03.12.2019

Die Leistungs­bilanz der Beschäftigten aus dem Bezirk Rohrbach

Egal ob auf der Baustelle, im Forschungslabor, im Kindergarten, an der Supermarktkassa oder im Lohnbüro. Und darüber hinaus beim Roten Kreuz und bei der Feuerwehr – überall dort arbeiten die wahren Leistungsträger/-innen, nämlich die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Ohne sie stünde im Bezirk Rohrbach und im gesamten Bundesland alles still. Die Arbeiterkammer Oberösterreich holt daher ihre Leistungen vor den Vorhang – mit der neuesten Leistungsbilanz der Beschäftigten aus dem Bezirk Rohrbach. 

Im Jahresdurchschnitt 2018 waren im Bezirk Rohrbach 24.282 Menschen unselbständig beschäftigt – um 0,6 Prozent mehr als im Jahr zuvor und um 8 Prozent mehr als vor 10 Jahren. Das ist der viertniedrigste Zuwachs aller oberösterreichischen Bezirke im vergangenen Jahrzehnt und sogar der geringste im Vergleich zum Vorjahr. Von diesem Zuwachs der letzten 10 Jahre haben Frauen (plus 15,9 Prozent) in viel höherem Ausmaß profitiert als Männer (plus 2,4 Prozent – der schwächste Zuwachs in ganz Oberösterreich). 

Die Erwerbsquote liegt im Bezirk Rohrbach mit 78,6 Prozent minimal über dem Landesdurchschnitt. Das heißt, dass mehr als drei Viertel aller Frauen und 8 von 10 Männern aus dem Bezirk erwerbstätig sind. 37 Prozent aller Beschäftigten haben einen Teilzeitjob – mehr als 64 Prozent der Frauen und fast 15 Prozent der Männer. Bei den Frauen ist das der höchste Teilzeitanteil aller Bezirke, bei den Männern der dritthöchste und insgesamt hat Rohrbach knapp hinter Freistadt die zweithöchste Teilzeitquote.

Mann und Frau arbeiten getrennt

Mehr als 4 von 10 Beschäftigten sind in Kleinstbetrieben mit weniger als 10 Mitarbeitern/-innen tätig. In Großbetrieben mit mehr als 100 Beschäftigten arbeitet hingegen nur knapp ein Sechstel der in Rohrbach berufstätigen Arbeitnehmer/-innen. Die größten Firmen im Bezirk sind:

  • die Firma Internorm in Sarleinsbach,
  • das Klinikum Rohrbach,
  • der Sozialhilfeverband Rohrbach,
  • die auf mehrere Orte im Bezirk verteilte Arcus-Gruppe,
  • die Priglinger Holding mit den beiden Firmen Biohort in Neufelden und Ascendor in Niederwaldkirchen sowie
  • die Firma Röchling Leripa Papertech in Oepping.

Den höchsten Frauenanteil gibt es mit knapp 80 Prozent im Gesundheits- und Sozialwesen. Von den Beschäftigten am Bau sind mehr als 85 Prozent Männer. Die größte Einzelbranche ist die Herstellung von Waren – auch hier arbeiten vorwiegend Männer.

Tourismus wächst

Erwähnenswert ist die Entwicklung im Tourismus: Die Landesgartenschau in Aigen-Schlägl brachte heuer rund 242.000 Gäste – davon vorwiegend Tagesgäste – in die Region. Aber auch die Nächtigungszahlen haben sich in den vergangenen Jahren sowohl im Sommer wie auch im Winter sehr positiv entwickelt. In den letzten 3 Wintersaisonen wurde ein Nächtigungszuwachs von plus 32,4 Prozent erzielt.

Arbeitslose suchen intensiv nach neuen Jobs

Im vergangenen Jahr waren im Bezirk Rohrbach durchschnittlich 678 Personen arbeitslos, 197 befanden sich in Schulungsmaßnahmen des Arbeitsmarktservice und 20 Jugendliche suchten eine Lehrstelle. Die registrierte Arbeitslosigkeit lag bei 2,7 Prozent – das ist deutlich unter dem Landesdurchschnitt von 5 Prozent und sogar die niedrigste Arbeitslosenquote aller oberösterreichischen Bezirke. Mehr als drei Viertel der Arbeitsuchenden aus dem Bezirk Rohrbach haben innerhalb von 3 Monaten eine neue Beschäftigung gefunden.

