24.05.2018

Trinkwasser enthält Schadstoffe

20 Prozent der Oberösterreicher/-innen beziehen ihr Trinkwasser aus privaten Hausbrunnen. Der heurige Test von Brunnenwasser liefert ein beunruhigendes Ergebnis: Jede 5. der insgesamt 572 abgegebenen Proben wies Nitrat-Werte über dem gesetzlichen Höchstwert von 50 mg/l auf.

Die aktuellen Ergebnisse zeigen dazu einen klaren Negativtrend auf: Beim AK-Wassertest 2016 lagen 9,3 Prozent aller Proben über dem Nitrat-Grenzwert, im Vorjahr 14,2 Prozent. In einzelnen Gemeinden liegt heuer sogar jede 2. Probe über dem Grenzwert. Die Ursache für die Nitratbelastung des Trinkwassers ist Überdüngung in der Landwirtschaft. Das belegt ein ergänzender Pestizidtest.

Die Arbeiterkammer Oberösterreich fordert, Agrarförderungen an einen strengeren Grundwasserschutz zu knüpfen.

Eferding bei Nitrat-Werten trauriger Spitzenreiter

Die Nitrat-Tests wurden vom Konsumentenschutz der AK Oberösterreich im April 2018 in Gemeinden mit intensiver landwirtschaftlicher Nutzung angeboten. 572 Konsumenten/-innen haben eine Wasserprobe abgegebenen. Davon wiesen 115 Proben Nitrat-Werte über dem zulässigen Höchstwert von 50 Milligramm pro Liter (mg/l) auf, 13 davon lagen sogar über 100 mg/l.

Ein negativer Nitrat-Spitzenwert wurde mit 211 mg/l in Eferding gemessen. In der Gemeinde Sierning (Steyr-Land) waren 52,4 Prozent aller Hausbrunnenwasser über dem gesetzlichen Grenzwert, in Pupping (Eferding) 45,2 Prozent und in Steinhaus bei Wels (Wels-Land) 42,1 Prozent.

Pestizide im Trinkwasser

Die Belastung des Grundwassers mit Nitrat stammt aus der Überdüngung durch die Landwirtschaft. Um etwaige andere Eintragsquellen auszuschließen, wurden einzelne Wasserproben im Labor des Institutes für Hydroanalytik der österreichischen Agentur für Ernährungssicherheit (AGES) zusätzlich auf Pestizide untersucht.

Dabei wurden Pestizid-Rückstände gefunden, die für verschiedene Ackerkulturen (Mais, Getreide, Kartoffeln, etc.) verwendet werden. Aufgrund der erheblichen Überschreitung bei bestimmten Pestiziden beziehungsweise bei deren Abbauprodukte entsprach das Wasser einzelner Hausbrunnen nicht mehr der Trinkwassersverordnung und war deshalb nicht mehr als Trinkwasser geeignet.

Kinder vor hohen Nitratwerten schützen

Trinken Sie am besten kein Wasser mit zu hohen Nitratwerten. Insbesondere Klein- und Kleinstkinder sind bei entsprechenden Belastungen durch Nitrat gefährdet. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt für die Zubereitung von Säuglingsnahrung den Wert von 10 mg/l möglichst nicht zu überschreiten. Sehr hohe Nitratkonzentrationen können im Körper zu Nitrit umgewandelt werden und den Sauerstoffgehalt im Blut beeinträchtigen (Blausucht).

Anders als bei bakterieller Verunreinigung verbessert das Abkochen des Wassers nicht dessen Qualität. Im Gegenteil: Dadurch wird das Nitrat im Wasser nur noch stärker konzentriert.  

Tipp: Brunnenwasser regelmäßig kontrollieren

Während Wasserversorger die durch die Trinkwasserverordnung vorgegebenen Wasserwerte einhalten und laufend kontrollieren müssen, wissen nicht alle Brunnenwasser-Bezieher über den Zustand ihres Trinkwassers Bescheid. Der AK-Konsumentenschutz empfiehlt daher allen Hausbrunnenbesitzern/-innen, Trinkwasseranalysen durch ein Labor durchführen zu lassen.

AK fordert verbesserten Grundwasserschutz

Wie der aktuelle Test zeigt, ist das lebenswichtige Grundwasser in weiten Teilen Oberösterreichs belastet. Um die Gewässerverunreinigungen zu verringern und weiteren vorzubeugen, muss sich bei den Auflagen für die Förderung der Landwirtschaft etwas ändern.

Nationales Aktionsprogramm Nitrat zeigt kaum Wirkung

Seit Beginn 2018 ist das überarbeitete Aktionsprogramm Nitrat in Kraft. Zum Schutz des Grundwassers sind darin etwa Sperrfristen für Düngung oder grundsätzliche Düngeverbote geregelt und damit die Vorgaben der EU-Nitratrichtlinie umgesetzt. In Risiko-Gebieten, wie etwa dem Marchfeld oder der Traun-Enns-Platte, sind zusätzliche Bestimmungen einzuhalten.  

Dennoch zeigt der AK-Brunnenwassertest ein deutliches Versäumnis beziehungsweise den offensichtlichen Nachbesserungsbedarf des Programms auf: Um ernsthafte Verbesserungen beim Grundwasser in Risiko-Gebieten zu bewirken, braucht es mehr Kontrolle und ein zentrales Management. Zwar sind Landwirte zu einer betriebsbezogenen Dokumentation der Stickstoffdüngung ab 15 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche verpflichtet. Allerdings muss diese Aufzeichnung nicht an eine zentrale Behörde weitergegeben werden. Es fehlt also ein Überblick darüber, wann, wo, wie viel gedüngt wird und damit die Möglichkeit, die Grundwassersituation entscheidend zu verbessern.   

Zielgerichtete Förderungen für Landwirte

Die Förderungen für die Landwirtschaft sind zu wenig zielgerichtet, um wirksame Maßnahmen zum Schutz des Grundwassers, der Hausbrunnen und letztlich der Bevölkerung zu bewirken. Durch eine verstärkte Förderung grundwasserschonender Anbaumethoden könnten jedoch Grundwasserverunreinigungen deutlich reduziert werden. 

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