17.09.2015
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Keine Ausbildung, keinen Job: 500 Junge in Kirchdorf haben düstere Zukunftsaussichten

Eine aktuelle Studie des Instituts für Berufs- und Erwachsenenbildungsforschung im Auftrag der AK stellt der Jugendbeschäftigungspolitik in Oberösterreich ein schlechtes Zeugnis aus. Zwar arbeiten die Praktiker/-innen sehr engagiert und gibt es viele Angebote – diese sind aber nicht niederschwellig genug und außerdem schlecht koordiniert. Zudem kommt es häufig zu Fehlzuweisungen, und es mangelt an Ressourcen für individuelle Betreuung sowie wichtige Begleitangebote. Die AK fordert einmal mehr vom Land Oberösterreich, eine Jugendausbildungsgesellschaft einzusetzen. 

Ende August 2015 waren in Oberösterreich 11.633 Oberösterreicher/-innen im Alter zwischen 15 und 24 Jahren beim AMS lehrstellensuchend oder arbeitslos gemeldet bzw. in einer Schulungsmaßnahme. Hinzu kommen noch Jugendliche und Erwachsene, die weder Job noch Ausbildungsplatz haben noch beim AMS gemeldet sind. Laut der Studie sind in Oberösterreich damit bis zu 15.800 Jugendliche und junge Erwachsene (9,1 Prozent aller in diesem Alterssegment) von Ausgrenzung gefährdet, im Bezirk Kirchdorf sind es 500 (7,2 Prozent): Sie sind nicht in Beschäftigung, Ausbildung oder Schulung bzw. sind in einer AMS-Schulung und haben dabei höchstens einen Pflichtschulabschluss.

Konkrete Angebote aus einer Hand!

Neben der allgemeinen betrieblichen Lehrstellenförderung wurden 2014 in Oberösterreich 74,7 Millionen Euro für Angebote für ausgrenzungsgefährdete Jugendliche ausgegeben. Im Zuge der Studie konnten 39 Trägerorganisationen identifiziert werden, die 255 unterschiedliche Angebote organisieren - etwa Sozialarbeit, Beratung, Lernförderung, Coaching, Berufsorientierung, Berufsvorbereitung oder Ausbildungsangebote. Dass trotz des hohen Mitteleinsatzes und der vielen Angebote tausende 15- bis 24-Jährige Gefahr laufen, aus dem System zu fallen, liegt vor allem an der schlechten Koordinierung der Angebote.

Zu viele Fehlzuweisungen

Im Rahmen der Studie wurden im vergangenen Jahr Praktiker/-innen der einzelnen Institutionen befragt. Rund 45 Prozent berichteten dabei von häufigen bzw. regelmäßigen Fehlzuweisungen. Viele Jugendliche und junge Erwachsene würden niederschwelligere Angebote benötigen. AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer konkretisiert das Dilemma: „Gerade Jugendliche, die die schwerwiegendsten Probleme haben, sind von Fehlzuweisungen betroffen. Die negative Spirale dreht sich damit weiter, die Erfolgsaussichten werden geringer.“ 

AK gegen Sparen am falschen Platz

Generell ist nach Ansicht der Praktiker/-innen aufgrund eines Ressourcenmangels eine intensive Individualbetreuung schwer möglich. Vereinzelt beurteilten die Praktiker/-innen auch die Dauer der Angebote als zu kurz und kritisieren, dass für Begleitangebote wie Lernförderung oder Psychotherapie nicht ausreichend Mittel vorhanden sind. In diesem Zusammenhang bekräftigt Kalliauer die vehemente Ablehnung von Kürzungen beim AMS-Budget: „Kürzungen in diesem Bereich werden sich negativ auf die Jugendlichen auswirken, weil damit die Anzahl und Qualität der Angebote sinken würden.“ 

Jugendausbilungsgesellschaft JETZT!

Dringend notwendig aus Sicht der AK ist die verstärkte Koordinierung sämtlicher Ausbildungs- und Beschäftigungsangebote für Jugendliche. Diese müssen besser mit dem Bildungs- und Gesundheitssystem sowie den Bereichen Familie und Freizeit abgestimmt werden. Die AK fordert von der Landespolitik seit einigen Jahren eine Jugendausbildungsgesellschaft. Sie soll für ein ausreichendes Angebot an modernen Ausbildungsplätzen sorgen und alle Maßnahmen bzw. Angebote koordinieren. Kalliauer fordert die Landesverantwortlichen dazu auf, endlich einzulenken: „Angesichts der alarmierenden Ergebnisse der Studie und einer Rekordarbeitslosigkeit von Jugendlichen halte ich es für gesellschaftlich unverantwortlich, die von uns geforderte Jugendausbildungsgesellschaft nicht einzusetzen.“  

Weniger arbeitslose Jugendliche

Die Situation für Jugendliche am Arbeitsmarkt hat sich verbessert, die Arbeitslosigkeit der Unter-20-Jähren ist zurückgegangen.

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