03.10.2019

Leistungsbilanz der Beschäftigten in Gmunden

Ob auf der Baustelle, im Forschungslabor, im Kindergarten, an der Supermarktkassa oder im Lohnbüro - und darüber hinaus bei der Bergrettung, beim Roten Kreuz und bei der Feuerwehr – überall dort arbeiten die wahren Leistungsträger/-innen, nämlich die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Ohne sie stünde im Bezirk Gmunden und im gesamten Bundesland alles still. Die Arbeiterkammer Oberösterreich holt daher ihre Leistungen vor den Vorhang – mit der neuesten Leistungsbilanz der Beschäftigten aus dem Bezirk Gmunden.

Viele neue Arbeitsstellen im Tourismus

Im Jahresdurchschnitt 2018 waren im Bezirk Gmunden 42.142 Menschen unselbständig beschäftigt – um 1,7 Prozent mehr als im Jahr zuvor und um 7,4 Prozent mehr als vor 10 Jahren. Dabei gibt es große Unterschiede zwischen den Branchen: Während in der Papiererzeugung (Laakirchen Papier und UPM Kymmene Austria mit in Summe rund 750 Beschäftigten) in den vergangenen 3 Jahren etwa jeder fünfte Arbeitsplätze abgebaut wurde, entwickelte sich die Beschäftigung im Metallbereich im Norden des Bezirkes und im Tourismus im Inneren Salzkammergut sehr positiv. Hier schlagen die Eröffnung des neuen Kurzentrums in Bad Goisern und zweier Hotels in Gosau mit insgesamt knapp 300 neuen Arbeitsplätzen zu Buche.

Unternehmen müssen motivieren

Der größte Teil dieser neuen Jobs wurde von Arbeitskräften aus der Region besetzt. Das beweist, dass es keinen allgemeinen Fachkräftemangel gibt. Es hängt im Tourismus von den Arbeitsbedingungen und vom respektvollen Umgang mit den Beschäftigten ab, ob man Personal findet oder halten kann.

Betriebe, die ihre Beschäftigten respektlos behandeln, haben zum einen Rekrutierungsprobleme und zum anderen viele Mitarbeiter/-innen, die den Job oder sogar die Branche wechseln wollen. In keiner anderen Sparte ist der vielfache Wunsch nach Job- oder Berufswechsel so ausgeprägt, wie im Tourismus und der Gastronomie. Das belegt eine aktuelle Sonderauswertung des Österreichischen Arbeitsklima Index.

Arbeit in Gmunden wird aufgeteilt

Die Erwerbsquote liegt im Bezirk Gmunden mit 78,5 Prozent genau im Landesdurchschnitt. Das heißt, dass drei Viertel aller Frauen und 4 von 5 Männern aus dem Bezirk Gmunden unselbständig erwerbstätig sind. Etwa ein Drittel aller Beschäftigten hat einen Teilzeitjob – mehr als die Hälfte der Frauen und etwa ein Zehntel der Männer.

Etwa die Hälfte der Beschäftigten ist entweder in Kleinstbetrieben mit weniger als 5 Mitarbeitern/-innen oder in Großbetrieben mit mehr als 100 Beschäftigten tätig. Die größten Firmen im Bezirk Gmunden sind:

  • die Miba Sinter Austria in Laakirchen
  • die Miba Gleitlager Austria in Laakirchen
  • Wolf Systembau in Scharnstein
  • der Sozialhilfeverband Gmunden
  • Laakirchen Papier
  • Kieninger Bau in Bad Goisern 

Den höchsten Frauenanteil gibt es mit 80 Prozent im Gesundheits- und Sozialwesen. Von den Beschäftigten am Bau sind 86 Prozent Männer. Die größte Branche ist die Herstellung von Waren – auch hier arbeiten vorwiegend Männer (77,5 Prozent).

Wenige Arbeitslose

Im vergangenen Jahr waren im Bezirk Gmunden durchschnittlich 1.856 Personen arbeitslos, 575 befanden sich in Schulungsmaßnahmen des Arbeitsmarktservice und 23 Jugendliche suchten eine Lehrstelle. Die registrierte Arbeitslosigkeit lag bei 4,2 Prozent und damit unter dem Landesdurchschnitt von 5 Prozent. Fast drei Viertel der Arbeitsuchenden aus dem Bezirk Gmunden haben innerhalb von 3 Monaten eine neue Beschäftigung gefunden.

