31.10.2019

Die Leistungsbilanz der Beschäftigten aus dem Bezirk Grieskirchen

Egal ob auf der Baustelle, im Forschungslabor, im Kindergarten, an der Supermarktkassa oder im Lohnbüro. Und darüber hinaus beim Roten Kreuz und bei der Feuerwehr - überall dort arbeiten die wahren Leistungsträger/-innen, nämlich die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Ohne sie stünde im Bezirk Grieskirchen und im gesamten Bundesland alles still. Die Arbeiterkammer Oberösterreich holt daher ihre Leistungen vor den Vorhang – mit der neuesten Leistungsbilanz der Beschäftigten aus dem Bezirk Grieskirchen.  

Im Jahresdurchschnitt 2018 waren im Bezirk Grieskirchen 28.137 Menschen unselbständig beschäftigt - um 1,5 Prozent mehr als im Jahr zuvor und um 11,5 Prozent mehr als vor 10 Jahren. Das ist der fünftstärkste Zuwachs aller oberösterreichischen Bezirke. Von diesem Zuwachs haben Frauen in viel höherem Ausmaß profitiert als Männer.  

Die Erwerbsquote liegt im Bezirk Grieskirchen mit 79,3 Prozent etwas über dem Landesdurchschnitt. Das heißt, dass mehr als drei Viertel aller Frauen und 82 Prozent der Männer aus dem Bezirk erwerbstätig sind. Ein Drittel aller Beschäftigten hat einen Teilzeitjob - 59 Prozent der Frauen und rund 11 Prozent der Männer.  

Gesundheitsberufe weib­lich, Bau und Pro­duktion männ­lich

Mehr als ein Drittel der Beschäftigten ist in Kleinstbetrieben mit weniger als 10 Mitarbeitern/-innen tätig. In Großbetrieben mit mehr als 100 Beschäftigten arbeitet hingegen nur knapp ein Viertel der in Grieskirchen berufstätigen Arbeitnehmer/-innen. Die größten Firmen im Bezirk sind: 

  • die Firma Pöttinger Landtechnik im Grieskirchen,
  • die Firma Aspöck Systems in Peuerbach,
  • der Sozialhilfeverband Grieskirchen,
  • die Eurotherme Bad Schallerbach,
  • die Firma Fröling Heizkessel- und Behälterbau in Grieskirchen und
  • die Firma Gföllner Fahrzeugbau und Containertechnik in St. Georgen.

In dieser Liste fehlt der Standort Grieskirchen des Klinikums Wels-Grieskirchen mit etwa 600 Beschäftigten, die allerdings in Wels gemeldet sind. Mehr als 450 Mitarbeiter/-innen beschäftigt die Assista Soziale Dienste GmbH - diese sind zwar in Grieskirchen gemeldet, verteilen sich aber auf mehrere Standorte in ganz Oberösterreich. 

Im Bezirk konzentriert sich ein Drittel der Arbeitsplätze auf die Gemeinden Grieskirchen, Bad Schallerbach und Gaspoltshofn. Die Stadt Grieskirchen zählt zu den ganz wenigen Orten in Oberösterreich, die mehr Arbeitsplätze (rund 5.800) als Einwohner/-innen (rund 5.000) aufweisen.

Den höchsten Frauenanteil gibt es es mit 82,5 Prozent im Gesundheits- und Sozialwesen. Von den Beschäftigten am Bau sind mehr als 85 Prozent Männer. Die größte Einzelbranche ist die Herstellung von Waren - auch hier arbeiten vorwiegend Männer. 

Arbeits­lose suchen inten­siv nach Jobs

Im vergangenen Jahr waren im Bezirk Grieskirchen durchschnittlich 1.092 Personen arbeitslos, 292 befanden sich in Schulungsmaßnahmen des Arbeitsmarktservice und 20 Jugendliche suchten eine Lehrstelle. Die registrierte Arbeitslosigkeit lag bei 3,7 Prozent und damit deutlich unter dem Landesdurchschnitt von 5 Prozent. Mehr als zwei Drittel der Arbeitsuchenden aus dem Bezirk Grieskirchen haben innerhalb von 3 Monaten eine neue Beschäftigung gefunden. 

