22.11.2019

Die Leistungs­bilanz der Beschäftigten aus dem Bezirk Perg

Egal ob auf der Baustelle, im Forschungslabor, im Kindergarten, an der Supermarktkassa oder im Lohnbüro. Und darüber hinaus beim Roten Kreuz und bei der Feuerwehr – überall dort arbeiten die wahren Leistungsträger/-innen, nämlich die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Ohne sie stünde im Bezirk Perg und im gesamten Bundesland alles still. 

Die Arbeiterkammer Oberösterreich holt daher ihre Leistungen vor den Vorhang – mit der neuesten Leistungsbilanz der Beschäftigten aus dem Bezirk Perg. 

Im Jahresdurchschnitt 2018 waren im Bezirk Perg 29.776 Menschen unselbständig beschäftigt – um 1,9 Prozent mehr als im Jahr zuvor und um 8,9 Prozent mehr als vor 10 Jahren. Das ist der fünftschwächste Zuwachs aller oberösterreichischen Bezirke. Von diesem Zuwachs haben Frauen (plus 15,5 Prozent) in viel höherem Ausmaß profitiert als Männer (plus 4,2 Prozent). 

Die Erwerbsquote liegt im Bezirk Perg mit 78,5 Prozent im Landesdurch-schnitt. Das heißt, dass drei Viertel aller Frauen und 81 Prozent der Männer aus dem Bezirk erwerbstätig sind. Mehr als ein Drittel aller Beschäftigten hat einen Teilzeitjob – 6 von 10 Frauen und fast 13 Prozent der Männer. 

Gesundheits­berufe weiblich, Bau und Produktion männlich

Mehr als ein Drittel der Beschäftigten ist in Kleinstbetrieben mit weniger als 10 Mitarbeitern/-innen tätig. In Großbetrieben mit mehr als 100 Beschäftigten arbeitet hingegen nur gut ein Viertel der in Perg berufstätigen Arbeitnehmer/-innen. Die größten Firmen im Bezirk sind:

  • die Firma Engel Austria in Schwertberg
  • die Firma Habau in Perg
  • die Firma Greisinger in Münzbach
  • die Firma Carpe Diem Austrian Operarius in Luftenberg
  • der Sozialhilfeverband Perg und
  • die Firma Synthesa Chemie in Perg

Im Bezirk konzentriert sich fast die Hälfte der Arbeitsplätze auf die Gemeinden Perg, Schwertberg und Mauthausen sowie auf die Branchen Produktion, Bau und Handel. Den höchsten Frauenanteil gibt es es mit 80,5 Prozent im Gesundheits- und Sozialwesen. 

Von den Beschäftigten am Bau sind mehr als 87 Prozent Männer. Im Vergleich zum gesamten Bundesland, wo 7 Prozent der Arbeitsplätze auf das Bauwesen entfallen, spielt diese Branche im Bezirk Perg eine doppelt so große Rolle (14,6 Prozent aller Jobs im Bezirk). Die größte Einzelbranche ist die Herstellung von Waren – auch hier arbeiten vorwiegend Männer.

Arbeits­lose suchen intensiv nach Jobs

Im vergangenen Jahr waren im Bezirk Perg durchschnittlich 1.171 Personen arbeitslos, 374 befanden sich in Schulungsmaßnahmen des Arbeitsmarktservice und 22 Jugendliche suchten eine Lehrstelle. Die registrierte Arbeitslosigkeit lag bei 3,8 Prozent und damit deutlich unter dem Landesdurchschnitt von 5 Prozent. 7 von 10 Arbeitsuchenden aus dem Bezirk Perg haben innerhalb von 3 Monaten eine neue Beschäftigung gefunden.

Viele Perger fahren weit zur Arbeit

82 Prozent der unselbständig Beschäftigten aus dem Bezirk Perg müssen aus ihrer Heimatgemeinde auspendeln, um zur Arbeit zu gelangen – Tendenz weiter steigend. Der Anteil der Bezirksauspendler/-innen liegt bei 52 Prozent. Etwa ein Viertel aller im Bezirk wohnhaften Beschäftigten pendelt in die Landeshauptstadt Linz. Große Pendlerströme gibt es auch nach Linz-Land und Niederösterreich.