Als Gmundner pendelt man

Zwei Drittel der unselbständig Beschäftigten aus dem Bezirk Gmunden müssen aus ihrer Heimatgemeinde auspendeln, um zur Arbeit zu gelangen. Der Anteil der Bezirksauspendler/-innen liegt bei rund 29 Prozent. Das ist der geringste Anteil aller oberösterreichischen Bezirke.

Allerdings legen viele Beschäftigte aus dem (flächenmäßig großen) Bezirk Gmunden weite Wegstrecken zurück, um in die Arbeit und wieder nach Hause zu kommen. 29 Prozent der Beschäftigten aus dem Bezirk pendeln jeden Tag mehr als 40 Kilometer und etwas mehr als 13 Prozent fahren sogar mehr als 100 Kilometer zu ihrem Arbeitsplatz und zurück nach Hause. Für sie kostet die berufliche Mobilität viel Geld und wertvolle Zeit.

 

Beschäftigte leisten enormes!

Im vergangenen Jahr ist es der Arbeiterkammer gelungen, die Jahresabschlüsse aller oberösterreichischen Mittel- und Großbetriebe mit mehr als 49 Beschäftigten zu analysieren. Im Bezirk Gmunden sind das 63 Unternehmen mit knapp 11.000 Beschäftigten.

Was sie im Bilanzjahr 2017 vollbracht haben, kann sich sehen lassen: Die Pro-Kopf-Wertschöpfung (also jener Betrag, der pro Kopf erwirtschaftet wird) lag bei mehr als 77.000 Euro. Zieht man davon die durchschnittlichen Personalkosten ab, bleiben den Unternehmen jährlich immer noch fast 20.000 Euro pro Mitarbeiterin und Mitarbeiter.

 

Gmundener sind kreativ

Aber die Beschäftigten sind nicht nur produktiv, sondern auch innovativ und erfinderisch. Sei es direkt bei der Arbeit, wo viele Beschäftigte mit ihren Erfahrungen und ihrem Wissen aus dem täglichen Arbeitsprozess neue Ideen entwickeln, sei es im Hochschulsektor oder in den Forschungsabteilungen der Betriebe. Im vergangenen Jahr wurden beim Österreichischen Patentamt rund 2.400 Erfindungen angemeldet, weltweit sogar mehr als 11.000 aus Österreich stammende Patente. Im Bundesländervergleich liegt Oberösterreich hier traditionell auf Platz 1. Und im Bezirksranking der oberösterreichischen Bezirke nimmt der Bezirk Gmunden den ersten Platz ein. 79 Erfindungen wurden im Bezirk Gmunden im Vorjahr angemeldet. Herausragend: Die Miba-Gruppe in Laakirchen mit mehr als 50 Erfindungen.

Über 1 Milliarde Überstunden

Es sind aber nicht nur diese Spitzenleistungen, die unsere Arbeitnehmer/-innen zu den wahren Leistungsträgern der Gesellschaft machen. Es ist auch ihr täglicher Arbeitseinsatz, ihre Bereitschaft zur Mehrleistung, wenn es der Arbeitsaufwand erfordert, ihre Bereitschaft zur (beruflichen) Weiterbildung, ihr ehrenamtliches Engagement, ihr familiärer Einsatz in der Kinderbetreuung und Altenpflege.

Nur 2 Zahlen dazu: Mehr als 1 Milliarde beruflicher Arbeitsstunden werden laut Statistik Austria jährlich in Oberösterreich geleistet, davon sind knapp 39 Millionen Überstunden beziehungsweise Mehrarbeitsstunden – diese Daten können allerdings nicht nach Bezirken aufgeschlüsselt werden.

Beschäftigte werden nicht belohnt

Für ihre herausragenden Leistungen bekommen viele Arbeitnehmer/-innen keine gerechte Gegenleistung ausbezahlt. Vor allem Frauen aus dem Bezirk Gmunden, und hier insbesondere Arbeiterinnen, müssen (unter anderem aufgrund von Teilzeitbeschäftigung) mit niedrigen Einkommen auskommen.


