10.10.2019

Die Leistungs­bilanz der Beschäftigten aus dem Bezirk Braunau

Egal ob auf der Baustelle, im Forschungslabor, im Kindergarten, an der Supermarktkassa oder im Lohnbüro. Und darüber hinaus beim Roten Kreuz und bei der Feuerwehr – überall dort arbeiten die wahren Leistungsträger/-innen, nämlich die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Ohne sie stünde im Bezirk Braunau und im gesamten Bundesland alles still. Die Arbeiterkammer Oberösterreich holt daher ihre Leistungen vor den Vorhang – mit der neuesten Leistungsbilanz der Beschäftigten aus dem Bezirk Braunau.

Mehr Beschäftigte als vor 10 Jahren

Im Jahresdurchschnitt 2018 waren im Bezirk Braunau 42.220 Menschen unselbständig beschäftigt – um 2,6 Prozent mehr als im Jahr zuvor und um 17,6 Prozent mehr als vor 10 Jahren. Das ist der stärkste Zuwachs aller oberösterreichischen Bezirke. Von diesem Zuwachs haben Frauen und Männer beinahe ähnlich stark profitiert.

Knapp drei Viertel aller Frauen und etwas mehr als 76 Prozent der Männer aus dem Bezirk Braunau sind erwerbstätig. Die Erwerbsquote liegt im Bezirk Braunau somit bei 74,9 Prozent – das ist deutlich unter dem Landesdurchschnitt. Allerdings wird diese Quote durch die hohe Zahl an (insbesondere männlichen) Auspendlern/-innen ins benachbarte Bayern verzerrt.

Fast ein Drittel aller Beschäftigten hat einen Teilzeitjob – 53 Prozent der Frauen und etwas mehr als ein Zehntel der Männer.

Gesundheits­berufe sind weiblich, Bau und Produktion männlich

Ein knappes Drittel der Beschäftigten ist in Kleinstbetrieben mit weniger als 10 Mitarbeitern/-innen tätig. In Großbetrieben mit mehr als 100 Mitarbeitern/-innen arbeitet ebenfalls ein Drittel der in Braunau berufstätigen Arbeitnehmer/-innen. Nur in den Statutarstädten und im Nachbarbezirk Ried spielen Großebtriebe eine derart wichtige Rolle wie in Braunau. Die größten Firmen im Bezirk sind:

  • die Firma KTM in Mattighofen,
  • die B&R Industrial Automation in Eggelsberg
  • die AMAG Rolling in Ranshofen
  • das Krankenhaus St. Josef in Braunau,
  • Hubers Landhendl in Pfaffstätt und
  • die Borbet Austria in Ranshofen.

Den höchsten Frauenanteil gibt es mit rund 82 Prozent im Gesundheits- und Sozialwesen. Von den Beschäftigten am Bau sind 84 Prozent Männer. Die mit Abstand größte Branche ist die Herstellung von Waren mit mehr als 17.000 Arbeitsplätzen – das sind fast 4 von 10 Arbeitsplätzen im Bezirk Braunau. Auch hier arbeiten vorwiegend Männer.

Arbeitslose suchen intensiv nach Jobs

Im Jahr 2018 waren im Bezirk Braunau durchschnittlich 2.413 Personen arbeitslos, 646 befanden sich in Schulungsmaßnahmen des Arbeitsmarktservice und 44 Jugendliche suchten eine Lehrstelle. Die registrierte Arbeitslosigkeit lag bei 5,4 Prozent und damit leicht über dem Landesdurchschnitt von 5 Prozent. Zwei Drittel der Arbeitsuchenden aus dem Bezirk Braunau haben innerhalb von 3 Monaten eine neue Beschäftigung gefunden.

Viele Braunauer pendeln

Mehr als drei Viertel der unselbständig Beschäftigten aus dem Bezirk Braunau müssen aus ihrer Heimatgemeinde auspendeln, um zur Arbeit zu gelangen – Tendenz weiter steigend. Der Anteil der Bezirksauspendler/-innen liegt bei rund 35 Prozent. Auch nach Salzburg und ins benachbarte Bayern pendeln viele Braunauer/-innen.