Viele Beschäftigte aus dem Bezirk Perg legen weite Wegstrecken zurück, um in die Arbeit und wieder nach Hause zu kommen. Mehr als 43 Prozent der Be-schäftigten aus dem Bezirk pendeln jeden Tag mehr als 40 Kilometer und knapp zehn Prozent fahren sogar mehr als 100 Kilometer zu ihrem Arbeits-platz und zurück nach Hause. Für sie kostet die berufliche Mobilität viel Geld und wertvolle Zeit.

Perger Beschäftigte sind produktiv

Im vergangenen Jahr ist es der Arbeiterkammer gelungen, die veröffentlichten Jahresabschlüsse beinahe aller oberösterreichischen Mittel- und Großbetriebe (mit Ausnahme von Banken, Versicherungen und Non-Profit-Unternehmen) mit mehr als 49 Beschäftigten zu analysieren. Im Bezirk Perg sind das 24 Unternehmen mit mehr als 7.700 Beschäftigten. 


Was sie im Bilanzjahr 2017 vollbracht haben, kann sich sehen lassen: Die Pro-Kopf-Wertschöpfung (also jener Betrag, der pro Kopf erwirtschaftet wird) lag bei mehr als 80.000 Euro. Zieht man davon die durchschnittlichen Personal-kosten ab, bleiben den Unternehmen jährlich immer noch fast 25.000 Euro pro Mitarbeiterin und Mitarbeiter.

Arbeit­nehmer sind er­finderisch

Aber die Beschäftigten sind nicht nur produktiv, sondern auch innovativ und erfinderisch. Sei es direkt bei der Arbeit, wo viele Beschäftigte mit ihren Erfahrungen und ihrem Wissen aus dem täglichen Arbeitsprozess neue Ideen entwickeln, sei es im Hochschulsektor oder in den Forschungsabteilungen der Betriebe. Im vergangenen Jahr wurden beim Österreichischen Patentamt rund 2.400 Erfindungen aus ganz Österreich angemeldet, weltweit sogar mehr als 11.000 aus Österreich stammende Patente. Im Bundesländervergleich liegt Oberösterreich hier traditionell auf Platz 1. Im Bezirk Perg wurden im Vorjahr 54 Erfindungen angemeldet.

Es sind aber nicht nur diese Spitzenleistungen, die unsere Arbeitnehmer/-innen zu den wahren Leistungsträgern der Gesellschaft machen. Es ist auch ihr täglicher Arbeitseinsatz, ihre Bereitschaft zur Mehrleistung, wenn es der Arbeitsaufwand erfordert, ihre Bereitschaft zur (beruflichen) Weiterbildung, ihr ehrenamtliches Engagement, ihr familiärer Einsatz in der Kinderbetreuung und Altenpflege. 

Um die Arbeitsleistung der Beschäftigten zu beziffern, seien nur 2 weitere Zahlen erwähnt: Mehr als eine Milliarde beruflicher Arbeitsstunden werden laut Statistik Austria jährlich in Oberösterreich geleistet, davon sind knapp 39 Millionen Überstunden oder Mehrarbeitsstunden – diese Daten können allerdings nicht nach Bezirken aufgeschlüsselt werden. 

Einkommen im Bezirk Perg nur durchschnittlich

Der wirtschaftliche Aufschwung ist auf den Gehaltskonten der Beschäftigten bislang nicht zu verspüren. Denn viele Arbeitnehmer/-innen bekommen für ihre herausragenden Leistungen nach wie vor keine gerechte Gegenleistung ausbezahlt. Vor allem Frauen aus dem Bezirk Perg, und hier insbesondere Arbeiterinnen, müssen (unter anderem aufgrund von Teilzeitbeschäftigung) mit niedrigen Einkommen auskommen. Der Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen beträgt fast 40 Prozent – um 2,3 Prozentpunkte mehr als im Landesdurchschnitt.