Viele Gries­kirchner nehmen weite Arbeits­wege auf sich

Fast 83 Prozent der unselbständig Beschäftigten aus dem Bezirk Grieskirchen müssen aus ihrer Heimatgemeinde auspendeln, um zur Arbeit zu gelangen - Tendenz weiter steigend. Der Anteil der Bezirksauspendler/-innen liegt bei rund 48 Prozent.  

Viele Beschäftigte aus dem Bezirk Grieskirchen legen weite Wegstrecken zurück, um in die Arbeit und wieder nach Hause zu kommen. Fast 40 Prozent der Beschäftigten aus dem Bezirk pendeln jeden Tag mehr als 40 Kilometer und 10 Prozent fahren sogar mehr als 100 Kilometer zu ihrem Arbeitsplatz und zurück nach Hause. Für sie kostet die berufliche Mobilität viel Geld und wertvolle Zeit. 

Grieskirchner Be­schäftigte sind pro­duktiv 

Im vergangenen Jahr ist es der Arbeiterkammer gelungen, die veröffentlichten Jahresabschlüsse beinahe aller oberösterreichischen Mittel- und Großbetriebe (mit Ausnahme von Banken, Versicherungen und Non-Profit-Unternehmen) mit mehr als 49 Beschäftigten zu analysieren. Im Bezirk Grieskirchen sind das 37 Unternehmen mit knapp 5.600 Beschäftigten.

Was sie im Bilanzjahr 2017 vollbracht haben, kann sich sehen lassen: Die Pro-Kopf-Wertschöpfung (also jener Betrag, der pro Kopf erwirtschaftet wird) lag bei mehr als 83.000 Euro. Zieht man davon die durchschnittlichen Personalkosten ab, bleiben den Unternehmen jährlich immer noch rund 29.700 Euro pro Mitarbeiterin und Mitarbeiter. 

Arbeitnehmer/-innen sind er­finderisch

Aber die Beschäftigten sind nicht nur produktiv, sondern auch innovativ und erfinderisch. Sei es direkt bei der Arbeit, wo viele Beschäftigte mit ihren Erfahrungen und ihrem Wissen aus dem täglichen Arbeitsprozess neue Ideen entwickeln, sei es im Hochschulsektor oder in den Forschungsabteilungen der Betriebe. Im vergangenen Jahr wurden beim Österreichischen Patentamt rund 2.400 Erfindungen aus ganz Österreich angemeldet, weltweit sogar mehr als 11.000 aus Österreich stammende Patente. Im Bundesländervergleich liegt Oberösterreich hier traditionell auf Platz 1. Im Bezirk Grieskirchen wurden im Vorjahr 27 Erfindungen angemeldet. 

Es sind aber nicht nur diese Spitzenleistungen, die unsere Arbeitnehmer/-innen zu den wahren Leistungsträgern der Gesellschaft machen. Es ist auch ihr täglicher Arbeitseinsatz, ihre Bereitschaft zur Mehrleistung, wenn es der Arbeitsaufwand erfordert, ihre Bereitschaft zur (beruflichen) Weiterbildung, ihr ehrenamtliches Engagement, ihr familiärer Einsatz in der Kinderbetreuung und Altenpflege.  

Um die Arbeitsleistung der Beschäftigten zu beziffern, seien nur 2 weitere Zahlen erwähnt: Mehr als eine Milliarde beruflicher Arbeitsstunden werden laut Statistik Austria jährlich in Oberösterreich geleistet, davon sind knapp 39 Millionen Überstunden oder Mehrarbeitsstunden - diese Daten können allerdings nicht nach Bezirken aufgeschlüsselt werden.  

Der Lohn für die harte Arbeit: Niedrige Einkommen im Bezirk Grieskirchen

Der wirtschaftliche Aufschwung ist auf den Gehaltskonten der Beschäftigten bislang nicht zu verspüren. Denn viele Arbeitnehmer/-innen bekommen für ihre herausragenden Leistungen nach wie vor keine gerechte Gegenleistung ausbezahlt. Vor allem Frauen aus dem Bezirk Grieskirchen, und hier insbesondere Arbeiterinnen, müssen (unter anderem aufgrund von Teilzeitbeschäftigung) mit niedrigen Einkommen auskommen. Der Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen beträgt 39,5 Prozent - um beinahe 2 Prozentpunkte mehr als im Landesdurchschnitt. 