Viele Beschäftigte aus dem Bezirk Braunau legen weite Wegstrecken zurück, um in die Arbeit und wieder nach Hause zu kommen. Fast 30 Prozent der Beschäftigten aus dem Bezirk pendeln jeden Tag mehr als 40 Kilometer und 8 Prozent fahren sogar mehr als 100 Kilometer zu ihrem Arbeitsplatz und zurück nach Hause. Für sie kostet die berufliche Mobilität viel Geld und wertvolle Zeit.

 

Braunauer Beschäftigte sind produktiv

Im Jahr 2018 ist es der Arbeiterkammer gelungen, die veröffentlichten Jahresabschlüsse beinahe aller oberösterreichischen Mittel- und Großbetriebe (mit Ausnahme von Banken, Versicherungen und Non-Profit-Unternehmen) mit mehr als 49 Beschäftigten zu analysieren. Im Bezirk Braunau sind das 52 Unternehmen mit rund 15.000 Beschäftigten. 

 

Was sie im Bilanzjahr 2017 vollbracht haben, kann sich sehen lassen: Die Pro-Kopf-Wertschöpfung (also jener Betrag, der pro Kopf erwirtschaftet wird) lag bei mehr als 85.000 Euro. Zieht man davon die durchschnittlichen Personalkosten ab, bleiben den Unternehmen jährlich immer noch rund 28.000 Euro pro Mitarbeiterin und Mitarbeiter.

Arbeitnehmer sind erfinderisch

Aber die Beschäftigten sind nicht nur produktiv, sondern auch innovativ und erfinderisch. Sei es direkt bei der Arbeit, wo viele Beschäftigte mit ihren Erfahrungen und ihrem Wissen aus dem täglichen Arbeitsprozess neue Ideen entwickeln, sei es im Hochschulsektor oder in den Forschungsabteilungen der Betriebe. Im vergangenen Jahr wurden beim Österreichischen Patentamt rund 2.400 Erfindungen aus ganz Österreich angemeldet, weltweit sogar mehr als 11.000 aus Österreich stammende Patente. Im Bundesländervergleich liegt Oberösterreich hier traditionell auf Platz 1. Im Bezirk Braunau wurden im Vorjahr 22 Erfindungen angemeldet.

Es sind aber nicht nur diese Spitzenleistungen, die unsere Arbeitnehmer/-innen zu den wahren Leistungsträgern der Gesellschaft machen. Es ist auch ihr täglicher Arbeitseinsatz, ihre Bereitschaft zur Mehrleistung, wenn es der Arbeitsaufwand erfordert, ihre Bereitschaft zur (beruflichen) Weiterbildung, ihr ehrenamtliches Engagement, ihr familiärer Einsatz in der Kinderbetreuung und Altenpflege.

Nur zwei Zahlen dazu: Mehr als eine Milliarde beruflicher Arbeitsstunden werden laut Statistik Austria jährlich in Oberösterreich geleistet, davon sind knapp 39 Millionen Überstunden bzw. Mehrarbeitsstunden – diese Daten können allerdings nicht nach Bezirken aufgeschlüsselt werden.

Einkommen im Bezirk Braunau überdurchschnittlich

Der wirtschaftliche Aufschwung ist auf den Gehaltskonten sehr vieler Beschäftigter bislang nicht zu verspüren. Denn viele Arbeitnehmer/-innen bekommen für ihre herausragenden Leistungen nach wie vor keine gerechte Gegenleistung ausbezahlt. In Braunau hingegen werden (nach Steyr-Stadt und Kirchdorf) die dritthöchsten Einkommen bezahlt. 

Das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es große Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt. Vor allem Frauen, und hier insbesondere Arbeiterinnen, müssen (unter anderem aufgrund von Teilzeitbeschäftigung) mit niedrigen Einkommen auskommen.