Rohrbacher haben weite Arbeits­wege

Deutlich mehr als 80 Prozent der unselbständig Beschäftigten aus dem Bezirk Rohrbach müssen aus ihrer Heimatgemeinde auspendeln, um zur Arbeit zu gelangen. Der Anteil der Bezirksauspendler/-innen liegt bei 43 Prozent. Der Großteil pendelt nach Linz und in den Bezirk Linz-Land. Umgekehrt pendeln etwas mehr Arbeitskräfte aus Tschechien und Bayern nach Rohrbach als umgekehrt.



Viele Beschäftigte aus dem Bezirk Rohrbach legen weite Wegstrecken zurück, um in die Arbeit und wieder nach Hause zu kommen. Fast die Hälfte der Beschäftigten aus dem Bezirk pendelt jeden Tag mehr als 40 Kilometer und knapp 20 Prozent fahren sogar mehr als 100 Kilometer zu ihrem Arbeitsplatz und zurück nach Hause. Das ist im oberösterreichischen Bezirksvergleich der höchste Anteil an „Fernpendlern“. Für sie kostet die berufliche Mobilität viel Geld und wertvolle Zeit. Umgekehrt beschert das Pendeln den in Rohrbach lebenden und im Zentralraum arbeitenden Beschäftigten deutlich höhere Einkommen.

Die Rohrbacher Beschäftigten sind produktiv

Im vergangenen Jahr ist es der AK gelungen, die veröffentlichten Jahresabschlüsse beinahe aller oberösterreichischen Mittel- und Großbetriebe (mit Ausnahme von Banken, Versicherungen und Non-Profit-Unternehmen) mit mehr als 49 Beschäftigten zu analysieren. Im Bezirk Rohrbach sind das 20 Unternehmen mit rund 2.500 Beschäftigten.



Was sie im Bilanzjahr 2017 vollbracht haben, kann sich sehen lassen: Die Pro-Kopf-Wertschöpfung (also jener Betrag, der pro Kopf erwirtschaftet wird) lag bei mehr als 67.000 Euro. Zieht man davon die durchschnittlichen Personalkosten ab, bleiben den Unternehmen jährlich immer noch rund 16.200 Euro pro Mitarbeiterin und Mitarbeiter.

Erfindungen aus Rohrbach

Aber die Beschäftigten sind nicht nur produktiv, sondern auch innovativ und erfinderisch. Sei es direkt bei der Arbeit, wo viele Beschäftigte mit ihren Erfahrungen und ihrem Wissen aus dem täglichen Arbeitsprozess neue Ideen entwickeln, sei es im Hochschulsektor oder in den Forschungsabteilungen der Betriebe. Im vergangenen Jahr wurden beim Österreichischen Patentamt rund 2.400 Erfindungen aus ganz Österreich angemeldet, weltweit sogar mehr als 11.000 aus Österreich stammende Patente. Im Bundesländervergleich liegt Oberösterreich hier traditionell auf Platz 1. Im Bezirk Rohrbach wurden im Vorjahr 8 Erfindungen angemeldet.

Es sind aber nicht nur diese Spitzenleistungen, die unsere Arbeitnehmer/-innen zu den wahren Leistungsträgern der Gesellschaft machen. Es ist auch ihr täglicher Arbeitseinsatz, ihre Bereitschaft zur Mehrleistung, wenn es der Arbeitsaufwand erfordert, ihre Bereitschaft zur (beruflichen) Weiterbildung, ihr ehrenamtliches Engagement, ihr familiärer Einsatz in der Kinderbetreuung und Altenpflege. 

Um die Arbeitsleistung der Beschäftigten zu beziffern, seien nur 2 weitere Zahlen erwähnt: Mehr als eine Milliarde beruflicher Arbeitsstunden werden laut Statistik Austria jährlich in Oberösterreich geleistet, davon sind knapp 39 Millionen Überstunden beziehungsweise Mehrarbeitsstunden – diese Daten können allerdings nicht nach Bezirken aufgeschlüsselt werden. 

Der Dank: niedrige Löhne

Der wirtschaftliche Aufschwung ist auf den Gehaltskonten der Beschäftigten bislang nicht zu verspüren. Denn viele Arbeitnehmer/-innen bekommen für ihre herausragenden Leistungen nach wie vor keine gerechte Gegenleistung ausbezahlt. Rohrbach liegt bei den Einkommen (traditionell) auf einem der hintersten Plätze. Vor allem Frauen aus dem Bezirk Rohrbach, und hier insbesondere Arbeiterinnen, müssen (unter anderem aufgrund von Teilzeitbeschäftigung) mit niedrigen Einkommen auskommen. Der Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen beträgt 43,7 Prozent – um mehr als 6 Prozentpunkte mehr als im Landesdurchschnitt. Und das obwohl auch die Männereinkommen zu den niedrigsten im ganzen Landes- und Bundesgebiet zählen.