Am besten steigen die männlichen Angestellten mit mittleren Bruttogehältern von 3.616 Euro aus. Quer über alle Beschäftigungsformen, Branchen und Berufe hinweg bekommen die Gmundner Beschäftigten mittlere Bruttoeinkommen von 2.243 Euro monatlich – um 4,6 Prozent beziehungsweise rund 100 Euro weniger als im Oberösterreich-Median. Im Bezirksvergleich nimmt Gmunden den 11. Platz ein.

Beschäftigte tragen die Steuerlast

Die oberösterreichischen Beschäftigten sind nicht nur an ihren Arbeitsplätzen die wichtigsten Leistungsträger/-innen – sie finanzieren auch zum größten Teil den Staat und das Gemeinwesen. Fast 7 Milliarden Euro haben sie im Jahr 2017 an Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträgen geleistet. Nimmt man die Konsumsteuern dazu, tragen die Beschäftigten in unserem Bundesland wesentlich mehr zur Finanzierung der staatlichen Leistungen bei, als die Gewinnsteuern aller Unternehmen in ganz Österreich ausmachen.

Die etwas mehr als 50.000 im Bezirk Gmunden wohnenden Beschäftigten (einschließlich der öffentlich Bediensteten und Beamten/-innen) haben im Jahr 2017 insgesamt rund 470 Millionen Euro Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge (die sogenannten Arbeitnehmerbeiträge) gezahlt. Das sind rund 9.300 Euro pro Arbeitnehmerin und Arbeitnehmer.

So kann es nicht weiter gehen!

Die Beschäftigten aus dem Bezirk Gmunden sind die mit Abstand wichtigsten Leistungsträger/-innen im Bezirk. Dafür haben sie es verdient, anständig behandelt zu werden. Aber die Realität spricht eine andere Sprache: Arbeitsrechtsverstöße, Kündigungen im Krankenstand, unbezahlte Überstunden, Arbeiten auf Abruf, um nur einige Respektlosigkeiten zu nennen.

Den mobilen, flexiblen, produktiven, innovativen und fleißigen Beschäftigten haben es die Unternehmen zu verdanken, dass sie gut verdienen. Österreichweit ist die Produktivität in den vergangenen 20 Jahren doppelt so stark gestiegen wie die von den Unternehmen bezahlten Arbeitskosten. Das heißt: Die Früchte der Arbeit sind sehr ungleich verteilt, weil die Eigentümer/-innen der Unternehmen überproportional von den Leistungen der Beschäftigten profitieren.

Angriffe auf den Sozialstaat, wie sie in regelmäßigen Abständen von neoliberalen Unternehmensvertretern/-innen und konservativen Politikern/-innen vorgetragen werden, sind nicht akzeptabel. Denn die Beschäftigten zahlen sich mit ihrer Steuerleistung die Absicherung bei Krankheit, Arbeitslosigkeit oder in der Pension ohnehin selbst. Sie zahlen auch die Kindergärten, die Pflegeheime, die staatlichen Museen – alles Einrichtungen, die nicht nur von den Beschäftigten genutzt, aber vorwiegend von ihnen finanziert werden.

Die Lage für Beschäftigte verbessern!

  • kräftige Lohn- und Gehaltserhöhungen auf Basis der hohen Produktivität sowie eine Anhebung der KV-Löhne und Gehälter auf mindestens 1.700 Euro,

  • die Rücknahme der gesetzlichen Arbeitszeitverlängerung, die Kürzung der Normalarbeitszeit auf 35 Stunden, ein Recht auf die 4-Tage-Woche und die sechste Urlaubswoche nach 25 Arbeitsjahren für alle. Unternehmen sollen für jede Überstunde im Betrieb 1 Euro Überstundenabgabe zahlen;

  • die Senkung der Lohnsteuer, einen steuerlichen Wohnbonus und eine Millionärssteuer,

  • sowie die Umwandlung der Pendlerpauschale in eine kilometerabhängige Direktzahlung.
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