Am besten steigen die männlichen Angestellten mit mittleren Bruttogehältern von 3.704 Euro aus. Quer über alle Beschäftigungsformen, Branchen und Berufe hinweg bekommen die Beschäftigten im Bezirk Braunau mittlere Bruttoeinkommen von 2.455  Euro monatlich – um 4,5 Prozent beziehungsweise rund 100 Euro mehr als im Oberösterreich-Median. Im Bezirksvergleich nimmt Braunau den dritten Platz ein.

Beschäftigte größte Steuerzahler

Die oberösterreichischen Beschäftigten sind nicht nur an ihren Arbeitsplätzen die wichtigsten Leistungsträger/-innen – sie finanzieren auch zum größten Teil den Staat und das Gemeinwesen. Fast 7 Milliarden Euro haben sie im Jahr 2017 an Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträgen geleistet. Berücksichtigt man auch die Konsumsteuern, tragen die Beschäftigten in unserem Bundesland wesentlich mehr zur Finanzierung der staatlichen Leistungen bei, als die Gewinnsteuern aller Unternehmen in ganz Österreich ausmachen.

Die etwas mehr als 50.000 im Bezirk Braunau wohnenden Beschäftigten (einschließlich der öffentlich Bediensteten und Beamten/-innen) haben im Jahr 2017 insgesamt mehr als 418 Millionen Euro Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge (die sogenannten Arbeitnehmerbeiträge) gezahlt. Das sind rund 8.300 Euro pro Arbeitnehmerin und Arbeitnehmer.

Fazit und Forderungen

Die Beschäftigten aus dem Bezirk Braunau sind die mit Abstand wichtigsten Leistungsträger/-innen im Bezirk. Dafür haben sie es verdient, anständig behandelt zu werden. Aber die Realität spricht oft eine andere Sprache: Arbeitsrechtsverstöße, Kündigungen im Krankenstand, unbezahlte Überstunden, Arbeiten auf Abruf, um nur einige Respektlosigkeiten zu nennen. Wo immer es geht, verhilft die Arbeiterkammer ihren Mitgliedern zu mehr Gerechtigkeit.

Den mobilen, flexiblen, produktiven, innovativen und fleißigen Beschäftigten haben es die Unternehmen zu verdanken, dass sie gut verdienen. Österreichweit ist die Produktivität in den vergangenen 20 Jahren doppelt so stark gestiegen wie die von den Unternehmen bezahlten Arbeitskosten. Das heißt: Die Früchte der Arbeit sind sehr ungleich verteilt, weil die Eigentümer/-innen der Unternehmen überproportional von den Leistungen der Beschäftigten profitieren.

Neoliberale Attacken auf Gesellschaft

Angriffe auf den Sozialstaat, wie sie in regelmäßigen Abständen von neoliberalen Unternehmensvertretern/-innen und konservativen Politikern/-innen vorgetragen werden, sind nicht akzeptabel. Denn die Beschäftigten zahlen sich mit ihrer Steuerleistung die Absicherung bei Krankheit, Arbeitslosigkeit oder in der Pension ohnehin selbst. Sie zahlen auch die Kindergärten, die Pflegeheime, die staatlichen Museen – alles Einrichtungen, die nicht nur von den Beschäftigten genutzt, aber vorwiegend von ihnen finanziert werden.

Die AK fordert daher:

  • kräftige Lohn- und Gehaltserhöhungen auf Basis der hohen Produktivität sowie eine Anhebung der KV-Löhne und Gehälter auf mindestens 1.700 Euro,

  • die Rücknahme der gesetzlichen Arbeitszeitverlängerung, die Kürzung der Normalarbeitszeit auf 35 Stunden, ein Recht auf die 4-Tage-Woche und die sechste Urlaubswoche nach 25 Arbeitsjahren für alle. Unternehmen sollen für jede Überstunde im Betrieb einen Euro Überstundenabgabe zahlen;

  • die Senkung der Lohnsteuer, einen steuerlichen Wohnbonus und eine Millionärssteuer,

  • sowie die Umwandlung der Pendlerpauschale in eine kilometerabhängige Direktzahlung.  
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