Am besten steigen die männlichen Angestellten mit mittleren Bruttogehältern von 3.371 Euro aus. Quer über alle Beschäftigungsformen, Branchen und Berufe hinweg bekommen die Beschäftigten im Bezirk Grieskirchen mittlere Bruttoeinkommen von 2.218 Euro monatlich. Das reicht lediglich für den 13 Rang im Bezirksvergleich und liegt um 132 Euro unter dem Oberösterreich-Median.  

Die Beschäftigten sind die größten Steuerzahler

Die oberösterreichischen Beschäftigten sind nicht nur an ihren Arbeitsplätzen die wichtigsten Leistungsträger/-innen – sie finanzieren auch zum größten Teil den Staat und das Gemeinwesen. Fast 7 Milliarden Euro haben sie im Jahr 2017 an Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträgen geleistet. Berücksichtigt man auch die Konsumsteuern, tragen die Beschäftigten in unserem Bundesland wesentlich mehr zur Finanzierung der staatlichen Leistungen bei, als die Gewinnsteuern aller Unternehmen in ganz Österreich ausmachen. 

Die knapp 33.000 im Bezirk Grieskirchen wohnenden Beschäftigten (einschließlich der öffentlich Bediensteten und Beamten/-innen) haben im Jahr 2017 insgesamt rund 290 Millionen Euro Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge (die sogenannten Arbeitnehmerbeiträge) gezahlt. Das sind rund 8.900 Euro pro Arbeitnehmerin und Arbeitnehmer. 

Fazit und For­der­ungen

Die Beschäftigten aus dem Bezirk Grieskirchen sind die mit Abstand wichtigsten Leistungsträger/-innen im Bezirk. Dafür haben sie es verdient, anständig behandelt zu werden. Aber die Realität spricht oft eine andere Sprache: Arbeitsrechtsverstöße, Kündigungen im Krankenstand, unbezahlte Überstunden, Arbeiten auf Abruf, um nur einige Respektlosigkeiten zu nennen. Wo immer es geht, verhilft die Arbeiterkammer ihren Mitgliedern zu mehr Gerechtigkeit. 

Den mobilen, flexiblen, produktiven, innovativen und fleißigen Beschäftigten haben es die Unternehmen zu verdanken, dass sie gut verdienen. Österreichweit ist die Produktivität in den vergangenen 20 Jahren doppelt so stark gestiegen wie die von den Unternehmen bezahlten Arbeitskosten. Das heißt: Die Früchte der Arbeit sind sehr ungleich verteilt, weil die Eigentümer/-innen der Unternehmen überproportional von den Leistungen der Beschäftigten profitieren. 

Angriffe auf den Sozialstaat, wie sie in regelmäßigen Abständen von neoliberalen Unternehmensvertretern/-innen und konservativen Politikern/-innen vorgetragen werden, sind nicht akzeptabel. Denn die Beschäftigten zahlen sich mit ihrer Steuerleistung die Absicherung bei Krankheit, Arbeitslosigkeit oder in der Pension ohnehin selbst. Sie zahlen auch die Kindergärten, die Pflegeheime, die staatlichen Museen - alles Einrichtungen, die nicht nur von den Beschäftigten genutzt, aber vorwiegend von ihnen finanziert werden. 

Die AK fordert daher: 

  • kräftige Lohn- und Gehaltserhöhungen auf Basis der hohen Produktivität sowie eine Anhebung der KV-Löhne und Gehälter auf mindestens 1.700 Euro,

  • die Rücknahme der gesetzlichen Arbeitszeitverlängerung, die Kürzung der Normalarbeitszeit auf 35 Stunden, ein Recht auf die 4-Tage-Woche und die sechste Urlaubswoche nach 25 Arbeitsjahren für alle. Unternehmen sollen für jede Überstunde im Betrieb einen Euro Überstundenabgabe zahlen,

  • die Senkung der Lohnsteuer, einen steuerlichen Wohnbonus und eine Millionärssteuer,

  • sowie die Umwandlung der Pendlerpauschale in eine kilometerabhängige Direktzahlung.     
  • © 2019 AK Oberösterreich | Volksgartenstrasse 40 4020 Linz, +43 50 6906 0

  • Datenschutz
  • Impressum