Am besten steigen noch die männlichen Angestellten mit mittleren Bruttogehältern von 3.076 Euro aus. Arbeiterinnen werden mit 1.197 Euro abgespeist. Quer über alle Beschäftigungsformen, Branchen und Berufe hinweg bekommen die Beschäftigten im Bezirk Rohrbach mittlere Bruttoeinkommen von 1.980 Euro monatlich. Das reicht lediglich für den 17. und vorletzten Rang im Bezirksvergleich (knapp vor Freistadt) und liegt um 370 Euro unter dem Oberösterreich-Median.

Die Beschäftigten sind die größten Steuer­zahler

Die oberösterreichischen Beschäftigten sind nicht nur an ihren Arbeitsplätzen die wichtigsten Leistungsträger/-innen – sie finanzieren auch zum größten Teil den Staat und das Gemeinwesen. Fast 7 Milliarden Euro haben sie im Jahr 2017 an Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträgen geleistet. Berücksichtigt man auch die Konsumsteuern, tragen die Beschäftigten in unserem Bundesland wesentlich mehr zur Finanzierung der staatlichen Leistungen bei, als die Gewinnsteuern aller Unternehmen in ganz Österreich ausmachen.

Die rund 28.700 im Bezirk Rohrbach wohnenden Beschäftigten (einschließlich der öffentlich Bediensteten und Beamten/-innen) haben im Jahr 2017 insgesamt rund 243 Millionen Euro Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge (die sogenannten Arbeitnehmerbeiträge) gezahlt. Das sind rund 8.500 Euro pro Arbeitnehmerin und Arbeitnehmer.

Es muss sich etwas ändern

Die Beschäftigten aus dem Bezirk Rohrbach sind die mit Abstand wichtigsten Leistungsträger/-innen im Bezirk. Dafür haben sie es verdient, anständig behandelt zu werden. Aber die Realität spricht oft eine andere Sprache: Arbeitsrechtsverstöße, Kündigungen im Krankenstand, unbezahlte Überstunden, Arbeiten auf Abruf, um nur einige Respektlosigkeiten zu nennen. Wo immer es geht, verhilft die Arbeiterkammer ihren Mitgliedern zu mehr Gerechtigkeit.

Den mobilen, flexiblen, produktiven, innovativen und fleißigen Beschäftigten haben es die Unternehmen zu verdanken, dass sie gut verdienen. Österreichweit ist die Produktivität in den vergangenen 20 Jahren doppelt so stark gestiegen wie die von den Unternehmen bezahlten Arbeitskosten. Das heißt: Die Früchte der Arbeit sind sehr ungleich verteilt, weil die Eigentümer/-innen der Unternehmen überproportional von den Leistungen der Beschäftigten profitieren.

Angriffe auf den Sozialstaat, wie sie in regelmäßigen Abständen von neoliberalen Unternehmensvertretern/-innen und konservativen Politikern/-innen vorgetragen werden, sind nicht akzeptabel. Denn die Beschäftigten zahlen sich mit ihrer Steuerleistung die Absicherung bei Krankheit, Arbeitslosigkeit oder in der Pension ohnehin selbst. Sie zahlen auch die Kindergärten, die Pflegeheime, die staatlichen Museen – alles Einrichtungen, die nicht nur von den Beschäftigten genutzt, aber vorwiegend von ihnen finanziert werden.

Die AK fordert daher:

  • kräftige Lohn- und Gehaltserhöhungen auf Basis der hohen Produktivität sowie eine Anhebung der KV-Löhne und Gehälter auf mindestens 1.700 Euro,

  • die Rücknahme der gesetzlichen Arbeitszeitverlängerung, die Kürzung der Normalarbeitszeit auf 35 Stunden, ein Recht auf die 4-Tage-Woche und die sechste Urlaubswoche nach 25 Arbeitsjahren für alle. Unternehmen sollen für jede Überstunde im Betrieb einen Euro Überstundenabgabe zahlen;

  • die Senkung der Lohnsteuer, einen steuerlichen Wohnbonus und eine Millionärssteuer,

  • sowie die Umwandlung der Pendlerpauschale in eine kilometerabhängige Direktzahlung.
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