Am besten steigen die männlichen Angestellten mit mittleren Bruttogehältern von 3.779 Euro aus. Das sind die zweithöchsten Männereinkommen bei den Angestellten nach Steyr-Stadt. Arbeiterinnen hingegen werden mit 1.366 Euro brutto pro Monat abgespeist.

Quer über alle Beschäftigungsformen, Branchen und Berufe hinweg bekommen die Beschäftigten im Bezirk Perg mittlere Bruttoeinkommen von 2.315 Euro monatlich. Das ergibt den achten Rang im Bezirksvergleich und liegt um 35 Euro unter dem Oberösterreich-Median.

Beschäftigte sind größte Steuerzahler

Die oberösterreichischen Beschäftigten sind nicht nur an ihren Arbeitsplätzen die wichtigsten Leistungsträger/-innen – sie finanzieren auch zum größten Teil den Staat und das Gemeinwesen. Fast 7 Milliarden Euro haben sie im Jahr 2017 an Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträgen geleistet. Berücksichtigt man auch die Konsumsteuern, tragen die Beschäftigten in unserem Bundesland wesentlich mehr zur Finanzierung der staatlichen Leistungen bei, als die Gewinnsteuern aller Unternehmen in ganz Österreich ausmachen.

Die knapp 35.000 im Bezirk Perg wohnenden Beschäftigten (einschließlich der öffentlich Bediensteten und Beamten/-innen) haben im Jahr 2017 insgesamt rund 320 Millionen Euro Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge (die so-genannten Arbeitnehmerbeiträge) gezahlt. Das sind rund 9.200 Euro pro Ar-beitnehmerin und Arbeitnehmer.

Fazit und Forderungen

Die Beschäftigten aus dem Bezirk Perg sind die mit Abstand wichtigsten Leistungsträger/-innen im Bezirk. Dafür haben sie es verdient, anständig behandelt zu werden. Aber die Realität spricht oft eine andere Sprache: Arbeitsrechtsverstöße, Kündigungen im Krankenstand, unbezahlte Überstunden, Arbeiten auf Abruf, um nur einige Respektlosigkeiten zu nennen. Wo immer es geht, verhilft die Arbeiterkammer ihren Mitgliedern zu mehr Gerechtigkeit.

Den mobilen, flexiblen, produktiven, innovativen und fleißigen Beschäftigten haben es die Unternehmen zu verdanken, dass sie gut verdienen. Österreich-weit ist die Produktivität in den vergangenen 20 Jahren doppelt so stark gestiegen wie die von den Unternehmen bezahlten Arbeitskosten. Das heißt: Die Früchte der Arbeit sind sehr ungleich verteilt, weil die Eigentümer/-innen der Unternehmen überproportional von den Leistungen der Beschäftigten profitieren.

Angriffe auf den Sozialstaat, wie sie in regelmäßigen Abständen von neolibera-len Unternehmensvertretern/-innen und konservativen Politikern/-innen vor-getragen werden, sind nicht akzeptabel. Denn die Beschäftigten zahlen sich mit ihrer Steuerleistung die Absicherung bei Krankheit, Arbeitslosigkeit oder in der Pension ohnehin selbst. Sie zahlen auch die Kindergärten, die Pflegeheime, die staatlichen Museen – alles Einrichtungen, die nicht nur von den Beschäftig-ten genutzt, aber vorwiegend von ihnen finanziert werden.

Die AK fordert daher:

  • kräftige Lohn- und Gehaltserhöhungen auf Basis der hohen Produktivität sowie eine Anhebung der KV-Löhne und Gehälter auf mindestens 1.700 Euro,

  • die Rücknahme der gesetzlichen Arbeitszeitverlängerung, die Kürzung der Normalarbeitszeit auf 35 Stunden, ein Recht auf die 4-Tage-Woche und die sechste Urlaubswoche nach 25 Arbeitsjahren für alle. Unternehmen sollen für jede Überstunde im Betrieb einen Euro Überstundenabgabe zahlen;

  • die Senkung der Lohnsteuer, einen steuerlichen Wohnbonus und eine Millionärssteuer,

  • sowie die Umwandlung der Pendlerpauschale in eine kilometerabhängige Direktzahlung.
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