Arbeitsrecht
  • davon im Sozialrecht
79
99
Vertretungserfolg3,743.158
  • davon außergerichtlich
  • davon gerichtlich
    • davon im Sozialrecht
    • davon im Insolvenz­verfahren
91.157
162.684
3,11.354
377.962

Ein Arbeiter aus dem Bezirk Schärding war rund zweieinhalb Monate bei einer Firma in Traun beschäftigt, ehe sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf eine einvernehmliche Auflösung des Arbeitsverhältnisses verständigten.

Weniger einig waren sie sich bei der Abrechnung von unbezahlten Überstunden. Die Firma behauptete, den Großteil bereits bezahlt zu haben – der Mann hingegen verwies darauf, dass neben den bereits bezahlten 16,5 Überstunden noch weitere 24 Stunden offengeblieben waren. Da sich die beiden Streitparteien nicht einigen konnten und auch eine AK-Intervention kein Einsehen beim Arbeitgeber bewirkte, reichte die AK Klage beim Arbeits- und Sozialgericht ein. Auf ein Verfahren wollte es die Firma aber dann doch nicht ankommen lassen. Kurz nach Einbringung der Klage überwies sie ihrem ehemaligen Mitarbeiter den Gegenwert von 24 Überstunden – knapp 490 Euro.

Sozialrecht: Invaliditätspension erkämpft

Immer wieder werden falsche Behauptungen über die gesetzlichen Pensionen in der öffentlichen Diskussion aufgestellt. Dass es gar nicht so leicht ist, eine Pension zu bekommen, davon kann ein Arbeiter aus dem Bezirk Schärding „ein Lied singen“. Dem Mann wurde 2019 die Invaliditätspension verweigert, obwohl er mehrere schmerzhafte Erkrankungen aufweist, die ihm das Ausüben seines Berufes unmöglich machten: unter anderem einen Bandscheiben­vorfall, permanente Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule, der Schultern und der Gelenke sowie Bluthochdruck. An eine Berufstätigkeit war nicht zu denken. Darum klagte die AK Schärding gegen den ablehnenden Bescheid – und durfte sich mit dem schwerkranken Mann über einen schönen Erfolg freuen: Er bekam im vergangenen Jahr nach neuerlicher Begutachtung die Invaliditätspension unbefristet zugesprochen.

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Elfriede Schober © K. Maier, Arbeiterkammer Oberösterreich
Elfriede Schober © K. Maier, Arbeiterkammer Oberösterreich
AK-Vizepräsidentin Elfriede Schober
Bezirksstellenleiter Mag. Wolfgang Schwarz © Erwin Wimmer, Arbeiterkammer Oberösterreich
Bezirksstellenleiter Mag. Wolfgang Schwarz © Erwin Wimmer, Arbeiterkammer Oberösterreich
AK-Bezirksstellenleiter Mag. Wolfgang Schwarz
Bezirksstelle Schärding © -, Arbeiterkammer Oberösterreich
Bezirksstelle Schärding © -, Arbeiterkammer Oberösterreich
AK-Bezirksstelle Schärding
Beratung © Langstein Pictures, Arbeiterkammer Oberösterreich
Beratung © Langstein Pictures, Arbeiterkammer Oberösterreich
Beratung

Die Zahl der Anfragen erreichte eine neue Rekordhöhe: Rund 375.000 Anfragen bearbeiteten die AK-Expertinnen und -Experten im vergangenen Jahr.

Elfriede Schober

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