10.4.2017
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AK gegen Zwei-Klassen-Medizin und Kaputtsparen bei den Spitälern

Wer eine private Zusatzkrankenversicherung hat, bekommt im Spital rascher einen Operationstermin. Einer Mitgliederbefragung der Arbeiterkammer Oberösterreich zufolge sind nur 48 Prozent der Befragten mit der stationären Versorgung im Krankenhaus zufrieden. Sowohl die AK-Mitglieder als auch die ebenfalls befragten Beschäftigten im Gesundheitswesen befürchten weitere Verschlechterungen und (noch) längere Wartezeiten. Eine Ursache für diese negativen Entwicklungen sieht die AK in der vor 6 Jahren beschlossenen oberösterreichischen Spitalsreform. „Dass Einsparungen in Höhe von 1,6 Milliarden Euro nicht ohne Auswirkungen bleiben, liegt auf der Hand“, sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.

Wartezeiten auf Operation sind zu lange

Trotz der gesetzlichen Einführung des sogenannten Wartezeitenregimes bei geplanten Operationen hat sich seit 2012 wenig verändert. Dass die Wartezeiten der einzelnen Spitäler im Internet veröffentlich werden, hat nach Ansicht der AK wenig mit einem effizienten und gerechten Wartezeitenmanagement zu tun. Selbst der Landesrechnungshof zeigt auf, dass die Wartezeiten unterschiedlich lang sind. Wirklich dramatisch sind allerdings die Unterschiede zwischen „normalen“ ASVG-Versicherten und Sonderklassepatienten/-innen. So beträgt die Wartezeit auf eine Hüftprothese zum Beispiel im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Linz in der allgemeinen Gebührenklasse bis zu 20 Wochen, in der Sonderklasse nur 4 bis 6 Wochen (Stand Dezember 2016).

Für AK-Präsident Kalliauer ist das absolut inakzeptabel: „Wir brauchen ein standardisiertes Dringlichkeitsschema mit Maximalwartezeiten, das unabhängig vom Versicherungsstatus angewendet wird.“, fordert er. Neben medizinischen sollen auch soziale Kriterien (wie etwa die Arbeitsplatzsituation) zum Tragen kommen.

Hausärzte werden besser bewertet als Spitäler

Bei einer IFES-Befragung von 600 Mitgliedern der AK Oberösterreich hat sich gezeigt, dass nur 48 Prozent mit der stationären Versorgung und 47 Prozent mit der Versorgung in den Spitalsambulanzen zufrieden sind. Mit 81 Prozent Zufriedenheit erreichen die Hausärzte/-innen hier wesentlich bessere Werte.

64 Prozent der Befragten rechnen damit, dass sich die Qualität der Gesundheitsversorgung in Zukunft verschlechtern wird, 86 Prozent rechnen mit (noch) längeren Wartezeiten. Die Beschäftigten im Gesundheitswesen – befragt wurden 500, ohne Ärzte/-innen – teilen die Befürchtungen der AK-Mitglieder: 71 Prozent meinen, dass sich die Spitalsreform negativ auf die Qualität der Patientenversorgung auswirkt. 66 Prozent sehen negative Auswirkungen auf ihre Arbeitsbelastung. 88 Prozent rechnen mit längeren Wartezeiten.

Weniger Ärzte, zu wenig Pflegepersonal

Zwei Drittel der Gesundheitsbeschäftigten sehen die Personalknappheit als Problem. Dabei ist die Zahl der Pflegekräfte und Therapeuten/-innen auf Vollzeitbasis 2015 gegenüber 2010 um 3,5 Prozent gestiegen. Allerdings hat sich die Zahl der Spitalsärzte/-innen im gleichen Zeitraum um 1,6 Prozent verringert. Oberösterreich ist das einzige Bundesland, das im Jahr 2015 über weniger Spitalsärzte/-innen auf Vollzeitbasis verfügte als noch im Jahr 2010. Österreichweit ist nämlich die Zahl der Spitalsärzte/-innen um 5,1 Prozent gestiegen. 

Die AK sieht darin einen wesentlichen Grund für die Personalknappheit. „Der Beschäftigungszuwachs bei den Pflegekräften wird nicht ausreichen, um den Rückgang bei den Spitalsärzten/-innen auszugleichen, da sich immer mehr Aufgaben der medizinischen Versorgung auf die Pflegekräfte verlagern“, befürchtet AK-Präsident Kalliauer. Durch das mit 1. Jänner 2015 in Kraft getretene neue Arbeitszeitgesetz für die Spitalsärzte/-innen, das eine wöchentliche Reduktion der Arbeitszeit von 60 auf 48 Stunden vorsieht, könnte sich die Personalsituation noch weiter verschärfen.

Die AK fordert deshalb auch eine umfassende Einbindung der Spitalsbeschäftigten in die einzelnen Maßnahmen der oberösterreichischen Spitalsreform.  

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